Web 2.0: Wider die Angst

Nach körperlicher Stärkung…. auf zu neuen Abenteuern
Nachdem die Weihnachtsgans (fast) ganz verdaut ist, wird nun langsam wieder Energie in mir frei, mich mit theoretischen Fragestellungen auseinanderzusetzen… bei denen es ja gelegentlich sinnvoll ist, sich nicht nur mit dem Bauch(-gefühl), sondern sich auch verstandesmäßig auseinanderzusetzen.

Die Frage
Eine solche Fragestellung, die mir gerade über meine Lerngruppe im eEducation-Studiengang zugetragen worden ist, ist jene, über welche pädagogische Handlung man Studierenden/ Mitmenschen aller Art vermitteln kann, dass die Überwindung der eigenen Angst vor den Gefahren des Internets – die ja in der Tat existieren – lohnend sein kann.

Meine (eigene kleine) Geschichte
Meine eigene (Lern-)Geschichte meiner Öffnung in Richtung Nutzung der Möglichkeiten des Web 2.0 im weitesten Sinne lässt sich in drei Stufen beschreiben:

Stufe 1: Das Internet und hier insbesondere die Web 2.0 Verlockungen sind des Übels…. maximal zur Recherche nutzen… und vielleicht einkaufen. Vielleicht.

Stufe 2: Ich will mitmachen! Aber unerkannt. Deshalb hinein ins Getümmel gestürzt… natürlich mit neu angelegten E-Mail-Adressen und wechselnden Pseudonymen. Denn ich bin viele, also kann mir keiner was.

Stufe 3: Ich bin ich. Ich habe Vertrauen, dass meine „Statements“ nicht böswillig in einen anderen/ für mich sich falsch anfühlenden Kontext gesetzt werden, ich fasse immer öfter Mut, auch Dinge zu versuchen, die ich nicht kann (wie z.B. ein Video aufzunehmen), wenn mich ein Weblogartikel o.ä. anspricht, beziehe ich Stellung, überlege, ob an Kritik an meinen Meinungsäußerungen etwas dran sein könnte, modifiziere z.T. meine Einstellungen, erwerbe dadurch mehr/ anderes Hintergrundwissen….

Resultat und persönliche Ausbeute
Ihr merkt schon, für mich hat sich das mich Öffnen und „Veröffentlichen“ unter einer Identität (zumindest bisher) gelohnt. Die Frage(n) die sich mir an dieser Stelle jedoch stellt/ stellen: Lohnt sich das – für wen auch immer – auf jeden Fall?
Falls ich zu einer (überwiegend) postitiven Meinung hierzu kommen sollte, wie (und hier bin ich wieder bei meiner Ausgangsfrage) kann ich pädagogisch so handeln, dass ein Gegenüber, das mir am Herzen liegt, seine/ ihre Angst überwindet… und es einfach auch einmal versucht?

Grüße von unterm Weihnachtsbaum sendet

die eLEx

4 Antworten auf „Web 2.0: Wider die Angst“

  1. Sehr toller Bericht, der auch meine Erfahrungen diesbezüglich widerspiegelt.

    Aus meiner Sicht kann man wirklich nur dann das maximale aus den Möglichkeiten & Tools des Web 2.0 herausholen, wenn man sich selbst öffnet und bereit ist nicht anonym zu bleiben, sondern (s)eine eigene Identität preiszugeben und anzunehmen!

    Irgendwann habe ich diesbezüglich einmal eine guten Spruch gehört:

    Ich kann nicht zu einem neuen Buchhändler gehen ( der mich nicht kennt) und erwarten, dass er mir, ohne zusätzliche Informationen, Buchempfehlungen gibt, die zu mir passen. Ich muss erst einmal selbst Informationen preisgeben, bevor ich diese Leistung von dem Buchhändler erwarten kann.

    So ist es auch im Netz:

    Als Anonymus, kann ich nicht das maximal Mögliche vom Web (2.0) erwarten. Ich bin dann nur passiver und anonymer Nutzer. Öffne ich mich jedoch und werde sogar selbst aktiv, so ergeben sich viele neue Möglichkeiten für mich!

  2. Interessant: Kann man pädagogisch so handeln, dass ein Gegenüber die Angst (vor dem Internet bzw. Web2.0 verliert)?

    Nein, ich glaube nicht. Ich habe neulich einen Vortrag von Gerald Hüther gesehen. Der meinte: Einstellungen und Werte können nicht durch Logik, sondern nur durch Erfahrung verändert werden. Das heißt für mich: Missionieren (im Sinne von: 350 Millionen Menschen nutzen Facebook als pro-Argument usw.) nützt nichts, wenn der / die Gegenüber es nicht selbst über einige Wochen ausprobiert. (Probieren geht über studieren…).

    Als Stufe3-Nutzer fühle ich mich derzeit als „lebendes Experiment“. Ich habe keine Ahnung, was meine Datenspuren für die Zukunft bringen werden. Angst habe ich keine, ich bin eher neugierig darauf. Ungefähr so, als wenn ich auf eine Party gehe und gespannt bin, wen ich kennenlernen werde. Dass Partys manchmal schiefgehe oder eskalieren, ist mir bewusst. Nur: Wieviele Partys finden täglich statt und wie viele gehen schlimm aus?

  3. Hallo Zusammen,

    eine spannende Frage!

    Und dass Einstellungen nur durch Erfahrung verändert werden, heisst doch eigentlich schon wieder, dass man sie durch pädagisches Handeln ändern kann? Denn dadurch werden doch primäre Erfahrungen vermittelt und im guten Fall sekundäre Erfahrungen so zur Verfügung gestellt, dass sie den Erfahrungshorizont beeinflussen und – geht das? – sogar internalisiert werden können?

    Ich schreibe demnächst an einer Hausarbeit, wo ich mich mit genau diesem Thema beschäftigen werde – und bildungstheoretisch aufzeigen möchte, dass z.B. meine Community für Selbstorganisiertes Lernen, dadurch dass ich Erfolgsgeschichten, Lernbiografien zur Verfügung stelle, ermöglicht, über sekundäre Erfahrungen den Schritt zu den eigenen Erfahrungen mit dem Zweiten Bildungsweg zumindest zu erleichtern.

    Übrigens – spannendes Blog und ich werde jetzt mal einen der sieben Schritte die Du unten aufführst aktiv in Erfahrung verwandeln, indem ich Dich meiner Blogroll hinzufüge 🙂

    Liebe Grüße
    Sabine
    Siemsens Selbstlerner Community
    http://www.sieseco.com/comun

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