Twitter…. mein Medium, mein Netzwerk, mein nix??

Manchmal macht mich Twitter richtig wütend. Ich weiss. Meistens ist es dann nicht Twitter an sich, sondern als Überbringer (schlechter) Nachrichten… bzw. in diesem Falle: Überbringer dreister Behauptungen – im vorliegenden Fall auch noch in Form eines FAZ-Artikels, der sich auf eine koreanische Studie bezieht.

[Phase 1]

Wütend macht mich also eigentlich nur die Behauptung:
Twitter ist ein Nachrichtenmedium, und mitnichten ein soziales Netzwerk.

… was in Übersetzung für mich lautet: mons7, Du hast kein soziales Netzwerk, Du hattest nie eins, und Du bist auch noch so blöd, Dein Nachrichtenmedium mit einem sozialen Netzwerk zu verwechseln.

Pah!
Nach ein paar Tagen des Schmollens, wollte ich die fundierte Gegenbehauptung antreten, wozu ich mir schon den einen oder anderen Lesestoff (z.B. und z.B.) zur Auswertung herausgesucht hatte. (Danke @heinz für Input).

Doch dann kam mir meine Polen-Reise dazwischen.

Eine – am Rande bemerkt auch aus anderen Gründen – erfrischend lehrreiche Fahrt. Mein Surfstick funzte – wider Erwarten – nicht nur nicht, sondern war komplett unbrauchbar. Und das von Beginn an und für alle Tage meines Aufenthaltes. Nachdem erste Entzugserscheinungen nicht mehr zu verbergen waren war ich gezwungen mich anderweitig abzulenken (Details sollen an dieser Stelle nicht die Rolle spielen).

[Phase 2]

Das Erstaunliche jedoch: Mein Netzwerk existierte – mit der Nichterreichbarkeit von Twitter – weiter. Ich hielt Kontakte über mein Mobiltelefon aufrecht (nutzte sogar die von mir ach so ungeliebte sms-Funktion), schrieb sogar die eine und andere Karte. Die Erkenntnis begann in mir zu reifen, dass meine spontane Gleichsetzung von Twitter = Netzwerk auch für mich nicht ganz so stimmen konnte.

[Phase 3]
Irgendwann war der Urlaub vorbei. Ich durfte mich das erste Mal wieder an einen ans Internet angeschlossenen und funktionierenden PC setzen. Ein Glücksgefühl durchschoss mich, zusammen mit einem genialen Gedanken, wo ich denn anfangen sollte, mich zu orientieren. Mein erster Seiten-Aufruf war… ihr erahnt es sicher schon… Twitter. Und ich informierte mich und informierte mich und informierte mich, was denn so in den letzten Stunden meiner Abwesenheit abgelaufen war. Ich nutzte Twitter doch tatsächlich – als Nachrichtenmedium.

[Ergo]
Nichts desto trotz, auch wenn meine erste Wut über die (in der Studie quantitativ belegte) These verraucht war, bin ich nicht ganz eins mit dem Ergebnis. Dies aus Folgendem heraus:

– mich stört die Entweder-oder-Attitüde
– wollte ich meine Nutzung von Twitter pro Tweet analytisch erforschen, so erhielte ich pro Tweet zumeist zumindest eine Doppelnutzung.

… was mich zu folgendem Zwischenergebnis bringt:

Twitter ist ein Medium der Gleichzeitigkeit mit flexibler Gewichtung. Und deshalb ist es für mich so (nachhaltig) interessant.

Aber nicht so interessant wie das Wetter heute da draußen, weshalb ihr von mir erst wieder hört, wenn’s demnächst mal wieder regnet… oder GEtWITTERT.

19 Antworten auf „Twitter…. mein Medium, mein Netzwerk, mein nix??“

  1. Ach Mons7 – Du bist köstlich… Habe beim Lesen sehr geschmunzelt…;-))
    Ja, genieße die Sonne und das evtl. Straßencafe oder die Promenade am Main… War schon länger nicht mehr dort…;-)
    Ich genieße meinen Garten – da ich aber den PC auf der gleichen Ebene habe, kann ich immer mal schnell hinhuschen und “gucken” ob es was Neues gibt…

    LG Anntheres

    1. oh wie toll! So einen PC-Garten hätte ich auch gerne 🙂 ….
      … und falls Du mal wieder in Frankfurt sein solltest… schreib bescheid… dann promenieren wir zusammen auf ein Eis UND DAS BESTE: Ich lad’ Dich ein 🙂

  2. ach Mons, was Du selbst erlebst, muss sich doch nicht unbedingt in empirischen Forschungen zeigen?!

    Für mich bist Du ein Beispiel, wie sich Twitter auch als soziales Netzwerk nutzen lässt. Punkt. Du zeigst es. Für mich selbst empfinde ich den Vorteil überwiegend als Informations-Pool. Finde mich also in der Studie sehr wieder. Trotzdem finde ich es schön, dass auch Dein Artikel wieder mal zeigt, dass es neben den ganzen Massenphänomenen auch die besonderen gibt – die, die das ganze so spannend machen.

    Das “soziale” Netz hab ich über Xing erfahren – eine Gruppe, die intern, ohne von außen sichtbar, wirklich persönlich wurde. Trotzdem ist es nach einiger Zeit “gebrochen”. Vlt. ist das eins der Merkmale digitaler Netzwerke – sie mögen noch so intensiv erscheinen, aber die Geschwindigkeit des Digitalen mag auch ihre Auflösung betreffen.

    Von daher finde ich es umso beruhigender und hoffnungsvoller, Dir auch bei der Zigarrette vor der Mensa begegnet zu sein – ich freu mich aufs nächste Mal :-))

    Liebe Grüße,
    Katja

    1. Das ist doch ein interessanter (genialer) Gedanke… [die Geschwindigkeit des Digitalen mag auch die Auflösung von digitalen Netzen betreffen…]… der gerne weiter bedacht werden will.
      Katja, Du bist – wie immer – äußerst inspirierend! Inspirierend!

  3. Hi; ich habe den Eindruck, dass nach Christians Warnruf solcherlei “realitätsgelagerte” Einladungen häufiger ausgesprochen werden …

    Soviel Gutes stiftet die Medienbildung #Sozialität #Eisschlecken #Gastronomie 🙂

  4. Vielleicht ist das jetzt Korinthenkackerei, aber soziale Netze sind Geflechte zwischen Personen. Insofern kann Twitter allenfalls ein Kommunikationsmedium sein, das durch Menschen genutzt wird, um innerhalb ihres sozialen Netzes (hier speziell auch darüber hinaus) zu wirken.

    1. Ja. Der Einwurf ist berechtigt, Oliver.
      Und z.B. Xing ist dann auch ein Kommunikationsmedium, allenfalls eine Abbildung eines bestehenden sozialen Netzes? Sehe ich das so richtig?

      Ich will mehr “Rosinen” von Dir! 🙂

      1. Ganz genau. Ich würde Xing als eine “elektronische Plattform zum Management sozialer Netze” bezeichnen, “Social Networking Website” oder so etwas in der Art. Mo hat das ja auch schon sehr schön beschrieben.

  5. Na das ist der Oliver mir ja zuvor gekommen mit dem Kommentar :-).
    Social Network ist Dein Komplettes soziale Netzwerk an Menschen. Alle Menschen mit den Du irgendwie interagierst.
    Twitter ist eine Social Network Service (früher Site) (kurz SNS) wie Facebook usw. Auf SNS können sich Strukturen Deines Sozialen Netzwerks sich abbilden. Diese Abbildung muss aber keine vollständige Abbildung sein, auch nicht im einzelnen Fall von Deiner sozialen Interaktion mit einer Person. (na ja Mathematisch kann man das sehr gut aufschrieben, Worte sind so ungenau.)
    Die Gesamtheit von Deinen Sozialen Interaktionen im Internet, also Facebook, SecondLife, Twitter usw. bilden Dein Online Social Network.
    Zu Deiner Frage mit Xing, sobald irgendwo Kommunikation zwischen zwei Individuen passiert, entsteht eine soziale Verbindung. Auf Xing kann man ein Teil dieser Kommunikation sehen. Xing ist auch ein SNS.

  6. Ich glaube, man verfehlt das Neue an Xing, Twitter oder jedem anderen Service dieser Art, wenn man sie nur als Tool versteht, dass bestehende Beziehungen abbildet. Ich verstehe sie eher als Treffpunkte – wie Kaffeehäuser oder Salons – die Beziehungen ermöglichen, die es ohne sie nicht gäbe. Zu diesen Beziehungen gehört ein ganz spezifischer Kontext, der des Netzes, den Offline-Beziehungen nicht haben, und zu dem z.B. die Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Beziehungen gehören, aber auch die vielen Möglichkeiten, Daten weiter zu verwenden (eine ganz andere Öffentlichkeits-/Geheimnisstruktur). Twitter hat – wenn man den Service als Treffpunkt versteht – Ähnlichkeiten mit einem offenen Marktplatz. Facebook erinnert mich mehr an Vereine und geschlossene Gesellschaften.

  7. Ich schreibe gerade nichts/ kommentiere die Kommentare gerade nicht, weil mein Hirn am Verarbeiten ist. … ich habe aber alles oben stehende sehr wohl zur Kenntnis genommen (mo… hast Du vielleicht ein paar Links zu solchen mathematischen Berechnungen?) … aber es will noch nicht unter (m)einen Hut 😉

    … mons7 …. processing ….

  8. Hallo Ich moechte mich meinem vorredner anschliesen. Stimme da zu 100 % zu. auserdem finde ich diesen Blog sehr informativ, also weiter so habe den Blog mal gebookmakrt. gruss

    1. Na das freut mich doch außerordentlich 😉 … bei so einem Kommentar kriegt man doch gleich Lust, … den nächsten Blog-Post zu verfassen 😉 😉

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