Web 2.0 – ist … oder wird (doch) gemacht?

Ich war da… auf dem EduCamp Aachen (wer ein bisschen – in 140 Zeichen – darüber nachlesen will, der suche schnell noch auf Twitter nach #ecac10 #educamp, bevor die Tweets im Twitternirvana verschwinden). Aus der puren Angst, dass mir einige wichtige Gedanken und Aspekte verloren gehen, habe ich einige Beiträge für die Lernspielwiese schon dort angelegt, mit dem lesbar machen, ergänzen und sprachlich abrunden werde ich mich diese Woche beschäftigen, ihr könnt euch also auf eine (wieder) höhere Beitragsdichte freuen … bzw. gefasst machen 😉

Eine These, die ich vor einigen Monaten schon einmal aufgestellt hatte, nämlich folgende:

WEB 2.0 GIBT ES NICHT PER SE UND IST AUCH NICHTS BESTÄNDIGES, SONDERN WIRD IMMER WIEDER AKTIV VON MENSCHEN EINER COMMUNITY, DIE SICH DIESER ZUGEHÖRIG FÜHLEN, HERGESTELLT.

hat sich mir erneut aufgedrängt.

Dieses „immer wieder herstellen“ geschieht m.E. nicht nur online, sondern eben auch auf solchen Veranstaltungen wie Educamps.

Dieses „herstellen“ kann via Bruno Latours ANT beschreibbar gemacht werden (so hoffe ich zumindest).

Über die Beteiligung vieler (die sich unterschiedliche Begriffe von Web 2.0 machen) wird die Voraussetzung geschaffen, den Begriff – über ständigen Austausch und versuchte Einigung darüber – (und damit dessen vermeintliche Bedeutung) am Leben zu halten.

Oder so ähnlich.

Und um’s genauer zu machen … geh‘ ich jetzt erst einmal eine Runde Latour lesen.

Wir lesen uns.

10 Antworten auf „Web 2.0 – ist … oder wird (doch) gemacht?“

  1. Sehe ich genauso. Eine schöne Definition von Web 2.0/Social Media/Social Web usw. gibt es von Stefan Münkler. Er sagt sinngemäß: Das Internet ist eine technische Infrastruktur und Social Media sind Medien, die im Zuge der Kommunikation, also im Akt des Vollzugs, erst interaktiv entstehen.

    Das Web 2.0 findet also im Internet statt, oder auch nicht.

    Zu Deiner zweiten Überlegung, dass das was Web 2.0 sein soll von einer Interpretationsgemeinschaft ausgehandelt wird: Ist das nicht bei allen wissenschaftlichen und auch nicht-wissenschaftlichen Begriffen so?

    1. Hallo Tim,
      danke für den Hinweis auf Stefan Münkler; ich habe in diese Richtung ein bisschen weiter recherchiert … und bin dadurch auf interessanteste Texte und Ansätze gestoßen. Ein fruchtbarer Anstoss 🙂

      Und zum zweiten Aspekt: ja, (auch) hier hast Du wohl recht… und ich hatte schon mal wieder die Hoffnung, einen „neuen“ Gedanken entdeckt zu haben …

  2. Stimmt, nur gilt das nicht nur fürs „Web 2.0“ sondern zB auch für „das Internet“ an sich. Auch „das Fernsehen“. Im übrigens für „Nation“ gilt das ebenso, die muss auch ständig aktiv hergestellt werden, sonst gibt es sie nicht mehr.

    1. Diese „dynamische“ Definition des Web 2.0 gefällt mir gut, und ist auch wirklich ganz im Sinne von Latour zu verstehen. Der bringt das Beispiel: Wenn der Tänzer mit dem Tanz aufhört, gibt es keinen Tanz mehr. So ist das ja mit dem Web 2.0 auch: Wenn keiner mehr neuen Inhalt bereitstellt, gibt es kein Web 2.o mehr, dann ist es wieder 1.0. Latour hat das zwar auf Gruppen bezogen „Keine Gruppen, nur Gruppenbildungen“, aber so kann man das Web 2.0, und natürlich Communities darin, ja auch sehen.
      Interessant ist bei Latour aber der Ansatz, dass das Internet selbst auch Teil des sozialen Netzwerkes ist, und nicht nur die Menschen an den Enden dieses Netzwerkes.
      Danke für Deine Anregung!
      Karlheinz

      1. Mensch Karlheinz!
        Wenn ich DAS geahnt hätte, dass Du Latour gelesen hast…. ich glaube, dann wär‘ ich Dir auf dem BarCamp ganz schön auf die Nerven gegangen… und hätte Dich nicht mehr aus meinen Fängen gelassen 😉 … na ja, hätte ich mir eigentlich denken können – so vielfältig wie Du bist!
        Ich denke irgendwie auch, dass das Internet teil des Netzwerkes ist – zumindest nach Latour – ich verliere aber immer wieder die Vorstellung davon, sprich muss in meinem Hirn wie „umschalten“, um à la Latour zu denken.
        Geht Dir das auch so?

      2. Das Web 1.0 braucht ebenso ständige Konstruktion. Wenn die Menschen nicht mehr Inhalte auf Server stellen, oder diese betreiben (die Rechenzentren verursachen) angeblich schon 10-20% des Weltstrombedarfs) hört es genauso auf zu existieren.

        Ich bin da übrigens durch bei Tim Berners Lee, dass ich den großen, angeblichen Bruch zwischen 1 und 2 nicht so sehe. Alle diese Ideen die 2 angibt zu haben, waren auch schon hinter 1, nur hats halt noch nicht so geklappt, da man zum mitmachen noch mehr KnowHow brauchte.

        1. „Alle diese Ideen die 2 angibt zu haben, waren auch schon hinter 1, nur hats halt noch nicht so geklappt, da man zum mitmachen noch mehr KnowHow brauchte.“

          … hm. Obwohl mich das jetzt spontan überrascht, … mag da was dran sein. 2 hat mir auf jeden Fall geholfen, 1 besser zu verstehen. Ein ganz banales Beispiel. Ich bin schon immer gerne in Parks herumgestreunert. Konnte aber hinterher nie genau sagen, wo ich war. Das ist jetzt kein Problem mehr, da ich mich im Park in #foursquare oder #gowalla einchecken kann. Dadurch lese ich den Namen… kann also den Platz im Gespräch danach benennen.

          Komisch, oder? Dass ich mir Örtlichkeiten nur über Wörtlichkeiten erschließen kann…

    2. Hi Axkibe!
      Hm… also ich baue dann mal lieber am Web 2.0 mit, als an der Nation. Und weist Du, was mich (noch) ganz besonders interessiert? Wie dieses Bauen/ Herstellen eigentlich genau geschieht. Meinst DU – als alter Soziologe – Latour wär‘ dafür der Richtige, die Frage anzugehen?
      Alternativvorschläge?

      1. Das kann ich so genau nicht pauschal sagen, was dir Latour bringen kann. Ich würde sagen Latour ist nicht alles 😉 Latour hat viele Sachen schön pointiert, aber es war auch viel eigentlich auch schon „common sense“ in den Sozialwissenschaften. Gerade zB für die Erkenntnis, das Symbole und Ideen ständig diese Konstruiert wereden müssen, dafür brauch ich nicht Latour.

        Wenn dann würde ich ihm für die Aktuer-Netzzwerk-Theorie hernehmen, uns sagen Web 2.0 ist ein Netzwerk von menschlichen aber auch nicht menschlichen Akteuren – so brauch ich nicht nur Menschen die sich als Web2.0 verstehen, sondern auch auch Computer, Server wir Twitter/Facebook und WordPress.com, Businesspläne dahinter usw.

        Es ist aber auch ein Interesse von mir wie „Web 2.0“ als *Idee* und begeisterungsfähiges Etwas ein Leben entwickelt, das wird aber weniger von Latour beantwortet.

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