Nicht über Wetten dass…. sondern über Wetten dass…. hinaus

Doch zuvor, einfach um zu wissen, um was es denn geht, nochmals ÜBER Wetten dass… :

Also: Weder habe ich die fragliche Sendung gesehen (ich habe nämlich gar keinen Fernseher), noch habe ich mir die entsprechenden Videos auf YouTube angeschaut. Trotzdem hat sich in meine Timeline vom vom 04.12. das #zdf gedrängt, es wurden teilweise sogar von der Anzahl her die (für mich viel interessanteren) #wikileaks-Tweets verdrängt.

Sie enthielten zunächst die immer gleiche Information. Der Inhalt war Folgender: Ein Junge namens Samuel Koch hat sich verletzt. Und zwar im Rahmen einer Wette. Er musste irgendwie auf Sprungfedern über ein fahrendes Auto hüpfen und hat sich bei dem Stunt wohl verletzt. Wie harmlos oder schwer war zu dem Zeitpunkt natürlich (noch) nicht klar.

Lobend wurde in diesem Zusammenhang in meiner Timeline erwähnt, dass die Kameras direkt nach dem Unfall aufs Publikum „gehalten“ hätten (und nicht den Verletzten).
Nochmals lobend einige Zeit danach, dass Gottschalk die Sendung abgebrochen hätte. Manche von denen, denen ich folge haben sich sogar zu Aussgen wie „Da bezahlt man die GEZ-Gebühr doch wieder etwas lieber (als vor dem heroischen Sendungsabbruch)“ hinreissen lassen. Aber wie gesagt, alle meine Information zum Sachverhalt an sich habe ich aus zweiter, aus Twitterhand.

Weitergehende Recherchen dazu habe ich mir verkniffen, keine Videos angeschaut, keine Zeitungsartikel gelesen, bis auf einen, aber dazu später.

Auf was ich eigentlich hinaus will ist nicht das eigentliche Geschehen oder meine Meinung zum eigentlichen Geschehen, sondern ein paar Gedanken darüber hinaus. Gedanken über Wetten dass und das ZDF hinaus.

Aufgefallen ist mir nämlich so einiges z.B.

1. Twitter ist schneller/ Twitter ist Echtzeit.
Auch wenn ich jetzt nicht sonderlich am Wetten dass-Geschehen interessiert war, ich hab es zumindest mitbekommen. Und das sogar OHNE Fernseher. Zu meinen Vor-Twitter-Zeiten hätte ich das nicht mal in der Zeitung gelesen (weil ich schon immer den Stellen- und Todesanzeigen sowie dem Feuilleton den Vorzug gegeben habe). Die Kunde also für Samuel Koch schlechte Nachricht wäre mir aller Wahrscheinlichkeit am nächsten Werktag auf der Arbeit zu Ohren gekommen. Oder nie.
Wir halten fest. Abgesehen vom Inhalt der Nachricht ist Twitter einfach schneller. Twitter ist Echtzeit.

2. Twitter ist Vielfalt.
Über die Menschen, die ich abboniere, habe ich natürlich schon eine Auswahl getroffen über was ich tendenziell lesen werde. Sogar nicht nur über das was, sondern auch über das wie. Trotzdem sind die über den gleichen Sachverhalt getwitterten Anmerkungen in 140 Zeichen erstaunlich unterschiedlich. Vorhin habe ich ja schon einige erwähnt. Wie denjenigen Tweet zur GEZ. Aber es war auch ein richtig richtig schlechter dabei. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach. Der war auf Englisch und wurde erstaunlich oft retweeted. Leider habe ich ihn mir nicht markiert… aber wer sich einen Eindruck verschaffen will, der rufe das Account @SamuellKoch auf.

3. Die Holzmedien sind (auch) nicht neutral

Am nächsten Morgen – also Montag – kam ich an unserem Zeitungslädchen um die Ecke vorbei. Die Titelseiten wurden dominiert von Schlagzeilen zum Unfall und gingen (so gut wie alle) in die Richtung: je mehr Gefahr, desto bessere Quote oder wo finden wir jetzt einen Schuldigen. Das sah – zumindest im Vorbeigehen – nicht nach neutraler Berichterstattung aus. Und wo wir schon dabei sind, bei der Holzmedien-Schänderei:

4. Vorschreiben ist anscheinend gängiges (und regelmäßig praktiziertes) Verfahren
„Eine österreichische Tageszeitung hat „Wetten, dass..?“ zu Ende geguckt. Die Sendung, die es nicht gab. Und eine launige Kritik vorgelegt zu Gastauftritten, die nicht stattgefunden haben: „Robbie holte Show aus dem Koma“ war denn auch der Titel.“ so die Süddeutsche.

Zusammenfassend sind das im Grunde vier Gedanken, die dafür sprechen, dass Twitter der geeignetere Informationskanal für mich ist. Da
1. schneller oder bestimmte Informationen überhaupt zu mir durchdringen,

2. die Meinungsbreite zu den verbreiteten Informationen vielfältiger ist.

3. die Printausgabe meiner einen kleinen Zeitung überflüssig macht, da diese einfach auch nur eine, aber eben nur EINE Meinung verbrät. Und

4. dass in Twitter eben nicht – zumindest bisher und nicht, dass mir bekannt wäre – keine Texte vorgeschrieben werden. Überholte oder unstimmige Aussagen spiegeln einfach nur den Wissensstand des Schreibers/ der Schreiberin wieder. Und nicht die Trägheit eines technisch überholten Organisations- und Machtapparates, auch genannt die alten Medien.

Aber ich muss los, mal schauen was es Neues gibt. Neues über was, was mich wirklich interessiert. Neues um und zu Wikileaks z.B.

6 Antworten auf „Nicht über Wetten dass…. sondern über Wetten dass…. hinaus“

  1. So ganz spontan fällt mir ein: in Twitter wird doch vorgeschrieben. Das so wiedergegebene sind die retweets, also eindeutig gekennzeichnet. So habe ich die Möglichkeit dem Schreiber des Kommentars zusätzlich zu folgen, ohne dass jemand im Sinne des Wettbewerbs eingeschnappt ist oder ich eine zusätzlich Armada von Artikeln in Form einer weiteren Tageszeitung abonnieren müsste.
    – Wieder ein Punkt für Twitter.

  2. Was ich auch interessant finde: Dass Twitter so etwas wie eine allgemeine Öffentlichkeit schafft. Es wird ja immer behauptet, die Online-Medien trügen zur Fragmentierung der Öffentlichkeit bei (was Thomas Pleil z.B. bezweifelt). Bei Twitter ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Wenn man einer gewissen Zahl von Leuten folgt, erfährt man, was „von allgemeinem Interesse“ ist.

  3. Danke Heinz. Als ich den Artikel gelesen habe musste ich auch sofort an die Fragmentierungsängste einiger Medienwissenschaftler denken.

    Die Fragmentierungshypothese, die besagt, dass sich Internetnutzer ihre Echokammern schaffen und deshalb Öffentlichkeit zerfällt ist aus meiner Sicht grober Unfug und nicht zuende gedacht.
    1) es wandern Themen auch durch untschiedliche Kanäle (auch durch unterschiedliche Medien, TV -> Twitter)
    2) bedeutet ein personalisierter Nachrichtenstrom, der von Personen gespeist
    wird, wie z.B. bei Twitter nicht das wir nur noch Informationen bekommen, die wir bestellt haben. Punkt 2 Deines Erfahrungsberichtes ist liefert ein gutes Gegenbeispiel.

  4. hehe…. es ist mir eine Freude via eines Beispiels an der Widerlegung der großen Fragmentierungshypose mitgearbeitet zu haben – unabsichtlich 😉 🙂 #hypothesen #indizien #empirie

  5. Danke für den Beitrag!
    Der tragische Unfall bei „wetten, dass?“ ist auf den unterschiedlichen Ebenen ein Lehr- und Lernstück.
    Twitter ist ein sehr guter Seismograph für die Stimmung und Meinungen – wenn man sich ein geeignetes Netzwerk aufgebaut hat – und an Schnelligkeit natürlich gar nicht zu überbieten….

    Klasse Blog, werde ich öfter mal reinschauen!
    Viele Grüße
    Christina

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