Tschüss Delicious, Hallo Diigo?

Der Abschuss von Delicious durch Yahoo hat heute wohl das größte Rauschen in meiner Timeline verursacht.

Auf dem Basic Thinking Blog werden schon freundlicherweise Alternativen feilgeboten und Instruktionen für einen reibungslosen Umzug bereitgestellt. Von den vorgestellten Alternativen scheint unter meinen Followees Diigo im Moment der heisseste Tipp zu sein, auf meiner kleinen Auscheck-Visite dahin sticht mir auch dort sogleich der Link zu weiteren Informationen zum avisierten Umzug ins Auge.

Der Abschied von Delicious scheint allerseits zur Kenntnis genommen und akzeptiert. Der eine und andere in meiner Timeline fordert dazu auf, eine Petition mit dem folgenden Text zu unterzeichnen: „Dear Yahoo: Many of us have relied on Delicious for years and have thousands of bookmarks organized on it. Please consider opening Delicious up to the open source community to keep it going.“ Als alte Open Source, Open Data, Open Education und Open was auch immer Verfechterin, konnte ich an dieser Stelle nicht widerstehen. 😉

Dennoch. Oder gerade auch deshalb. Alles fühlt sich an wie Abschied. Abschiede, auch kleine, verführen mich immer zum Innehalten. Zum Überdenken meiner Beziehung zum wie auch immer gearteten Verflossenen. Ich gebe zu, ich war keine gute Delicious-Nutzerin. Ich bin von Natur aus keine große Sammlerin, weshalb es auch selten notwendig ist, dass ich etwas groß Kategorisieren oder anderweitig erschließbar machen muss. Ich besitze von gleicher Sache in der Regel zu wenig davon. Nicht hunderte Bücher (obwohl ich Bücher wirklich gern mag) besitze ich, sondern derlei vielleicht zehn oder fünfzehn. Die schlechten werfe ich sobald gelesen weg, die guten verschenke ich. Möchte ich in einem sehr guten nochmals nachlesen oder es gleich ganz nochmals lesen, dann kaufe ich mir es halt nocheinmal, denn der Autor hat es ja dann auch verdient.

Aber zurück zu Delicious. Ich habe, wie gesagt, Delicious nicht wirklich gut befüttert und behandelt. Vielmehr habe ich Delicious für meine Zwecke von Zeit zu Zeit ausgebeutet. Will heissen, wenn ich mich für ein Thema interessiert hatte, in eine bestimmte Richtung recherchieren wollte, habe ich den besten Link, den ich dazu auftreiben konnte, auf Delicious abgespeichert … und dann mal geschaut, wer den auch gespeichert hatte, unter welchem tag/ welchen tags,… ruck zuck findet – fand – man dann den einen oder anderen Nutzer, der eben doch ein Sammler und Organisierer ist, und dessen Schätze ich dann heben konnte.

Die aufgetanen Schätze habe ich dann aber auch verarbeitet. Verarbeitet in der Form, dass ich die Quellen gelesen, rezipiert, in Ausarbeitungen eingearbeitet habe. Wobei ich zu folgendem mich sehr getroffen habenden Tweet von @tristessedeluxe komme, auf den ich schon die ganze Zeit hinauswollte:

Eine gute Gelegenheit, die Sache mit den Bookmarks mal prinzipiell zu überdenken. Vielleicht Links einfach wieder bloggen. Wie früher.

Genau.
Ich lese daraus, Bücher nicht besitzen, sondern lesen.
Links nicht abspeichern, sondern Inhalt ver- und einarbeiten, oder vergessen.
Infos nicht abspeichern, sondern Taten oder Gedanken daraus folgen lassen.
Dinge nicht besitzen, sondern gebrauchen.

Und bevor ich jetzt noch pathetischer werde, …

… gehe ich mal lieber ein gutes Buch lesen. Wir lesen uns.

6 Antworten auf „Tschüss Delicious, Hallo Diigo?“

  1. Du schmeißt schlechte Bücher weg, gute verschenkst du, sehr gute kaufst du bei Bedarf nach. Das wäre DIE Lösung für mein Problem: Wenn ich mal umziehe, machen Bücher den Großteil der Kartonfüllung aus.

  2. ich hebe auch nur auf, womit ich weiter arbeiten moechte. in buechern werden die zitierwuerdigen saetze markiertundkommentare an den rand gekritzelt. und ebenso kann man es in den gebookmarkten seiten in diigomachen. alles gleeich unter verwertungsgesichtspunkt fuer das naechste posting oder die naechate praesi oder den naechsten aufsatz. markiertes:verwendetes ungefaehr 500:1. funktioniert aber gut.
    wenn ich alles gleich verwursten muesste, waer das bei mir wie von der hand in den mund- es wuerde nie was groesseres laenger durchdachtes bei herauskommen, sondern nur assoziatives fastfood.

  3. @otacke … wobei ich mir schon vorstellen kann, dass so eine Privat-Bibliothek – wenn man gerade mal nicht umzieht – sehr reizvoll sein kann!
    @lisarosa … DAS ist durchaus ein Arguement. Für längere Texte MUSS man wahrscheinlich erst eine Weile sammeln. … diigo, ich komm! 🙂

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