Bewertungsportale – sind sie’s der (Nutzer-)Mühen wert?

Der aufmerksame Leser/ die aufmerksame Leserin wird es schon am Titel gemerkt haben, heute und hier soll es um Bewertungsportale aus Nutzersicht gehen. Und dieses Nutzen aus Nutzersicht bezieht sich wiederum auf zweierlei, nämlich ein – wie ich es nennen will – passives und aktives. Doch zuvor… was ist das denn überhaupt, so ein Bewertungsportal?

Bewertungsportale – ein Definitionsversuch

Die Möglichkeit, seine Meinung über ein Produkt via Vergabe von Sternchen oder Textanmerkung einer interessierten Öffentlichkeit kundzutun, kennt die Mehrheit, die im Internet zugange ist, schon länger … zumindest von der Amazon-Seite her. Oder auch von Ebay, wo man nach abgeschlossenem “Deal” den jeweils anderen Vertragspartner bewertet/ bewerten kann. Bei Bewertungsportalen ist jedoch nicht der Verkauf eines Produktes, einer Dienstleistung oder Ähnliches Sinn und Zweck des Bestehens der Site, der Zweck liegt vielmehr lediglich und gerade in der Sammlung von Kundenrezensionen.

Populäre Beispiele

Populäre Beispiele sind SchulRadar, wo man sich über Grund- und auch weiterführende Schulen austauschen kann oder das Wiener Unternehmen Kununu, auf dem zur Bewertung des aktuellen oder verflossenen Arbeitgebers eingeladen wird. Via Sanego kann man den Arzt seines Ver- oder Misstrauens bepunkten. Wer Urlaub machen will informiert sich bzw. wer gemacht hat lässt sich aus auf Holidaycheck, zum Preisvergleich bzw. Bewertung des zuletzt erstanden Konsumgutes war und ist bei vielen immer noch Ciao! erste virtuelle Anlaufstelle, geht’s um die Kneipe, frag’ Qype.
Ergo: Es gibt nichts, was nicht irgendwo online bewertbar oder bewertet wäre.

Exkurs: Meine Persönliche Bewertung von Bewertungsportalen im Allgemeinen
Ehrlich gesagt: Ich tu’s nicht gern. Bewerten. Und wenn ich es tue, bewerte ich das Es auch immer ein bisschen besser, als es meiner Meinung nach ist. So wie viele Frauen, die man fragt, wie viele Punkte von 10 es ihnen denn gehe (wobei Null den worst case/ Supergau benummern soll, 10 das ultimative over the moon Gefühl beziffern soll) bei ihrer Wahl alles unter fünf erst gar nicht mal in Erwägung ziehen.
Trotzdem. Die Möglichkeit, meine Meinung in einem Bewertungsportal öffentlich zu machen, hat auch einen nicht zu unterschätzenden Reiz. Nämlich denjenigen des Ausgleichs eines – ungerechtfertigten – Machtgefälles. Dessen eben zwischen Schüler und Lehrer, das zwischen Konsument und Produzent, zwischen Arzt und Patient, zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Und deshalb finde ich Bewertungsportale gut. Und deshalb werde ich diese 2011 vermehrt nutzen.
Aber das war ja nur der Exkurs, mein Punkt war ja ein anderer. Das passive und aktive Nutzen… und der Nutzen.

Passives Nutzen von Bewertungsportalen
Herausforderung: Bewertung der Bewertung(en)
Unter einem passiven Nutzen von Bewertungsportalen verstehe ich in diesem Zusammenhang, wenn ich eingestellte Informationen zur Entscheidungsfindung und Recherche nutze. Also auf Kununu über den Arbeitgeber nachlese, bei dem ich gerade gedenke, mich zu bewerben, jedoch keinen eigenen Beitrag über aktuelle oder verflossene Arbeitgeber poste.
Hier stellt sich mir und jedem anderen Rezipienten die Herausforderung, Beiträge aus einem sinnvollen Kontext heraus zu interpretieren, diese zu gewichten und auf die eigenen Bedürfnisse hin zu lesen.

– Interpretation aus Kontext heraus.

Wer bewertet da? Aus welchem Grund bewertet er oder sie? Aus welcher Position/ Situation heraus bewertet er oder sie? Diese Fragestellungen hören sich jetzt vielleicht theoretisch an, über einen zweiten oder dritten Blick findet der aufmerksame Beobachter jedoch nützliche Hintergrundinformationen, die die jeweilige Bewertung auf einmal in einem leicht anderen Lichte erscheinen lassen. Zur Konkretisierung ein kleines aber feines Beispiel, auf das ich über Recherchen zu meinem Arbeitgeber gestoßen bin. Dem Social Media kundigen Betrachter wird nicht entgehen, dass erstere Bewertung aller Wahrscheinlichkeit von jemand vom Job leicht frustriertem abgegeben wurde, zweitere anscheinend vom Arbeitgeber selbst (worauf Wortwahl und Punktevergabe schließen lassen) – anstatt den Button “Als Arbeitgeber: Stellungnahme abgeben” zu drücken. [Anmerkung: Ich bin in meiner Position nicht für SoMe verantwortlich]
– Gewichtung.

Es finden sich z.B. 57 positive Bewertungen – wie auch immer begründet – und lediglich 3 negative Bewertungen. Dies deutet darauf hin, dass es sich um ein – wie auch immer geartetes – qualitativ hochwertiges Produkt handelt. In diesem Fall lese ich dennoch IMMER auch die drei negativen Bewertungen sowie beachte die Zeitpunkte, zu denen die drei negativen Bewertungen im Verhältnis zu den anderen abgegeben wurden. Befinden diese sich eher in der Vergangenheit? Oder in Häufung eher in der Gegenwart/ sind erst kürzlich abgegeben? Oder sind diese ganz willkürlich verteilt eingestreut? Ersteres weist m.E. darauf hin, dass der Anbieter sich die Kritik zu Herzen genommen und darauf reagiert hat. Zweiteres, dass in letzter Zeit im System etwas passiert ist, und man mit einem Kauf erst einmal abwarten sollte, letzteres halte ich für absolut normal und gesund. Schon eher empfinde ich es als bedenklich, wenn so gar keine kritischen Anmerkungen in einem Bewertungsreigen aufzufinden sind.

– Auf meine eigenen Bedürfnisse hin lesen.
Im Hinterkopf sollte man bei der Sichtung von Bewertungen immer behalten, dass eine schlechte Bewertung in der Tat eine recht gute sein kann. Dann nämlich, wenn der Bewerter/ die Bewerterin schlicht und einfach andere Anforderungen an ein Produkt/ eine Dienstleistung stellt als man selbst. Wieder ein konkretes Beispiel. Ich habe eine intuitive Abneigung gegen schöngeistige Literatur mit Happy End. Ich bevorzuge Texte mit offenem Ausgang. So offen wie das Leben eben. Kritisiert jetzt jemand an einem Werk, dass es eben kein Happy End habe, so ist das für mich persönlich: Eine Kaufempfehlung! 😉

Aktives Nutzen von Bewertungsportalen
Herausforderung: Ausdruck des ureigenen Eindrucks
Bei dem, was ich hier als aktives Nutzen von Bewertungsportalen bezeichnen möchte, geht es um’s selbst Bewerten und Einstellen von Kommentaren. Lange habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich am ehesten verständlich das ausdrücke, was eben mein Eindruck ist. Schlussendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es ja gerade der Vorzug von Bewertungsportalen ist, die eigene subjektive Meinung auszudrücken. Das in den Kontext stellen etc. kann der Kommentator/ die Kommentatorin getrost dem Rezipienten überlassen. Soll der doch die Bewertung bewerten.

Es grüßt ihre wertvolle Leserschaft,

die @mons7 von der Lernspielwiese.

5 Antworten auf „Bewertungsportale – sind sie’s der (Nutzer-)Mühen wert?“

  1. Hast du das auch schon beobachtet, subjektiver Eindruck von mir: Unterliegen solche Portale dem Netzeffekt und brechen zusammen, wenn eine kritische Masse nicht erreicht wird? MeinProf scheint nämlich ziemlich tot zu sein, zumindest an der TU Braunschweig.

  2. Hi Oliver!
    Ja! Jetzt wo Du es schreibst, da ist definitiv was dran! Auch – leider – unsere mixxt Community, in der wir gegenseitig unsere noch nicht veröffentlichten Veröffentlichungen kommentieren wollten… ist tot.
    … wobei sich hierbei mir die Fragen stellen: a) Wann ist diese kritische Masse erreicht und b) Welche Faktoren tragen dazu bei, diese kritische Masse zu erreichen?
    … Da ist wohl schon wieder der nächste Blog-Beitrag fällig 😉
    Erneut ein herzliches Danke für weiterbringende Inspiration!

  3. Ich kann jedenfalls weder Frage a) noch b) beantworten. Also jedenfalls nicht mehr als theoretisches Mikroökonomikgeschwafel der Form “Preis = Nutzen abhängig von der Beteiligung bzw. Zahl der Teilnehmer” für a) oder irgendwelche Mutmaßungen für b).

    1. Danke! 🙂 … ah… so knackige Check-Listen mag ich ja außerordentlich gerne.

      Vielleicht sollte ich mal so eine in der Art für “die andere Seite” (die der Anbieter/ Arbeitgeber etc.) verfassen…

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