Wider die widerliche Netzwerkelei!

Bildquelle. Ich weiss. Die Übeschrift mag seltsam anmuten in Zeiten, zu denen Facebook & Co. so hoch im Kurs stehen. Und dann noch aus der Tastatur einer, die sich in den Sozialen Medien wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser zu fühlen scheint. Trotzdem kam mir dieser Gedanke schon des Öfteren, vermehrt wieder in der letzten Zeit. Gebt mir einen Moment eurer Zeit, ihn zu erläutern.

Oder besser gesagt zu erläutern, was ich unter Netzwerkelei gerade nicht verstehe. Wenn ich z.B. auf ein EduCamp gehe, dann tue ich das, weil mich die Themen interessieren und ich einige der Menschen dort gerne mag. Aber dann bin ich dort a) wegen den Inhalten und b) weil es mir im Hier & Jetzt eben Freude bereitet. Unter Netzwerkelei, gegen die ich gerad zu Felde ziehe, verstehe ich den Aufenthalt auf einer Veranstaltung – wie z.B. auf einem EduCamp – nur zu dem Zwecke Kontakte zu knüpfen, die ich potentiell zu einem späteren Zeitpunkt in meinem Leben mal brauchen könnte. Und das mag ich nicht. Und das aus dreierlei Gründen.

1. Netzwerken im o.g. Sinne kostet Zeit, die ich schöner verbringen mag.

Bin ich nicht wegen des Hier & Jetzt auf einer Veranstaltung, sondern wegen eines möglichen Vorteils in meiner möglichen Zukunft, so kann ich mir zu dem Zeitpunkt (im Hier & Jetzt nämlich) tausend Dinge vorstellen, die ich dann lieber täte:
– mit dem Hund über die Felder spazieren,
– im Internet surfen,
– ein gutes Buch lesen,
– einen Blogpost schreiben,
– mit meinen Eltern telefonieren,
– schlafen,
– kochen, … [beliebig und unendlich erweiterbar].

2. Netzwerken im o.g. Sinne bringt weder mir noch dem Gegenüber wirklich etwas.
Zu den raren Gelegenheiten, zu denen ich im Hinterkopf je hatte, dass das Gegenüber, mit dem ich mich gerade abgab ein Entscheidungsträger im weitesten Sinne sei, die einen von mir wie auch immer gearteten begehrten Sachverhalt betraf, hat sich dieses Gegenüber nicht einmal letztendlich für mich entschieden. Sondern (wahrscheinlich) für jemanden, den er einfach mochte. So wie ich es auch tue. Wenn ich – was selten genug vorkommt – irgendein attraktives Gut zu vergeben habe, dann schaue ich bestimmt nicht meine XING-Kontakte durch. Genau. Was war das kürzlich? Meine Kamera. Ich stelle in den Raum, dass diese zu vergeben sei. Je näher mir die Person steht, die ihr Interesse bekundet, desto geschenkter bekommt sie sie. Je entfernter sie mir steht, desto näher am Marktpreis orientiert ist mein Preis. Gut. Das ist nur eine Kamera. Aber warum sollte ich es z.B. mit einem Job den ich zu vergeben hätte vom Prinzip her anders machen?

3. Netzwerken im o.g. Sinne potenziert Spam.
Vernetze ich mich mit Menschen, die sich um des Vernetzens vernetzen, so überziehen mich diese alsbald mit Nachrichten, die nichts – aber auch gar nichts – mit meinen Interessen zu tun haben. Sie schreiben über ihre. Weswegen sie sich ja wahrscheinlich vernetzen wollten. Um die Reichweite ihrer Botschaft zu erhöhen. Nur erhöhre ich deren Botschaft nicht, weil diese – i.d.R. – keine Resonanz bei mir findet.

Ergo: Vernetzt euch mit mir, weil ich euch oder ihr mich oder wir uns – aus welchem Grunde auch immer – mögen. Oder weil wir uns vorstellen können, uns zu mögen.

Aber nicht, weil ihr glaubt, dass ich euch irgendwann zu irgend etwas einmal Nütze sein könnte. Denn das kann ich euch sagen: Da stehen die Chancen schlecht. Nicht einmal mehr eine Kamera habe ich zu vergeben 😉

Gute Nacht.

3 Antworten auf „Wider die widerliche Netzwerkelei!“

  1. Man vernetzt sich mit Leuten, die auf einer ähnlichen Schiene sind, dass man Anregungen erhält und geben kann. Wichtig ist auch immer, dass man dadurch eine Gruppe gleichgesinnter Menschen findet, die man vielleicht im direkten Umfeld nicht so leicht findet. So zumindest sehe ich das.

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