Von „marmeladenfest“ zum Marmeladenfest – oder was Marmelade mit Wissenschaft zu tun hat

Bildquelle.

Was so ein LdL-Bändchen doch alles auslösen kann! Die Erstellung eines gar unkonventionellen Videos, die Auslobung eines Kreativwettbewerbs und hier vorliegend: Ein kleiner Blogbeitrag zum Wissenschaftlichen Arbeiten.

Wissenschaftliches Arbeiten am Beispiel des „Marmeladenfestes“
Am Beispiel des „Marmeladenfestes lassen sich m.E. die 3 (4?) grundlegenden Schritte des wissenschaftlichen Arbeitens hervorragend und kurzweilig darstellen.

Schritt 1: Aller Anfang des wissenschaftlichen Arbeitens ist …. lesen (Input)
[Ich habe mir das „Marmeladenfest“-Video zu Gemüte geführt, es sogar mehrmals angesehen.]

Vielleicht ist es ja auch nur der Tatsache geschuldet, dass ich im geisteswissenschaftlichen Segment von Universität sozialisiert wurde, dass ich zutiefst überzeugt bin, dass man einem Studierenden die mühselige Tätigkeit des Lesens, des Nachvollziehens einer Argumentationskette, des Nachbauens eines komplexen Sachverhaltes – oder besser gesagt überhaupt erst das innerliche Kreieren eines Gesamtsachverhaltes anhand der Vorlage eines linearen Textes, NICHT abnehmen kann.
Ich kann vielleicht dazu motivieren, immer wieder anzufangen/weiterzumachen.
Ich kann vielleicht einzelne Teilaspekte in anderer Form darstellen, in einem Fachgespräch diskutieren.
Und dennoch bleibt die eigentliche Leistung, die des Erarbeitens und Internalisierens von fremdem Gedankengut beim Studierenden.
Es ist m.E. sogar noch schlimmer: Erstelle ich eine Kurz-Präsentation zu einem umfangreichen Thema, ohne dass der Zuhörer/die Zuhörerin die Grundlagentexte dazu gelesen hat, kann ich nur Grobschneisen (vor-)schlagen, die, die im Grunde eigentlich – und lediglich wirklich – dabei lernt, bin ich selbst.

In diesem Sinne „lesen“ kann man nicht nur Texte. Auch Daten. Auch Filme. Auch Situationen. (Was jedoch alles in der Wissenschaft, die Wissen schafft, seltener vorkommt als im Leben.)

In diesen Bereich fallen im Übrigen die Disziplinen der Literaturrecherche, des Rezipierens, der persönlichen Literaturverwaltung (heutzutage mit Literaturverwaltungsprogrammen) und einiges an Mehr.

Schritt 2: …. und auf dem Fuße folgt …. das Verstehen (Verarbeitung)
[Ich habe die Informationen in meine Vor-Erkenntnisse integriert und das Ergebnis im Diskurs mit @jeanpol und @otacke abgeglichen.]

Das – in welcher Form auch immer – Gelesene baue ich dann in mein eigenes Gerüst an Vorerkenntnis ein. Das kann z.T. dazu führen, dass ganze Wände bei den Umbauarbeiten einstürzen. Je fundamentaler die Erkenntnis, desto größer die Baustelle – aber auch desto größer die Befriedigung nach vollendeter Tat.

Da nun durch die Um- und Einfügungsarbeit z.T. gravierende Veränderungen des Ursprungsmaterials geschehen, ist es im wissenschaftlichen Kontext essentiell (!) die gewonnen Erkenntnisse im Diskurs mit den Erkenntnissen von Forscherinnen und Forschern im gleichen Gebiet abzugleichen. Liegt man gar richtig weit weg vom Ergebnis der anderen, muss man vielleicht nochmals ran,… oder aber – das geht aber nur, sofern man sich schon eine Art „Stellung“ im fraglichen Gebiet erarbeitet hat – die Gebäude der anderen sprengen. Das klingt jetzt gar nicht so einfach, das Gute daran ist jedoch, dass sich in allen Gebieten tendenziell Untergruppierungen bilden, die sich in ihrer Art der Interpretation des Ausgangsmaterials ähneln und sich gegenseitig wiederum bestärken (sonst wäre die Wissenschaft in der Tat ein gar destruktives Geschäft. 😉 )
[N a c h d e m ich „marmeladenfest“ verstanden hatte, habe ich mit @otacke eine eigene Schule gegründet; dies ist im Übrigen eine der irritierenden Seiten des Schrittes 3, dass sich die eigenen Erkenntnisse in anderen Kontexten zu etwas anderem verselbständigen können.]

Schritt 3: …. wenn vorne lang genug etwas reinkommt, kommt vielleicht hinten auch wieder etwas raus… Hausarbeit, Abschlussarbeit, Dissertation, Fachartikel, Monographien (meist in der Reihenfolge) (vom Produzieren)
Habe ich nun einen entscheidenden Abschnitt meiner Bauarbeiten oben zuende gebracht, habe ich natürlich auch das Bedürfnis, diesen zu dokumentieren. Beim realen Bauen tut man dies in der Regel mit einer Fotografie. Ähnlich wie bei einem erstellten wissenschaftlichen Dokument sind darauf nicht die ganzen Mühen zu erkennen, manchmal nicht einmal das gesamte Gebäude. Aber meist ist eine ansehnliche Perspektive gewählt.

Während Haus- und Abschlussarbeiten – aufrund derer Kürze und abgegrenztem Themengebiet für viele noch leicht (bis manchmal auch schwer) erstellbar sind, scheitern die Mehrzahl auf der nächsten Ebene, der Doktorarbeit. Dies nicht nur deshalb, weil es sich dabei um ein quanitatives Mehr und Tiefer handelt, sondern weil die „Hütte“ bis dahin ja schon steht. Warum also eine „Villa“ draus machen? Dabei mag sich die Arbeit in der Tat lohnen. Alle Publikationen etc., die danach folgen sind in der Regel nur noch breiter oder nur noch tiefer – es wird danch also wieder einfacher.

Und was kommt dann? Schritt 4: Vom Lehren und Weitergeben….
Das Ende des Weges stellt wiederum gleichsam den Anfang dar. Es besteht in der Begleitung des Gegenübers bei genau jenen Schritten – und wieder ist es wohl so, dass aufgrund der ganz unterschiedlich formulierten Fragen zum gleichen Thema, aufgrund der erzwungenen Wiederholung, aufgrund der deshalb nachrecherchierten Details, wiederum der Lehrer/die Lehrerin am meisten lernt.

Es ist wohl halt alles irgendwie #ldl.

5 Antworten auf „Von „marmeladenfest“ zum Marmeladenfest – oder was Marmelade mit Wissenschaft zu tun hat“

  1. liebe mons7, deine reflexion ist sehr spannend, und nun muss ich dich was fragen, was mir keine ruhe laesst: wozu unternimmst du solche anstrengingen mit inputten und outputten und lesen und abgleichen mit alten wissensbestaenden und fremden usw?
    ich werde zu solchen anstrengungen immer nur von fragen getrieben, die ich unbedingt beantworten muss, weil ich sonst keine ruhe kriege. und ich dachte immer, das waere bei allen leutrn so. nun scheint das aber ein gewaltiger irrtum zu sein, denn bei dir ist es offenbar etwas anderes was dich zum „lernen“ treibt. jedenfalls kommen in deinem bericht fragen ueberhaupt nicht vor. was ist es also dann, was dich antreibt? gespannt: lisa

  2. Hi Lisa!
    Ich verstehe Deine Frage genau, ich kann sie aber lediglich in einem Bild beantworten.

    [Das bist Du] Du stehst auf einer Lichung, die Sonne scheint, der Platz gefällt Dir. Du entschließt Dich, dort Deinen Wohnsitz zu nehmen und siehst diesen – als Vision – schon sehr konkret vor Dir. Es fehlt nur noch, die entsprechenden Menschen zu mobilisieren und das Material zu beschaffen. Und schon bald wird Dein Traum (eigentlich ein visionärer Plan) zur Wirklichkeit.

    [So mache ich das – zumindest bisher] Ich stehe auf einer Lichtung, die Sonne scheint. Sie gefällt mir. Ich lasse mich nieder, jedoch fällt mir ein, dass ich ja nicht ewig in der Sonne herumliegen kann, sondern langfristig eine Unterkunft brauche. Ich scanne die Gegend… und werde einige Kilomenter weiter fündig: ein altes verlassenes Gebäude. Das soll es sein. Ich mache mich an die Renovierungsarbeiten, versuche es so gut es geht in Besitz zu nehmen. Ich nehme die Ecken und Kanten als gegeben wahr… und versuche das Beste draus zu machen.

    Gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen Kreativen und In-Besitz-Nehmern… oder trauen sich Zweitere einfach ersteres nur noch nicht zu? Das frage ich Dich, Lisa! Und jetzt bin ich gespannt 🙂

  3. Deine bilder finde ich wunderschön – und sie sind natürlich kreativ, was denn sonst? – um im bild zu bleiben: ich sehe mich aber völlig überschätzt als akteurin deiner ersten version. ich würde viel eher, wenn’s kühl und dunkel wird und ich wegen orientierungslosigkeit den heimweg nicht finde, einen schlafsack und eine isomatte und evt. noch ein Tarp auspacken und versuchen, die nacht ohne ein kilo schnecken im haar zu überstehen. (von kreativem hausbau kann bei mir also gar nicht die rede sein!)

    aber spaß beiseite. ich verstehe deine metapher von der lichtung und den verschiedenen möglichkeiten, zu einem dach über dem kopf zu kommen, so: es geht um das sich-heimisch-machen in der welt. dazu muss man sie „erkennen“, sich ein bild, eine „anschauung“ von ihr machen. man muss sie mit anderen worten LERNEN, um sie nicht als bedrohung sondern als wohnung erleben zu können. genau das tut man ja, wenn man sie „befragt“, um antworten darüber zu kriegen, wie sie tickt. und natürlich ist man nicht der erste, der fragt und antworten einsammelt. deshalb ist es sinnvoll, sein „haus des wissens“ nicht aus dem nichts oder nur dem eigenen bauch heraus konstruieren zu wollen, sondern mit den ruinen, villen und hütten zu arbeiten, die es schon gibt, indem man sie renoviert, restauriert, erweitert und umbaut. genau wie du es tust.

    wenn ich dann also meine nacht im freien verbracht habe, komme ich zu dir in dein renoviertes gebäude und klopfe an deine tür auf einen heißen kaffee und um eine dusche zu bitten. dafür helfe ich dir dann gerne bei den renovierungsarbeiten. 🙂

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