#opco11 und die (guten) Gründe, nicht-teilnehmender Teilnehmer zu sein

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Mich beschäftigt (aus persönlichen wie auch beruflichen Gründen) intensiv und ausdauernd die Gruppe der nicht-teilnehmenden Teilnehmer. Und noch mehr, die der Grenzgänger. Grenzgänger in dem Sinne, dass sie nicht-teilnehmende Teilnehmer sind und im Verlaufe eines (wie auch immer gearteten) Kurses zu teilnehmenden Teilnehmern werden … oder auch eben umgekehrt.

Konkreter: Ich hielt als WOT einige Online-Kurse ab (darüber habe ich hier berichtet), während derer sich für mich ein ganz ähnliches Bild bot, wie ich es jetzt beim #opco11 beobachten kann:
a) extrem hohe Anzahl an Personen, die sich einschreiben (im weiteren als die Gruppe “alle” 😉 bezeichnet)
b) relativ geringer Anteil extrem aktiver Teilnehmer
c) realtiv geringer Anteil (wechselnder!) Gelegenheitskommentierer, anzahlmäßig > b).

Meine damaligen Gedanken zur Situation (und das sind evtl. ähnliche bzw. analoge, die die Veranstalter des #opco11 jetzt haben mögen?) im Folgenden:

[aus der Perspektive des Lehrenden]
1. Freude über die hohe Zahl der eingeschriebenen Studierenden. (Was mein Hiersein rechtfertigt). Je mehr sich einschreiben, desto gefragter bin ich, desto sicherer mein Job bzw. desto besser meine Verhandlungsposition, wenn es um Fortsetzung von was auch immer geht.
2. (Insgeheime aber zweischneidige) Freude, dass nur so wenige aktiv sind. Weil die kann man mit der bezahlten Studenzahl ja so gerade noch handhaben/betreuen – manchmal auch nicht. Zweischneidig insofern, als mehr Aktivität wohl durchaus möglich wäre, so man einen Kurs anders didaktisch strukturierte, als dies gemeinhin üblich ist (und hier erhoffe ich mir Anregungen aus den kommenden Beiträgen der Woche 2 des #opco11).
3. Verunsicherung über den “großen Rest”.

Und es gibt m.E. durchaus gute (wie auch m.E. schlechte) Gründe, nicht-teilnehmender Teilnehmer zu sein.

Als einen guten Grund empfinde ich z.B.: Ich habe als Teilnehmerin – aufgrund anderer Prioritäten (Beruf, Familie) – ein ganz begrenztes Zeitpensum, das ich für einen Kurs eingeplant habe. Dieses nutze ich dann eben so, wie ich es für am effizientesten empfinde. Z.B. über Informations-Scanning, NACHDEM eine bestimmte “Bearbeitungswelle” abgeflaut ist, versuche mir die Irrwege der anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen “zu sparen” und nur ausgehend von (m)einer Fragestellung direkt hin zu den (für mich) besten Bearbeitungsergebnisse recherchiere.

Als einen schlechten Grund empfinde ich z.B.: Ich komme als Teilnehmerin mit der angebotenen Struktur (einfach) nicht zurecht. Mich interessiert zwar die inhaltliche Seite, allerdings finde ich den Zugang (aufgrund formaler o.ä.) Hindernisse nicht. Will heißen, hierfür gäbe es Abhilfe, die aber nicht angeboten/individuell nutzbar gemacht werden kann.

Mein erklärtes Ziel ist es nun – um das ganze mal in irgend einer Art auf den Punkt zu bringen – herauszufinden, was gute Gründe in diesem Sinne sind (und diejenigen TeilnehmerInnen dann in Ruhe zu lassen, weil sie ja autark/ selbstbestimmt und zufrieden sind) sowie diejenigen Gründe ausfindig zu machen die ich hier unter “schlechte Gründe” fasse und herauszufinden, wie man in diesen Fällen intervenieren kann, um über diese wie auch immer geartete Interventione/Angebot?/Ansprache? diese TeilnehmerInnnen von der Seite der Nicht-Teilnehmer über die Grenze zu den teilnehmenden TeilnehmerInnne zu locken (zu zerren?).

more to come – mons7

18 Antworten auf „#opco11 und die (guten) Gründe, nicht-teilnehmender Teilnehmer zu sein“

  1. Auch mich beschäftigt dieses Thema – daher hier weitere denkbare Gründe, ebenfalls eingeteilt in “gute” und “schlechte”:
    Gute:
    1. Das Kursformat lädt dazu ein, schweigend zu konsumieren – ich habe keinerlei Produktions- oder Erfolgsdruck und darf mir wirklich das rauspicken, was mich interessiert und den Rest ignorieren.
    2. Wie im Präsenzunterricht oder in geschlossenen Online-Kursen bleibe ich lieber im Hintergrund und trete prinzipiell nicht gern an die Öffentlichkeit treten, schon gar nicht an eine so große.
    3. Besser als die Autorin/der Autor XZY kann ich die Sache auch nicht auf den Punkt bringen.
    4. Ich arbeite langsamer als der Kurs “fließt”, bei mir müssen sich die Dinge erstmal setzen – was die Kursstruktur glücklicherweise erlaubt.
    5. Die bisher angesprochenen Themen sind noch nicht wirklich relevant für mich.
    Schlechte:
    1. Die Masse des Lese- und Hörstoffs überfordert mich, ich weiß nicht, wo ich anfangen und aufhören soll.
    2. Ich kann nicht entscheiden, was wichtig und was unwichtig ist.
    3. Es gibt zu viele Leute, das Ganze ist mir zu öffentlich.
    4. Ich habe Angst, mich zu blamieren – die anderen wissen ja viel mehr als ich und machen den Eindruck, klüger zu sein.
    5. Ich habe zwar etwas zu sagen, aber Angst, nicht wahrgenommen zu werden.
    So, mehr fällt mir momentan nicht ein. Wenn ja, schaue ich wieder hier vorbei. Aber das tue ich sowieso 😉

    1. Hallo Gaby,
      von Deinen guten wie schlechten Gründen kenne ich – jetzt wo ich die so lese – den einen oder anderen nur allzu gut!
      Z.B. den guten Grund 2. Wobei… ich mich real-körperlich-stimmlich zu exponieren als wesentlich anstrengender empfinde als textlich-virtuell. Du?
      Z.B. den schlechten Grund 1. Bei soviel Angebot… ist es doch eh aussichtslos durchzukommen, da fange ich mal lieber gar nicht an. Denn ganz oder gar nicht, das ist (m)eine Devise!

      Und was ich noch unbedingt sagen wollte: Danke für Deinen Kommentar, der ist GOLD(berg) wert!

  2. Hallo @mons7,

    ich bin einer dieser “nicht-teilnehmenden Teilnehmer”. Zeitlich passt es neben einer vollen Lehrerstelle einfach nur sehr sporadisch, an den Diskursen teilzunehmen… und wenn man die Zeit hat, findet man oft nicht den Einstieg.
    Es ist also weniger das Thema, sondern der Zeitfaktor. Nur und ausschließlich.

    Dies liegt an der Struktur einer universitär geplanten und mit einem Fokus auf Studierende ausgelegten Veranstaltung.

    Beispiel diese Woche: Durch Elternsprechtage bin ich heute und Mittwoch länger in der Schule – Mittwoch bis 19 h. Für den Online-Event von 17-18 Uhr ist das also unpassend… Außerdem brauche ich für die eingeforderte Lektüre einfach meine Zeit. Wenn ich einsteige, möchte ich auch qualifiziert teilnehmen und auf eine gemeinsame Definitionsbasis zurückgreifen. Die Allgemeinplätze und Meinungsäußerungen finden wir ja an anderen Stellen schon genug 😉
    Das ganze muss irgendwie in den regulären Alltag zwischen Unterrichtsvorbereitung, Teamsitzungen, Arbeitskreisen & Co. untergebracht werden… Nicht einfach. Andere Dinge haben durch den Zwang des faktischen einfach eine höhere Priorität.

    Was mir helfen würde, um zumindest die Zeiten etwas besser und spontaner zu berücksichtigen: ein digitaler Kalender, den man abonnieren kann. Gibt es leider bisher noch nicht.

    Hilft das ein wenig, meine nicht-teilnehmende Teilnahme zu verstehen?

    Gruß und schönen Abend,

    Felix (aka @schb)