Kleine aber feine Unterschiede – frisch aggregiert

Da habe ich letzte Woche auf Edudip (im Übrigen sehr zu empfehlen) eine kleine Session abgehalten. Das Thema: Twittern für Einsteiger. Nicht das Twittern im Sinne von „Wie melde ich mich an“ oder „Wo schreibe ich meine 140 Zeichen rein?“ … sondern vielmehr: Was es denn ist/sein könnte, das Menschen am Twittern und an Twitter (ach so sehr) *begeistert*. Das war also das Thema und ich hatte mir auch 10 Aspekte dazu überlegt. Diese kann man sich als Bildchen hier anschauen.

Das beantwortete jedoch nicht die (präsente und drängende) Frage der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Die Frage lautete nämlich: „Was ist denn, nach allem Gehörten, der Unterschied zwischen Twitter und Facebook?“.

Die Frage war mir so gänzlich neu und machte mich ganz perplex. Ich konnte sie auch – wiederum ehrlich gesagt – so aus dem Stand gar nicht beantworten, insbesondere da Twitter und Facebook für mich ganz und gar nicht vergleichbar sind. Je länger ich jedoch darüber nachdenke, desto einsichtiger wird mir die Frage. Da wie dort gibt es ein Feld, in das ich war reinschreibe. Da wie dort kann ich einen Link einfügen. Also doch gleicher als (ich) gedacht?

Für mich war die Frage – so vorab – nicht einsichtig, weil ich
– Twitter ständig nutze, Facebook nur rudimentär,
– auf Twitter nur Menschen folge, deren Input mich brennend interessiert, während ich auf #fb alles adde, was nicht bei drei auf den Bäumen ist,
– Twitter-Statements in 140 Zeichen für die intelligenteren und witzigeren im Vergleich zu #fb-Statements halte,
– Twitter einfach meine Kür ist und #fb nur ’ne lästige Pflicht.

Aber das wird mir alles erst jetzt und nach und nach klar, während ich so darüber nachsinnend vor mich hinformuliere. Klar habe ich die Frage gleich mal auf Twitter UND (ausnahmsweise auch) auf #fb gestellt. Der konkrete Text (der Frage) lautet(e): „Vielleicht wissen ja #opco11’er Antwort in 140 Zeichen? Unterschied zwischen #twitter und #facebook? #fb“. Hier eure Antworten, die ich für absolut inspirierend, wahr und interessant halte:

Art des Humors
Zunächst im für mich ganz typischen (und von mir goutierten) Twitterer-Humor @Konrad: „Na, der Unterschied liegt eben in den 140 Zeichen!“, @herrlarbig – in noch extremerer/eindeutiger Form – artikuliert seine Twitter-Vorliebe (verglichen mit Facebook) in der klaren Ansage: „Twitter nutz ich, Facebook nicht.“
@vilsrip mit seinem „Auf Twitter bekommt man darauf indiv. Antworten, auf FB erstellst du dafür unflexible nichtssag. Balkengraphikumfragen“ schlägt mit unverkennbarem Twitter-Humor in eine parallele Kerbe.

News vs. Beziehung
@ckoudela wie auch @heinz sehen den wesentlichen Unterschied in den Begriffen News/Inhalt/Content vs. Beziehung:
„#twitter – short messages & inhalt #facebook – soziales miteinander #opco11“, so das Statement von @ckoudela, und „Twitter ist ein News-Austausch-System, Facebook konstruiert und verwertet den Social Graph – ist ein Beziehungssystem“, so @heinz.

Hier würde ich auch die Hinweise Jürgen Ertelts einordnen (man beachte die außerordentlich unterschiedliche Art der Informationsübermittlung an mich je nach Kanal):
„Twitter zwitschert Schwarm-Nachrichten mit kurzem Verfallsdatum und ohne Personenbindung, Facebook bildet Gruppen von Personen, die ihre Nachrichten abgegrenzt betrachten und kommentieren“, via Facebook
oder in kürzer via Twitter:
„Twitter zwitschert Schwarm-Nachrichten m. kurz. Verfallsdatum u. ohne Personenbindung, – FB bildet Gruppen, die Infos abgrenzen.“

Peter Ringeisen hält die Kontakte u.U. für unterschiedliche je nach Plattform, bei Überschneidung oder Deckungsgleichheit zieht er ebenso den Inhalts-Beziehungs-Graben:
„In Ergänzung meiner Twitternachricht: Es kommt halt immer drauf an – nämlich darauf, wen du als Followers bzw. als Freunde um dich versammelt hast. Aber wenn es sich um dieselben handelt (eine gewisse Überschneidung wird es sicher geben), dann ist die Korrespondenz via Twitter textzentrierter – bei FB wird es durch Fotos und evtl. andere Hintergrundinfos persönlicher.“

Relativ klar abgetrennte Gruppierungen sind dies für Christian Schmidt
„Zwar kein aktiver #opoc11’er, aber: 2 verschiedene Netzwerke, in meinem Fall mit 2 verschiedenen Personenkreisen, die ich auf 2 unterschiedliche Arten nutze.“

Grad der (gefühlten) Privatheit
@biwifuhagen konstatiert die grundsätzlichere Offenheit von Twitter gegenüber Facebook:
„Vielleicht so: Meine Tweets kann auf Twitter jeder lesen, auf Facebook ist eine Freischaltung erforderlich.“ Oder in den Worten von @wruge (Wolfgang Ruge)
„Twitter: Offenheit als Prinzip. Facebook: Illusion von Privatheit.“
Und Beatrice Winkler erinnert an eine der eingängigsten Metaphern der letzten Zeit, die durchs Social Web (weiter-)getragen wurden, die auch mir gelegentlich untergekommen ist, deren Quelle ich aus dem Stand heraus jedoch genausowenig bestimmen mag.
„facebook = die leute, mit denen du in die schule gegangen bist. twitter = die leute, mit denen du gern in die schule gegangen wärst. 🙂 ps: geklaut, weiß aber nicht mehr, von wem.“

Als absolute Abschlussschmankerln die Statements zweiter Power-Frauen, die ich beide persönlich kennenlernen durfte: @hamster44, die mir via DM steckte, dass sobald #facebook für sich entdeckt werde, alsbald das ohnehin nicht allzu vorlaute Getzwitscher wieder eingestellt werde (woraus ich schließe, dass #fb „leichter“/eingängiger zu handhaben ist?) … und das Sahnehäubchen von @basadai (Malu Schaefer), das ihr euch als Betthupferl auf der Zunge zergehen lassen dürft:
„Auf FB kannst mehr schreiben, auf Twitter mehr quatschen – ganz einfach! ;-)“.

Genau. So einfach. 🙂 Eure mons7

9 Antworten auf „Kleine aber feine Unterschiede – frisch aggregiert“

  1. Witzig, beim Lesen des Anfangs dachte ich, ich hätte geschrieben (wenn ich die Frage gesehen hätte, entschuldige bitte): „Twitter nutz ich, Facebook nicht.“ Und dann lese ich exakt dieselbe Antwort von @herrlarbig. Was das nun wieder heißen mag? 🙂

  2. Fragen meines Hamsters an die Lernspielwiesen-Autorin und an mich:
    hat mons7 das Bild selbst gemalt? Es erinnert an die Picasso’sche Taube. David Hockney malt auch auf dem iPad, das weiß ich von Twitter. Warum kennst Du nicht dieses tolle Edudip, mons7 kennt es nicht nur, sie nutzt es sogar. Warum hast Du nicht so was Schlaues geantwortet wie vilsrip oder HerrLarbig? Warum hast Du ihr nicht das Video von meinem Freund Socius genannt

    Weiß mons7, dass Du ein fb-Verweigerer bist? Sag ihr sofort, dass wir nicht denken, dass fb einfach zu handhaben ist. Sag ihr, dass Du Wenig-Twitterer, insbesondere Ältere, gemeint hast, die – sobald in fb – das Twittern eher noch weiter herunterfahren. Kläre mal, ob sie das mit der Powerfrau wieder zurücknehmen kann (stimmt doch gar nicht). Schreib noch, dass es uns gefällt: Publish first edit after. Raffiniert. Machen wir jetzt auch so. Und frage sie, ob sie weiß, was eine DM ist 🙂
    p.s. sag ihr außerdem, dass sie excellente Tweets komponiert und dass sowas 140Kurzes auf fb gar nicht gut wirkt

  3. Puh, dann schnell doch noch Korrektur gelesen ;). Danke für Deinen Erfahrungsbericht (wie lief denn die Edudip-Sitzung genauer ab?) sowie die zusammengetragenen Aussagen zum Unterschied zwischen Twitter und Facebook!

    Ich finde die Zusammenstellung soweit sehr umfassend und kann auch soweit je nachdem mehr oder weniger zustimmen. Noch zwei Ergänzungen:

    a) Facebook ist irgendwie klebriger als Twitter – fand ich sofort einleuchtend, ist nicht von mir, stimme ich aber zu, obwohl ich beides nutze. (Wer eine Quelle hat/kennt darf gerne ergänzen).

    b) Viel dessen was Twitter ausmachen (kann) wird in dieser deutlich, die ich außerdem sehr unterhaltsam fand.

    P.S. Noch mal drüber schauen (zumindest einen Vertipper seh ich da) könnte man über den letzten Absatz.

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