Baggern auf Baustelle 1: Wie kann ich nur bloggen und Wissenschaftliches Schreiben (sinnvoll) verbinden?

Bildquelle. Ich kann mich noch wie heute an mein erstes Seminar erinnern. Da ich nicht wusste, dass es eine Unterscheidung zwischen Grund- und Hauptstudium gibt, nahm ich einfach an einer der Veranstaltungen teil, die nicht so maßlos überfüllt waren wie all die anderen. (Dass sich die Überfüllung regelmäßig nach den ersten drei Wochen des Semesters verflüchtigt, wusste ich damals auch noch nicht). Ich befand mich also – unwissentlich – in einem Hauptstudiumskurs, und einem vom Thema her recht unbeliebten: Geschichte der Erziehungswissenschaften, so war, so glaube ich mich zu erinnern, das Thema.

Da ich so neu wie mutig war, lies ich mir auch alsgleich das Thema für das erste zu haltende Referat vergeben, das da abzuhalten sei in zwei Wochen (eine Woche Karenzzeit wollte der damalige Dozent mir dann doch genehmigen, was mich seinerzeit wunderte, denn immerhin sollte doch eine Woche reichen, ein Referat mit Ausarbeitung vorzubereiten?).

Ich sollte zwei starke Stimmen der sog. Realistischen Wende in den Erziehungswissenschaften vorstellen, die mir namentlich benannt wurden. Da ich das bayerische Abitur und eine Ausbildung als Verwaltungsangestellte vorzuweisen hatte, hatte ich – zu damaligen Zeiten – an Referatserfahrung eine und an Ausarbeitungen ebenso eine – nämlich eine Art Facharbeit – vorzuweisen. Und das war’s. Kein Scherz. Und das erzähle ich jetzt nur um zu erklären, warum ich keine Ahnung weder von der Art und Weise der Erstellung einer Hausarbeit, noch vom Abhalten eines Referates hatte. Und, genau, ich war die erste, die dran war, konnte mich also folglich auch nicht an meinen Vorgängerinnen und Vorgängern orientieren.

Ich recherchierte also zunächst im (ja, das gab’s damals schon, jedoch rudimentärer und statischer) Internet. Erfreulicherweise lebten die beiden Namen noch, deren Theorien und Einfluss mir aufgetragen worden war zu erforschen, zu verschriftlichen und vorzutragen (so hatte ich meinen Auftrag verstanden). Da ich ein Glückskind bin – und wer an einer Uni oder FH beschäftigt ist, weiss, was für ein Glück das ist – habe ich beide (bereits emiritierte) Namen nach ca. 10 Anrufversuchen erreicht. Ich erklärte, dass meine Aufgabe sei, deren Forschungsansatz und Beitrag im Zeitverlauf zu würdigen, und deshalb Informationen bräuchte. Beide waren durchaus gesprächig. Der eine hielt mich ganze 2 Stunden an der Strippe, der zweite 2,5. Das Ergebnis waren meinerseits Notizen zu Anekdoten, Theorien, Einsichten kurzweilig und für eine sehr interessierte und nachfragende Studentin individuell aufbereitet.

Insofern fiel es mir nicht schwer, 10 Seiten genau so kurzweiligen Text zum Thema zu produzieren. Und vorzutragen. Allerdings entbehrte das Ergebnis jeglicher Quellenangabe. Es kam also mein Tag des Vortrags und Abgebens der zugehörigen schriftlichen Ausarbeitung. Verständlicherweise fragte mich der Dozent zu gegebenem Zeitpunkt, was denn die Quelle meiner Weisheit sei. Wahrheitsgemäßg erläuterte ich, dass ich diese aus zwei Telefonaten schöpfte.

Die Folge: Der Dozent lachte (mich aus?), übergab mir aber ansonsten kommentarlos meinen Schein.

Aus meiner jetzigen Perspektive als (auch ab und an) Lehrende muss ich gestehen, dass ich den Schein nicht so ohne weiteres Kommentar vergeben hätte. Ich hätte Nachbesserung verlangt in punkto Quellenangaben. (Auf 10 Seiten denke ich können schon so durchschnittlich 15 Quellenangaben kommen, oder??)… und auch hätte ich klargestellt, dass die abgegebene Ausarbeitung eher journalistischer Art sei, nicht jedoch wissenschaftlicher.

Aber ich denke, das fehlende explizite Feedback war auch der Grund, warum wir jetzt Bachelor- und Master-Studiengänge haben. Es sollte was in bestimmten und kleinen Aspekten verbessert werden 😉

… aber …eigentlich wollte ich ja über Schnittflächen von bloggen und Wissenschaftlichem Schreiben schreiben… da bin ich wohl etwas vom Thema abgekommen??

… nun ja, Morgen ist ja auch noch ein (Feier-)Tag 😉

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