Konferenznachlese #FaFoLeSo mit kleiner #opco11 Würze

Wenn ihr euch nicht nur auf der Lernspielwiese herumtreibt sondern mir auch auf Twitter folgt, wisst ihr es schon. Wahrscheinlich habe ich euch dann gestern mit meinen mit #FaFoLeSo verhashtagten Tweets in den Wahnsinn getrieben 😉 … #FaFoLeSo steht im Übrigen für Fachforum Lernen in sozialen Netzwerken. Und dort war ich gestern als Gast zugange, meine Eindrücke aus dieser Perspektive heraus in vier Aspekten:

Aspekt 1: Inhaltliches

Jürgen Pelzer: Erfahrungsbericht: Ein Lernarrangement unter Nutzung von Facebook in der universitären Religionslehrerausbildung kannte ich zwar der Spur nach schon (von einer Medienwerkstatt), war aber durchaus erfrischend für den Start in den Konferenztag. Und hat parallel dazu eine kleine Diskussion über Twitter ausgelöst, in der es darum ging, ob man als Dozent einer Hochschule die Studierenden auf Facebook “locken” dürfte, ob das “datenschutzethisch vertretbar” sei. Astrid Seltrecht: Netzwerkstrukturen eines universitären eLearning-Projekts, Ingo Blees und Richard Heinen: Eudtags – Entwicklung und Evaluierung eines spezielaisierten Social Bookmarking-Werkzeuges für Lehrkräfte, wie auch Elisabeth Stemmler: SVEA – Förderung der Web 2.0 Nutzung in der Organisations- wie Personalentwicklung in der beruflichen Weiterbildung und der Erwachsenenbildung haben mich nicht so überzeugt. Ersterer Vortrag, da ich den Inhalt des Vortrages – wahrscheinlich aufgrund meiner aktiven Twitterei nebenbei – nicht ganz durchdrungen habe, die beiden anderen aufgrund des “Puppenküchen-Effekts”.

[Exkurs: “Puppenküchen-Effekt] Darunter verstehe ich, dass Pädagogen und Pädagoginnen insbesondere dazu neigen, Parallelwelten zu erschaffen. Banales Beispiel: Ich möchte, dass mein Kind kochen lernt. Anstatt dass ich es an der Hand nehme und in meine eigene Kocharbeit einbeziehe, baue ich eine Puppenküche. Dort simuliere ich alles in der Hoffnung, dass das Kind das auf die Küche der Großen schon irgendwie übertragen wird.
Bezogen auf die Projekte: Warum baue ich etwas nach, das es schon gibt – anstatt jemanden bei der Hand zu nehmen und die bestehende Realität gemeinsam zu erforschen?

Claudia Bremer hat ein ernüchterndes Fazit zur Wiki-Nutzung in der Hochschullehre gezogen, und war damit Überbringerin einer nicht gerne gehörten Nachricht, jedoch überzeugend dargestellt. Es ist wohl so, dass viele Wikis (in der Hochschule) schreibenderweise von nur einigen Wenigen erstellt werden, brechen diese Wenigen (aufgrund von was auch immer) weg, kann das betreffende Wiki nur noch über bezahlte Mitarbeiter/innen belebt gehalten werden. Zudem werde im ersteren Falle zwar durchaus kooperativ, nicht jedoch kollaborativ zusammen gearbeitet (von der Korrektur von Rechtschreibfehlern einmal abgesehen).

Gar entzückt war ich von Vorträgen von René Scheppler und Torsten (ohne h) Larbig, wahrscheinlich weil es sich dabei gleichsam um Erfahrungswissen “von der Front” handelte, sprachlich zudem schön anzuhören.

Jochen Robes und das #opco11 Team bildeten den Abschluss mit Pauken und Trompeten, der (fast) nahtlos in den gemütlichen Ausklang überging: Das kreative Glas Rotwein.

Aspekt 2: Menschliches

Von Menschen, vom Körper und vom Geist.

a. Vom gelegentlichen Mehrwert von f2f

Das für mich an diesem Tag eindrücklichste und nachdrücklichste Erlebnis war die (körperliche) Anwesenheit von @herrlarbig. Dies dehalb, weil dadurch mein Bild, das ich mir online von ihm gemacht hatte etwas verrückt/zurecht gerückt wurde.
Vorher: Herr Larbig steht für Qualität in punkto Texten im Internet, hat eine Begabung Schwachstellen in Argumentationsketten und Ecken auszumachen, in denen man (sprich ich) weitergehender/tiefergehender recherchieren müsste, ich aber anstatt dessen eher “hinübergehuschelt” bin. Und das erkennt er nicht nur auf einen Blick sondern kann es auch auf den Punkt genau (sprich: in 140 Zeichen) formulieren.
Nachher: Siehe Vorher PLUS: Der Blick den Herr Larbig auf Exponate im Netz und auf die Personen dahinter wirft ist ein durch und durch wohlwollender. Zwar sieht er in die Tat die Schwachstellen in Bezug auf Inhalt und Form, aber der selbe Blick richtet sich gleichzeitig auf das vorhandene Potential. Die transportierte Aussage lautet also mitnichten lediglich “Hier musst Du nochmals dran”, sondern vielmehr “Da geht noch viel mehr!”

Auch wenn ich jetzt die Begegnung mit dem realen Herr Larbig hervorgehoben habe, so freute ich mich nicht minder über das Zusammentreffen mit der @designeon, mit @jrobes und ganz ganz besonders über das überraschende Wiedersehen von meinem Bildungsraum @khpape sowie den Abschlusskaffee mit@ittnerfa.

b. Geistiges und anderweitiges Futter

Es fällt meistens aufgrund der (geistigen) Inhalte unter den Tisch. Ich möchte diesem Punkt jedoch (verfressen wie ich bin) einen eigenen Punkt widmen: Die Versorgung im Gästehaus mit Speis und Trank war – man kann es nicht anders sagen – hervorragend. Ein herzliches Danke dafür.

Aspekt 3: Erkenntnisse/(Er-)Klärungen

Von Persönlichem zur Persönlichkeit

a. Schön, hier zu sein

Zwar war ich schon öfters auf Veranstaltungen dieser Art, jedoch immer aus ureigenstem Interesse. Dieses Mal war eines der ersten Male, mit einer Institution im Rücken. Sozusagen als Abgesandte und mit dem Auftrag, Neues aufzunehmen um (im Idealfalle) in die eigene Organisation einzuspeisen. Ich weiß. Eigentlich sollte es keinen Unterschied machen dürfen. Für mich macht es aber einen. Es ist schön(er), als Vertreterin nicht nur seiner selbst sondern (auch) noch einer anderen Instanz hier zu sein.

b. Respekt vor der Selbstbestimmung des Lerners

Ich möchte es ja eigentlich nicht gerne hören. Dass eine überraschend große Anzahl von Schülern (und wohl Studierenden) von sich aus nicht öffentlich bloggen mögen, sondern vielmehr wenn schon bloggen, dann nur im geschützten Raum. Ich höre auch nicht gerne, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Schülern und Studierenden nicht mit Klarnamen im Internet kommentieren mögen. Und so einiges weitere, was in diese Kerbe schlägt.

Das Fachforum hat mich nun dazu gebracht, diese Realität wahrzunehmen und zu akzeptieren. Nur weil mich öffentliches Schreiben und öffentliches Feedback motiviert, heisst das noch lange nicht, dass dies bei jemand anderem nicht andere Gefühle auslöst. Es mag eben nicht jeder Grüne Soße. 😉

c. Rekapitulation eigener Irrungen und Wirrungen

Was mich dazu bringt, auf meinen eigenen Lernpfad, die Umwege und Sackgassen zurückzublicken. Ich kann mich nämlich noch sehr gut an Zeiten erinnern – die noch nicht einmal so lange zurückliegen – zu denen ich selbst auschließlich mit mehreren Pseudonymen im Netz unterwegs war und ein Kommentar mit Klarnamen im Traum nicht in Frage kam. Den Durchbruch brachte mir wohl das Bedürfnis eine Rezension zu “Die Wonnen der Aspidistra” (nicht mehr online) zu verfassen. Schon erstaunlich, dass in einer Hardcopy für mich der Schlüssel zur Online-Welt lag.

Aspekt 4: Baustellen

Die Wissenschaft, die Wissen schafft.

a. Verbindung von Bloggen und Wissenschaftlichem Schreiben

Angeregt durch ein Pausengespräch mit Claudia Bremer, bei dem es um die Definition dessen ging, was denn Qualität im Rahmen des #opco11 ausmache(n könne), ist mir eine meiner Erwartungen an mich im Rahmen des #opco11 wieder eingefallen, die ich an keiner anderen Stelle je explizit gemacht habe, nämlich den Prozess der Produktion von wissenschaftlichem Textmaterial öffentlich zu machen. Dies ist aber bisher von meiner Seite mitnichten geschehen. Auf der einen Seite blogge ich, öffentlich, auf der anderen Seite versuche ich mich an dem einen oder anderen wissenschaftlichen Artikel, im stillen Kämmerlein, unerwähnt und unkommentiert. Zwischen dem einen und dem anderen gibt es keinerlei Verbindung. Das finde ich außerordentlich schade. Mir ist durchaus klar, dass ein Blogpost ungleich einem wissenschaftlichen Artikel ist – und auch sein muss. Dass es aber gar keine Überschneidungsflächen geben kann, halte ich für ebenso falsch. Ich suche also – so die eine Baustelle – nach Möglichkeiten, beides zu verbinden.

b. Zwischenfeedback #opco11

Weiters ist mir aufgefallen, dass sich die Organisatoren des #opco11 dezidiert Gedanken darüber machen, wie ihre Rolle ist, wie sich diese anders ausgestalten ließe, wie sie auch anderweitig ausfüllbar wäre etc. Bei dem einen oder anderen Gespräch wurde mir klar, wie sehr ich mit einem ausführlicheren Feedback geize. Faktisch mache ich mir ja Gedanken zum Format MOOC, zur Konkretisierung in Form des #opco11, zu den diversen Umsetzungsversuchen der Idee. Warum diese dann nicht einfach auch einmal mitteilen? Ein Feedback-Post zum #opco11 ist all so meine Baustelle 2… und mehr als zwei Baustellen braucht kein Mensch.

Bis auf Weiteres
m

P.S. an David Weiß: Danke für den Strom!

13 Antworten auf „Konferenznachlese #FaFoLeSo mit kleiner #opco11 Würze“

  1. Nichts zu danken. 😉

    Zu 4a)
    Auch wenn ich jetzt nicht so der aktive Blogger bin, hat mich genau das Thema (Wissenschaft und Öffentlichkeit) auch schon öfter beschäftigt, da es in der Tat da eine nicht allzu große Schnittmenge zu geben scheint (also auf einer eher persönlichen Ebene, wie es beim Blog meist der Fall ist). Da passiert anscheinend ganz viel im Verborgenen und ein öffentlicher Austausch würde meiner Meinung nach in vielerlei Hinsicht guttun.
    Gute Beispiele – nach dem Motto: Bloggende Wissenschaftler – bieten da aus meiner Sicht einige der Scienceblogs (http://scienceblogs.com/), die sich auch durchaus in der deutschen Variante (http://scienceblogs.de/) sehen lassen können. Beurteilen (zumindest ansatzweise) kann ich dies allerdings nur in dem Bereich der Naturwissenschaften, bei den anderen hab ich schlichtweg noch nie reingeschaut.

    Viele Grüße,
    David

    1. Oh wahnsinn!… Kannte ich gar nicht, gefällt mir gut! … Dann werde ich mir mal gleich ein bisschen Inspiration für Baustelle 1 (4a) holen gehen 🙂 …

      P.P.S.: Mein Dank wird Dich wohl ewig und drei Tage (aufgrund wechselnder Gründe) verfolgen.

  2. Vielen Dank, mons, dass Du hier alle Dokumente zusammengetragen hast und für die tolle Zusammenfassung des gestrigen Tages. Das ist mir eine wertvolle Hilfe. Ich hatte mich nämlich schon geärgert, weil ich erst am Mittag kommen konnte. Aber mit Deiner Zusammenfassung ist das ja halb so wild.

    Den letzten Teil Deines Beitrags kann ich jetzt nicht mehr lesen. Irgendwann ist es genug! Brauche jetzt Feierabend, aber morgen schau ich noch mal rein.

    Ich muss es noch mal wiederholen: ich fand es gestern wirklich toll, dass wir uns mal persönlich getroffen haben.

    1. Hallo @designeon, Du weisst doch, … je später der Abend (sprich: das Eintreffen auf der Veranstaltung)… desto interessanter der Gast!
      Und was ich oben (auch) noch vergessen hatte… Deine Twitter-Bio lautet ja zur Zeit: “Ich bin Spezialistin für crossmediale Kommunikation. Mein Motto: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile”, das trifft ja in der Tat voll auf Dich zu! Du bist (viel) mehr als die Teile, die im Internet von Dir wahrnehmbar sind.

      Ich wünsch Dir einen schönen Feierabend, einen schönen Feiertag… und mir, dass wir uns demnächst mal wieder treffen, um die Gedanken am Bahnhof weiter zu spinnen und umzusetzen.

      Bis auf Weiteres… 🙂 die mons7

  3. Hallo Monika,
    tolle Erkenntnisse. Vor allem die Tatsache, dass viele Studies anonym bloggen, ist mir im Verlauf des OpenCourse auch aufgefallen. Irgendwie merkwürdig, denn Bloggen beinhaltet ja die indirekte Darstellung der eigenen Person. Und ich weiß immer ganz gerne, mit wem ich es denn nun zu tun habe.
    Toll auch Deine Überlegungen zu den Reflexionen der OpenCourse-Leitung. Ich empfinde diese als sehr spannend. Das Format MOOC hat ein wahnsinniges Potenzial – hier muss man viel lernen, ausprobieren, sich austauschen. Damit das in Zukunft “gewinnbringend” für die aktive Beteiligung von Menschen im Netz genutzt werden kann.

    1. Hi Andrea,
      wenn Du einen MOOC zusammen mit ein paar anderen starten wolltest, welches Thema würdest DU dann wählen?
      Ich denke, mir würde einer zum wissenschaftlichen Arbeiten mit Schwerpunkt “digital” taugen.
      Einen schönen Abend noch wünscht Dir
      Monika

  4. Facebook zeigt meines Erachtens deutlich, weshalb man Anfänger davor warnen sollte, früh mit ihrem Klarnamen herauszurücken.

    1. Hi apanat,
      Warnung ist nicht so mein erziehungswissenschaftlicher Ansatz, eher Ermöglichung und Ermächtigung.
      Obwohl Dein Einwand sehr wohl seine Berechtigung hat!

      m

  5. Hm. Ich muss gerade ein Gefühl eingestehen, dass mich eher selten überkommt:
    Ich wäre gern woanders als in Hamburg gewesen wäre… vorgestern.
    Bei dir und euch auf der Konferenz. Um dich und euch mal zu treffen – und das Glas Rotwein hätte mich dann “in dem Kontext” auch gereizt…

    Danke auch für den Hinweis, dass die OpCo Organisatoren sich über Feedback freuen. Dann mach ich dazu vielleicht auch eine Baustelle auf…

    Und ich habe da noch eine innere Baustelle, die vielleicht zu deiner Baustelle 2 passt: Wie können wir gezielt einen Austausch von OpCo-ern mit ähnlichen Fragestellungen – oder einfach denen, die sich was geben können und wollen, beibehalten? Vielleicht gibt es schon ein gutes E-Learning-Online-Netz, in das wir uns einklinken können? Oder wir machen ein kleines eignes auf und schauen, was draus wird (wobei ich nicht das Rad ein zweites Mal erfinden muss, wenn es schon ein gutes gibt.)

    Hm – ich mach mal ein Post dazu – mal sehen, ob sich was ergeben kann.
    Da würde ich dann z B gern deine Entwürfe lesen und kommentieren, wenn ich was dazu zu sagen hätte. Und würde gern mal wen suchen, mit dem ich ausprobiere übers Handy zu lernen, mit dem ich in Adobe Connect spielen könnte, über Moodle und OLAT diskutieren, verschiedene Methoden zusammen durchdenken und ausprobieren… etc.

    Inspiriert und zwischen gefühlten 98 Baustellen grüßt dich und “die anderen”
    Jasmin

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