#opco11_9: Lernen in kleinen Dosen mit Martin Lindner

Bildquelle. „Als Microlearning werden […] kurze Online-Aktivitäten bezeichnet, in denen Nutzer entweder selbstorganisiert Antworten auf aktuelle Fragen suchen oder in denen sich Lerner in Anleitung oder Begleitung durch Bildungsexperten mit einem Thema auseinandersetzen.“ (Robes 2009, 2) Ersteres bezeichnet Martin Lindner hier als Mircro-Learning und zweiteres als Micro-Learning im engeren Sinne.

Obwohl dies mitnichten einem traditionellen Verständnis von Bildung entspricht, handelt es sich dabei um eine faktisch stattfindende [gleichsam natürlich und im Wildwuchs entstandene; M.E.K.]  Form des Lernens, so zumindest weiters  Martin Lindner. Wie man Micro-Learning allerdings nutzen und gestaltend einsetzen kann, sozusagen der Vorgang des „Designens“ sei noch eine offene Frage.

Denke ich an meinen Kindheit 1.0 zurück, so erinnere ich mich spontan zumindest  an zwei „gestaltete“ Formen des Micro-Learnings: Der Tages-Abreißkalender und das Beten des Rosenkranzes.

1. Der Tages-Abreißkalender. Dieser hing in so manchem Haushalt an exponierter Stelle, will heißen dort, wo sich ein Hauptteil des sozialen Lebens abspielte. Nämlich in der Küche. Hätte man die Einwohner eines dieser beliebigen Haushalte über Sinn und Zweck des Abreißkalender befragt, so hätte man aller Wahrscheinlichkeit die Antwort erhalten, na um auf einen Blick den Tag und das Datum festzustellen. Dies mag zwar stimmen, ich möchte jedoch den Blick auf etwas Weiteres lenken, weniger offensichtlich, nicht weniger relevant. Den Spruch des Tages. Je nach Ausrichtung des Kalenders hat es sich z.B. um Bauernweisheiten, Küchentipps oder Sprüche aus der Bibel gehandelt. Um nur einige Beispiele zu nennen. Der Spruch des Tages wurde nicht selten zu einem Thema des Tages. Erwähnt, manchmal kommentiert, oft diskutiert. Wenn das kein gestaltetes Micro-Learning aus den 70ern ist 😉

Der gute alte Themen-Abreißkalender transformierte wohl irgendwann in die Version 1.5, beispielhaft hierfür der Simplify your life-Newsletter.

2. Der katholische Rosenkranz.  Ich will der guten alten katholischen Kirche gar nicht unterstellen, dass der Rosenkranz bewusst als Microlearning-Tool konzipiert war 😉 . Lediglich will ich behaupten, dass er für viele „User“ diese Funktion (auch) eingenommen hat. Für alle nicht (aktiven) Katholiken, hier eine kurze Einweisung in die Funktionsweise.
Hinaus möchte ich auf Folgendes. Würde man für den Rosenkranz eine neue Microlearning-Einheit konzipieren, müsste man lediglich 5 ausgewählte Sätze/Units entwicklen. Jede dieser würde man einem der fünf „Gesätze“ zuordnen. Die Zehnerpäckchen schaffen durch die rituelle Wiederholung von ewig gleichem indessen den Raum für ein Nachdenken über die 5 Units.

An welche Formen gestalteten Micro-Learnings könnt Ihr euch zurückerinnern?

Aber genug der Vergangenheit nachgehangen, kommen wir zurück in die Gegenwart. Und zwar zur Wochenaktivität: „Welche neuen Möglichkeiten und Formate von Microlearning fallen Ihnen ein, die man in bestehende Arbeits- und Lernszenarien integrieren könnte?“ Hierzu fällt mir – gemäß meiner derzeitigen Hinwendung zum (mehr) wissenschaftlichen Arbeiten – meine eher unbefriedigende Art der Rezeption wissenschaftlicher Texte ein. Diese könnte ich mir sehr viel bereichernder in der Art vorstellen, die von mir zu jedem Text ohnehin gemachten Notizen in ein Audioboo zu verwandeln, auf den Ursprungstext zu verlinken und Texpassagen, die ich später zitieren möchte auch gleich als solche (natürlich MIT Seitenangaben! und online!) festzuhalten.

Das ganze also im Gegensatz zu meinem bisherigen Verfahren

a) öffentlich lokalisierbar (über URL des entsprechenden Posts)
b) sozial (weil meinem Netzwerk vor die Füße geworfen)
c) inhaltlich fokussiert (was sich noch verstärken wird, sobald ich (wieder) an (m)einer Dr.-Arbeit schreibe).

Was für mich sozusagen ureigenes Wissensmanagement bedeutete könnte ich somit als Micro-Content „in einem Abwasch“ potentiell interessierten Wissen(schaft)sarbeitern zur Verfügung stellen.

Soweit der Plan. Die Umsetzung verschieben wir auf …. Morgen. 😉

8 Antworten auf „#opco11_9: Lernen in kleinen Dosen mit Martin Lindner“

  1. Liebe Moni

    diese metapher der „kleinen Dosen“ fand ich sofort genial 🙂 man könnte sich dem foto folgend, ja durchaus vorstellen, es handele sich dabei im ganzen um einen längeren artikel, vielleicht eine dr. arbeit ;-), verstanden als eine komposition, eine partitur. der trick der kleinen dosen besteht darin, dass sie mit labels versehen und markant gegenüber dem umfeld abgegrenzt sind. so entsprechen sie eher unserem alltagserleben und können evtl. besser nutzbar gemacht werden…..
    jeder längere, komplexere lernprozess besteht ja letztlich aus schritten von lernen in kleinen dosen. nur wenn man versäumt, in regelmässigen abständen aufnahmen (aus verschiedenen perspektiven) von ihnen zu machen und sich darüber rechenschaft ab zu legen, ob jede von ihnen noch am passenden platz steht, vielleicht welche fehlen, andere überflüssig geworden sind, gerät die komposition zu einem sammelsurium.
    übrigens sind je die kleinen dosen deinem patchwork sehr ähnlich 🙂 halt irgendwie…männlicher…haha. oder so sollte ich es besser schreiben: dein patchwork ist den kleinen dosen ähnlich, halt irgendwie…weiblicher 🙂
    man beachte die unterschiedliche akzentuierung: das eine mit scharfen umrissen, das andere verwoben.

  2. Liebe Jutta,
    da macht ja das Flickerldeckerl auf einmal (wieder) richtig Sinn! 🙂 Du bist eine Meisterin der Worte, Bilder und Motivation 🙂

    Ein herzliches Danke an Dich
    m

  3. Den guten alten Abreißkalender kann man ja als Blog konzipieren! Einfach keine Texte (wie eben die Lebens-, Wetter- sonstwie- Weisheiten verbloggen; die Veröffentlichung auf jeweils einen bestimmten Zeitpunkt und Tag einstellen und voilá: Jeden Morgen prangt im Blog ein neuer „Abreißkalender-Eintrags-Blog“
    (allerdings bedarf es eben ersteinmal der Eingabe, aber auch da findet schon ein gewisser Reflektions und Lernprozess statt. Eben wir beim Spickzettel schreiben, das war auch so eine Art Micro-Learning)

  4. Hallo The Wanderer, …
    … sehr gute Idee… wobei das Konzept „A Blog-Post a Day“ denke ich ganz schön Disziplin und Einsatz erfordert.

    Den Versuch ist es allemal wert. Heute schon gebloggt?

    Herzliche Grüße

    mons7

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.