AudioBoo, Evernote …. oder vom Nutzen des (Be-)Nutzens…

Bildquelle.
Evernote könnte so nützlich sein. Notizheftchen, Post-its, kleine, mittlere und große Kladden, die sich bei mir in Handtasche und auf dem Schreibtisch wie in einem Biotop zur Erhaltung der Artenvielfalt von Notiermöglichkeiten tummeln, hätten sich für mich ein für alle mal erledigt.
Und wie mit Evernote ergeht es mir mit vielen Tools. Man hat sie, kennt sie, nutzt sie – nicht (wirklich). Obwohl der Sinn dieser unmittelbar einleuchtet, wie im Falle Evernote: Alles an einem Ort, alles in einem Format, schön praktisch verstaut im Smartphone, das ohnehin immer an der Frau ist.

Warum also nutze ich es nicht?

Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, und aller Wahrscheinlichkeit nach auch eine sein. Dennoch müssen auch die manchmal ausgesprochen werden, um anzukommen. Der Grund ist m.E., weil Handlungsabläufe (ich greife in die Tasche, klicke die Miene des Kugelschreibers heraus, schlage das Blöckchen auf) so oft (ein-)geübt wurden, dass jegliches anders handeln (auch als subjektiv besser empfundenes anders handeln) einen Mehraufwand bedeutet.

Konkreter.

Ich wollte gestern – nochmal schnell – meine Eindrücke vom #slo Stammtisch schildern. Die gewohnte Art und Weise dies zu tun wäre gewesen: Browser starten, Lernspielwiese Dashboard aufrufen, Eindrücke spontan runterschreiben (Inhalt), nochmals auf Wortwahl, Grammatik und Rechtschreibung drüberschauen (oder letzten Punkt weglassen und darauf hoffen, dass einen die Leser zeitnah auf kleinere und größere Peinlichkeiten aufmerksam machen).

Den Prozess könnte man sich doch ein kleines bisschen leichter machen, so dachte ich bei mir. Einfach frei von der Leber weggesprochen, in ein Audioboo hinein (subjektiver Eindruck: schneller – leichter: besser). Aber weit gefehlt. Die erste Version vom Morgen, war 10 Sekunden zu lang, ließ sich also nicht auf Audioboo hochladen (5 Minuten-Begrenzung). Die zweite Version war dann kürzer, war aber mitnichten besser auf den Punkt gebracht. Vielmehr verstand ich nach nochmaligem Nachhören gar nicht so recht, was ich eigentlich hatte sagen wollen. Das Überarbeiten bestand also in einer erneuten Neuaufnahme, der dritten ihrer Art. Die hatte dann dir richtige Länge (unter 5 Minuten), plötzlich gefiel mir aber Betonung und meine Stimme an der einen oder anderen Stelle so gar nicht mehr, und mein Akzent beim Sprechen kam mir auch zu arg heraus. Den kann man – bei einem guten alten Blogeintrag – eben nicht wahrnehmen. Da sich der Tag nun aber schon dem Ende geneigt hatte, entschloss ich mich großzügig über die genannten Unzulänglichkeiten hinwegzusehen … und postete meinen Beitrag mutig ins Web 2.0 hinein.

Exkurs nach Twitter.

Das Ganze erinnerte mich im Nachhinein an das Absetzen meines ersten Tweets. Nach dreimaligem Umformulieren gelang es mir mühevoll meine Aussage in 140 Zeichen zu (auszu-)drücken. Der sprachliche Ausdruck mißfiel mir dann jedoch so, dass ich mich spontan dafür entschied, etwas ganz anderes zu schreiben: „Das ist mein erster Tweet.“

Ergo:

Um das Potential eines Tools (für den eigenen Alltag) nutzbar zu machen, muss man es eine Zeit lang benutzen. Und erst wenn diese Benutzung so selbstverständlich abläuft, wie das Greifen zum Blöckchen und das Klicken des Kulis, bin ich bereit, es in meinen Workflow zu integrieren. Und jetzt wird mir auch klar, warum viele im Grunde gute Ideen (wie z.B. Unternehmens-Wikis) scheitern: Es gibt Alternativen, die man bereits (hier z.B. zur Information) nutzt.

…. und ich könnte noch stundenlang am Thema weiter sinnieren, aber es nutzt nix ;)… die Pflicht ruft.

Ein pflichtloses und nutzvolles Wochenende wünscht euch allen

die mons7

3 Antworten auf „AudioBoo, Evernote …. oder vom Nutzen des (Be-)Nutzens…“

  1. Evernote ist sinnvoll und ich nutze es auf 5 verschiedenen Devices – gestern z.b. Sohn sammelt LTB lustige taschenbücher. Ich bin auf Reisen und will sehen welche LTBs wir haben. Es wird immer gepflegt und dank Evernote immer aktuell – einfach nur machen

  2. Zeigt das nicht, wie wichtig der Zusammenhang und die persönliche Organisation, dafür ist, dass man etwas benutzt? Es gibt in Andrew McAdams Buch über das Enterprise 2.0 (http://andrewmcafee.org/enterprise-20-book-and-blurbs/) einen langen Abschnitt über das Akzeptieren von Tools, mit dem Ergebnis, dass das neue gefühlt neunmal besser als das alte sein muss, um verwendet zu werden. Und ähnliche Thesen spielen beim „Technology Acceptance Model“ eine Rolle; darüber hat gerade ein Student von mir eine Bachelor-Arbeit geschrieben. Bei dir kommt gut raus, dass es gar nicht so sehr um das einzelne Werkzeug geht, sondern darum, wie es in etwas eingebunden ist, das für dich sinnvoll ist.

    Ich benutze übrigens Evernote viel, weil man seine Notizen darin sehr gut organisieren kann. Allerdings archiviere ich mir damit vor allem Dinge, die ich irgendwann zusammen lesen oder über die ich schreiben möchte. Und bei Audioboo geht es mir ähnlich bei dir: Ich kann es nicht gut genug. Ich glaube allerdings auch, dass solche Kurz-Podcasts am interessantesten sind, wenn man etwas macht, dass nur in diesem Medium geht, also z.B. jemand interviewt. Beispiel die Cinchs von Scoble (http://cinch.fm/scobleizer).

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