Der Tod von Amy Winehouse via Twitter – oder was uns das über die Menschen hinter den Tweets sagt

Meine Timeline auf Twitter wird gerade überschwemmt von Postings zum Tod von Amy Winehouse. Keine schöne Nachricht, und auch über die Relevanz mag man sich streiten. Was mir beim Betrachten der verschiedenen Postings zur gleichen (Tat-)Sache jedoch einmal mehr auffällt ist, dass die Art, wie die Nachricht weitergegeben wird, Rückschlüsse auf die weiterverbreitende Person zulässt, die außerordentlich aufschlussreich sein können – wenn auch interpretationsbedürftig. [Warnung: Diese Kategorisierung ist aus der hohlen Hand geworfen und somit damit und allen sonstigen Schwächen von Kategorisierungen im Allgemeinen behaftet.]

Die Fakten-Poster.

Twitterer, die (vor allem) Tweets mit Links auf die Online-Präsenz klassischer Medien versehen bzw. die Tweets der Twitter-Accounts dieser retweeten sind sich – so interpretiere ich diesen Stil – sehr wohl bewusst, dass Meldungen (wie eben auch der Tod einer im öffentlichen Leben stehenden Person) Falschmeldungen darstellen können und beziehen sich gerade deshalb auf Quellen, von denen man heute noch annimmt, dass sie nachrecherchiert worden sind. Hier handelt es sich um Twitterer, die Twitter (auch oder vorwiegend) als zeitechtes (/-nahes) Informationsmedium nutzen.

Die Meta-Poster
Zu diesen zähle ich mich selbst. Ich habe richtig Schwierigkeiten eine Nachricht wie die vom (vermeintlichen?) Tod von Amy Winehouse zu posten. Zum einen empfinde ich es als ein bisschen pietätlos (auf der anderen Seite ist mir klar, wenn jeder so empfinde, so würde die Nachricht gar nicht ihren Weg durch Twitter finden), zum anderen denke ich, dass wenn ich schon so viele Postings zum Selben in meiner Timeline finde, wird das wohl bei meinen Followern ähnlich sein.
Allerdings kann ich auf einer Meta-Ebene darüber kommunizieren.
…. und der Tweet nimmt ja auch schon den vorliegenden Blog-Post inhaltlich vorweg. Unter diese Kategorie würde ich auch den Post von Mine_Gute subsumieren…

… oder auch den von @dieGoerelebt, nur etwas subtiler formuliert, weil erst im aktuellen Zusammenhang interpretierbar.


Fast würde ich aus diesem Grunde den letzten Tweet schon auch in der nächsten Kategorie als passend empfinden.

Die Anspruchs-Poster
Definitv darunter fasse ich den Tweet von @filterraum. Dies, da er in einem Wort auf kunstvolle Art und Weise andeutet und kommentiert, was er antizipiert, seine Follower schon zur Kenntnis bekommen/genommen hätten. Ist dies im Einzelfalle nicht der Fall, so erschließt sich die Bedeutung des Tweets unmittelbar im Nachhinein der Kenntnisnahme der Nachricht, die wohl aufgrund der Viralität unvermeidlich in Kürze eintreten wird.
Genau solche Tweets sind es im Übrigen, die ich an @filterraum sehr schätze. Da diese einen gewissen Anspruch an den Rezipienten in sich tragen und mit formulieren.

Die (Be-)Werter/In größeren Kontext-Steller

Reduziert man diese von @prcdv retweetete Nachricht auf die wesentliche Aussage, so gleicht diese derjenigen von @diegoerelebt, die sich ebenso der Schwemme gleichartiger Nachrichten über temporäres Offline-gehen zu entziehen gedenkt. Jedoch ist dieser Tweet bewertend, also auf der nicht Inhaltsebene von ganz anderer Art.

In die gleiche Kategorie (oder sollte ich die wohl trennen) würde ich den Tweet von @mcschindler packen, obwohl das in den Kontext-Stellen eher objektiv anmutet, zumindest im Vergleich zum @prcdv-Retweet.

Die Geschichtenschreiber

Geschichtenschreiber sind m.E. solche, deren Job auch sonst das Geschichtenschreiben ist bzw. deren Art es ist, aus Informationen Storys zu generieren. Etwas in der Richtung…

Die Kommentatoren
Auch eine meiner vorlieben Gattung an Tweets, gleich nach den Anspruch-Tweets. Beispielhaft derjenige von @DoppelM und @redaktion42, beide unter Anspielung auf die Alkohol- und Drogensucht der Betroffenen, die ihr (so möchte man spontan unterstellen) letztendlich das Leben gekostet hat.
Auch hier ist es (wie bei den Anspruchstweet auf andere Art, dort nämlich in Bezug auf Verständnis) eine Gratwanderung, nämlich die, die Anspielung so zu halten, dass sie auf ihre Art wahr, verständlich, galgenhumorisch empfunden und nicht als platt und daneben. Insbesondere – so zumindest mein Empfinden – beim Zweiteren besonders gelungen.

Wie kam die Nachricht bei euch in der Timeline an?

15 Antworten auf „Der Tod von Amy Winehouse via Twitter – oder was uns das über die Menschen hinter den Tweets sagt“

  1. Danke für die Zusammenfassung und auch Bewertung – und Respekt für die Schnelligkeit. ich war erst mal bei den Fakten-Retweetern (Reuters), weil ich nach wahrnehmen der Tatsache nicht gleich was dazu sagen kann. Im Gegenteil, mich ärgern immer diejenigen, die „schon immer wussten, dass es so weit kommen musste“, die gleich wissen, woran und warum sie gestorben ist. Wir sollten sehr, sehr vorsichtig sein mit unseren Urteilen. Nicht umsonst heißt Vorurteil Vor-Urteil, es ist eine Einschätzung bevor ich mir ein Urteil bilden kann. Was heißt, ich sollte mich mit den Tatsachen auseinandersetzen und dann erst mein Urteil abgeben – oder wie würde meine jüngere Tochter sagen: „Keine Ahnung? – Einfach mal die Fresse halten!“ (ich entschuldige mich für die derbe Ausdrucksweise, aber sie hat recht).

  2. Ganz ehrlich, bei mir kam sie gar nicht an, in diesem Sinne zumindest. Habe mal meine Blp.fm-Timeline durchgelesen und mich über einen RIP Amy Winehouse-Blip gewundert, aber mehr nicht. Als dann (gefühlt) ein Viertel aller Blips ein Winehouse-Song enthielten, habe ich die SZ aufgerufen und es dort erfahren…

  3. Oh. Danke für die Erwähnung. Überlege gerade noch wie verstanden ich mich fühle.
    In der Tat fand ich es nicht so einfach darüber ein sinnvolles Statement abzugeben. Es basierte hauptsächlich darauf dass ich nach jeder Nachricht über sie diese immer mehr als nächste erwartete. Stärker als bei irgendwem sonst, inklusive Doherty. Ohne mich über die situation lustig machen zu wollen. Ich glaube, ich sollte morgen mal drüber bloggen. Über Erwartungshaltungen, Drogenwracks etc.

  4. Das ist ein erfrsichender Einblick ins Getwittere für mich, danke dafür!

    Und ich glaube ich liebe meineTimeline (die ich paradoxerweise meist unegfähr einmal am Tag „nachlese“): Da gibt es nämlich nur „Meta-Tweets“ zum Tod von Amy Winehouse… Und mich interssiert das auch höchstens „in meta“…

    Was ich einafch nicht verstehe: Warum nicht einfach einen Tag warten und statt Twittern und Tweets nachlesen – äh – irgendwas anderes machen… die gut recherchierten Nachrichten von gestern lesen z. B. … 😉

    Gruß von Jasmin – immer noch nicht so recht in der synchronen Online-Welt angekommen

  5. Die Nachricht tauchte in meinem G -Stream auf, gepostet von einem „kommentierenden Tränendrüsendrücker“ – eine Mischung aus deinem kommentierenden Twitterer und einer weiteren möglichen Kategorie. Dabei gießt der Tränendrüsendrücker noch eine kräftige Portion Emosauce in die Nachricht ( in dem Fall: großartige Künstlerin, begnadete Stimme, tragische Figur, nur die besten Sterben jung, blabla).

    Interessant fand ich, dass auf G die gleichen Leute, die dort ein paar Tage vorher noch ein Loblied auf die ach um so viel höhere Qualität der Beiträge auf G gesungen haben, ein paar Tage später den Tod von rund 80 Norwegern hinter den Tod einer versoffenen, zugedröhnten Mittzwanzigerin stellen. Das zu begreifen ist mir derzeit noch nicht möglich.

    1. Hi @spani3l,
      das ist ja jetzt hochinteressant, was Du über die – ich will es mal „Tonalität“ nennen (plus Umfang) – auf G+ schreibst! Ähnliche Gedanken kamen mir in Bezug auf Postingverhalten Twitter vs. Facebook.
      Da ich jedoch auf Facebook nicht so zuhause bin (und noch weniger auf Google+) war mir das dann auszuwerten „ein Schuh zu groß“.
      Trotzdem bleibt die Frage:
      Bin ich geneigter die Perspektive „starb zu früh, hätte noch viel Kreatives leisten können“ auf Facebook/Google+ zu posten und die Stellungnahme „hat die letzten 5 Jahre kein Song geschrieben, wie kommt ihr drauf, dass das in den folgenden 50 noch was geworden wäre“ auf Twitter?
      Oder ist es eher so, dass man sich je nach „Grundhaltung“ für eine Plattform entscheidet, auf der man dann primär postet?

      fragt sich mons7

  6. oh Gott … wie ich es hasse, wenn Tragödien (auch eine Amy Winehouse hatte ein LEBEN auch wenn sie mit diesem aus uns gottseidank nicht bekannten Gründen schlecht zurecht kam) miteinander verglichen werden. Sollten wir nicht ein Ranking aufstellen welche Todesart und welcher zu tode gekommener Mensch mehr Mitgefühl verdient ? Oder habe ich da was missverstanden ? Also eine Amy Winehouse hat weniger Trauer verdient als die toten Norweger ? Hallo ? Bewegt sich noch was bei euch ? Die Probleme die Amy Winheouse offensichtlich hatte wünsche ich noch nicht mal der ignoranten Tweeterin und dem voll Mitgefühl triefenden Eisblock a la „versoffenen, & zugedröhnt“. Hilfe, ist mir schlecht … bei SO viel „Menschenliebe“ , würg !

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