Die Vorder- und die Rückseite von Twitter – oder warum persönliches Kennenlernen manchmal wichtig wird

Bildquelle (Ausschnitt). “Wieso ist Euch das persönliche Kennenlernen wichtig? Habt ihr vielleicht schon besonders schöne oder skurile Momente erlebt?” fragt die @punktefrau via Blogparade bei uns an und ab.

Und alles was ich hätte sagen wollen, ist in ganzer Blogschönheit schon gesagt worden. Und zwar hier von Dörte und dort von Heinz. So lag ich gestern Abend vor dem Einschlafen – ganz ungewöhnlich für mich – noch eine kleine Weile wach, um mir Gedanken über Twitter und den über das (z.T. gegenseitige) Lesen und (evtl.) darüber stattfindende Kommunikation, den einen oder anderen Schlagabtausch, die eine oder andere Ermutigung, aber auch die eine und andere beiläufig erwähnte Belanglosigkeit oder gute (und manchmal auch schlechte) Verlinkung einer Internet-Quelle, die einem gerade untergekommen ist….. der Wunsch nach Körperlichkeit entsteht.

Und das ist in der Tat seltsam. Denn gerade diese Nicht-Körperlichkeit des Gegenübers, das nicht auseinandersetzen müssen mit dem Status, den das Gegenüber in der physischen Welt einnimmt, mit seiner/ihrer Stellung in einer Unternehmenshierarchie, mit seinem/ihrem Geschlecht, oder seinem/ihren Alter ist es ja zu Beginn einer Twitter-Bekanntschaft, die uns die 140 Zeichen so wertvoll macht. Denn es sind genau nur diese: 140 Zeichen, die viele (im physischen Zusammentreffen) störenden Informationen eben nicht enthält. Mit enthalten hingegen sind – zumindest implizit und erfahrbar durch längeres Verfolgen – gar menschliche Züge und Eigenschaften. Ob ein Twitterling Humor hat, und wenn ja welcher Art. Ob er oder sie auf für jeweils relevante Informationen oder Provokationen erst einmal gar nicht reagiert, impulsiv dagegen schießt, ob jemand Kaffee- oder Teetrinker ist.

Und ich glaube genau das ist es dann. Nachdem zunächst Status & Co. wirksam ausgeblendet waren, kommt auf längere Zeit getwittert, die gar menschliche Seite des Gegenübers hervor. Und hat man diese lange genug wahrgenommen, so beginnt sich der erste Wunsch zu regen, genau diesen Menschen einmal physisch zu treffen. Je länger und intensiver die Verbindung andauert, desto mehr schmerzt der physische Abstand.

Und irgendwann ist es schlussendlich soweit. Nicht einmal erstaunt erfährt man – wahrscheinlich via Twitter – wer hätt’s gedacht – dass das Gegenüber die gleiche Veranstaltung gebucht und besucht. Denn auf wundersame Weise findet man auf Twitter schlafwandlerisch Menschen gleicher Interessengebiete. Ganz oft erkennt man das Gegenüber unmittelbar. Weil das Profilbild eine essentielle Information mit übermittelt. Manchmal muss man nach dem Gegenüber auch ein bisschen suchen, sich zur Not zusammentwittern.

Und gelegentlich zuckt man einen Moment zurück, weil es einen wie einen Blitz durchfährt, was passiert wäre, hätte man sich nicht zuvor via Twitter – im gleichsam (im traditionellen Sinne) status- und hierarchiefreien Raum getroffen.

[Exkurs: Beispiel eines fiktionalen Zusammentreffens mit Dörte, hätte ich sie nicht zuvor via Twitter gelesen.
Mit Elan swingt eine große Frau, eine sehr große und sehr schöne Frau an mir vorbei. Ich blicke nach oben, noch weiter, noch weiter… sie muss wohl an die 2 m hoch sein (so fühlt sich das mit 1,60 an). Und blicke in ein absolut junges Gesicht umrahmt von silbergrauem Haar, mehr silber als grau, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Drum herum die Aura von Kraft und Erfolg.
Vor Ehrfurcht erstarrt und erstaunt gehe ich mir ein Brötchen vom Buffet holen. Oder besser zwei. Denn ich bin ohne Twitter (oder SoMe im Allgemeinen) eher vom menschenscheuen Typ. Und ja, das löst in der Regel Gelächter um mich herum aus, wenn ich das zugebe.]

Doch dann sieht man den Zug um den Mund des Gegenübers und erkennt unmittelbar darin wieder die auf Twitter versprühte Art des Humors, dann dringt der erste Satz des Gegenübers ans Ohr und man muss unmittelbar denken, ja! Ich kenne Dich! So bist Du! Und gar nicht selten begrüßt man sich wie alte Freunde …. und irritiert damit das unmittelbare Umfeld, die sich spontan denken (müssen) “Um Himmels willen, wo kennen sich diese unterschiedlichen Menschen nur her?”

Während der Twitterer daneben nur denkt….. “oh, da ist ja der/die …..             mons7” 😉

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