Warum habe ich das geteilt? Vom sog. #sharing aus subjektiver Sicht

Quellenangabe.

[Was bisher geschah]

Es ist Wochenende, dideldum. Ich schnüffele auf meiner Twitter-Timeline herum, klicke hier und klicke da … lese mich hier und dort hinein. Ein Blog-Posting packt meine volle Aufmerksamkeit. Der Titel: „Alles ist Konstruktion – auch das Selbstbild“. Nachdem ich durch bin, und den Inhalt für „gut“ befinde, kopiere ich eine für mich entscheidende Stelle, zitiere diese auf Twitter, gebe den Link dazu … und …. teile ihn.

[Der Auslöser für diesen Blog-Post]
Eine unwesentliche Zeit später wird dieser von @fontanefan (Walter Böhme) aufgegriffen, und wiederum in seinen Blogartikel in Form eines Zusatzes miteingearbeitet. Die Frage die er darin stellt, ist an mich gerichtet: „Ich danke mons7 für den Hinweis und frage sie auch gleich, warum sie diese Studie geteilt hat.“

[Eine für mich erstaunliche Erkenntnis]

Die für mich erstaunliche Erkenntnis ist, dass auch mir meine Gründe und Routinen fürs Teilen nicht wirklich bewusst sind, ja, dass ich erst das darüber Nachdenken anfange, nicht einmal durch den ersten Artikel, sondern erst durch die Nachfrage von Walter.

Sie [Routinen des Teilens] sind vor allem implizit. Das sind Dinge, über die die User erst in einer Nachbetrachtung reflektieren. Stattdessen tun sie es einfach. Die Nutzer sind sich in den einzelnen Situationen nicht immer und nicht unbedingt bewusst, warum sie bestimmte Inhalte teilen oder warum sie bestimmte Kommentare dazuschreiben und was sie damit bezwecken. (Quelle)


[Grund und Anlass meines kleinen Teilens]

Warum habe ich ihn nun geteilt, den Link?

Weil mich die Quelle aus mehreren Gründen emotional berührt hat.

1. Persönliche Verbindung(en) zum Interviewten (wenn auch „über’s Eck“)

Axel Maireder, der interviewt wird und dem ich (seit kurzem) auf Twitter folge, tauscht sich in einer Wissenschaftlergruppe u.a. mit Julian Ausserhofer (den ich in Berlin zur re:publica getroffen habe, netter und intelligenter Typ) und Axel Kittberger (den ich zum BarCamp Wien kennen gelernt habe, und der mich jetzt noch jeden Morgen mit dem von ihm programmierten Bot erfreut).
Da ich auf Axel und Julian große Stücke halte (und bedauere, soweit weg von Wien zu wohnen, um nicht mal schnell an einem der Austasch-Treffen teilnehmen zu können), interessiert mich natürlich auch vertieft, was ein weiteres Gruppenmitglied zu sagen und zu bieten hat.

2. Ähnlicher Fragekomplex, an dem ich auch gerade herum überlege – ohne noch zu einem Ergebnis gekommen zu sein

Denn irgendwie überlege ich – zwar weniger strukturiert und geplant, aber beständig – an ähnlichen Themen herum. Ich habe anscheinend – in diesem speziellen Falle – nur „vekehrt herum“ gefragt. Mein Begehr zu erfahren war es nämlich z.B., was denn an den Inhalten dran sei, die eher geteilt werden, als andere. Aber anscheinend sind nicht die Inhalte der Punkt, sondern die Menschen, die teilen! Meine Frage war (offensichtlich) falsch/ungünstig gestellt.

3. Reflexion meines eigenen Bloggens
Hier hat mich besonders folgende Passage des Interviews angesprochen:

Was bedeutet das für professionelle Kommunikatoren, also für Journalisten und Unternehmen, und für das „Publikum“?
Das ist eigentlich eine falsche Frage. Wo gibt es denn dieses „Publikum“ heute noch?

Sie haben in Ihrer Studienzusammenfassung das „Publikum“ erwähnt.
Ja, aber ich bin eigentlich gar nicht glücklich damit, dass wir das jetzt auch wieder Publikum nennen. Das, was wir in der Studie mit Publikum gemeint haben, sind die Menschen, an die ich mich in einer bestimmten Situation wende. Weniger im Hinblick auf das massenmediale Publikum, sondern auf die intendierte und potenzielle Gruppe von Menschen, die ich erreichen möchte. Vielleicht müssen wir uns von diesem Publikumsbegriff verabschieden. Das Problem ist, unser Denken ist noch zu stark davon strukturiert.

Auf der einen Seite möchte ich euch auf gar keinen Fall als „Publikum“ begreifen, denn dann würde Kommunikation, Austausch, Feedback weg- oder zumindest sehr viel schwerer fallen. Auf der anderen Seite gehört wohl zum öffentlich Kommunizieren, Austauschen und Feedback geben eine (gehörige) Portion „Entertainment“ – wie man von Frank Elstner wahrscheinlich lernen kann, da er Meister darin – dazu. (Was mich – wenn ich es mir so überlege – dazu gebracht hat, wohl aus der großen Auswahl von zur Verfügung stehenden Accounts gerade seinen herauszupicken und näher anzuschauen. [=Antwort auf Daniels Kommentar])

4. Von der Einordnung meines eigenen Denkens über mein wissenschaftliches Arbeiten
Last but not least hat mich das Interview auch wieder zu eigenen wissenschaftlich gestrickten Untersuchungen motiviert. Irgendwie war mir die letzte Zeit die Theorie-Praxis-Schlucht zu breit und zu tief erschienen. Die Erkenntnissse dazu, wie Menschen auf Twitter und Facebook Medieninhalte teilen geben mir ein Stück weit den Glauben zurück, dass Wissenschaft evtl. doch handlungsrelevantes Wissen schafft (schaffen kann).

Und genau dieses Konglomerat an Gefühlen, Gedanken, Überlegungen wollte ich mit dem Link an euch (mit-)teilen.

[Schon seltsam. Euch einfach einen Link weiterzugeben ohne auch nur einen dieser Aspekte zu erwähnen bzw. eine dieser Fragen dazu zu stellen.]

Mein neues Motto lautet deshalb (bis Weihnachten):
Think (about yourself and why you are doing this) before you share.

Wir sprechen uns!
die mons

3 Antworten auf „Warum habe ich das geteilt? Vom sog. #sharing aus subjektiver Sicht“

  1. Ich freue mich auf Weihnachten!
    Denn ich befürchte so viel Nachdenken über die eigene Motivation seines Handelns könnte trübsinnig machen.

    1. Ja, die Festtage sind die Zeit der Besinnlichkeit, der Reflexion, bevor es im neuen Jahr wieder frisch, (fromm), fröhlich und frei ans Werk gehen sollte. Zu viel Nachdenken schadet 😉 Sowieso sollte man das Denken den Pferden überlassen, denn die haben einen größeren Kopf . Das sagt zumindest meine Mutter immer zu mir und meiner Mutter schenke ich mein vollstes Vertrauen :-).

      In diesem Sinne
      Frohes Fest & guten Rutsch
      Boris – nicht nur technisch begabt 😉

      http://www.jaegerwm.de/2011/12/2011-festtagsgruesse21/

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