Zur Debatte um offene vs. geschlossene Lernräume – und alles mögliche dazwischen

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Um was geht’s? 
Ein Thema (oder schon fast eine Mission), das (die) mir (herrührend aus meiner eigenen Lernbiographie) am Herzen liegt, ist die Öffnung geschlossener Lernräume – z.B. an der Hochschule. Ein geschlossener Lernraum ist z.B. der Seminarraum oder (aufgrund der pot. Masse der Anwesenden) schon als offener daherkommende Vorlesungssaal, aufs virtuelle übertragen der virtuelle Klassenraum im Learning Management System. Am anderen Ende des Kontinuums ist dann wohl ein MOOC wie der #opco11 zu verorten. Und dann gibt’s noch allerhand dazwischen.

Positionierung(en) und vorgebrachte Argumente
Alle, die mich gelegentlich lesen oder es mit mir persönlich zu tun bekommen haben, werden meine (eher) radikale Einstellung zum Thema schon vernommen haben. LMS abschaffen. Hochschule öffnen. Und zwar schnell. Also etwas entgegengesetzt der Praxis an meiner Institution, nur diejenigen Studierenden und am besten noch nur für die Zeit ins virtuelle Klassenzimmer einzulassen, die auch dann und dahinein „gehören“, in das mit einem Passwort „beschützte“ LMS, den Kurs dann noch mit einem Schlüssel geschützt, manchmal auch noch befüllt mit passwortgeschützten PDF-Dokumenten.

Beide Seiten bringen Argumente vor, die ich hier sammeln und nach und nach um Quellen ergänzen möchte.

Argumente

PRO geschlossene Lernräume CONTRA offene
Pg Fehler machen dürfen, ohne dass potentielle Arbeitgeber potentiell mit- und/oder nachlesen können.
Pg/Co – Datenschutz! (s. mehr unten)
Pg/Co – Urheberrecht! (s. mehr unten)

PRO offene Lernräume CONTRA geschlossene
Cg – Lernerleistungen weder weiter-/wieder verwertbar noch relevant.
Cg – Lerngruppen zu klein und gemeinsame Zeit zu kurz, als dass eine FachCommunity entstehen könnte.
Po – Potentielle Kontakte mit bereits bestehenden Mitgliedern einer FachCommunity
Po – Einübung unüblicher Textsorten (inhaltliche und formale Anforderungen)

Anmerkungen zu den (derzeitigen) Rahmenbedingungen – Urheberrecht und Datenschutz
Bildungsinstitutionen zeigen wenig Aktivität in Richtung auf Öffnung. Die Mehrzahl der Lehrenden ebensowenig. Was auch verständlich ist, angesichts von den derzeitig bestehenden Regelungen zum Urheberrecht und Datenschutz (wie ich kürzlich auf jener hier erwähnten Veranstaltung erfahren durfte).

Anmerkungen zum Urheberrecht
Beim Urheberrecht handelt es sich um eine Art Vermittlungsversuch zwischen dem Interesse an freiem Informationszugang auf der einen Seite und dem Interesse am Schutz des (eigenen) geistigen Eigentums auf der anderen. Deshalb darf ich bei meiner eigenen geistigen Leistung (wie z.B. bei diesem Blog-Eintrag, so er eine geistige Leistung wird) bestimmen, wie ihr den verwenden dürft (was ich ja auch über die Creative Commons-Lizenz getan habe). Ohne eine solche darf ich bestimmte geschützte Werke aber trotzdem und ohne Zustimmung desjenigen mit dem Urheberrecht ntutzen, und zwar legal. So z.B. für den eigenen wissenschaftlichen Gebrauch (sozusagen den „Eigenbedarf“ 😉 ) (gem. § 53 Abs. 2 Nr. 1 UrhG), ich darf in Maßen zitieren (gem. § 51 UrhG) und dann gibt es ja noch gemeifreie Werke wie z.B. Open Content oder eben entsprechend Creative Commons lizenziertes Material.

Jetzt werden in der Hochschule allerdings nicht nur selbst Geschriebenes (und mit Zitaten versehen) auf eLearning-Plattformen geteilt, sondern eben auch Teile von Büchern als pdf-Dateien hochgeladen. (Früher ging unsereins in die Bibliothek, heute wird’s bequem zur Verfügung gestellt). Das dürfen die Lehrenden ja auch, allerdings nur unter der Bedingung,

dass das so zur Verfügung gestellte Material passwortgeschützt ist
UND
nur für Teilnehmer genau dieser Unterrichtsveranstaltung
UND
unter der Maßgabe, dass die TNs sich verpflichten, die Passwörter nicht an andere weiterzureichen UND
das Material muss direkt zur inhaltlichen Verdeutlichung benutzt werden, also nicht „nur“ didaktisch geboten. (Alles in meinen eigenen Worten ausgedrückt, daher wahrscheinlich juristisch ungenau).
ERGO: DIE AUSNAHMEREGELUNG (zur Veranschaulichung im Unterricht gem. § 53 a Abs. 1 Nr. 1 UrhG) LÄSST- sobald man in der Art der Ausnahme Material einsetzen will – EINE ÖFFNUNG VON LEHRE NICHT MEHR ZU!

Anmerkungen zum Datenschutz
Genau wie das Urheberrecht soll auch das Datenschutzrecht vermitteln. Vermitteln zwischen dem Interesse, die Kontrolle über die Nutzung von Daten, die die eigene Person beschreiben (personenbezogen) (z.B. ob und welcher Gewerkschaft ich zugehöre, wie ich’s mit der Religion halte, was meinen Gesundheits- und Geisteszustand betrifft). In die Nutzung solcher Daten soll ich also einwilligen müssen (und diese Einwilligung muss die Frage welche Daten und wofür enthalten), so ich die Nutzung zulassen will.
Das andere Interesse ist der Erkenntnisgewinn.
Das Problem, das man nun hat, wenn man Lehre ins Internet hinein öffnen will, ist, dass sich Studierende mit ihren personenbezogenen Daten bei irgendwelchen Diensten anmelden müssen, z.B. WordPress. Und das „müssen“ Sie freiwillig tun. Was mache ich nun mit den Studierenden, die das nicht wollen? Und sie im Grunde aufgrund meiner Lehre zwinge, Dinge ins Internet zu stellen (und das Internet vergisst ja nichts), die sie hinterher evtl. wieder rauskriegen wollen würden, was jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin unmöglich sein wird? Ich glaube diese beiden Aspekte sind die Problematischen in Zusammenhang mit Öffnung von Lehre, allerdings wurde Datenschutzrecht nur ganz ganz am Rande während der besagten Veranstaltung gestreift. Weiss es jemand besser, der möge mich via Kommentar belehren.

Das System ändern vs. Regelungen didaktisch unterlaufen
Die Rahmenbedingungen (wie z.B. Urheberrecht) lassen sich nun mal nicht (schnell und mal eben) ändern. Ich halte mich also als Lehrende daran. Über Passwörter und Zugangsbeschränkung stelle ich technisch sicher, dass das Urheberrecht eingehalten wird. Und verzichte auf didaktische Experimente im Internet. Bin ich wagemutiger (und eher in Richtung Öffnung auf dem o.g. Kontinuum verortet), versuche ich technisch zu beeinflussen, dass bestimmte Inhalte nicht über Suchmaschinen aufgefunden werden (können).

Der Gedanke, der mich jedoch im Moment nicht mehr loslassen will, ist derjenige, dass ich mich auf dem Kontinuum ziemlich weit in Richtung Öffnung positionieren könnte, und diese Position über didaktische Art und Weise „sichern“ kann. Sozusagen die Regeln, wie sie nun einmal bestehen, nicht brechen, sondern didaktisch unterlaufen.

Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wie ich das konkret anstellen kann.

20 Antworten auf „Zur Debatte um offene vs. geschlossene Lernräume – und alles mögliche dazwischen“

  1. Eine Art hast du doch schon kennengelernt; die Weblogs- und Podcast im Master Bildung und Medien – eEducation (FU Hagen) können ja entweder offen geführt/bereitgestellt werden oder verbleiben auf dem Uniserver. Damit wird es den Studierenden freigestellt, in welcher Form sie ihre (ersten) Schritte zum Modulabschluss beschreiten möchten. Es werden immer mehr, die direkt öffentlich einen Blog betreiben oder ihre Podcast nicht mehr nur ins geschlossene Portfolio laden. Manchmal sind auch solche Übungsräume nicht zu unterschätzen. Ähnlich ist es mit meinem Wiki-Kurs in diesem Semester gelaufen. Geschlossen, nur nach Anmeldung – jetzt entdecke ich ab und an immer mal wieder ein paar öffentliche Fussspuren von Menschen, die mir vor einiger Zeit noch sagten: niemals würde ich öffentlich in einem Wiki posten 😉 Ich denke das Wichtigste ist es Spiel- und Testräume zu schaffen, Zeit zu geben und wenn möglich auch immer ein Auge auf die ersten Schritte in der freien Wildbahn des Netzes zu haben.
    Wir sind immer alle so enthusiastisch, wenn es um offene Lernräume geht und vergessen dabei oft, dass dieser Schritt auch mit viel Überwindung verbunden ist, den wir schon lange hinter uns haben. Das braucht Zeit und Geduld. Daher sollte man immer wieder die Möglichkeit bieten, es aber nicht erzwingen wollen – das Gras wächst nicht schneller nur weil man daran zieht 🙂

      1. Gras hat zwar ne fest Wurzel und kann auch wieder anwachsen, aber sattgrün sieht es dann nicht mehr aus – wenn die Wurzel beschädigt ist bleiben braune Stellen, denn die Gefahr besteht, dass man es ausreißt.

        Positive Erfahrungen befördern die Bereitschaft am Ball zu bleiben, negative Erfahrungen hingegen u.U. das Aus.
        Manche brauchen schlichtweg mehr Zeit – das kann neben technischen Hemmschwellen natürlich auch noch andere Ursachen haben. Letztendlich ist das vergleichbar mit einer normalen ftf Situation: wie bekommt man die eher stilleren TN zum Reden? Wie aktiviert man sie. Dabei gibt es viele Dinge zu beachten:
        * Zeit,
        * die Lauten etwas leiser stimmen, indem man sie mit anderen Dingen beschäftigt
        * Freiräume schaffen, in denen sich sicher bewegt werden kann
        usw.

        Zu dem Thema finde ich das Modell von Salmon (E-Moderation: 5-Stufen-Modell) interessant, weil es eben genau diese Punkte aufgreift

    1. Auch ich hatte dieses Semester die Wahl, mein Blog öffentlich oder geschützt zu führen, und habe mich für öffentlich entschieden. Dabei hatte ich aber unterschätzt, welcher Druck durch öffentliches Schreiben entstehen kann – zumal, wenn man ein Thema verbloggt, das in einem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Diskussionen, Ärger und Druck am Arbeitsplatz waren die Folge. Das hat mir ziemlich zugesetzt – und ja, die Gefahr besteht, das Gras auszureißen: ich war nahe dran zu kapitulieren und mein Blogprojekt abzubrechen oder die Betreuer zu bitten, passwortgeschützt weiter schreiben zu dürfen. Sicherlich habe ich dabei viel gelernt und nebenbei Futter für die Reflexion in der Hausarbeit bekommen, aber der Nervenkrieg hat auch Unmengen an Energie gebunden.
      Zum Thema Wiki kann ich Flo nur zustimmen: Ich hätte vor dem Wiki-Kurs im Traum nicht dran gedacht, in einem öffentlichen Wiki einen Beitrag zu leisten – zumal ich rein technisch schon gar nicht gewusst hätte wie….und auch jetzt noch zittern mir die Hände, wenn ich meine Gedanken einfach so in der „Welt“ verbeite 😉
      Viele Grüße Caroline

      1. … von 100% zitterfreien Händen kann ich mich auch freisprechen – gerade bei meinen Blogartikeln 🙂
        Aber vielleicht ist es gerade dass, was das Bloggen ausmacht. 😉 Bevor der Artikel freigestellt wird, wird er immer und immer wieder gelesen, durchdacht, verändert, verworfen, überarbeitet.
        Arbeitest du so genau und gewissenhaft, wenn du Dinge nur für dich selbst zusammenstellst?

      2. In unseren Lehrveranstaltungen nutzen wir die Wikis in der Regel passwortgeschützt, so dass nur die Lernenden Zugriff auf Daten und Editier-Möglichkeiten haben. Viele Studierende scheuen sich – berechtigterweise, wie ich finde – davor unausgereifte Gedanken und Erkundungen unmittelbar öffentlich zu machen. Durch die Öffnung des gemeinsamen Wikis, die Studierenden zum öffentlichen Arbeiten zu zwingen, macht keinen Sinn und widerspräche jedem Ansatz selbstbestimmten Lernens. Ich bitte die Studierenden in der Regel zu Beginn des Semesters darum, ihre Ausarbeitungen und Erkenntnisse zum Ende des Semesters, wenn alles im Seminar und im Wiki durchgearbeitet und diskutiert wurde auf der Learners´Garden Plattform (http://www.learnersgarden.de) für andere Lernende öffentlich verfügbar zu machen. Davon machen Studierende auch zunehmend Gebrauch, und da kann es dann auch von der Online-Community kommentiert, ergänzt und kritisiert werden.

      3. @wn… o.k., halten wir fest: Die Vorgabe zu machen, es muss alles drinnen im LMS passieren ist so einschränkend wie es muss alles öffentlich passieren.
        Ein „dazwischen“ wäre denkbar in Form von Wiki (alternativ Blog) (das/der Passwort geschützt ist) und wird von Uni gehostet,… oder man nimmt einfach hier so ein WP-Blog her, das man ja auch Passwort schützen kann, sogar nur auf bestimmte Seiten bezogen. (Mache ich ja auch.)
        Das bringt mich jedoch in folgendes Dilemma: Die Institution kommt mit der Bereitstellung der Infrastruktur nicht in die Pötte, WP darf ich aus irgendwelchen rechtlichen Bedenken nicht nutzen.

        Was mich wieder aufs LMS zurückwirft.

        Deshalb meine Frage: Bei euch selbst gehostet?

      4. @mons7
        ja , wir bekommen zentral Confluence als Wikisystem an der FU bereit gestellt und inzwischen läuft es auch ganz vernünftig. Ich habe aber vorher auch schon mit diversen anderen, auch öffentlich gehosteten Wikis gearbeitet. Aktuell kann ich die Basic-Edition von PBworks ( http://pbworks.com/using-pbworks-individual-classrooms ) empfehlen, die ist kostenlos in educational contexts zu nutzen. Ich glaube es gibt auch noch wikispaces ( http://www.wikispaces.com/content/wiki ), hab ich früher mal benutzt. Ansonsten hab ich uns im Learners´Garden Kontext auch schon Mashups gebastelt aus mehreren Etherpads und anderern kostenlosen Online-Services, siehe z.B.: hier ( http://learnersgarden.com/adhoc-lab/1/ ), da kannst Du auch das PBworks-Wiki im öffentlichen Einsatz betrachten (Menüpunkt „Im Wiki kooperieren“). Irgendwie geartete Verbote der Uni bezüglich der Nutzung externer Services gibt es bei uns auch immer, aber die machen aus meiner Sicht keinen Sinn, im Zweifel kann ich den Einsatz immer mit meinem wissenschaftlichen Forschungsauftrag begründen.
        Grüße
        Wolfgang

      5. Hi Caroline,
        ich wollte Deinen Kommentar nicht ignorieren, ich musste nur ein bisschen länger drüber nachdenken. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich aller Wahrscheinlichkeit keine Diskussionen auf Arbeit habe, weil mich keiner liest?
        Auf jeden Fall Respekt fürs trotzdem Weitermachen und Durchhalten! 🙂
        m

  2. Ich finde ja, dass ein MOOC nicht sehr viel offener ist als ein LMS-Kurs. Für mich haben beide gemeinsam, dass sie den tatsächlichen Lernraum eher verengen, weil sie keine sinnvollen Schnittstellen zum physischen Raum der Lernenden, zu unseren Schreibtischen, Sofas und Wiesen anbieten … nur mal so dahin-kommentiert
    Grüße
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,
      Dein (eigentlich kurzer) Kommentar hat 1000 Gedanken in mir ausgelöst.
      Zunächst: War ich vollkommen überrascht. Dann: Hm. Vielleicht ist das Gegenstück von geschlossen ja eher „öffentlich“.

      (Exkurs:) Und ja (unabhängiger nächster Gedanke), eLearning an sich hat Lernraum (auch anderweitig) erst einmal verengt, da man zu unserer Studienzeit ja z.B. frei in jedes Seminar/jede Vorlesung spazieren konnte, man musste noch nicht einmal eingeschrieben sein. In so einen eLearning Kurs kommt man nicht so leicht rein.

      Doch zurück zu Deinem offen.
      1. Wie könnte so eine Schnittstelle aussehen?
      2. Offen also als „kompatibel“? Oder „transform“ (falls es das Wort gibt)?

      (Exkurs 2:) Wenn ich in meiner Rolle als Lehrende versuche, wissenschaftliche Theorie auf Erleben von Studierenden zu beziehen,…. begebe ich mich immer auf Glatteis. Es kommt mir vor, als verlasse ich (ungebührlicher und verbotener Weise) das Feld der Wissenschaft.

      So. Das musste jetzt schnell niedergeschrieben werden. Auch wenn noch unausgegoren und verwirrt.

      DANKE FÜR DIE INSPIRATION. 🙂

  3. Ich setze ePortfolios im Rahmen einer Ausbildung zur studentischen Schreibberaterin ein. Im WiSe war der erste Testdurchlauf, im SoSe geht’s dann in eine zweisemestrige Ausbildung.
    In meinem Kontext sind vollkommen offene Lernumgebungen nicht ohne Weiteres möglich. Studierende eignen sich zunächst die nötigen digital literacies an, viele fordern da eine geschützte Lernspielwiese ein.
    Später dann tauschen sich die angehenden Schreibberaterinnen über Erfahrungen mit ratsuchenden Studierenden aus. Auch da fordern sie gezielt geschützte Räume, um sich offen über das austauschen zu können, was in den Beratungen besprochen wird. Da kommt teilweise auch mal unerwartet viel Privates auf den Tisch, was im offenen Netz nichts verloren, wohl aber seinen Platz in der Schreibberaterausbildung hat.
    Offene Lernumgebungen sind eine feine Sache. Mit einer „radikalen Einstellung“ zum Thema sollte man aber meiner Erfahrung nach vorsichtig sein.

    1. Also gut. Ich mäßige hiermit meine Einstellung.
      Das mit dem „unerwartet viel Privates auf den Tisch“ kann ich nachvollziehen und stimme Dir zu, dass dies trotzdem seinen Platz haben muss, wenn auch nicht netzöffentlich diskutierbar.

      Es gibt auch in meinem Leben mindestens einen Aspekt, den ich nicht unbedingt im offenen Netz diskutieren möchte.
      Falls ich – wider Erwarten – trotzdem in dieser Form damit konfrontiert würde, interessierte mich jetzt schon mein Umgang damit. 😉 🙂

  4. Oh, jetzt sind aber alle gespannt!!!

    I whisper you a secret: „There is more than one aspect!“ (absolute Insiderinformation).

    „OH, wie schade“, ruft die Netzgemeinde.

    Und schon ist die Spannung wieder raus.

  5. @mons7
    „Wie könnte so eine Schnittstelle aussehen?“
    Also ich beschreib einfach mal eine Situation aus meiner Lehrveranstaltung im vergangenen Semester (Gestaltung multimedialer Lernumgebungen für Lehramtsstudierende): Eine Studierendengruppe hat sich das Thema »Schallgeschwindigkeit« ausgesucht. Es ging darum, eine angemessene Vorstellung davon zu bekommen, was Schallgeschwindigkeit ist. Sie forderten die anderern Teilnehmer der Lehrveranstaltung dazu auf, die Geschwindigkeit des Schalls zu bestimmen. Als Hilfsmittel, um das zu tun, waren zwei Klanghölzer und ein Maßband erlaubt, die Smartphones der Studierenden und der Rechner mit Audio-Editor (sichtbargemacht an einer Smartboard). Mehrere Studierenden-Gruppen diskutierten ihre Lösungsansätze und einigten sich dann nach mehreren Gedankenspielen und Rückfragen an die Initiatoren auf ein Verfahren, das tatsächlich geeignet ist, in ungefährer Annäherung die Geschwindigkeit von Schall in der Luft zu bestimmen: Mehrere Gruppen verteilten sich auf den Fluren unserer Uni und realisierten dort folgende Versuchsanordnung: Sie rollten 10 Meter des Maßbandes den Flur entlang aus und legten an jedes Ende des Maßbandes ein identisches Smartphone. Sie stellten den Audio-Rekorder des Smartphones (Im Falle des Iphones z.B. die vorinstallierte App: „Sprachmemos“) auf »record«. Ein Studierender ging in die Mitte der beiden Smartphones (5 Meter-Marke am Maßband) und erzeugte ein Klickgeräuch mit den Klanghölzern. Dann ging er möglichst leise weiter hinter eines der Smartphones und erzeugte erneut ein Klickgeräusch. Nun wurden die Aufnahmen gestoppt und per E-Mail an den Rechner an der Smartboard geschickt. Dort konnte nun im Audio-Editor Millisekunden genau die Zeitdifferenz vom ersten zum zweiten Klick ermittelt werden. Da 10 Meter für die hohe Geschwindigkeit ein sehr geringer Abstand ist, ist die Gefahr von Messungenauigkeiten sehr groß, deshalb haben mehrere Gruppen die gleiche Messung auf verschiedenen Fluren durchgeführt. Aus allen Ergebnissen wurde von den Studierenden schließlich ein Mittelwert gebildet, der von der Größenordnung her recht nah an dem offziellen Wert der Schallgeschwindigkeit lag (der z.B. im entsprechenden Wikipedia-Artikel nachgelesen werden kann).

    Was der Witz gegenüber der bloßen entsprechenden Information, die ich möglicherweise in einem MOOC erhalten hätte oder in einem Video in einem LMS-Kurs, ist, dass die Lernenden eine sehr viel intensivere Vorstellung davon entwickelt haben, was Schall ist und wie er sich ausbreitet. Die Ergebnisse und der Prozess dahin werden von den Studierenden in einem Wiki zusammengestellt und sind dann für spätere Nutzungen z.B. auch im Rahmen ihrer Portfolioprüfung nutzbar.

    Ähnliche handlungsorientierte Aktionen habe ich auch schon in der Schule mit Schülern realisiert, wo es im Mathematik-Unterricht darum ging, zu verstehen, was es mit der Zahl Pi auf sicht hat. Dazu gingen alle Schüler mit einem Maßband raus auf die Straße und maßen Umfang und Durchmesser der Autoreifen von PKW´s die am Straßenrand parkten, usw. Nach Vorstellung des Nutzens der Zahl PI war plötzlich allen klar, wie hilfreich diese Zahl sein kann, wenn man Umfang, Flächen oder Durchmesser von runden Gegenständen ermitteln will.

    … also die Schnittstelle zum Online-System ist für mich z.B. ein intuitiv bedienbares Wiki, das mir keine unnötigen Handlungen abverlangt während ich meine Erkenntnisse externalisiere, strukturiere und anderen verfügbar mache.

    das sind zwei Beispiele von vielen ….
    würde mich freuen, wenn sie zum Nachdenken anregen.

  6. Ich habe in den letzten Jahren als Lehrer an einem Gymnasium in meinen Oberstufenkursen mit einem LMS gearbeitet (lo-net2), durchaus erfolgreich, was die Content-Bereitstellung betrifft, aber sehr unbefriedigend in Bezug auf die kursinterne online-Diskussion (z.B. Foren, Chat, Mail). Im letzten Jahr habe ich ergänzend Facebook in die Arbeit einbezogen, einerseits durch gezieltes Posten von unterrichtsrelevanten Links, andererseits durch verdeckte persönliche Kommunikation mittels Nachrichten bei Fb. Voraussetzung war, dass alle SuS, die einbezogen wurden, auch schon bei Fb waren; das waren immer 100%. Außerdem fühlte sich niemand verpflichtet, mir eine Fb-Freundschaft anzutragen. Die offenkundige Fb-Datenproblematik war allen Beteiligten bekannt. Hier funktionierte die Kommunikation hervorragend, wobei die SuS individuell auswählten, ob sie verdeckt kommunizierten oder ganz bewusst öffentlich, immer ohne wirkliches Risiko, diese Kompetenz einer positiven Identitätsbildung im Netz beherrschen junge Erwachsene aus dem gymnasialen Bereich offensichtlich gut. Gelegentlich wagten sich auch SuS an eine fachliche Diskussion in einem von mir initiierten Thread heran, allerdings meist mit kurzen Beiträgen. Hier sehe ich eine Chance, vorsichtig an spätere Wiki- und Blogarbeit heranzuführen. Wenn SuS social media wie Fb als Chance für fachliches Lernen erkennen, ist schon einiges gewonnen. Eine nächste Stufe wäre dann z.B. eine geheime Lerngruppe bei Fb, vielleicht später auch eine geschlossene Gruppe. Der Vorteil liegt darin, dass die SuS Fb täglich benutzen und die Kommunikationskanäle nicht mühsam wechseln müssen. Ich kenne durch Zufall eine hervorragend funktionierende studentische Gruppe bei Fb, die sowohl fachliche, als auch eher private Belange lebendig kommuniziert, besser als jede universitäre Plattform; der Administrator muss nur aufpassen, dass er nicht aus Versehen eine Lehrperson aufnimmt 🙂

  7. „diese Kompetenz einer positiven Identitätsbildung im Netz beherrschen junge Erwachsene aus dem gymnasialen Bereich offensichtlich gut.“ … und „besser als jede universitäre Plattform“
    geben mir Hoffnung und Bestätigung (zugleich)!

    Herzlichen Dank für Deinen Kommentar, Klaus!

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