Nein! Diese Pizza ess’ ich nicht!

Ja. Ich halte mich ja für eine (ziemlich) aufgeschlossene Person, (zumindest) wenn es um technischen Neuerungen, noch ein neues Social Network, oder die nächste Ankündigung der letztendlichen Killer-App geht.

Gestern jedoch bin ich – schneller als gedacht – an (m)eine Grenze gestoßen. Just am Frankfurter Bahnhof leuchtet mir rot ein *Pizza-Back-Automat* entgegen. Neugierig irritiert bleibe ich erst stehen, um mich dann zu entschließen, ein Foto zu schießen.

“Nein. Diese Pizza ess ich nicht. Denk’ ich bei mir.”

Drei U-Bahn-Stationen gen Heimat weiter, sinne ich immer noch über Sinn und Unsinn eines solche Automaten und darüber, warum genau an dieser Stelle. Die Frage beschäftigt mich so sehr, dass ich sogar noch das Foto darüber twittere. Es entspinnt sich der eine und andere kleine Dialog darum, leider kann ich keinen meiner Dialogpartner zum vor- und verkosten überreden (um mir danach darüber zu berichten).

Aber halt. Diese Situation kommt mir mehr als vertraut vor. Allerdings bin ich dabei in einer anderen Rolle. Nicht derjenigen der ungläubig großäugig davor Stehenden, sondern der die Vorzüge des Automaten… Anpreisenden.

Der Automat
Und der Automat ist in diesem Fall ein Programm. Ein LMS, nicht mehr das Neueste und auf dem neuesten Stand, aber solide und brauchbar. Und für dieses bin ich bei uns an der FH zuständig. Und in diesem Zusammenhang habe ich es grob gesprochen mit drei Gruppen von Lehrenden zu tun: Den Hard-Core-Usern, den Gelegenheitsnutzern, … und den Nicht-Nutzern. Letzteren stelle ich das LMS auf Anfrage oder Eigeninitiative meinerseits vor, mit oftmals genau jener oben von mir beschriebenen Reaktion bei meiner ersten Begegnung mit dem Pizzaautomaten. Ungläubiges Schauen, erstauntes Raunen. “Ein Programm zum Lehren/Lernen? An einer Präsenzhochschule?”

Der Unterschied
Der Vergleich, so mag man sich schon denken, hinkt jedoch. Und zwar in Bezug auf das LMS verglichen mit dem Backautomaten. Während der Backautomat nur auf der Empfängerseite eines menschlichen Wesens bedarf, bedarf das LMS eines menschlichen Wesens, um überhaupt funktionsfähig zu werden. (Was man dem LMS “von außen” und ohne es selbst mal erfahren zu haben nicht unbedingt unmittelbar ansieht.)

Gleichsam als sitze der Pizzabäcker in der roten Kiste, schiebe darin den frisch belegten Teig in das integrierte Steinofen-Segment, um es gerade zur rechten Zeit dort wieder herauszuholen und gleich darauf durch den dafür vorgesehenen Schlitz zu schieben.

Die Schlussfolgerung
Kann es sein, dass die Vorgehensweise das/ein Tool vorzustellen, und das ohne umfassende Vorstellung davon, wie der/die Lehrende lehrt und welches die didaktischen Fragen und Überlegungen sind, an denen er/sie sich gerade abarbeitet, ohne sich einmal die eine oder andere Veranstaltung vorab angesehen zu haben, genau DAS beim Betrachter auslösen muss, nämlich den Gedanken “Dieses LMS nutz’ ich nicht!” ?.

Ergo und Note to myself:
Verzichte darauf, vom Tool aus( vorzu-)zugehen, sonst Backautomat!

2 Antworten auf „Nein! Diese Pizza ess’ ich nicht!“

  1. Die Schlußfolgerung halte ich für logisch. Als ich am Anfang des Semesters die Aufgabe bekam, fünf verschiedene Weblogs zu evaluieren, habe ich genau wie viele Mitstudierende gedacht: warum soll ich die Tagebücher anderer Leute lesen? Nie wäe mir in den Sinn gekommen, dass das mein Lernen und Denken völlig auf den Kopf stellen würde. Wenn der Mensch schon am Anfang seines Lebens durch Nachahmung und Ausprobieren lernt, warum sollte sich das später grundlegend ändern? Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht – es sei denn, der Hunger treibt’s rein. Appetitliche Häppchen anbieten, dann klappt’s auch mit dem Nachbar-Lehrenden.

  2. Danke Monika für Deinen anschaulichen Vergleich geistiger Nahrung mit der physischen Nahrungsaufnahme. Ich denke, diese Ähnlichkeit ist hilfreich bei der Beurteilung neuer oder anderer Formen von Lehre und Lernen.
    So kritisch sehe ich das LMS als Pizza-Back-Automat gar nicht. Wenn das Angebot nur verlockend genug ist – in dem Moment wo ich es brauche – bin ich froh über den LMS-Automaten. Ich weiß auch, dass ich da sicher kein auf mich abgestimmtes Wissens-Menü bekomme, aber für den Moment werde ich halt satt.
    Der Ernährungsvergleich trifft auch deshalb, weil wir bei der Ernährung ja auch wählen können zwischen selber Kochen und Essen gehen. Beim selber Kochen suchen wir uns zunächst die Zutaten zusammen, die wir dann in einem (immer routinierter werdenden) Prozess zu einem individuellen Gericht zur eigenen Ernährung aufbereiten. Das ist zielführend, aber leider auch aufwändig.
    Also nehmen wir Einladungen zum Essen gern an. Das ernährt ja auch, auch wenn wir selbst vielleicht Einiges anders zubereitet hätten. Allerdings erleben wir dabei auch Zubereitungen, die so gut schmecken, wie wir es selbst nie kochen könnten.

    Und so scheint es mir mit dem Lernen auch zu sein. Wir können uns alle notwendigen Grundlagen selbst zusammensuchen – oder wir schließen uns jemandem an, der das wohlschmeckend und gut bekömmlich für uns aufbereitet hat. Um in der Analogie zu bleiben: Wir sollten aber immer wählen können, welches Lern-Restaurant, welchen “Sterne-Koch”, oder ob doch einer der vielen Schnellimbiss-LMS ausreicht.
    Übrigens gibt es auch hier die Alternative: Gemeinsam kochen ist genauso schön, wie gemeinsam lernen!

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