Merkmale eines MOOCs

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Zum Anlass
Gabi Reinmann hat Stefanie Panke gelesen. Und dabei aus fraglichem Text die vermeintlichen Merkmale (Kennzeichen) eines MOOCs extrahiert, die da wären
a) mehr Inhalte als verarbeitbar,
b) daraus Auswahl und Rekonstruktion durch Lernende,
c) Übertragung ja nach individuellen Ziele in je eigenen Kontext und
d) öffentliches Vertreten des eigenen Standpunktes.

M.E. zu recht argumentiert Erstgenannte, dass es sich ja – bis auf d) – um nichts Neues handele, deshalb, so schließe ich weiter, a) – c) (zumindest) als Merkmale/Kennzeichen nicht geeignet sind. Was mir den Anlass gibt, solche Merkmale zu sammeln. Da d) ja als solches durchzugehen scheint, habe ich schon einen Posten auf der Liste. Weitere finden sich – vorschlagsmäßig – im Folgenden.

Eine erste Auflistung

– Thematische Eingrenzung
Und da fängt es schon an. Merkmal, mag sein. Aber keines, in dem sich MOOC von sagen wir einem universitären Seminar unterscheidet. Diese sind genau so thematisch eingegrenzt und heißen Externes Rechnungswesen oder Konzernrechnungslegung. Was ist/kann der Unterschied sein zwischen der thematischen Vorgabe eines MOOCs und eines Seminars? Aller höchstens das Zustandekommen. Während zweiteres Teil eines “Lehrplanes” ist, werden beim MOOC Themen aufgegriffen, die gleichsam “in der Luft” liegen? (Will nicht sagen aus der Luft gegriffen 😉 )

– Digitale Öffentlichkeit
Das Merkmal gilt. Da ja schon als neu und anders an anderer Stelle “geadelt”: “Das hat man in klassischen Veranstaltungen (auch technologiegestützten) meistens nicht und dürfte wohl als einzige wirkliche Besonderheit gelten – mit entsprechend Vorteilen und Nachteilen.”

– Freiwilligkeit
Das Kriterium Freiwilligkeit ist schon wieder in seiner Tauglichkeit als Merkmal fraglich. Zwar müssen unsere Studierenden an sog. Pflichtveranstaltungen teilnehmen, ins Studium an sich wiederum haben sie sich freiwillig begeben. Vielleicht sollte man das Merkmal eher am Grad der Freiwilligkeit festmachen. Höchstmaß an Freiwilligkeit der Teilnahme an einem MOOC, … der einzige Zwang ist vielleicht lediglich ein mit der Zeit aufkommender Gruppenzwang. 😉

–  Infrastrukturelles und vorstrukturiertes Angebot
Auch die Universität bietet eine gewissen Infrastruktur (z.B. Räume, sogar virtuelle wie z.B. Moodle) und das Angebot ist (i.d.R. sogar sehr) vorstrukturiert. Als Merkmal (zur Abgrenzung an sich) wiederum nicht sehr geeignet. Wobei die Ausprägung der Merkmals-Teile beim MOOC und einem traditionellen Seminar eine andere ist: Beim MOOC besteht die gebotene Infrastruktur a) zu einem größeren Teil aus der Inanspruchnahme von Drittanbietern (Tools), außerdem wirken TNs an der Infrastruktur kontinuierlich mit. So wird u.U. von den TNs – jeweils nach Bedarf – eine Gruppe gegründet oder ein Forum eingerichtet etc. (Stichwort: Mitgestaltung). Entscheidend ist hier lediglich, ob das Angebot von den Mitlernern und Mitlernerinnen akzeptiert wird. Das  (vorstrukturierte Inhalts-)Angebot besteht aus OER (anstatt aus urheberrechtlich geschützten Materialien), die frei zugänglich sind.

– Kostenlos & frei zugänglich
(Hier das frei zugänglich nicht bezogen auf die Materialien, sondern den gesamten Kurs) Schwierig, schwierig. Ein Studium ist zwar nicht ganz kostenlos, es fallen Semestergebühren an, außerdem Lebenskosten, zweitere hätte man allerdings eh zu tragen, erstere muss man nur ausgeben, so man an den Prüfungen teilnehmen will (also eingeschreiben sein muss). An einem MOOC kann man auch nur teilnehmen, wenn man vorher in einen PC, Laptop oder sonstiges geeignetes mobiles Endgerät investiert hat, der MOOC an sich wiederum kostet nichts als … ACHTUNG…  als Zeit.

– Ergebnisoffen
Während beim traditionellen Seminar der/die Lehrende eine bestimmte Vorstellung hat, was nach dessen Ablauf gelernt worden sein sollte, meist sogar niedergelegt in Lernzielen, ist ein MOOC vergleichsweise ergebnisoffen. Auffallend ist  dieser Aspekt z.B. dann, wenn Akademiker und Praktiker gemeinsam an einem Thema arbeiten… und beide fassungslos Argumentationsstränge und thematische Interpration ins andere Lager hinein verfolgen. 😉

– Nebeneffekte überlagern intendierten und propagierten Haupteffekt
Bei diesem Merkmal bin ich mir ganz unsicher, ob es nicht nur mich betrifft. Für mich war der Lerneffekt beim letzten MOOC – so ich den selbst überhaupt beurteilen kann – rudimentär. Viel wichtiger: Menschen (näher) kennen lernen, mit diesen probeweise zusammenarbeiten, hinterher professionell zusammen kommen. Nein. Ich habe das schon richtig verstanden. Ein MOOC ist zum Lernen da. Das nebenbei gemacht hat dann halt überwogen.
Aber genau wie oben ebenso: Ist das z.T. beim ganz gewöhnlichen Studium anders?

Zur Diskussion
Meine Frage nun zur Diskussion: Die weiters von mir vorgeschlagenen Aspekte/Merkmale, machen die einen MOOC aus? Wenn nein, warum nicht? Und welche fehlen?

Ist vielleicht der ganze Ansatz: Finde Merkmale, die einen MOOC zu einem solchen machen … ungeeignet? Handelt es sich bei allen Konzepten von initiiertem Lernen um die gleichen Kriterien, nur in verschiedener Ausprägung?

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