Aufschlussreiches zum Verhältnis zwischen Mensch und Technik

Muse (oder besser Zeit zu haben) bringt mich automatisch zurück dahin, wissenschaftliche Texte – und zwar nicht primär zum Erkenntnisgewinn, sondern aus Freude an der Rezeption und dadurch des Gewinns an Erkenntnis – zu verschmökern. Einen davon hatte ich schon eine Zeit lang bei mir liegen. Und zwar den von Wolfgang Ruge, den er mir dankenswerter Weise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Bei der Veröffentlichung handelt es sich um seine Masterarbeit, die – m.E. mehr als zu Recht – mit einer Eins.Null bewertet wurde.

Warum der Band mir mehr als ein “iLike” wert ist? Sondern vielmehr viele, und zwar 4 davon.

iLike 1: Kurzweilig zu lesen

Wissenschaftliche Texte werden ja zumeist nicht so gerne mit an den Strand getragen, weniger wegen des Gewichts als der Schwere, diese zu lesen. Wolfgangs Text liest sich vergleichsweise flüssig, trotzdem (oder gerade deswegen?) gut durchstrukturiert zu sein. Die sparsam eingesetzten Abbildungen sind wahrhaftige Visualisierungen, die vorher dargestellte theoretische Konzepte in der Tat klarer “vor Augen führen”. So z.B. die visualisierten vier Stufen von Lern- und Bildungsprozessen auf Seite 12, oder auch die Übersicht über die ausgemachten Kategorien und zugehörigen Eigenschaften nebst Dimensionierung auf Seite 89. Im Text hatte ich noch überlegt, wie man nochmals Eigenschaften und Dimensionierungen unterscheidet, ein Blick auf die Seite 89 genügt, um dies schlagartig klar zu werden zu lassen. (Und genau das meine ich, mit “gute Visualisierung”. Keine Verspieltheit, vielmehr Darstellung, die Gedankengang (ganz) offenSICHTlich(er) macht.)

iLike 2: Thematische Schneidung

Im Grunde drehen sich die Ausführungen um “die Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Technik”. (7) Dies jedoch nicht dargestellt auf solch abstrakter Ebene, dass die Ausführungen wenig konkret – und dadurch nicht mehr widerlegbar bzw. schlecht diskutierbar werden und lediglich ein gefühlsmäßiges Zustimmen oder Ablehnen hervorrufen. Sondern vielmehr konkret an sieben Filmen (z.B. I Robot), die unter dem Aspekt der Thematisierung untersucht werden, wie sich das Verhältnis zwischen Roboter und Mensch darin gestaltet. Was mich zur verwandten Methode der Untersuchung bringt.

iLike 3: Zugrunde liegende qualitativ-empirische Untersuchung

Es handelt sich nämlich um einen empirisch-qualitative Untersuchung. Was mein Herz erfreut. Dies deshalb, da ich eine ebensolche seinerzeit im Rahmen meiner Magisterarbeit verwendet habe. (Wolfgang allerdings Grounded Theory, ich Qualitative Inhaltsanalyse). Keinen Hinweis habe ich (leider) dazu gefunden, ob zum Kodieren ein Computerprogramm benutzt wurde (vielleicht MAXqda oder Atlas.ti). Aber vielleicht kannst Du uns, Wolfgang, ja dazu einen Kommentar hinterlassen.

iLike 4: Serendepity lässt grüßen

Besonders Spass gemacht haben die kleinen Erkenntnisse am Wegesrande, die ich erfreut zur Kenntnis genommen habe, ohne dass ich mich nach diesen jemals gefragt hätte. Zum Beispiel, was der Unterschied zwischen einem Androiden und einem Cyborg ist. Nein, den verrate ich jetzt nicht. Die interessierte Leserin schlage auf Seite 54ff. nach. 😉

Ergo: Würde ich es nicht schon besitzen, so kaufte ich es mir. Und vielleicht tue ich das auch nochmals. Denn gute Arbeit soll belohnt werden. Gute Schreib- und Recherchearbeit insbesonders.

Falls es jemand von mir leihen will, um mal reinzulesen, der melde sich im Kommentar.

Wir lesen uns!

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