Von Clubs, Türstehern und Trollen. Und was das alles mit Community Management zu tun hat.

Bildquelle. Genug des Vorgeplänkels. Jetzt geht’s zum Inhaltlichen. Oder zur Kritik, ohne trollig zu werden. 😉

Um was geht’s?

Da hat er ja eine flammende Rede ins Internet geschrieben, der @karrierebibel, für ein strikteres Community Management, und zwar eines à la Türsteher. Bevor ihr also weiterlest, lest erst einmal hier. Wie bereits gestern dort angekündigt, von meiner Erwerbsarbeit jedoch bisher davon abgehalten, gibt’s nun meine Meinung dazu. Und gespannt bin ich auf diejenige der sonstigen Edu-Community. (Wer nimmt eigentlich bei uns (z.B. auf EduCamps) die (virtuelle) Türsteher-Funktion ein?) Und natürlich auch auf diejenige der #SoMM’ler, da ihr ja mit hoher Wahrscheinlichkeit alsbald solche Funktionen wahrnehmen werdet (bzw. schon inne habt), die einer Community Managerin, eines Community Managers.

Meine Position dazu

Um es kurz zu machen. Ich bin dagegen. An Orten von mehr als 140 Zeichen langt das aber nicht mehr, ich versuche also mein dagegen sein in (möglichst rationale) Gedanken zu packen.

Der Vergleich an sich

Obwohl ich mir durchaus vorstellen kann in Zukunft als Community Managerin für eine Unternehmung o.ä. zu agieren, würde ich mich selbst ungern als Türsteherin sehen wollen. Dies deshalb, da ich damit a) Mannsbilder, b) abcheckende Blicke, c) … assoziiere. Wobei sich die Frage stellt, als was ich mich dann (lieber) sähe/mit was mich lieber vergliche. Vielleicht eher in der Funktion einer Vermittlerin. Einer zwischen Themen und Menschen, aber auch Menschen und Menschen, übers Thema. Im positiven Sinne als Diplomatin, die die anderen parteiisch sein lässt, ihre eigene Position aber nicht aufdrängt, sondern den eingebrachten Pespektiven in dem Sinne etwas abgewinnt, dass diese in Gemeinschaft etwas potentiell Neues gebären. Dass dies nicht ganz ohne Dissonanz abgeht liegt in der Sache, jedoch…

Ganz dissonanzfreier Austausch wirkt unglaubwürdig bis langweilig

Ist es nicht so, dass ein bisschen herumgetrolle auch “Leben in die Bude” bringt? Wirkt es nicht langweilig, wenn alle die Vorrednerin bestätigen, wenn es gut kommt dem Gesagten noch einen Aspekt – natürlich “in gleiche Kerbe schlagend” – hinzufügen?
Ja. Ich bin nämlich auch einer “dieser” Harmonie-Menschen, und die wissen es durchaus zu goutieren, wenn dann mal einer daher kommt und sagt: “Wass’n DAS für’n Scheiß hier”.

Starke Gefühle – in jedwede Richtung

Starke Worte. Starke Gefühle. Ihr erlaubt mir einen Exkurs?
Ich kam einst in eine neue Klasse an einer mir neuen Schule. Just schon während der Vorstellungsrunde hat sich herauskristallisiert, dass da wohl eine Mitschülerin war, die mich (aus welchen Gründen auch immer) zutiefst hasste. Nach Kontaktaufnahme, dem einen und anderen Disput, einem abendlichen Gespräch bei Rotwein, hatte sich das Blatt komplett gewendet. Wir waren uns – wie wir beide überrascht feststellten – ähnlicher als wir dachten. Und sind heute noch befreundet.

Ich will das jetzt nicht idealisieren. Der Gedanke, der mir jedoch beim Thema Türsteher kommt: Vergibt man sich nicht – vielleicht – loyale Kooperationen, wenn man Anpöpeleien vorschnell persönlich nimmt? Vergleichbar mit Kunden, die ein (z.T. auch wirklich berechtigtes) Anliegen haben, ernst genommen werden, … und schlussendlich zu treuesten Fans mutieren.

Von der (Un-)Klarheit der Kriterien

Woran erkenne ich jedoch jetzt von vornherein, ob es sich um einen potentielle treuen Fan handelt, oder um einen “wahren” Troll (von denen es m.E. gar weniger gibt, als wir vermuten)? Die Kriterien sind manches Mal so unklar, wie sie seinerzeit diejenigen der Türsteher waren, die mich mal rein ließen und mal abwiesen. Ich dachte/es wurde kommuniziert? es sei das Alter. Dann war es der Ausschnitt. Ich dachte/es wurde kommuniziert? es sei der Anzug/das Kostüm. Letztendlich war es die Figur.

Vom Verschenken von Qualitäten

Und wenn. Als ich noch dick war, war ich dafür lustiger als heute. Und heute kann ich besser wissenschaftlich schreiben, was man mir auch nicht spontan ansehen – und schon gar nicht anhören – mag. Selbst wenn wir die Kriterien, nach denen wir Menschen aus unserer Community (vorschnell oder nur schnell) auschließen explizit machen (können), so verkennen wir andere, die nicht so ganz offensichtlich sind, die aber nur gehoben werden wollen. (Oder spricht jetzt gar zu arg die Erziehungswissenschaftlerin in mir? 😉 )

Vom gefühlsmäßigen Färben der Stimmung

Ganz unwissenschaftlich aber gefühlsmäßig kann ich jedoch sagen, dass die Einstellung der Menschen, die sich um Gemeinschaft kümmern, auf die Gesamtstimmung (auch) abfärben. Ein restriktives Verhalten anders als ein tolerantes. Aber da sind der @karrierebibel und ich uns schon wieder einig. Nur nicht ganz darum, für welchen Umgang/welches Verhalten und Interpretation der jeweiligen Folgen. Aber ich muss ja auch (noch) keine Community managen. Von daher habe ichs leicht und leicht reden. Sobald sich das geändert haben sollte, reden wir weiter.

Und überhaupt. Ihr seid alle troll. Äh toll. 😉 🙂

Eure m – ab Morgen wieder zu MOOC-Themen. Schluss mit den Dollerein. 😉

8 Antworten auf „Von Clubs, Türstehern und Trollen. Und was das alles mit Community Management zu tun hat.“

  1. Danke für deinen Artikel! Habe den Karrierebibel-Beitrag nur überflogen, glaube aber dessen Kernaussage trotzdem verstanden zu haben: Es gibt “destruktive Menschen”, die nur Zeitverschwendung sind und “Energie absaugen”. Das findet man ja so oder ähnlich auch in anderen Lebensratgebern: meide Menschen mit negativer Aura oder destruktiven Schwingungen bla bla… So ein Schwachsinn! Eine Gemeinschaft braucht nicht nur Jasager, sondern auch Nörgler und Querulanten. Ich könnte das jetzt mit einem Zitat aus dem Korintherbrief belegen, aber die Netzcommunity dürfte wohl eher Peter Kruse zuhören, der einen interessanten Vortrag gehalten hat zum Thema: Bauen Sie Systeme, die stören! Habe dazu mal einen Blog-Eintrag geschrieben: http://medienistik.wordpress.com/2010/11/22/bauen-sie-netzwerke-bauen-sie-systeme-die-storen/
    Lasst uns einfach trollerant mit den Trollen umgehen – wenn uns mal der Kragen platzt, wollen wir ja auch, dass die anderen besonnen reagieren. Und manchmal bringen einen gerade die Nörgler auf die besten Ideen!

  2. Türsteher ist definitiv die falsche Metapher. Eine “Du kommst hier nicht rein”-Mentalität passt irgendwie nicht zu Social Media und hat schon einigen Shitstorms erst eingebracht. Vielleicht ist ein Rezeptionist oder Concierge etwas passender (klingt aber beknackt): Ansprechpartner, Unterstützer, im Notfall auch mal Friedensstifter. Trolle werden meist schon von der Community bestraft, das braucht selten ein eigenes Einschreiten, siehe den Ing DiBa Vegetarier Fall (ich würde die militanten Vegetarier ganz unpopulär mal den Trollen zuordnen).

  3. ich kann dem zustimmen, was Du schreibst. Und dennoch gibt es in jedem sozialen System, also auch in virtuellen Communities, einige Grundregeln, die einzuhalten sind, um dieses System nicht zu gefährden. Also, nur wenn sich Community-Mitglieder dort gut aufgehoben fühlen, werden sie bleiben und mit ihren Aktivitäten die Community am Leben halten. Sobald ein Community-Mitglied mit z.B. Mobbing-Aktionen gegen ein anderes Mitglied beginnt, muss der Regelverstoß sanktioniert und künftig verhindert werden. Sonst ist die gesamte Community in Gefahr. Und das ist eine Aufgabe des Community-Managements. Und das am besten sofort beim ersten Regelverstoß (Broken Glass Theory). Dazu hat Silke Schippmann eine gute Session beim gerade beendeten CommunityCamp http://communitycamp.mixxt.de/ in Berlin gehalten. Hier ihr Blogpost dazu: http://dialogartists.de/2012/10/29/rockn-roll-auf-dem-communitycamp-berlin/

  4. Erst mal Danke für den versprochenen Artikel. Und interessant, wie sich hier so Meinungen Bahn brechen. Von “Schwachsinn” bis “Friedensstifter” ist alles versammelt, was der Gutmensch auf die Schnelle assoziiert. Nur: Das alles klingt erstaunlich intolerant gegenüber der anderen Meinung Communities strikter zu managen. Und das – obwohl es um Toleranz geht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

    So scheint es bei dieser Art Diskussion nur eine Form zu geben: die der Radikalisierung und Extremisierung. Nur mal so: Ein Kritiker oder Querdenker ist noch lange kein Troll, ebenso wenig wie ein Andersdenkender, der sich zu benehmen und zu argumentieren weiß. Um diese Besucher geht es nicht. Es geht um jene, die sich weder mit den Inhalten auseinander setzen, noch Manieren besitzen, sondern lediglich negative Stimmung verbreiten und (wiederholt, selbst nach Verwarnung) den Hausfrieden stören. Das sind Trolle. Überdies ist ein Rauswurf nur das letzte Mittel – aber es ist ein sehr wirksames und heilsames. Jedenfalls habe ich bislang noch kein überzeugendes Argument gelesen, warum man derlei Unruhestifter dulden sollte.

    Was m.E. hier vergessen wird: Eine Ansammlung von Menschen hat nie einen Selbstzweck. Jede soziale Gemeinschaft zeichnet sich durch Gemeinsamkeiten aus: gemeinsame Interessen, Werte, Ziele, was auch immer. Natürlich teilen nicht alle 100% dieselben Gemeinsamkeiten, aber sie lassen sich davon anziehen. Ein Troll dagegen ist jemand, der diese Gemeinsamkeiten massiv stört. Das ist mehr als mal einen Punkt zu kritisieren oder etwas anders zu sehen. In einem Club mag ich auch nicht jede Musik, die gerade läuft. Aber nur weil, gerade ein Stück gespielt wird, das mir nicht gefällt, fange ich nicht an den DJ zu beschimpfen und den Club “schwachsinnig” oder “sch…” zu finden. Der Troll aber beginnt in dieser Situation die Party zu crashen.

    All die, die sich gerade für Toleranz stark machen, möchte ich sehen, wenn sie auf einer Veranstaltung sind, und plötzlich kommt einer herein, beleidigt alle, schubst, drängelt und rotzt auf den Boden. Sagen die dann immer noch: “Mensch, klasse! Du auch hier? Toll, du bereicherst unsere Community. Komm rein, weiter so!” Glaub ich nicht. Das schreibt sich nur leicht.

    Ein Türsteher ist übrigens auch nicht immer nur dieser Muskelprotz ohne Hirn, der nur einen Spruch drauf hat: “Du kommst hier net rein!” Mit Verlaub, das ist ein dummes Klischee. Gerade das Beispiel der ING Diba zeigt, dass die Community sich eben nicht selbst half. Die Sache nahm erst ein Ende, als die Community-Manager einschritten und sinngemäß sagten: “Hier gibt’s ein Extra-Tab, da könnt ihr weiter streiten, aber hier auf der Timeline löschen wir ab sofort jeden Beitrag, der sich mit Fleischwurst auseinander setzt. Und jetzt weiter im Normalprogramm…” Erst ab da war Ruhe. Q.E.D.

    1. Ja. Ich glaub mittlerweile echt, dass ich einfach nur noch keine echten Troll getroffen hab. Weil ich ja auch keine echte Community Managerin bin. Eben nur theoretisch. Aber das wird sich ändern. Und zwar bald. Und dann reden wir weiter. 😉 🙂

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *