Wann ist ein MOOC ein MOOC?

Bildquelle.

Wie an anderer Stelle bereits berichtet, bin ich ja zur Zeit bei einem Stanford MOOC dabei. Das erste dafür fällige Assignment hatte ich ebenso – und zwar hier – gepostet. Nun steht zum Sonntag das zweite an, das ich mich (wahrlich und wirklich) scheue, ebenso auf meinen Blog  zu stellen.

Wie kommt’s, wo ich doch so Open sonstwas bin?

Dies deshalb, da ich denke, dass die Bearbeitung der Aufgabe meine Leser und -innen nicht interessiert. Und mich auch nicht wirklich. Nichtinteresse bedeutet dann auch, dass sich diejenigen, die meine Beiträge abonniert haben, bespamt fühlen. Nichtinteresse bedeutet dann auch, dass ohnehin keine Diskussion via Kommentarfunktion, persönliche Gespräche, eMails oder über welchen Kommunikationsweg auch immer zustande kommen wird.

Warum denn überhaupt uninteressant?

Konkret lautet die Aufgabe:

Write a description that tells a story of a real or hypothetical educational challenge or problem scenario. You can research and describe a real learning/training challenge facing a school or organization, or you can make one up of your own. Describe the learners, the learning needs, the ecosystem, infrastructure and resource factors that influence implementation, and any existing learning program (if applicable).

Das ganze soll im Rahmen von ca. 250 Wörtern stattfinden, und auf die Art, wie in drei anderen Bespielen vorgemacht.

Meine Kritik daran? Schon einmal: Erfinden Sie ein Szenario. Das ist um Stufen schlechter als Was steht bei Ihnen denn gerade als Lehr-Lern-Aufgabe an? Sicher, auch eine Problemstellung aus der Praxis zu beschreiben ist durchaus von der Aufgabenstellung her möglich. Also ist es noch etwas Weiteres, das mich stört. Nämlich, dass hier etwas geübt wird, nach bestimmtem Muster auszudrücken. Und das – davon bin ich zutiefst überzeugt – können wir alle schon. Diese Aufgabe macht im Grunde klar, dass wir die Art der Bearbeitung eines fachtypischen Problems erlernen sollen, gleichsam eine Gleichschaltung und Standardisierung der Darstellung (jetzt gar nicht mal negativ gemeint). Eine Vermittlung von Grundwissen, wie man etwas in (s)einem Fachgebiet eben tut, damit andere Fachleute die Art der Darstellung wieder erkennen und damit schnell rezipieren können. Man beschreibt zunächst mal die Ausgangslage auf die typische Art und Weise. Sammelt dazu die Eckdaten. Stellt diese also auf bestimmte Art und Weise dar. Das ist sozusagen Bachelor-Niveau.

Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts dagegen, sich erst einmal die Grundlagen draufzuschaffen, die die Basis für tiefergehenden Austausch bilden. Ich halte dies sogar für zwingend notwendig, um sozusagen fähig zu sein, mitspielen zu können. Das ist wie die Regeln eines Spiels erlernen, bevor man mitspielt. Das Ziel jedoch – mein Ziel zumindest – ist, auf Grundlage dieser dann mit anderen „Experten“ Neues zu schaffen. Material, auf das ich dann hinterher bei meiner Arbeit zurückgreifen kann. Material, das es sich eben nicht zu erarbeiten gilt, sondern das es zu ERSTELLEN gilt. Sozusagen auf min. Master-Niveau.

Ich habe eine Weile darüber sinniert, was denn den Unterschied macht, zwischen Aufgabenstellungen und Ziele im Rahmen der einen Art von MOOC und der anderen. Dann bin ich auf die Idee gekommen, im Internet dazu zu recherchieren. 😉

Was macht den Unterschied?

Eine Gegenüberstellung eines cMOOCs und Stanford MOOCs (generell und nicht bezogen auf den speziellen Stanford MOOC, an dem ich teilnehme), gibt es (schon) hier, zitiert daraus im Folgenden:

MOOCs seem to differ from Stanford’s classes in these principle ways:

  1. Direct access to course facilitators: MOOC (yes), Stanford (no)
  2. Inclusion of all participation: MOOC (yes), Stanford (no)
  3. Ranking of performance: MOOC (no), Stanford (yes)
  4. Degree of separation between accredited and online participants: MOOC (lesser), Stanford (greater)
  5. Flexible, personalized curriculum: MOOC (yes), Stanford (no)
  6. Define or develop the field: MOOC (yes), Stanford (no)
  7. Other differences may emerge as the Stanford courses proceed.

Die für mich (persönlich) relevanten Punkte, also jene, die den Unterschied machen, sind 5 und 6. Während ich nämlich das Assignment #1 noch so beantworten konnte, dass es sowohl für mich zu bearbeiten aufschlussreich sein könnte (sieht man mal von der Vorgabe zur Länge ab), als auch (antizipiert) meine Leserinnen interessieren könnte (zur Erinnerung, es sollten 3 Lernumgebungen nach bestimmten Kriterien verglichen werden, die Auswahl der Lernumgebungen oblag einem selbst), ist dies bei Assignment #2 ganz und gar nicht mehr der Fall.

Es dient mitnichten (ja der ganze MOOC dient mitnichten) – und jetzt sind wir beim 6. Punkt, das Fachgebiet, in dem ich mich bewege, weiterzuentwickeln.

Es handelt sich also für mich um keinen „echten“ MOOC im Sinne eines MOOC, wie ich ihn immer verstanden habe. Was nicht heissen soll, dass so ein Stanford MOOC nicht evtl. anderen Reiz haben könnte. Und was nicht heisst, dass ich jetzt aussteigen werde. Immerhin gibt es noch, bei bravem Abliefern und Erfüllen der Aufgabenstellungen, ein nettes Stanford-Zertifikat zu erringen. Wie früher eben an der Uni. 😉 Aber bloggen darüber werde ich auf der Lernspielwiese wohl nicht mehr.

Da gibt’s Interessanteres für. Z.B. laut über Twitter nachzudenken. 😉

Ein schönes Wochenende allerseits

Eure m

10 Antworten auf „Wann ist ein MOOC ein MOOC?“

  1. Anscheinend „langweilige“ Aufgaben können eine Herausforderung sein, wenn ich an Stelle des „langweilig“ die Überlegung setze, dass die Autoren einer Aufgabe sich dabei tatsächlich etwas gedacht haben. Es ist meines Erachtens wirklich so, dass manche Aufgaben erst dann spannend werden, wenn man einfach mal so tut, als ob sie es wären.

    Andererseits: Deine Analyse des Stanford-Moocs ist übrigens in meinen Augen durchaus genau das, was die Aufgabe verlangt:

    „Write a description that tells a story of a real or hypothetical educational challenge or problem scenario. “

    Du beschreibst eine reale Lern/Educaotion-Situation, greifst ein Problem auf.

    Wenn es dann weiter heißt:

    „Describe the learners, the learning needs, the ecosystem, infrastructure and resource factors that influence implementation, and any existing learning program (if applicable)“,

    dann beschreibe dich als Lernerin, deine Bedürfnisse, dein Ökosystem, deine Infrastruktur etc. – Nimm die Aufgabe, bearbeite sie in diesem Sinne und spiele sie in den Standfort-MOOC ein. Vielleicht mögen sie das. Vielleicht auch nicht. Aber: Was hast du zu verlieren? In Anlehnung an TZI: Be your own chairperson!

    LG
    T.

  2. Hi Monika, ja spannende Gedanken. ich habe auf der Abschlusssitzung zum OPCO12 einen Vortrag gehalten, wo ich mir Gedanken über die Kategorisierung von MOOCs gemacht habe und eine Skala von rechts eher Frontalunterricht-MOOCs zu rechts den Connectivistischen MOOCs aufgemacht habe…. (s. auch http://www.bremer.cx/vortrag73/Folien_Bremer_Teletask_2012.pdf), und sogar denke, wir sind vom OPCO 11 auf den OPCO 12 durch die Einführung der badges ein wenig nach links gerückt, da es mehr formale Regelungen als 2011 gab (ist in den Folien drin. Spannend auch die Aufteilung von Justin Reich, s. hier: http://blogs.edweek.org/edweek/edtechresearcher/2012/04/all_edtech_summarized_in_one_slide_market_open_and_dewey.html der auch die kommerziellen Interessen und der pädagogischen Intention als Kategoriesierung einbringt. Stephen Downes hat in einem Blogbeitrag auch mal mit Erschrecken festgestellt, dass die Connectivustischen MOOCs in einer Übersicht (kommerziell motivierter) MOOCs s.http://www.sonicfoundry.com/sites/default/files/comparison_of_moocs_06_2012.pdf gar nicht mehr vorkommt…

    Daher: ich finde die Frage, wann wir einen MOOC einen MOOC nennen absolut spannend und die Frage ist, woraus man es begründet: aus dem Format, der Didaktik, der Intention… mir scheint, als schauten die Fans der konnektivistischen/konstruktivistischen MOOCs zur Zeit didaktisch kritisisch auf die in Sachen Teilnehmerzahlen sehr erfolgreichen Stanford-MOOcs. Andererseits sind die Stanford-MOOCs das was die Massen wollen, da die Rahmenbedingungen (was muss ich tun um einen Credit, eine Bescheinigung zu bekommen) sehr klar sind. Daher: ich bin für eine Ko-Existenz beider Formate mit allen Ausprägungsoptionen dazwischen…

    1. So. Musste erst einmal die angegebenen Quellen eingehend sichten.
      Dabei schlugen 2 Seelen in meiner Brust:
      Die eine:
      Ja, wenn eine (zunächst radikale) Idee (wie ein MOOC) breite Zustimmung finden will, muss diese adaptiert – und damit verändert werden. Eine Hochschule integriert einen MOOC eben in Hochschulstrukturen. Eine Firma in Firmenstrukturen. Von daher ist der Lohn für Toleranz die Freude an der Verbreitung der Idee.
      Das zweite:
      Ich sehe mich schon für meine Institution als „MOOC-Referentin“, wie jetzt als eLearning-Referentin mit einem analogen Schild auf der Stirn kleben zu „Nein, eLearning ist nicht gleich Moodle.“
      :))

  3. Na ihr Sonntagsarbeiter? :)) Herzlichen Dank erst einmal für eure echt qualifizierten Kommentare. Das wünscht sich doch jedes Bloggerinnen-Herz! 🙂

    Erst mal zu Dir Herr Larbig!
    1. Es ist doch schon erstaunlich, dass wenn – aus welchem Anlass heraus auch immer – ich mich in die alte Schüler-Rolle versetzt fühle, ich jemandes wie Dir bedarf, der mich an die alte (abgewandelte) BarCamp-Regel erinnert. Nicht mosern, Monsi, … machen!
    2. Ich habe jetzt mal eine aufgabenkonforme Lösung erstellt (Weil ich es kann! 😉 )… und mir eine Abwandlung derselben erlaubt. Vielleicht werde ich Zweitere doch noch verbloggen.
    Wegen dem Herr Larbig! 🙂

    Einen wunderschönen Sonntag Dir, m

  4. „2. Ich habe jetzt mal eine aufgabenkonforme Lösung erstellt (Weil ich es kann! 😉 )… und mir eine Abwandlung derselben erlaubt. Vielleicht werde ich Zweitere doch noch verbloggen.“
    beide Moni, bitte ! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.