#fkmedien: Was ist das Internet für Dich?

 Bildquelle.

Ein nettes Potpourri hat uns da das Funkkolleg als Start-Hörhappen zur Wirklichkeit 2.0 als PodCast ins Netz geworfen. Beim Reinhören und Besurfen der weiters zur Verfügung gestellten Materialien (Zusatzmaterialien) drängen sich mir einmal mehr wiederkehrende Fragen und Gedanken auf.

(Ver-)Leitet mich das Internet? Verleidet es mir Freundschaft? Macht es mir mittlerweile mehr Arbeit denn Freude? Oder ist beides zu so untrennbarem Amalgam verschmolzen, dass weder das eine noch das andere mehr in seiner Reinform in meinem Leben auffindbar? Der Versuch eines Auseinanderdröselns.

Ist das Internet mein Leitmedium?

Aus dem PodCast (ab ca. 00:35)
“Das Medium, das alle anderen Medien unter eine neue Struktur zwingt, unter eine neue Herausforderung setzt, das ist sicherlich das Internet, und damit auch das Leitmedium.”

Ehrlich geschrieben ist mir der Begriff “Leitmedium” zwar schon dann und wann untergekommen, ich habe mir jedoch in diesem Zusammenhang nie Gedanken dazu gemacht, was das wohl sein soll. Ein Medium, das mich “verleitet”? Sprich, mich dazu bringt, mich darin zu bewegen, anstatt … z.B. wie jetzt, mich um die Bügelwäsche, also das sog. “reale” Leben zu kümmern?
Oder aber ein Medium, das mich “anleitet”? Will heissen mich beeinflusst, indem es meine Meinungen (mit-)bildet, in dem ich Produkte kaufe, die mir darin vorgeschlagen werden, indem es mir Orientierung verschafft?
Anscheinend ist es viel banaler als das, wie ich nach kurzer Google-Suche hier herausfinden konnte. Dort wird nämlich Göttlich (2002) zitiert mit

Als Leitmedium bezeichnet man ein spezifisches dominierendes Einzelmedium in einer bestimmten historischen Phase der Medienentwicklung, welchem eine Hauptfunktion in der Konstitution gesellschaftlicher Kommunikation und von Öffentlichkeit zukommt.

In meinen Worten also lediglich ein Medium, das hier und jetzt wichtiger genommen wird, weil dadurch gesellschaftliche Öffentlichkeit hergestellt. Und die Medien die für die Auswahl der Wichtigkeit (neben dem Internet noch) in Frage kommen, sind im Grunde Zeitung, Fernsehen und Radio.

Ob das Internet von diesen jetzt wichtiger zur Herstellung von Öffentlichkeit ist als die anderen, möchte ich mir gar nicht anmaßen zu beurteilen. Für mich individuell jedoch kann ich konstatieren (ich liebe dieses Wort 🙂 ), dass – fernseher-, radio- und zeitungslos, wie ich so lebe, das Internet besagte Medien erst wieder in meine Welt geholt hat. In Form von Mediatheken, von denen aus ich z.B. den Tatort abrufen kann (zumindest nach 8), in Form von PodCasts, hier höre ich insbesondere auf Twitter verlinkte Beiträge von hier, oder auch online verfügbare (und wiederum von Twitter aus verlinkte) Artikel aus der Welt, der FAZ  oder der Zeit. Also eher zeitungsübergreifend, aber zu thematisch  ähnlichem.

Von daher würde ich das Internet nicht als mein Leitmedium bezeichnen, schon jedoch als die Art meines Zugriffes auf Öffentlichkeit.

Meine Freundschaft vor und nach dem Internet

Aus dem PodCast (ab ca. 06:41)
“Man hat sich mit bestimmten Formen von Entfremdung angefreundet und auch der Begriff Freund selber hat heute eine Kühle und einen wenn man so will einen formalistischen Index, der mit dem Freundschaftsbegriff der Tradition gar nicht mehr zusammenzubringen ist.” (Norbert Bolz)

In dem Bereich hat das Internet – so muss ich fast mit Bedauern feststellen – wenig Änderung in mein Leben gebracht. Ich hatte früher wenige Freunde und habe heute wenige Freunde. Dies schon allein deshalb, weil m.E. zu guter Freundschaft auch – zumindest gelegentlicher – f2f Kontakt dazu gehört. Und die Zeit für solchen ist, bei 40 Stunden Erwerbsarbeit die Woche, die die meisten von uns ableisten müssen, eben relativ begrenzt.

Allerdings habe ich einige mehr Bekannte über das Internet gewonnen, die für gleiche Themen eine Leidenschaft hegen, ich kann mich inhaltlich also viel befruchtender austauschen als ohne. Und in diesem Rahmen hat das Internet vielleicht doch eine kleine aber feine Änderung in meine Leben geschleust, ohne dass ich es – bis auf heute – bemerkt hätte. Über diese Bekanntschaften kommt z.T. doch die eine oder andere Freundschaft zustande, die vorher – aufgrund des gar nicht erst in Kontakt kommens mit dem Gegenüber – nicht möglich gewesen wäre.

Von daher würde ich dem Internet in meinem Falle eine  Freundschafts-Kontakt-Anbahnungs-Ermöglichungsfunktion zugestehen.

Meine Arbeit im und mit dem Internet

Seitdem meine Tätigkeit größere virtuelle Anteile einnimmt, macht mir diese um ein Vielfaches mehr Freude. Mit zwei kleinen Wermutstropfen. Dem einen, dass ich eine Online-Aufgabe in einer Offline-Kultur bekleide, also qua Amt eine Ausnahmeposition bekleide. Dem anderen, dass sich – immer öfter – Arbeit wie Freizeit/Freude und Freizeit/Freude wie Arbeit anfühlen. Private Netzaktivitäten fließen als Wissensbasis in meine Erwerbsarbeit ein, manches Mal werden sie sogar in Form eines Projektes dazu. Routinetätigkeiten auf Arbeit verlagere ich z.T. in den Feierabend, weil ich da mehr “Zeit und Muße” habe, diese mit Ruhe zu tun.
Ich weiss noch nicht, ob ich letzteres Gut oder Schlecht finden soll. Aber vielleicht muss ich mit meiner Arbeit und meinem Sein im Netz einfach noch mehr herum probieren.

Ich werden von weiteren Experimenten berichten. Gleich hier, auf der Lernspielwiese.

12 Antworten auf „#fkmedien: Was ist das Internet für Dich?“

  1. Was Nobert Bolz partout nicht versteht ist die Auswirkung der unterschiedlichen Verwendungkontexte des Begriffs “Freundschaft”. Keine Menschenseele würde allen Ernstes jede*n seiner Facebook-Freund*Innen auch im real life anderen Menschen mit Zuhilfenahme des Begriffs “Freund” vorstellen. Die Differenzierung zwischen traditionellem und blutarmem Freundschaftsbegriff ist keineswegs eine historische, beide Formen findet man bis zum heutigen Tage. Die eine Form im Cyberspace, die andere als Kehrseite im Außen des Cyberspace.

    1. Lieber Thorsten,
      mir schwant, genau DAS ist genau der Punkt. Nur habe ich das nicht so auf den Punkt gebracht. *Gleicher Begriff* in *anderem Kontext* generiert *unterschiedliche Bedeutungen*.
      Das wäre doch noch einen eigenen Blog-Post wert!
      Herzlich
      Monika

  2. Ja, na aber hallo! Lieber Heinz, ich denke, das liegt auf der blauen Hand: Viele längerfristig intendierten Beziehungen, Bindungen beginnen nun gerade mit dem Austausch des Facebook-names. Hat man den acc des jeweils anderen geaddet und interessiert sich, gerade zum Beginn der “Freundschaft”, sehr stark für den neuen Bekannten beginnt der Google-Algorithmus zu rattern und zeigt die Seite eben jenes vermehrt in Ihre timeline an. Bill, das führt vermehrt bei dem Aufeinandertreffen im RL dazu, dass man sich auch hier einander “näher” fühlt und dadurch auch sicherlich den ein oder anderen stetig weiter verbindenden Smalltalk hält.

  3. Was ich alles daraus gelernt habe, kann ich gar nicht aufzählen. Ich werde aber gleich alles ausdrucken und an eine Bekannte, die offline lebt und daher schlecht nachträglich an die 1. Sendung rankommt, schicken. Ist erstens kürzer und zweitens besser als die Sendung.
    Wenn du höflich bist, behauptest du natürlich: “Kommt nur davon, weil mons7 auf dem hohen hr-Berg steht.”
    Trotzdem kann doch mons7 auch für sich allein höher als hr sein, oder etwa nicht?

    1. Wir Gipfelstürmer, wir 🙂
      Frag’ mal Deine Bekannte (oder vielleicht sogar Du?) ob sie das Begleitbuch noch haben will. Ich hab’s nämlich versehentlich zweimal.
      Herzlich
      m

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