Bloggen, twittern, lesend recherchieren…. lohnt der ganze Aufwand überhaupt?

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Kürzlich in fröhlicher Runde beim Sonntags-Kaffee. Jeder erzählt aus seinem Leben, was ihn so betrifft, betroffen macht, beschäftigt und erfreut hat, die vergangenen Tage. Ich erzähle – wer mag mir’s verdenken – von euch. Von #howtomooc, dem #mmc13 und meinen sonstigen virtuellen Freu(n)den. Es dauert nicht lange, bevor die Frage aufkommt, was ich daran (an euch) denn verdiene. Wo ich doch soviel Arbeit in meine Online-Aktivität stecke.
Die Antwort ist schnell gegeben: Nix.

Die Frage *dahinter* bleibt jedoch.

Warum tue ich das?

Wenn es kein Geld ist, warum tue ich das? Ist es eine Frage der Ehre? Der Spass, ein sonstiger Vorteil für derzeitige oder zuküftige Erwerbsarbeit? Obwohl man sich selbst da nicht immer zur Gänze durchblickt, versuche ich einen Einblick in meine ureignen Motivationen zu geben. Dies insbesondere dehalb (Motivation für Offenlegung meiner Motivation 😉 ) um die eurige in Erfahrung zu bringen.

Alles für die Ehre

Oder Neuhochdeutsch: Im Namen der Reputation. Ich freue mich außerordentlich, so jemandem mein Name einfällt, wenn es z.B. darum geht ein Lehr-Lern-Szenario zu entwickeln, das Microblogging einbezieht, um öffentliches Lernen zu praktizieren, … oder um Lernen im Rahmen von MOOCs.

Wobei die Ehre nicht der erste und bei weitem nicht einzige (An-)Treiber.

Einfach weil es Freude macht

Aber das darf man ja eigentlich gar nicht zugeben. Dennoch und kurzum, es ist genau so und das: Es macht mir Freude, Quellen zum Thema Lernen, Bildung, Hochschule und Weiterbildung im Internet ausfindig zu machen, zu lesen, zu rezipieren, zu kommentieren …und auch noch kommentierend weiterzuverbreiten. Es bereitet mir große Freude, mich über diese Inhalte auszutauschen und zu streiten. Und ich mag es, begründet durch diese Funde, Text und Nachdenkereien in Form von Blogposts zu verfassen, die wiederum Grundlage für ein Weiterdenken und -suchen sind. Sozusagen Belohnung im Hier und Jetzt, auf persönlichste Art. Und/aber was ist mit dem Business?

Boost für aktuelle Arbeit

Twitter ist jedoch dadurch mitnichten reine Zeitverschwendung, sondern gibt mir mehr als zu einer Gelegenheit einen Boost an meinem derzeitigen Arbeitsplatz.
Beispiele gefällig?

  • Habe ich eine spontane Moodle-Frage, so poste ich diese in 140-Zeichen mit einem #followerpower dahinter (anstatt stundenlang Foren und FAQs zu durchforsten). Dann lehne mich zurück und widme mich einer anderen Aufgabe. Meist schon 10 Minuten später wird mir die Antwort bequem via @reply angeliefert, ganz oft noch mit einem entsprechenden Link in ein Forum hinein oder zur entsprechenden Antwort zur FAQ.
    An dieser Stelle mal ein herzliches Dankeschön an alle hilfreichen Moodle-Experten in meiner Timeline. Ich weiss euch und eure Hilfestellungen sehr zu schätzen.
  • Die neue Version von Moodle (und deren Tücken) war mir schon vor Einführung bekannt, da in der Timeline erwähnt, diskutiert, Lösungen und Work-arounds dafür gefunden.
  • Über Twitter halte ich mich auf dem Laufenden über Neuigkeiten und Bewegung in der Hochschullandschaft (und nicht nur der) zu didaktischen Innovationen (oder es sind eher Versuche, die zu solchen auswachsen können).
  • Für meinen Job relevante Veranstaltungen kann ich nicht mehr verpassen. Sie poppen zum Anmeldezeitrahmen in der Timeline auf… und dann wieder kurz vorher, wenn die jeweilige Veranstaltung ansteht.
  • … und vieles mehr.

Training für zukünftige Arbeit

Nichts ist für ewig, auch Stellen im öffentlichen Dienst sind zur Zeit befristet. Da lohnt es sich zwar nicht Wissen auf Halde zu schaffen, aber bestimmte … nennt man das Kompetenzen? 😉 – zu entwickeln, die – und zwar egal wo man landet – von Vorteil sind. Was ich von/über/durch euch lerne, was mir für meine zukünftige Arbeit von nutzen sein wird. Und fürs Leben an sich und überhaupt.

  • Andere Perspektiven gelten und sich von diesen anregen lassen.
  • Aus einer Fülle von Angeboten und Anfragen die „Richtigen“ mit traumwandlerischer Sicherheit herausfischen.
  • Mit Menschen (im firmeneigenen, aber auch übergreifenden Netzwerk) gemeinsam ein „Projekt“ wuppen können.
  • Am Puls der Zeit des eigenen Fachgebietes bleiben und diskursiv beurteilen können, ob für den jeweiligen AG lohnend – oder eher nicht. Apropos Puls.

Im (Flow des) Lernen(s) bleiben

Lese ich im Buch oder Internet (oder der ct) über ein Thema, erfahre ich in gewisser Weise Neues, binde die neuen Infos im Idealfalle in mein zukünftiges Verhalten ein. Sie helfen mir z.B. Routinetätigkeiten anders anzugehen und diese damit effizienter abzuarbeiten. Oder servieren mir Ideen, wie diese gleich ganz überflüssig werden können. Der Effekt ist jedoch meiner Erfahrung nach tiefgreifender, so ich das Neue gar selbst produziere. Wie in Form eines Blogposts unter Einbezug und Verlinkung des zuvor recherchierten. Testet man das ganze dann auch noch an der (Online-)Realität aus, … und liest bei anderen über deren Experimente im und mit dem Netz, fängt das ganze wieder von vorne an. Frau kommt in einen Sog/Flow, … der hoffenlich in einer Spirale nach oben führt (oder aber uns alle in den Abgrund reißt. Aber das wäre noch auszutesten. 😉 ).

Schreiben als Grundbedürfnis

Vielleicht ist es aber auch einfach nur so, dass Schreiben ein Grundbedürfnis von mir ist. Und würde ich nicht online schreiben, so täte ich es in einem kleinen verstaubten Tagebuch, verschlossen mit einem Schlösschen, das des Wortes Schloss nicht würdig ist (denn mein Motto ist auch offline open 😉 ). Einfach nur, weil ich mich schriftlich mitteilen muss.

Und ihr? Warum tut ihr das? Dafür interessiert sich

Eure m

12 Antworten auf „Bloggen, twittern, lesend recherchieren…. lohnt der ganze Aufwand überhaupt?“

  1. Gute Frage, die mir auch schon häufiger gestellt wurde. Vieles von dem was du schreibst kommt mir bekannt vor.

    2006/07 fing ich mit dem Spielen mit dem aufkommenden Social Media an. Auch mein Blog war am Anfang eine reine Spielerei, die überhaupt nichts mit dem Studium zu tun hatte. Es interessierte, und dafür macht man es, der Nutzen kommt schon von allein. Tut er wirklich.

    Auf karrerebibel.de war kürzlich ein Beitrag, in dem es um den Umgang mit Mitarbeitern geht, die online präsent sind und eine „Eigenmarke“ entwickelt haben. Noch sei das selten, aber die Kurve zeige steil nach oben. Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen dass mir mein Blog (plus der Rest) sehr geholfen haben meinen neuen Job ab Januar zu bekommen – man weiß sofort wie ich denke, und was ich (vor-)denke. Klare Sache dass ich diese Eigenmarke auch in Zukunft pflegen werde 😉

  2. Ich bin zwar weit davon entfernt, dass jemandem mein Name einfällt – aber zu allen anderen Punkten kann ich nur zustimmen. Genau das ist es. Es macht Spaß, das ist der Hauptpunkt. Und wenn dann schon einmal Zeit investiert ist, warum dann nicht mit anderen teilen? Sollen wir alleine auf unserem Wissen hocken bleiben, böse kichernd, dass wir Dinge wissen, die andere nicht wissen? Ist es nicht vielleicht auch eine Motivation, weiterzulesen, auch wenn es gerade anstrengend wird, damit der nächste nicht mehr ganz so viel Mühe hat? Und profitieren durch diesen gemeinsamen Gedankenaustausch nicht schließlich alle Seiten? Nicht unbedingt auf dem Konto ablesbar, aber andererseits auch nicht mit Geld aufwiegbar, weil einfach eine seelische Freude, ein individuelles Wachstum…

    1. „Sollen wir alleine auf unserem Wissen hocken bleiben, böse kichernd, dass wir Dinge wissen, die andere nicht wissen?“ … :))) Das werde ich demnächst wohl zitieren müssen. 🙂 #danke dafür.

  3. Hi Moni,
    interessant, daß Du auch gerade darüber schreibst. Ich habe gerade letzte Woche einen Artikel auf meinem Blog geschrieben (Achtung, Schleichwerbung ;-)) zum Thema „Warum bloggt ein Coach“.
    http://www.hauteculture.eu/warum-bloggt-ein-coach/

    Das „Warum“ habe ich noch nicht so ganz heraus gefunden, finde aber etliche meiner Gedanken in Deinem Artikel wieder.

    Zudem las ich heute den Artikel im FAZ Feuilleton von Frank Schirrmacher zur Zukunft des Journalismus und kam ins Grübeln. Aus der Perspektive der „Netzintellektuellen“, wie Schirrmacher sie nennt: ja, Leute, warum nutzt Ihr denn die Möglichkeiten nicht, Euch auszudrücken und Euren Wünschen Gehör zu verleihen?

    Das Bloggen macht mir Spass, ist eine Online-Visitenkarte, Twitter informiert oder amüsiert mich. Datenmengen filtern habe ich schon lange gelernt. Nicht alles ist wichtig oder interessant, nicht mal, was ich so schreibe.
    Trotzdem bin ich ja aufgrund meiner Ausbildung als Journalistin auch eine Anhängerin von Qualität und solider Arbeit, bin kritische Leserin und frage mich manchmal: ja, Leute, gibts nichts anderes, worüber Ihr reden wollt?

    Wichtig scheint mir nicht, daß es in erster Linie Geld bringt. Obwohl das ein netter Nebeneffekt sein kann. Wichtig scheint mir, daß man die Redefreiheit nutzt, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder auch Fremdgesinnte anzusprechen.
    Auf einer Ebene, die früher einfach so leicht und schnell nicht möglich bzw. zugänglich war für viele.

    Grüße, Andrea

  4. Hihi, das erinnert mich an eine Konferenz, auf der ich einen Artikel zum Thema „Öffentliche Wissenschaft“ vorgestellt habe. Damals habe ich am konkreten Beispiel gezeigt, wie das aussehen kann – du hattest per Twitter angeboten, den Text durchzusehen; und zu dem Zeitpunkt hatten wir uns noch nicht einmal offline getroffen sondern nur losen Online-Kontakt. Diesen Tweet habe ich gezeigt und damit die Frage geerntet, wieso du denn so etwas machen würdest!? War eine BWL-lastige Konferenz, vielleicht war es da so unvorstellbar, dass jemand das „einfach so“ macht…

  5. Ein anderer Gedanke dazu, auch wenn der möglicherweise etwas zu weit führt: Bourdieu, P. (1983). Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapitel. Kreckel. R. (Ed.). Soziale Ungleichheiten (pp. 183-198). Göttingen.

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