Lebenslang lernen. Die Zeit nehm’ ich mir. Nur wann? – Gedanken am Rande des #mmc13

Joe's Piano Shop Bildquelle.

Was traditionell organisierte Weiterbildung kann!

Ich bin ja keine wirkliche Freundin traditionell organisierter Weiterbildungsmaßnahmen. [Die Gründe hierfür verkneife ich mir an dieser Stelle.] Ein nicht zu verachtender Vorzug davon ist jedoch, dass diese mir – zumindest für einen gewissen Zeitraum – einen geschützten Raum verschafft, in den weder mein Privatleben noch die Anforderungen meiner Erwerbsarbeit hineinschwappen können. Will heißen konkret, Hund & Co. sind anderweitig versorgt, ich muss mir also keine Sorgen machen, auf Arbeit ist der AB angeschalten, wendet sich jemand via E-Mail an mich, erledigt die Beantwortung erst einmal die Auto-Reply-Funktion. Weil ich bin ja auf Weiterbildung. Ich habe und bin frei fürs Lernen.

Und das sehe ich als die eigentliche und wahrliche Leistung einer Weiterbildungsmaßnahme.

Selber Lernen gibt’s nur im “Gesamtpaket”

Nehme ich nun aber mein Lernen in die eigene Hand, so ist im mir angeeigneten Gesamtpaket auch genau diese Aufgabe mitenthalten, die ich nun selbst erledigen muss. Und damit haben wohl wir alle schon unsere Erfahrungen gemacht. Und dass wir alle im Umgang damit der oft weniger als mehr erfolgreich sind, spiegelt sich in der gesunden Skepsis ob ich auch wohl genug Zeit erübrigen kann, sobald die Entscheidung ansteht, etwas lernen zu wollen. Beispiele gefällig?

MOOCige Beispiele gefällig?

Joachim Sucker, seines Zeichens Marketing-Leiter einer großen Volkshochschule, schreibt hier um das von mir oben beschriebene Problem sehr wohl wissend: “Gerne bin ich dabei, aber noch unsicher, ob ich ausreichend Zeit einbringen kann.” Oder gleich der nächste Kommentar von Ludwig, IT Consultant für Collaboration und Wissensmanagement mit Sharepoint, da: “Da ich zum Januar den Arbeitgeber wechsle, ist meine Teilnahme vorbehaltlich, da sich der Zeitaufwand bei der Einarbeitung noch nicht abschätzen lässt.” Und wenn ihr euch die Mühe machen wollt und mal weiter die Anmeldekommentare runtercrollt (und auch durchlest), werdet ihr das gleiche Thema in immer wieder anderer und personalisierter Form wiederentdecken.
Und selbst auf Twitter wird man, bei unserem geschätzten @jowede fündig.

Wir jedoch von Veranstalterseite sind schon froh, dass er sich die Zeit als Experte on Air zu fungieren aus den Rippen schneidet.

Die Bildungswilligen sind sich – aufgrund ihrer Vorbildung – wohl sehr bewusst, mit welchen Herausforderungen diese Bildung einhergeht. Meine bescheidenen Lösungsansätze dazu im Folgenden.

Die Zeit nehm’ ich mir. Nur wie?

Spontan fallen mir 6 Strategien ein, die ich – einzeln oder in Kombi – immer mal wieder ausprobiert habe.

1. Tabs schließen

Ja. Es tut mir echt leid. Insbesondere Twitter ist ja Quelle meiner Inspiration. Dennoch tut es ab und an Not, euch mal kurz “abzuklemmen”. Ich lasse dann am Computer nur noch DAS Tab auf (wenn die Tabs, dann sind das nur andere Ansichten des Gleichen), so manches Mal bin ich sogar NOCH radikaler… und kehre für eineinhalb Stündchen zu Papier und Stabilo bionic zurück.

2. Zeitblöcke reservieren

Sobald ich mal aktiv in den Kalender (ich nutze derzeit den Google Calender) eintrage, was ich alles “so nebenbei” mit zu erledigen gedenke, wird mir klar, warum ich das manchmal mehr schlecht als recht oder im Extremfall erst gar nicht schaffe. Weil eben (auch) mein Tag nur 24 Stunden hat. Und da passt mitnichten das alles rein, was ich mir – so virtuell und unbedarft aller zeitlichen Beschränktheit – so vornehme. Ich habe mir deshalb für den #mmc13 bestimmte Zeitblöcke im Kalender einfach eingeplant. Damit ich zumindest zur Live-Session dann virtuell in Erscheinung trete. 😉

3. Mit Örtlichkeiten experimentieren

Ich arbeite in einem Büro mit 5 Kolleginnen. Und ich liebe es. Nichts desto trotz gibt es kurze Zeiteinheiten, während derer ich es hasse. Dann, wenn ich texten will/soll. Dann, wenn ich denken will. Ohne Ablenkung sein will. Dafür habe ich einen super tollen Platz entdeckt. Den Stillarbeitsplatz in der Bibliothek nebenan… mit W-LAN. :)) … Dahin verzupfe ich mich bei Gelegeneheit… um effizienter arbeiten zu können.

So daheim. Da gehe ich mal in die Küche, wenn’s nicht mehr flutscht, … oder oben in den Bio-Landen, wenn’s so gar nicht mehr funzt.

4. Genug ist genug – Meine 3 Prios

Sozusagen arbeiten auf mehreren Baustellen. Und dadurch geht’s bei keiner so richtig voran. Vielleicht hilft ein kleiner Spickzettel in der Hosentasche (also mir hilft er gelegentlich 😉 ), welche drei der vielen Baustellen die sind, die mir wirklich am Herzen liegen. Kommen zu viele Aufgabe gleichzeitig auf mich zu, ziehe ich galant den verknüllten Zettel aus der Tasche, und gleiche ab, welche der Aufgaben den drei Posten zuordenbar wären. Und die erachte ich dann als wichtig.
Schon mal probiert?

5. Abmachungen – einhalten und einfordern

Oder noch besser, gar nicht erst soviel abmachen. Aber in diesem Punkt bin ich ganz schlecht, weil er etwa die Qualität eines Sylvester-Vorsatzes hat. Zu unkonkret und zu ungewohnt.

6. Zeiten künstlich ausdehnen

Könnt ihr euch noch an Vor-Smartphone-Zeiten erinnern? Als man im Supermarkt in der langen Schlange an der Kasse stand. Oder in der U-Bahn unauffällig herumschaute, wer da noch so sitzt. Zwischendurch den Blick nach draußen schweifen lassend. Eigentlich langweilig. Jetzt muss ich aufpassen, nicht vergessen auszusteigen. Freue mich über die Kassenschlange, weil ich dadurch zehn zwanzig Tweets zurücklesen kann.

Morgen werde ich probeweise mal wieder aus dem Fenster schauen. Mal sehen, wie viel Zeit ich dabei gewinnen kann. 😉

Ihr so?

Meine oben dargestellten “Gegenmaßnahmen” gegen den hektischen Zeitgeist sind – zumindest für mich – nicht wirklich immer erfolgreich. Denn es braucht eben schon einiges, sich gegen einen Zeitgeist zu stemmen. Deshalb meine Frage an euch. Habt ihr weitere/andere Strategien? Dann her damit. Als Kommentar. Und zwar jetzt. Gleich. Sofort.

5 Antworten auf „Lebenslang lernen. Die Zeit nehm’ ich mir. Nur wann? – Gedanken am Rande des #mmc13“

  1. An alle Mitstreiter,
    natürlich ist bei jedem Unterfangen immer der erste Punkt:
    Wie wichtig ist das neue Wissen für mich? Ich selbst entscheide, was Priorität hat und wenn ich nicht die Zeit dafür finde – also sie mir nehme!! – dann ist es diesmal eben ein anderer “Zeitvertreib”, der für mich persönlich genau jetzt viel sinnvoller ist.
    Auch ich habe mir die Zeiten der Online-Präsenz genau nach den bevorstehenden Live-Sessions schon geblockt. So habe ich das Gefühl, wenigstens manchmal zeitgleich mit anderen zusammen zu sein, weil es dieses Gefühl ist, was ich eben AUCH brauche. Es inspiriert mich, mit vielen gemeinsam an einem Event teilzunehmen, auch wenn ich “nur” den Vortragenden sehen kann. Sollte ich wirklich verhindert sein, nutze ich natürlich die Aufzeichnung – aber dabei sein ist schöner.

    Gerade komme ich von einer Weiterbildung zurück, die ich mir gönne und die ich einfach grandios finde und genieße. Auch das darf ich im Zeitalter von #MMC13 trotzdem sagen.

    Natürlich bin ich gespannt, ob ich noch alle Kommentare lese, wenn dann wirklich auch alle Ihre Meinung ins Netz schreiben…..bisher ist das ja noch überschaubar.

    Mit Spannung erwarte ich aber die Inspiration, die genau dann einsetzt, wenn viele Menschen sich treffen und austauschen, die sich nicht kennen. Genau das wünsche ich mit von diesem MOOC. Also offen und erwartungsvoll freue ich mich auf die gemeinsam Zeit – sowohl on-, als auch offline.

  2. kommt drauf an was wir unter lebenslangem lernen verstehen, ob wir das praktische leben vom lernleben trennen. das erzeugt m.m. nur eine künstliche spannung. moocs sind ja ein versuch, diese trennung tendenziell zu durchbrechen. mich entspannt die vorstellung, dass ein grosser, wenn nicht der grösste teil, vielleicht sogar günstigte gelegenheiten sowieso hinten runter fallen, wie im richtigen leben auch ;-). klar, in meiner rolle als nur-teilnehmerin ist das leichter ;-).
    die festgelegten synchronen dates habe ich allerdings frei gehalten, mir sogar einen tag dafür frei genommen 🙂

  3. nach dem heutigen Tag – dem 4. des Moocs – fällt mir noch folgende Strategie ein: Wenn alles passt, auch einfach mal etliche Stunden reinfallen lassen gönnen. Wichtig dabei: Es sich wirklich gönnen!

    Hatte heute auch zwischendurch ein schlechtes Gewissen, aber als ich dann reflektierte, was ich alles “erlebt” – also meist gelesen und durchdacht und installiert und eingerichtet – habe, da empfand ich große Freude. Erfolgserlebnisse am laufenden Band! Dazu ganz viele Schritte hin zu Zielen gemacht, an die ich noch nicht mals vorher gedacht hatte 😉

    Vielen Dank, liebe Monika!

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