#rp13 Nachlese. Open Journalism. Machen wir das nicht alle schon irgendwie?

Tolle Sache. Die Übersicht mit den verlinkten YouTube-Aufzeichnungen. Klasse. Nächstes Jahr werde ich nur noch networken, und inhaltlich einfach alles nachschauen. 😉
Wie z.B. den Vortrag von Daniel Bröckerhoff. Der als @doktordab twittert. Auch mal schaun?

Da zählt er ganz zu Anfang 10 Grundsätze von Open Journalism auf (die er von @alanrusbridger hat). Die ich hier mal in Kürze und eigenen Worten wiedergeben mag. Und sogleich kommentieren, dass wir das doch in der Art eh’ schon alle machen. So als Blogger. Heisst das, wir sind alle Open Journalists, nur dass uns keiner dafür bezahlt? Der einzige Unterschied also der des Vergütetwerdens?

10 Grundsätze

#1 – Kommentare/Feedback sind gewollt.

Ich bin mir gar nicht so schlüssig, was ich lieber mag. Viele Zugriffe auf meinen Blog (und auch hier wieder… ist es besser, man hat weniger Menschen, die draufgehen… aber gleich mehrere Posts durchlesen?) oder aber viele Kommentare. Ich schreibe hier “oder aber”, da beides nach meiner Erfahrung selten zusammenkommt. Unter dem an einem Tage meist gelesen Post von mir (der hier – zu Twitter) finden sich kaum Kommentare, nämlich gerade mal elf. In Kurz: Kommentare sind i.d.R. durchaus gewünscht von Bloggern, insbesondere von mir. Gerade auch solche, die nicht konform gehen mit dem zuvor von mir verbratenen. Ein bisschen empfindlich bin ich höchstens in punkto Tonalität.

#2 – Gegenseitiges (statt enseitiges) Publizieren

Das Publizieren ist als Blogger ohnehin meist Gegenseitiges, denn woher sollte man seine Inspiration erhalten, denn aus dem Netz? Wir haben keine Auftraggeber, keine Themengeber, also nimmt man, was einem a) unterkommt, b) relevant erscheint, c) verlinkbar ist.

#3 – Wir veröffentlichen Zwischenergebnisse

Oder alles ist beta. Alles sind Zwischenergebnisse. Wenn ich Endergebnisse in meinem Fachgebiet veröffentlichen wollte, so würde ich das in Form von wissenschaftlichen Artikeln tun. Zwischenergebnisse auch deshalb, weil die meisten von uns Aspekte thematisieren, die uns beschäftigen, über die wir noch nicht zu Ende gedacht haben. Oder über Themen, bei denen kein Ende abzusehen (wie z.B. den MOOCs).

#4 – Wir sind Teil eines Community-Building-Prozesses

Natürlich sind wir Teil einer Community. Ich der Edu-Community. Wäre ich das nicht, hätte ich ja keinerlei Leser. Außer vielleicht derjenigen, die es via Google auf mein Bloglein spühlt. Nach den Suchworten jedoch zu urteilen über die die hier gelandet sind (die die mir WordPress anzeigt) bezweifle ich allerdings stark, ob die wirklich finden was sie suchen. 😉

#5 – Wir sind (über Verlinkungen) ins Internet eingebunden

Und das mehrererlei. Einmal z.B. über die Blogroll, auf die ich an dieser Stelle mal hinweisen will (solange ich sie noch habe. 😉 ). Über die Inspirationen, aufgrund derer wir schreiben, wie ich z.B. hier über ein YouTube-Video. Über die Quellenangaben und sonstigen Verlinkungen, die wir in unsere Texte einbauen. Wie z.B. oben auf die Twitter-Accounts des Vortragenden und demjenigen, auf der sich ersterer mit seinen 10 Grundsätzen bezieht. (Was allerdings ja auch wieder eine Art Quellenangabe darstellt.)

#6 – Wir sammeln, fassen zusammen, kommentieren Werke anderer

Wie hier mit diesem Artikel ja getan. Im Grunde gebe ich bestimmte Aspekte des Gesagten wieder, jedoch nich in wörtlicher Rede sondern in meine ureigenen Worten (und verändere damit z.T. die Information) und erweitere/kommentiere bestimmte Aspekte gleichzeitig, wie z.B. die Grundsätze von Open Journalism auf unsere Art des Publizierens als Blogger zu beziehen.

#7 – Wir wissen, dass wir nicht die Einzigen sind, die Ahnung von was haben

Denn wenn wir das nicht wüssten, wären wir größenwahnsinnig,… oder aber in Vorstandsetagen bzw. gleichwertigen Positionen tätig. Anstatt abends und wochenends zu bloggen. 😉

#8 – Wir stellen Unterschiede dar, aber auch Gemeinsamkeiten her

Bestes Beispiel die Diskussionen (hier und anderorts in Blogs) zu xMOOCs und cMOOCs, was die Unterschiede zwischen denen sind, aber auch Einigungsprozesse darüber, welche wir nun gut finden, was wir – als Community – supporten wollen, ob wir Begriffs-Capturing bein amerikanischen Elite-Universitäten aus Marketing-Zwecken unterstellen… und und und.

#9 – Zu Publizieren ist der Anfang, nicht das Ende eines Prozesses

Denn erst wenn ich überhaupt etwas veröffentliche, mache ich ja eine Diskussion, einen Austausch über die Thematik möglich.

#10 – Korrigierte Fehler und Weiterentwicklungen sind nachvollziehbar

Verpönt ist es in der Tat, einmal Publiziertes in einem Artikel im Nachhinein abzuändern. Dies insbesondere deshalb, da zu einem späteren Zeitpunkt dann die Kommentare zum Text oben nicht mehr passen. Wann ich es tue? Wenn es um Tippfehler geht. Die bessere ich gnadenlos und ohne Kennzeichnung aus. Inhaltliche Ergänzungen oder Richtigstellungen mache ich (was aber ganz ganz selten ist, da ich Ergänzungen z.B. ja auch über eigenen Kommentar hinzufügen kann) kenntlich, neuerdins sogar mit Datum.

Wenn also schon die Grundsätze die gleichen sind, nach denen wir als Blogger vorgehen wie diejenigen von Open Journalists, dann sind doch wahrscheinlich auch die Vorteile und die Risiken die gleichen, oder? Schaun wir mal.

Chancen, z.B.

#1 – Echte Menschen als Gesprächspartner

Erstaunlich fand ich während des Vortrages, dass sich Journalisten in Ihrem Alltag oft Ordnern/Unterlagen/Geschriebenem gegenüber konfrontiert sähen, an echte Menschen heranzukommen eine echte Herausforderung sei. Man gehe dann über Freunde, Freunde von Freunden. Hier kann eine gute Community reichhaltig Hilfe bieten, Stimmen/Perspektiven von echten Menschen zu bekommen. In dem Moment wurde mir erneut klar, wie wertvoll ihr eigentlich für mich seid. Ihr seid echt. Nicht nur Text. Zwischen Ordnerdeckeln.

#2 – Quellen können offengelegt werden

Einfach durch Verlinken. Mit Büchern geht’s schon schwieriger. Aber die kann man ja – wie im wissenschaftlichen Bereich üblich – auch einfach zitieren. Macht nur ein bisschen mehr Arbeit. Und ist für den Rezipienten – also Dich – schwerlicher zu überprüfen/einzusehen. Wenn man nicht gerade eine gut ausgestattete Bibliothek in der Nachbarschaft hat. Von daher ziehe ich mittlerweile das Verlinken vor.

#3 – Qualitätssicherung

Insbesondere Tippfehler, sonstige Schreib- und Formulierungsfehler werden mir immer mal wieder – meist via eMail, weil ihr so höflich seid – mitgeteilt. Die bessere ich dann immer gleich aus. Mal ein ganz ganz herzliches Dankeschön an euch, die ihr es schon gelegentlich getan habt. Das weiß ich sehr zu schätzen. Denn auch eine korrekte Rechtschreibung, nicht nur die Formulierungen, lässt einen einen Text lieber lesen.

#4 – Persönlichkeit und Lernen kommt mehr in den Vordergrund

Texte werden, ja, vielleicht auch subjektiver. Aber dadurch, dass man weiß, wer den Text geschrieben hat, wie der dazu kam, diese Position einzunehmen die er gerade einnimmt, gibt ja weitere Hintergrundinformation, die einem das Textverständnis erleichtert. Oder geht’s nur mir so?

Nachteile, z.B.

#1 – Zeitaufwand

Das Bewegen im Internet kostet Zeit. Ihr kostet Zeit, euch zu lesen und zu verfolgen. Diesen Artikel zu schreiben, mir Gedanken zum Thema zu machen, … kostet mich mittlerweile etwa 2 Stunden Zeit. In denen ich besser ein Buch zum Thema Open Journalism gelesen hätte?

#2 – Verzettelung

Manchmal ist es in der Tat nicht ganz einfach. Sich zu fokussieren auf wenige Themen, die ich wirklich weiterverfolgen möchte. Lernen und Kommunikation sind breite Felder, allein schon beim Thema MOOC ist die Literatur, die tagtäglich via Weblinks alleine über Twitter hereinkommt (auch sehr viel englischsprachiges), (für mich) nicht zu rezipieren.

Und dann auch noch weitere Felder, in die ich mich gerne vertieft hineinlese und -höre. Schreiben in Digitalien. Kommunikation via Soziale Medien. Was ja auch schon wieder richtig breite Felder sind, in denen Beschränkung Not tut.

#3 – Kommt evtl. beim Arbeitgeber nicht gut an

Zumindest wenn man es während der Arbeit täte. 😉

Fazit

Im Grunde fühlt sich der Vortrag nach nicht neu an, da er das für Journalisten fordert, was wir hier im Netz ja ohnehin schon leben. Aber was mich wundert ist, dass Journalismus dann i.d.R. so anders zu funktionieren scheint. Ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe.

Eure mons7 (Monika E. König) die gerne für und mit euch schreibt. Und sich fragt, ob sie sich jetzt Open Journalist nennen soll? 😉

2 Antworten auf „#rp13 Nachlese. Open Journalism. Machen wir das nicht alle schon irgendwie?“

  1. Hi Moni 🙂
    besonders der betonung von Daniel Bröckerhoff der zwischenergebnisse, der journalistischen tätigkeit als anfang, nicht als ende und schliesslich der transparenz konnte ich spontan zustimmen. und insofern ist bloggen, kommentieren etc. für mich journalismus.
    #nachvollziehbarkeit aufgrund von hintergründen “richtiger personen” und deren entwicklungen finde ich dabei besonders wertvoll, ist aber natürlich immer auf eine bestimmte “szene” beschränkt. nicht mehr, weil der austausch innerhalb dieser nicht zugänglich wäre, sondern weil sich jeder aufgrund von begrenzter zeit nur mit einer begrenzten anzahl von personen und themen vernetzen kann…
    #wissen_im_prozess ermöglicht aber viel mehr anknüpfungspunkte und reflektionen als komprimierte “endergebnisse”…
    #dominanz der meinungsmache wird auf diese weise sicher relativiert !
    #qualität – dazu fallen mir die ressourcen ein, die auch einen grossen einfluss auf das zu veröffentlichte haben. neidisch schaue ich auf die ausstattung von beruflichen journalisten, besonders der minderheit derjenigen, die in guten öffentlich-rechtlichen nischen werken können, plus der handvoll, die es geschafft haben, als frei berufliche auch gut davon zu leben (wobei ich weiss, auch hier herrscht permanter zeitdruck, was (auch) mit unserem zumindest zu relativierenden anspruch auf aktualität zu tun hat).
    hierbei denke ich besonders an eine gute mediale aufbereitung, aber hier kommen “uns” die sich in rasantem tempo besser werdenden digitalen (online-) tools entgegen.
    was bleibt ist das dilemma, das sich aus der spezialisierung unserer “wissensgesellschaft” ergibt, resp. der vermittlung und verständigung zwischen gebieten und gruppen. plus einer reflektion über wissenschaftlichkeit, und was für wen wann wie nutzbar gemacht werden kann.
    so far 😉
    Jutta

  2. Hallo! Ja, wo soll ich anfangen? Hier gäbe es gar viel zu kommentieren… Vielleicht dies auch als erster Punkt: Das Gespräch mit echten Menschen, ja, das ist auch mein Ziel. Und da dies immer mal zustande kommt, mache ich auch immer weiter. Meine – zugegeben recht kurzen – Erfahrungen zeigen aber auch, dass zwar viele Menschen rezipieren, wenige jedoch tatsächlich kommentieren. Das ist freilich schade, aber wohl auch folgerichtig. Aufmerksamkeit für Wesentliches ist on- wie offline Luxus. Denn wie ich finde, fehlt häufig eine echte Systematik und Tiefe des Austauschs. Du hattest das wohl Beta-Version genannt. Für einen fundamentalen Austausch bedarf es wohl mehr – das, was Social Media im Kern sein wollen, ist viel, kurz, leicht vertändlich, am besten auf allen Kanälen, immerzu. Und dieses Beta stört mich auch manchmal. Denke ich ans wissenschaftliche Arbeiten zurück, geht dies meiner Meinung nach nicht ohne einsames Studierstübchen. Ruhe, Einsamkeit, Konzentration. Das beißt sich dann aber doch mit Blog, Twitter, Facebook und Co.
    Liebe Grüße!

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