Was Ununi besser als Uni kann

Hier hatte ich meiner Begeisterung über ununi.tv ja schonmal Luft gemacht. Und euch hoffentlich Lust gemacht. Bei der letzten Online-Zusammenkunft eines Teils der ununi.tv Community kam zur Sprache, dass vielen Menschen die auf die Webseite kämen nicht unmittelbar klar werde, was denn die Weiterentwicklung von Uni nach Ununi sei.

Mir ist das irgendwie intuitiv klar. Aber meine Intuition explizit zu machen, in Sätze und Argumente zu fassen, ist dann doch nicht ganz so leicht wie gedacht. Deshalb bitte ich hiermit die ununi.tv Macherinnen und Macher um Modifikation und Ergänzungen. Ganz nach Gusto.

Hier meine ersten Gedanken dazu.

Auf Ununi.tv passt sich “der Lehrplan” schneller an.

Oder besser gesagt, es gibt gar keinen. Die Inhalte entstehen durch Angebot und die Nachfrage danach. Ja. Auch Nachfrage. So ist jetzt schon ein Formular eingebaut, in dem man Wünsche eintragen kann: Live-Video wünschen.

Auf Ununi.tv geschieht lernen individueller

Die, die mich länger und offline kennen, werden mein Lied in dieser Beziehung auch schon kennen. Ich fühlte mich während meiner gesamten Studienzeit weder wahrgenommen noch gewertschätzt. Keine Lehrende kannte mich mit Namen, selbst wenn ich mal richtig gute Hausarbeiten (ich tat immer alles schriftlich 😉 ) eingereicht hatte, konnte mir als Person die Ausarbeitung im Nachhinein nicht mehr zugeordnet werden. Die Aufmerksamkeit – selten genug, dass ich was richtig richtig Gutes produzierte – kam sowohl zu spät als auch nicht an. (Scheine wurden ja dann einfach beim Sekretariat abgeholt).
Das wollte ich als Lehrende anders machen. Realität? Ich kenne kaum einen Namen meiner Studierenden, nicht einmal derer, die sich mit richtig klugen Anmerkungen in “den Unterricht” einbringen. Schande über mich.

Hier empfinde ich schon jetzt das Lernen in der ununi.tv Community als individueller. Ich kann Menschen, die ich nur kurz online kennengelernt habe, die mich aufgrund Inhalts oder/und Person interessieren, als Konserve nachschauen. Das nächste Mal beim Zusammentreffen nachhaken.
Überhaupt sind die geplanten Zusammenkünfte ohnehin auf 10 beschränkt. 😉

Auf Ununi.tv wird eher aktiv denn rezeptiv gelernt

Ich habe Uni – obwohl bei den Lehrenden die ich erlebt habe immer bester Wille vorhanden war Lehre “anders” zu gestalten – als überwiegend rezeptiv erfahren. Aktivität war über gelegentliche Referate glaube ich hieß das möglich, aber wie gesagt, ich war ja der Hausarbeiten-Typ.

Selbst aber wenn ich der Text-Typ bin, … so werde ich via ununi.tv über die Einmischungsmöglichkeit via Hashtag und Twitter schon aktiver denn lediglich reziptiv. Von der Grundidee langfristig eigene experimentelle Lern-Hangouts abzuhalten mal ganz zu schweigen.

Ununi.tv muss sich nicht den Regeln des Wissenschaftsbetriebs unterwerfen

Und da gibt es so einige. Sinnvolle zum Teil. Hindernde manchmal. Um nur ein Beispiel zu nennen. Ich hätte mich nicht getraut eine Hausarbeit – damals zumindest – mit einer Literaturliste unter 25 Posten einzureichen. Und das OHNE Name-Dropping. Und ohne Internet-Quellen. Die kamen gut dosiert obendrauf. Und keinesfalls Wikipedia. Aber das ist wohl immer noch so. Bei sich neu entwickelnden Feldern ist das aber gar nicht so zu leisten. Emergierendes Wissen wird erst nach und nach aus Tun und Beobachtung destilliert und in wissenschaftliche Veröffentlichungen umgewandelt. Und ist manchmal sodann geschehen schon wieder passé.
Diese kleine Regel (oder vielleicht Eigenheit von mir) ist nur ein klitzekleines Beispiel. Von diesen könnte ich aber hunderte aufzählen. Und von diesen Regeln ist ununi.tv befreit.

Ununi.tv ist auf Zusammenarbeit angelegt, nicht auf Konkurrenz

Auch so ein Punkt. Zusammenarbeit wird in Uni-Seminaren krampfhaft versucht über Gruppenarbeiten etc. herzustellen. Von der Prüfungsordnung her aber ist studentisches Arbeiten auf Konkurrenz angelegt. Und die lässt sich m.E. auch nicht durch didaktische Kniffe aushebeln.

Die Idee von ununi.tv ist über Austausch neue Ideen zu generieren. Ohne Angst, wenn ich etwas vom Gegenüber aufgreife und zu meinem mache, des Plagiats etc. bezichtigt zu werden. (Ja, ich weiss, so läuft es ja im Wissenschaftsbetrieb auch nicht ab,… trotzdem empfinde ich diesen als weniger… “teilsam”?)

Ununi.tv entwickelt sich, (noch) keine festen/festgefahrenen Strukturen

Das könnte sich ändern. Immerhin waren Universitäten lange Zeit Brutstätten schräger Gedanken, von Innovation, Freiräume der Entwicklung und des über Grenzen hinausdenkens. Die man mit gestalten konnte, so man Teil dieser war.

Und so empfinde ich meine Teilhaber- und geberschaft gerade auf ununi.tv.

Als Brutstätte.

Eure mons7 (aka Monika E. König)

3 Antworten auf „Was Ununi besser als Uni kann“

  1. Ja, das kann man so sehen, liebe Monika 😉

    Allerdings würde ich uns nicht als Negation oder Weiterentwicklung der klassischen Uni bezeichnen, sondern als grundlegendes Angebot für (fortgeschrittene) Erwachsene. Also weniger an klassische Studierende gerichtet als vielmehr sich an berufstätigen Personen orientierend, die sich selbstorganisiert mit der kollektiven Intelligenz gemeinsam weiter entwickeln möchten.

    Aber deine Sicht ist trotzdem gut. Danke dafür! Ich habe mich dazu entschieden, am Mittwoch, 5.6.2013, 12:15h, ein Live-Video über ununi.TV anzubieten. Dort erzähle ich dann, was aus meiner Sicht gemeint ist mit dem Slogan “Eine andere Bildung ist möglich”. Ich werde deinen Blogpost einfach als Ausgangspunkt für die Session nehmen – und den bunten ununi.TV-Strauss von dieser Wurzel aus auffächern. Mal sehen, ob dies in 15 Minuten grob glückt. Hier geht’s lang: http://www.ununi.tv/node/131

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