Aus Verzweiflung Der große Gatsby gelesen. Und gut war’s. ;)

Ich habe mein Urlaubs-Leben im Blitzlicht ja schon auf Twitter veröffentlicht. Regen. McBookAir (mit Kaffe mit Milch) ertränkt. Nicht mehr wiederbelebbar. Wackliges W-LAN. Und überhaupt.

Und da einem in solcher Situation nicht mehr zu helfen ist, muss man sich halt anderweitig zu helfen wissen. Mit guter und alter Literatur. In meinem Falle, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald.

Zur Story in Kürze

Gatsby, Party auf Party schmeissender Reicher ungeklärter Herkunft (also sowohl seiniger als auch seines Geldes) auf geheimer Mission, seine erste Liebe (mittlerweile verheiratet und mit Kind, das aber nur sehr untergeordnete Rolle in ihrem Leben spielt) zu(rückzu)erobern. In zugespitzter Situation, in der offensichtlich wird, dass ihm das nicht gelingen wird, wird er – glücklicherweise? – in seinem Swimming-Pool zuletzt erschossen. Seine Beerdigung – entgegen seiner Partys – eher schlecht besucht.

Weitere Mitspielerinnen

Da gibt es den Tom (auch reich) und seines Zeichens Ehemann der Begehrten. Begehrter Name ist Daisy.
Dann gibt es noch den Erzähler (Nick Carraway) sowie seine mit der Zeit Freundin werdende (namens Miss Baker) und eigentlich Freundin von Daisy.
Und Myrtle (Geliebte von Tom (siehe ganz am Anfang)) und deren apathischen Ehemann (der letztendlich Gatsby erschießt).

Ihr seht, wie in den SoMe. Jeder ist irgendwie mit jedem irgendwie verwickelt. 😉

Was mir daran gefallen hat

Die Sprache. Wie ihr ja schon im Blog bemerkt, liebe ich Wortspielereien. Also mit Worten zu spielen meine ich. Zwei- und Dreideutigkeiten. Je nach dem, welche ich als Leserin heraus(zu)lesen (ver)mag. Einschübe und Einklammerungen. Aber die vollendete Sprachkunst beherrsche ich gleichsam nicht. Mein Dahingeschriebenes wenig vergleibar mit unvergleichlichen Sätzen wie den Folgenden. Herausgesucht als Schmankerl zum Anfüttern für euch.

„Ich sah wieder meine Cousine an, die mir mit ihrer leisen, erregenden Stimme Fragen zu stellen begann. Sie hatte eine jener Stimmen, denen das Ohr so aufmerksam folgt, als wäre jeder Satz eine Melodie, die nie wieder gespielt werden wird. Ihr Gesicht war traurig und schön mit hell strahlenden Dingen darin, hellen Augen und einem hellen, leidenschaftlichen Mund – aber in ihrer Stimme schwang eine Erregung, die Männer die sie einmal gehört hatten, nicht mehr vergaßen: ein bezwingender Singsang, ein geflüsterstes „Hör mir zu“, eine Andeutung, dass sie gerade erst aufregende, lustige Dinge getan hatte und aufregende, lustige Dinge auch in der nächsten Stunde bevorstanden.“ (S. 19)

Analogien

Neben der Sprache suche ich nach Geschichten, die mir selbst zustoßen könnten. Das macht den Inhalt i.d.R. für mich besonders spannend. Weshalb ich wahrscheinlich auf sowas wie … wie heisst diese Reihe von Rowling noch gleich? … sowas von gar nicht stehe. Nun ja, bei einer Novelle, die in den 20ern des letzten Jahrhunderts spielt, wohl auch nicht so einfach. Und doch. Es finden sich zumindest die eine oder andere Analogie.

DieParty

Das Social Web kommt mir doch – zumindest so ich (m)einen verregneten schwarzen Tag ohne McBookAir habe, vor wie eine riesige Party. Mit den entprechenden Vor- und Nachteilen. Es macht (meistens) Spass. Man findet aufgrund der Vielzahl und Verschiedenheit der Menschen immer jemanden mit einem gemeinsamen Thema oder Haltung. Manchmal entsteht daraus mehr. Ein Projekt, sonstige Zusammenarbeit. Aber. Gesprächsthemenprioritäten manchmal fehlerhaft gesetzt. Aufgrund des Umfeldes. Manchmal ist es zu laut, zu geschäftig. Und manchmal vernebelt der Alkohol die Sinne.

Die Antreiber

Unsere Antreiber sind oft nicht offen ersichtlich. Und liegen in der Vergangenheit. Wir tun also moderne Dinge, reißen Projektchen, füllen damit aber oft genug Gräben in uns, die in der Vergangenheit (auf)gerissen wurden. Unser Tun ist also – so modern es auch den Anschein nehmen mag – oft nicht aufs Jetzt und die Zukunft gerichtet.

Ein Buch das in der Tat (auch) dazu anregt, mal die eigene intrinsische Motivation zu hinterfragen. Und dann weiterzumachen.

Einpacken

Zuletzt die Erkenntnis, die wir auf – fast – jeder Beerdigung haben. Das Trüppchen der Anwensenden ist kleiner als gedacht, deren Struktur überraschend und gar nicht so wie zuvor gedacht. Schon schade, dass man es dem, wem man am Herzen liegt nicht, nicht auf der Stirn gestempelt ansehen kann. Bzw. der oder dem es erst dann offenbar wird, wenn die Party vorbei ist.

Wer das Bändlein als eigene Urlaubslektüre (gerne verscheinke ich aber auch meins an die anfragende Erstkommentatorin unten) eh‘ über Amazon kaufen wollte, klicke auf folgendes Bildchen, dann habe ich auch noch was davon.

Herzlich aus einem verregneten und verlesenen Urlaub

mons7 (aka Monika E. König)

3 Antworten auf „Aus Verzweiflung Der große Gatsby gelesen. Und gut war’s. ;)“

  1. Hallo Monika,
    das „McBookAir in Kaffee und Milch ertränkt“. Das Bild holt mich zurück um Deinem Text zu folgen und nicht die Erinnerungen an den Kinofilm aufblinken zu lassen. Deinen Text zu lesen, zu wissen was Dich sonst online bewegt und diese Zeilen. So habe ich den Film nicht angeschaut. Beim Film blickte ich sehr auf den Aspekt „Schein und Sein“. Auf „Dabeisein“ wollen und nicht „Können“ oder einfach „Verhindert“ zu sein. Von „Werten“ und „Egoismus“. Wunsch nach Reichtum und dem Wunsch nach Sicherheit. Das Leben ein großes Spiel. Zufälle und genaue Planung. Und am Ende? Was bleibt.
    Kurzum – ich glaube, dass ich den Film mit sehr viel Distanz angeschaut habe. An „Wortspielereien“ wie sie meist nur gelesen auffallen – hmmh – im Film … „mein alter Knabe“ – ein Satz den Gatsby (alias Leonardo di Caprio) sehr oft sagte und der in seiner Klangfarbe bei mir sich festgebissen hat.

    „Mein alter Knabe“ – dieser Satz der interpretiert werden kann wie: Es war alles schon mal da. Aufgehübscht, bebildert, dramatisiert, romantisch gewünscht, Träume, Ziele und am Ende der Tod. Mein alter Knabe – es ist das Leben.

    1. WAS. FÜR. EIN. TOLLER. KOMMENTAR. Und ja, der Satz „mein alter Knabe“ hat sich bei mir auch in der Leseversion festgebissen. Seltsam, dass er mir nicht aus der Feder gesprungen ist.
      Ich muss den Film sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.