Wo fängt die Uni an – und wo hört sie auf?

Goethe-Universität, Frankfurt am MainDer neue Campus Westend, fotografiert von Konrad Hädener, veröffentlicht unter cc-Lizenz hier.

Ich kann mich noch gut an Oktober 1998 erinnern. Als ich das erste mal zur Uni ging. Aufgeregt. Aufgeregt stieg ich an der Bockenheimer Warte aus. Ich schaute mich um. Machte mich auf, Richtung AfE-Turm, der mittlerweile leer ist und von oben nach unten nach und nach abgebaut wird. Und ich stellte mir – und einem mir entgegen kommenden vertrauenswürdig ausschauenden Jungen – die Frage, über die ich heute lachen muss.

“Wo fängt die Uni an?”

Er verstand mich verständlicherweise nicht. Zog die Augenbrauen hoch und hakte nach. Ich versuchte mich zu erklären. Dass die Uni doch ein abgegrenztes Gebiet sein müsse. Um die eigentlich ein Zaun gezogen sein müsste. Und wenn schon kein Zaun, dann müsste doch zumindest das Haus im Straßenzug herausdeutbar sein, wo die Uni nun anfinge. Er erklärte kurz, dass die Uni über den ganzen Bereich verstreut sei. Durchmischt mit so manchem anderen. Ja, dass es sogar noch Gebäude an anderen Standorten in der Stadt gäbe. Und damit ließ er mich allein.

Wohl oder übel musste ich das erst einmal akzeptieren. Und machte mich auf, in meine erste Vorlesung. Dort wurde zu uns eine flammende Rede gehalten. Und jeder bekam einen knackigen Apfel in die Hand gedrückt. Ich glaube mich zu erinnern, dass die entsprechende Anmerkung in der Rede dazu lautete, dass wir es uns ja nochmals überlegen konnten. Wenn wir aber in den (saueren?) Apfel bissen, uns auf die Wissenschaft einließen, so sei es vorbei, mit der Unschuld, dem unschuldigen Denken. Unser Denken würde sich damit komplett ändern.

Du bist Universität

Ein weiterer Aspekt, der mir noch in Erinnerung ist, war der Satz, dass die Universität die Gemeinschaft der Lehrenden und der Lernenden sei. Ich weiss aber nicht mehr, ob nur hier am Ort, ob allerorten, oder ob die Gemeinschaft nur die Lernenden und Lehrenden der Fakultät beinhalten sollte. Zumindest verstand ich, dass jetzt auch ich mich dazu gehörig fühlen durfte. Was mich mit einem gewissen Stolz erfüllte.

Doch schon wieder regte sich die Art Frage in mir, die ich dem armen Jungen gestellt hatte. Wer gehört denn jetzt dazu? Wenn nicht primär der Ort den Aussschlag gab. Was wäre dann, so ich einfach beschließe zu lernen, bin ich dann auch Universität? Und bin ich nicht lediglich berechtigterweise in diesem Lehr-Lern-“Raum”, weil ich mich zuvor immatrikuliert hatte?

Die ersten Tage und Wochen also waren mitnichten aufschlussreich oder lehrreich für mich, vielmehr verwirrend und produzierten mehr Fragen denn Antworten. Und das für eine lange Zeit.

Was noch alles Uni war

Mit der Zeit erweiterte sich mein Bild dessen, was Universität ist, glich sich an die Alteingesessenen an. Dazu gehörte z.B. die klare Regel, dass man keine Gedanken für seine Ausgabe. Man nannte den Vordenker. Und wenn man ihn oder sie nachschrieb, so setzte man entsprechende Passagen in Anführungsstriche. Das war schon in mich eingraviert, bevor ich das Wort Plagiat überhaupt kannte.

Dazu gehörte, dass man nicht einfach sich seine Gedanken und Beobachtungen ins Blaue schrieb. Man musste erst einmal einige Wälzer durchforsten, die “richtigen” ausfindig machen, um anzudocken.

Eine Vorstellung von Universität

Just in dem Moment, als ich mir die Vorstellung dessen angeeignet hatte, was denn Universität sei, war ich prüfungsbereit. Und auch heute noch fühlt es, als schalte ich in den Uni-Modus, so ich die Grenze des Campus (die es ja, so meine erste Lektion) gar nicht gibt, überschreite. Und dieser Modus ist qualitativ ein so anderer wie jener, in dem ich im Social Web zugange bin, dass ich noch keine Worte dafür finde.

Ein schönes Wochenende euch da draußen wünscht

 

Eure mons7 aka Monika E. König

2 Antworten auf „Wo fängt die Uni an – und wo hört sie auf?“

  1. Hallo Monika!

    Schönes Thema! Also, ich habe so einige Jahre in Jena gelebt und dort zu leben, heißt Uni zu sein. Irgendwann musste ich weg und, ich bin auch jetzt noch Uni. Es war ein schönes, weil ein an- und aufregendes Leben, ein Leben mit, in und um die Uni. Doch, es gibt für mich ebenso die Schattenseite: Auch die Uni hat Hierarchien, Influencer, Follower, Netiquetten, A-B-C-Blogger, Cat-Content, Hashtags, Nutzungsbedingungen und Saktionen. Und, es gibt auch verschlossene Türen, den Druck zum Anpassen und selten sind die Ideen und Gedankengänge so unblockiert, wie ich es gern gehabt hätte. Die Währung ist nicht immer das Argument. Vanity Fair!!! Auch hier stehen sich Systeme und Menschen zu oft selbst im Weg. Ob der Eitelkeiten habe ich Abschied genommen. Letztlich ist Uni als Institution für mich eine Illusion, doch die Uni in mir, die nehm ich einfach überall mit hin. Ein letztes Stückchen Idealismus vielleicht…
    Liebe Grüßt aus Hannover
    Franziska

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