11 Gute Gründe, die in Kombination dazu beitragen können, einen MOOC zum “Scheitern” zu bringen

Nach dem famosen #mmc13 sammle ich ja immer mehr und weiter meine verschiedensten Erfahrungen mit MOOCs, solchen die funzen, und anderen die eher eine Art Rohrkrepierer. Und dann gibt es noch vielerlei solche, bei denen ich es gar nicht feststellen kann, ob ich die als gut laufend oder eher vor sich hindümpelnd bezeichnen soll, da entstehende Verbindungen und Interaktionen zwischen Teilnehmerinnne entweder vom Konzept nicht wirklich vorgesehen oder sich nicht für eine dritte Beobachterin abbilden. Bei denen, die mir als nicht so gut laufend erscheinen, habe ich in Kombination des Öfteren folgende (Hinter-)Gründe ausmachen können, bzw. liegen diese als Unterstellungen nicht allzu fern.

In der Numerierung habe ich einen Priorisierung vorgenommen.

Grund 1: Intrinsische Motivation liegt in einer Zweitverwertung

Mit Freuden denke ich an den #mmc13 zurück. Wir Veranstalter haben in der Hauptsache den MOOC aufgrund eigener inhaltlicher Interessen initiiert (aber wir sind nicht der MOOC). Wir wollten es wissen. Wir wollten schlicht und einfach wissen, wie das so geht, einen MOOC zu veranstalten. Kein Grund wie Berateraufträge zum MOOCen abzugreifen, zu Konferenzen eingeladen zu werden, in der Zeitung zu stehen. Manches davon ist ohnehin und doch überraschenderweise eingetreten. Im Grunde unserer Herzens aber wollten wir nur eines. Wir wollten Wissen. Uns dieses Wissen zusammen mit anderen Interessierten eigenhändig erarbeiten. Es erleben.

Grund 2: Thema “liegt nicht in der Luft”

Da es dazu eine ganze Reihe weiterer Interessierten Bedarf, die sich in dieses Abenteuer werfen wollen, ist es gut (oder zumindest leichter), wenn das Theman ohnehin in der Luft liegt. Und beim #mmc13 lag es das in der Tat. Ein weiterer Vorteil, das MOOCen in deutscher Sprache, ist doch Anfang des Jahres die hauptsächlich ablaufende Disskussion dazu in Englisch im Internet gelaufen.

Grund 3: Initiator ist kein wirkliches Team und versteht es auch nicht, sich zu einem zu entwickeln

Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich es kaum glauben, wie ein Einzelner es schaffen kann, einen MOOC ins Leben zu rufen. Oder doch, der @moskaliuk. Aber ich denke, er ist da eine rühmliche Ausnahme. Vielmehr braucht es ein Team, und zwar ein solches, dass sich auch als Team versteht. Wenn es mal Meinungsverschiedenheiten, Ärger über das Gegenüber gibt – und das gibt es in jedem Team – sind dennoch alle willig, sich wieder zusammenzuraufen. Weil man sich daran erinnert, wie spaßig es ist, sich die Bälle gegenseitig zuzuwerfen, zusammen zu spielen und füreinander einzuspringen. Manchmal wird man durch einen MOOC auch erst zu einem.

Grund 4: Interessante Inputs sind nicht verlinkbar

Und interessante Inputs sind meistens entweder die von “besonderen” Teilnehmerinnen, als der Art wie beim #mmc13 der Impulsgeber, oder aber – und das meine ich jetzt auch so – eben von den Teilnehmerinnen. Verdammt man die z.B. in ein Forum, … am besten noch eines, das man nur betreten kann, wenn man sich vorher eingeloggt (was nicht sein muss, es gibt genügend Foren, in denen man einfach so herumlesen darf, ohne sich zu registrieren oder einzuloggen), diese interessanten Perlen also weder auf Twitter werfbar, in ein G+ Community einzupflegen oder mal auf Facebook zu teilen, sehe ich nicht viel Grund, warum dann die Beitragenden sich gewertschätzt fühlen sollten, herausgefordert, ihr Bestes und das in Ausführlichkeit zu tun. Das tut man in der Regel (eh am liebsten) im eigenen Blog.

Grund 5: Fehlende kritische Masse

Eigentlich hätte es mit etwas 150 Teilenehmerinnen beim #mmc13 knapp werden können. Man hat nicht immer Zeit, kriegt nicht immer einen Anlass vorgesetzt, der einen zu sofortigem Input/Beitragen anfixt. Deshalb, je mehr, desto besser, die mitlesen. So muss ich jedoch im Nachhinein sagen, die teilnehmenden Menschen des #mmc13 waren besonders. Und deshalb war da auch – und ich weises das nachzählender Weise noch nach! – die 90 – 9 – 1 Regel auch einfach unzutreffend.

Grund 6: Registrierung und Einloggen als virtuelle Hürden

Dass man sich als Teilnehmerin bei einem MOOC irgend einer Art registrieren soll, das sehe ich ja schon ein. Immerhin interessiert es einen – und auch die anderen – wer da noch da ist. Wo die ihre virtuellen Heimstätten haben, über was die sonst sich so austauschen. Und man will ja dann doch auch eine gewisse Richtzahl haben. Diese Registrierung darf aber nicht Voraussetzung sein, um überhaupt mitmachen zu können. UND die muss sofort wirksam sein. Zum Einloggen müssen um zu Lesen hatte ihc mich ja schon weiter oben geäußert, zum Einloggen, um schreibend beitragen zu können, bin ich mir noch nicht zu 90% schlüssig.

Grund 7: Keine Muße für virtuelle Ankündigungen und Bekanntmachen

Der #mmc13 hatte ja im Januar begonnen, mit der Idee an die SoMe-Öffentlichkeit heranzugehen, das war im September 2012. In der ersten Woche über den Hashtag #geheimprojekt (ich weiss, die Zeiten des Geheimprojektes sind mittlerweile vorbei), die Woche drauf mit einer virtuellen Präsentation der Idee. Und ab dann immer konkreter, über öffentliche Diskussion über Entscheidungen, die wir untereinander diskutierten, … wobei sich die EDU-Community als Goldgrube an der Entwicklung von Möglichkeiten entpuppt hat. Sicherlich, irgendeine Entscheidung muss man dann als Veranstalter schon treffen, bestenfalls – falls nicht wirklich schwerwiegende Gründe und Entwicklungen diese nachträglich als schlechteste herausstellen – auch dazu stehen. Zum Möglichkeiten entwickeln und diesen Gewichten allerdings…. danke nochmals dafür. Auch wenn’s spät kommt.

Grund 8: Zielgruppe aus beruflichen Gründen lurkerhaft

Die Teilgeber beim #mmc13 waren teilfreudig wie keine, die ich sonst kenne. Dies liegt aber wohl wie gesagt auch daran, dass sie daran gewöhnt sind, diese Art der Zusammenarbeit ohnehin beständig leben, es kann jedoch auch vorkommen, das Gleiche bei anderen Theman weniger “chatty” wären. Und da kann ich mir persönliche einige vorstellen. Und die können nicht nur thematischer Art, sondern auch beruflicher sein. [Hier muss ich mal gelegentlich noch ein konkretes Beispiel einfügen, sonst versteht das keiner, so allgemein formuliert.]

Grund 9: Initiativaufgaben irrelevant gestellt

Einige Aufgaben wurden uns geradezu aus den Händen gerissen, in den Ergebnissen des MOOC-Vergleichs nach verschiedenen Kriterien suche ich heute noch gelegentlich nach, wenn ich was für eine Präsentation etc. wissen will. Andere liefen gar nicht. Ganz im Sinne Holzkamps würde ich mittlerweile behaupten, dass niemand seine Zeit mit etwas/Fragen zu beantworten verschwendet, die er sich nicht selber stellt. Also am Besten alle animierenden Fake-Fragen nur um des Aufgabenstellens weglassen.

Grund 10: Sich in der Verantwortung Sehenden können zuweig Zeit dafür freischaufeln

MOOCen braucht einfach richtig richtig viel Zeit. Soviel, wie man sich vorher nicht vorstellen kann. Hat man Spass daran, schneidet man sich anfänglich solche auf Kosten des Partners oder wo man die sonst immer herholt aus den Rippen. Ich habe mir für den #mmc13 spontan den einen oder anderen Tag Urlaub genommen. Ist ein solches Ausweichen jedoch nicht möglich, weil man in engeren Korsetten arbeitet und lebt, kann es ruck zuck dazu führen, dass man in einen Alltag zurückschwuppt und sich gar nicht mehr daran erinnert, dass man ja gerade einen MOOC veranstaltet.

Grund 11: Veranstalter haben “diese” Leidenschaft am eigenen Leib noch nicht erlebt

Zu guter Letzt der Grund, dass man einen MOOC, die Freude dabei, noch gar nicht so erleben durfte. Warum man einen solchen auch wiederum nur aus Gründen des Grundes 1 machen kann, womit sich der Kreis für heute schließt.

Dreht man diese Gründe des Scheiterns im Übrigen nun um, hat man solche, die dazu beitragen können, einen MOOC zum Funzen zu bringen. Also bei Bedarf einfach das tun: Umdrehen. 🙂

Ein entspanntes, moociges Wochenende wünscht

@mons7

P.S.:

Grund 12, mit Dank an @nele_we hiermit ergänzt.

P.P.S.: Grund 13, nicht erkennbare echte Gesamtzielsetzung.

Mit Dank an Jasmin Hamadeh für Ergänzung im Kommentar unten.

10 Antworten auf „11 Gute Gründe, die in Kombination dazu beitragen können, einen MOOC zum “Scheitern” zu bringen“

  1. Danke, Monsi, danke! Es tut gut, das Du es so klar auf den Punkt bringst, denn auch ich empfinde Monate nach unserem famosen MOOC MAKER COURSE ##MMC13 so viel Dankbarkeit a) für unseren Teamgeist, b) unsere echte intrinsische Motivation, selbst zu lernen, c) die große Offenheit, für die wir uns entscheiden haben und die wirklich das Etikett “OPEN” verdient (ich bin immer mehr der Überzeugung, das darin ein Killerkriterium für das Gelingen liegt…), d) für das enorme Engagement der Lern-Community, das wir in ganz besonderem Maße herausgekitzelt haben. Da lag was in der Luft – und so ist das im Netz: Entweder finden Schwärme sich zusammen und bewegen etwas gemeinsam – oder nicht. Viralität lässt sich nicht immer vorhersehen, aber es lässt sich einiges dafür tun. Und meines Erachtens lassen sich MOOCs nicht verwalten, sie lassen sich nicht nüchtern durchkalkulieren – sie wollen gelebt und geliebt werden. So war das damals bei Downes und Siemens, so war das bei uns, so ist das beim Spannagel (Mathe-MOOC) und so ist das bei so manch anderer/n/m nicht…
    Nochmal: danke!

    1. Ich denke, was in den bisherigen MOOC-Analyssen immer übersehen wird: die intrinsische Motivation einer (Lern-)Community ist nicht skalierbar, sondern äusserst begrenzt. Da cMOOCs im Gegensatz zu xMOOCs von der intensiven Mitarbeit der “Lernenden” abhängen, gelangt man hier sehr schnell an das Ende der jährlichen Fahnenstange, wenn sehr grosse Schnittmengen an Zielpublikum adressiert werden. Insofern lassen sich xMOOCs besser auch im Nachgang konsumieren – der “Erfolg” hängt weniger von der Live-Beteiligung des Publikums ab, sondern bemisst sich eher an anderen “Werten” (Quantität an eingeschriebenen Personen, virale Kraft der Videos etc.). Ein cMOOC kann m.E. immer nur funktionieren als “Event” – und da kämpft man halt zwischenzeitlich um die Gunst der Aufmerksamkeitsökonomie.

  2. Toller Beitrag, etwas schwer zu lesen, weil Du in den Beschreibungen ja dann doch wieder die Best Practices reingepackt hast, da muss man nochmal umdenken, was ggf. die Kritik war.

    Aber dass Euer #mmc13 für den SOOC absolut fantastisch und Just-in-time war, sage ich ja an jeder denkbaren Stelle wieder.

    1. Ah stimmt Anja, verstanden. Entweder man schaut drauf, was eben NICHT klappt/nicht geklappt hat, oder was klappt/wie’s klappen könnte. Danke für’s Feedback, da werde ich das nächste Mal besser drauf achten, da konsistent zu bleiben.
      Und über zweiteres freue ich mich doch jedes Mal wieder!!!!! 🙂

  3. Liebe Mons,
    sehr schön analysiert – ich teile alle Punkte und würde noch einen hinzufügen. Vielleicht der den Rahmen / das Grundrauschen / den Hintergrund für deine schöne Liste:

    “nicht erkennbare echte Gesamtzielsetzung”
    Auch, wenn natürlich jeder cMOOC-TN sich selbst seine Ziel setzt (oder eben nicht) – es gibt ja eine Idee des Ausrichters, wozu das Ganze.

    Z. B. das Ansinnen, mit Menschen zu sammeln und auszuprobieren, was im Bereich “Open Austausch im Netz” so geht. Und das Ziel konnten OPCO 11 und 12 und MMC13 sehr authentisch vermitteln. So kamen die relevanten Themen und Impulse zustande, so konnte sich ein Team (mit gemeinsamer und transparenter Zielsetzung) bilden, so hat man auch Zeit gefunden, wo keine war: Für Vorbereitung, Ankündigung und auch für die Teilnahme. Und so konnte man wohl auch unabhängig über Zugangswege nachdenken und dazu eine TN-orientierte Entscheidung treffen.
    Cornelie Pichts “Protipp” gilt wohl auch für diesen Bereich.

    Meine übergreifende These: Veranstalter/Ausrichter und Zielgruppe von cMOOCs brauchen nicht nur Schnittstellen, sondern eine Schnitt*fläche*, gebildet aus für alle Seiten relevanten inhaltlichen Fragen/Anliegen.

    1. Liebe Jasmin,
      ich konnte es mir nicht verkneifen, den oben auch noch nachträglich zu ergänzen. Und jetzt macht’s zusammen eine 13. 🙂
      Vielen Dank dafür!
      Monika

    2. Liebe Mons,
      mein “Protipp” ging tatsächlich in die Richtung von Jasmin Hamadehs Kommentar. Ich denke, die relevanten Bereiche für Corporate MOOCs, sind: Corporate Social Responsibility, Veränderungsmanagement und Mitarbeitergewinnung bzw. Mitarbeiterbindung. Es werden sich vermutlich noch andere Bereiche herauskristallisieren, aber momentan ist für mich in diesen Bereichen die meiste Musik drin. Für alle Themenfelder sehe ich Transparenz, Authentizität und “die erkennbare Gesamtzielsetzung” als wesentliche Erfolgsfaktoren an. Den von Jasmin Hamadeh eingeführten Begriff der Schnitt*fläche* finde ich großartig.

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