#eDidaktik14 Hybrides Lern-Setting? Was – wer – warum?

Hybrides Lern-Setting – was soll das sein?

Das Wort hybrid lässt mich zunächst an ein Auto denken. Also eines, das mit Benzin und auch mit Strom fährt. Na, dann schlage ich doch lieber mal sicherheitshalber noch in der #wikipedia nach. Und da findet sich der Satz „Das Substantiv Hybrid und das Adjektiv hybrid beziehen sich auf etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes. Sie stammen ab von lateinisch hybrida „Mischling“.“Hm. Da war ich also gar nicht mal so falsch gelegen, denn… ich will etwas ausdrücken, was auch gemischt ist. Und in der „normalen“ Lernkultur eben noch nicht ganz so normal.

Und was will ich mischen/gemischt sehen?

Ich nehme immer mehr verschiedenste – nun ja – Manifestationen im Web wahr, bei denen lernen in hybrider Form geschieht, und zwar in der Form, dass Institutionen darin eine Rolle spielen, das Mitagieren jedoch nicht daran gebunden, in irgendeiner Form Mitglied dieser zu sein. Z.B. kann ich in einem MOOC lernen (und u.U. auch ein Zertifikat erhalten), auch wenn ich an einer anbietenden Uni nicht eingeschrieben bin. Auch die Nutzung des Hashtags #acwri (was das ist siehe im Interview hier) durch eine wissenschaftliche Texte schreibende Person (aber nicht einmal das ist notwendig) kann von einer solchen geschehen, die gerade in einem Kurs im Schreibzentrum sitzt, einfach im Schreibzentrum weilt, … oder einfach – wie ich – über das Web darauf aufmerksam wurde. Der im Uni-Alltag versierte Leser/die Leserin mögen nun einwenden, dass ja aber Gelder, also die Finanzierung von Einrichtungen der Bildung mehr und mehr an Nutzerzahlen hängen, die belegbar sind. Also z.B. wie viele Studierende haben sich für einen Kurs xy eingeschrieben etc. Ist das dann nicht schlecht, wenn jetzt jeder Hinz und Kunz das (mit-)machen kann, ohne zählbar zu sein?

Was die Institution davon hat

Aber irgendwie muss die Institution ja doch was davon haben, … sonst würde das ja nicht so zustande kommen. Doch was könnte das sein? Ganz subjektiv und selektiv von mir.

Reputation

Teil solcher hybriden Lern-Settings zu sein bzw. solche zu initiieren bringt der Institution, so das ganze einigermaßen gut läuft, zunächst einmal eins. Einen erweiterten Bekanntheitsgrad, der über die üblichen Verdächtigen hinausgeht. Und die üblichen Verdächtigen sind manchmal nämlich einfach zu wenige, um eine kritische Masse zu ergeben, die Bekanntheit bringt. Z.B. Menschen, die Vorträge in einem bestimmten Wissensgebiet wie – sagen wir mal im weitestens Sinne – eLearning halten. Da fallen mir aus dem Stand max. 50 ein. Und das sind dann immer wieder die gleichen. Wenn man einen Zeitabschnitt von ein paar Jahren betrachtet. Mal kommt die eine oder der andere hinzu, jemand scheidet aus, weil sich der berufliche oder private Weg woanders hin entwickelt hat. Das sind auch die gleichen, die das Thema fasziniert, reizt und reißt. Ein breiteres Interesse kam zeitweise lediglich durch den MOOC-hype auf.

Zukünftige Mitglieder und Assoziierte

Ich kann mir vorstellen, dass wenn ich in einem offenen Lehr-Lern-Setting wie z.B. dem MOOC zum wissenschaftlichen Arbeiten den @mdeimann erlebt hätte, dass ich mal recherchiert hätte, in welchen Studiengängen er so lehrt. An welcher Uni. Und auch wenn das erst einmal nicht relevant wäre (alles Konjunktiv) fiele mir das wieder bei bestimmten Gesprächen zum Thema ein. Will sagen, kann es sein, dass man über eine mediale Präsenz, wenn es um ein bestimmtes Themenfeld geht, langfristig dann doch wieder zukünftige Mitglieder und Assoziierte für seine Institution anzieht?

Delegation von Aufgaben, die sie selbst nicht leistet/leisten kann

Das was in der Lehre und den Bildungsinstitutionen wirklich wirklich wirklich Arbeit macht (und das kann ich aus leidvoller Erfahrung sagen), ist das wertvollste, was diese leisten. Nämlich qualifiziertes Feedback geben. Mit qualifiziert meine ich solche Punkte wie nicht nur in einer Zahl sondern inhaltlich. Wie begründet auf der intensiven Sichtung der Exponate des Gegenübers. Wie mit Herz und auf die Lebenslage und Zukunft der Person bezogen. Das macht Arbeit. Das kostet Zeit. Das Web bietet nun, zumindest wenn man gelernt hat, das anzufragen, Möglichkeiten, mehr davon zu bekommen. Ob die dann ankommen und wie relevant die für die Person sind, der sie gegeben werden, sind m.E. unkritische Einwände, weil die Probleme hat man bei Feedback in institutionellen Kontexten genauso.

Lernchancen über beständigen Kontakt mit einem „außen“

Kontakte mit einem wie auch immer gearteten „außen“ sind aufreibend. Weil die andere Verhaltens- und Kommunikationsregeln haben. Andere Wertungen, andere Normen. Trotzdem interessieren die sich ja für die gleiche Thematik. Diese aufreibenden Kontakte bieten also immer auch Lernchancen. Aber hier spricht wahrscheinlich wieder nur die Vollblut-Erziehungswissenschaftlerin in mir. 😉

Was der institutionelle TN davon hat

Eigentlich könnte man auch hier wiederum denken – am Beispiel des Studierenden, der an einer Uni eingeschrieben ist, die einen MOOC veranstaltet – schon unfair,… ich zahle meine Semestergebühren, habe bestimmte Verpflichtungen, wie (zumindest ab und an mal) an der Uni physisch aufzuschlagen, also im Ganzen größere Verpflichtungen, weniger Freiheit, als jene, die „einfach so“ mitmachen dürfen. Dies bringt (wieder m.E.) aber auch entscheidende Vorteile mit sich.

Größere potentielle Gruppe von thematischen Austauschpartnern

Ihr kennt das, wenn ich in den neunzigern studiert habt, oder? … da saß man in einem Seminar. Vielleicht 40 Leute. 10 davon wollten einfach den Schein mit so wenig Aufwand wie möglich. Weitere 10 sind auf der Strecke gebleiben, weil gerade ein Job dazwischen kam, das Seminar sie doch nicht so ansprach, das sonstige Studentenleben einfach attraktiver war. Dann gab es die, die zwar wollten, aber einfach nicht den Biss oder sonstige Möglichkeit hatten, dran zu bleiben und mitzumachen. Wieder 10 weg. Bleiben nochmals 10. Von denen man mit zwei nicht kommunzieren konnte, weil sie eine andere Sprache sprachen, drei weitere nicht mit einem kommunzierten, aus Gründen, die man nicht eruieren konnte. Blieben 5 von denen einem 4 nicht auffielen. Und dann hatte man einen, mit dem man sich (oder der) austauschen konnte. Exzessiv zum Thema. Feedback erhielt, sich gegenseitig auf Literatur aufmerksam machte. Also wenn man Glück hatte. Manchmal blieb auch keiner. Oder zumindest zu wenige.

Teilnehmer von außen machen die Gruppe derjenigen, die für intensiven Austausch in Frage kommen, größer!

Kontakte in relevante Praxis

Und diejenigen, die sich da hinzugesellen, in solcherlei Lern-Settings, sind oft aus einer relevanten Praxis. Warum sich also nicht daraus zusätzlichen, andersgearteten Input holen? Und nicht nur das.

Beständige Überprüfung der Relevanz der eigenen Bemühungen

Warum nicht gleich einmal abgleichen, wie relevant das gerade Gerlente für eine solche Praxis sein könnte? In diese Einspielen? Sich Feedback aus dieser Richtung holen?

Bereicherung des vorher relativ abgeschlossenen Lern-Raumes

Insgesamt also eine Bereicherung vorher faktisch abgeschlossener Lernräume. Diese Bereicherung kann man wohl nicht letztendlich planen. Nicht kontrollierten. Aber vielleicht kontrolliert zulassen. Immerhin hat man als mit der Institution assizierte Lernerin eine Rest-Wahlfreiheit, wie man die geforderten Ansprüche erfüllen will.

Was der nicht-institutionelle TN davon hat

Jetzt schauen wir mal von der anderen Perspektive aus.

Zugänge zu Wissens-Schätzen, die vorher verschlossen

Und diese Zugänge zu Wissens-Schätze waren vorher – das sollte nicht in Vergessenheit geraten – oft auch den der Institution assoziierten vorenthalten. Oder sind Sie als Lehrende mal in eine Veranstaltung des Kollegen, der Kollegin gegangen? Oder haben studierende der Informatik mal – solange es nicht auf dem Lehrplan stand – in die TFM hereingeschaut? Selbst wenn man gewillt war, es war einfach … unüblich.

Systematisierte Angebote, sich weiterzubilden

Ein anderer Punkt ist die Systematisierung in der Art, wie ein Wissensgebiet oder Thema an einen herangetragen wird. Macht man das ganz alleine, holt sich Information aus dem Netz, ist das meist unsystematisch. Unvollständig. Den Interessen, Neigungen, … und ja, dem geschuldet, was man schon weiß. Eine Aufbereitung, ob man die jetzt gut oder schlecht finden mag, ist zumindest etwas, an dem man sich ohne großere Such-Mühen abarbeiten kann.

Einblick in Stand von Forschung und Niveau von Universitätsbildung

Und das auf meist recht hohem Niveau. Anbieter von Wissen im Web sind sich sehr wohl bewußt, dass dieses nun von Menschen unkontrollierter Herkunft und Vorbildung gesichtet werden kann. Und man gibt sich dann in der Regel eben auch Mühe. Recherchiert nochmals, macht einen weiteren Rechtschreib- und Grammatik-Check, schaut, dass man inhaltlich tief genug argumentiert, wesentliche und wertvolle Verweise einbaut.

Der nicht-insitutionelle Teilenehmer/die Teilnehmerin profitiert von diesen Bemühungen. Und bekommt in der Regel ganz gute Qualität. Oder auch die Erkenntnis, dass an der Uni und Forschungseinrichtungen auch nur mit Wasser gekocht wird. 😉

Sichtbar machen eigener Kompetenzgebiete

Und darauf kann man sich dann beziehen, darauf reagieren, mit seinem eigenen Wissen anreichern. Artefakte schaffen. Und so die eigenen Kompetenzgebiete ebenso einer größeren Öffentlichkeit zugänglich und sichtbar machen. Ungefähr wie oben die aufgeführte Reputation für die Institution. Nur im kleineren.

Also alles so win-win?

Das ist wohl noch nicht abschließend entschieden. Aber ich werde es nach und nach herausfinden.

Eure @mons7

 

 

2 Antworten auf „#eDidaktik14 Hybrides Lern-Setting? Was – wer – warum?“

  1. und noch ein sehr gelungener Beitrag unseres gemeinsamen Wegs hierhin: https://blendedflippedteaching.wordpress.com/2014/09/10/konnektivismus-bedeutet-partizipation/
    Zum Netzwerklernen gehört, wie du es sehr schön beschreibts das aufeinander verwiesen sein, diese Interdependenz. Also sich bewusst zu sein: Lernen ist immer ein Stück ein gemeinschaftlicher Prozess, der sich entsprechend bewussst und hybrid gestalten lässt.

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