Exkurs: Urlaub auf den Azoren – Highlight 6 – „Lost Places“ oder 5 Sterne für 19 Monate

Lost Places – Schönheit des Verfalls

Die Aussicht

Der Grund überhaupt an diesen Aussichtspunkt zu fahren war derjenige, dass dort der Startpunkt einer Wanderung lag, die in unserem Reiseführer* beschrieben war. Schon bei Ankunft der erste Schock. Das war einer der wenigen Ecken, die total von Touristen überschwemmt waren, was ich in den Azoren nur zweimal erlebt habe. Dieses Gefühl kann aber schnell aufkommen, da es an diesem Aussichtspunkt nicht viel Anhalte-Möglichkeit  gibt, und bereits zwei Busse einfach so vor der Kurve (es geht in Serpentinen hoch) auf der Straße geparkt hatten.

Ich frage mich wirklich, ob die als Haltepunkt-Grund

  • die Aussicht oder vielleicht doch tatsächlich
  • diese Hotelrunine im Programm haben.

Die Aussicht von dort ist in der Tat einfach nur faszinierend (das heißt bei gutem Wetter, die kann aber auch ganz schön zugenebelt sein). Hier ein kleiner Eindruck.

Aussicht Lost Places: Vista do Rei vom Monta Palace Hotel aus

Die Geschichte dahinter

Die Geschichte hinter dem verlassenen Hotel ist sehr gut hier (auf deutsch) und noch besser da (auf englisch) nachzulesen.

Natives know why the hotel struggled: the location is too remote, weather too unpredictable, tourism campaign too ineffectual, and there’s nothing else to do up there.  It was probably all of the above, plus a healthy serving of developers exhausting financing and succumbing to enormous debt.

 

Ich am Eingang des verfallenen Monte Palace Hotel

In aller Kürze

Die Hotelhülle, wie ihr sie auf dem Foto mit mir seht, ist wirklich – bis auf teilweisen Teppichbelag – nur noch das. Eine Hülle. Alles Glas und Interieur ist mittlerweile entweder mitgenommen oder durch eine Reinigungsaktion entfernt worden.

Was zuvor geschah

(Informationen aus dem oben verlinkten englischen Artikel, in dem im Übrigen auch tolle vorher nachher Bilder zu sehen sind.)

1977: Bau wird durch einen Vertrag besiegelt
1980: Baubeginn, geplantes Ende innerhalb von zwei Jahren
1989: im April tatsächliche Eröffnung
1999: im November schließt das Hotel wieder
bis 2010 bewacht, dann komplett verlassen.
Wird für 1,5 Millionen zum Kauf angeboten.

Meine Eindrücke

Aussicht (nicht) exklusiviert

Aussicht von einem Balkon des verlassenen Hotels

Die Aussicht ist – und hier bin ich noch in einem der unteren Stockwerke – einfach großartig. Und Aussicht sollte nicht exklusiv vermarktet werden, also nur den Menschen gegeben, die für ein Zimmer bezahlen oder auch nur eine Tasse Kaffee. Aussicht ist m.E. Gemeingut. Von daher finde ich es wirklich gut, dass die jetzt jeder (der sich traut) genießen kann. Z.B. vom Dach aus.

Faszination des Verfalls

Ich habe mir auf YouTube ein paar Videos angeschaut, als noch Teile des Interieurs, Ordner und Unterlagen chaotisch verstreut im Hotel herumlagen. Das wirkt schon gruselig. Mittlerweile besteht das Hotel aber fast nur noch aus der Aussenhülle, Scherben und gröbster Müll sind entfernt, leider wohl auch der eine oder andere Schatz darin.

Verfall fasziniert mich. Wahrscheinlich habe ich so etwas wie eine morbide Ader. Denn ich empfinde gewissen Verfall als eine Art Schönheit.

Kick der latenten Gefahr

Der Kick der latenten Gefahr, das macht mich hingegen nicht so an. An der einen oder anderen Stelle habe ich eher gedacht, dass es vom Gefühl her sicherer wäre, z.B. ein Brett vor den Fahrstuhlschacht zu tackern … oder auch dass auf dem Dach eigentlich keine richtige Abgrenzung drumherum ist…. das bin ich ja von hier nicht so gewohnt. 😉

Ergo

Nicht nur wegen des Ausblicks, sondern auch der Ruine einen Ausflug wert! Bitte nicht in den Schacht oder vom Dach fallen!

Ihr wollt auch die weiteren Highlights meiner Azoren-Reise nicht verpassen? Dann abonniert doch einfach die weiteren Posts über Eingabe eurer E-Mail-Adresse recht in der Seitenleiste.

Eure @mons7

 

 

 

Exkurs: Gruß von den Azoren – Highlight 5 – Baden gehen!

Baden gehen auf den Azoren

… oder lieber doch nicht?

Ich bekenne, ich bin ja nicht gerade so der baden gehen Typ. Ich mag nicht am Pool herumlungern und nichts tuen (lesen kann ich auch auf dem Bett im Schatten), Chlor riechen mag ich auch nicht gerne und bewegen tue ich mich lieber beim Wandern als beim Schwimmen. Wahrscheinlich weil ich eher so wie ein Stein schwimme, und das Ganze dann ziemlich anstrengend ist.

Baden gehen im Atlantik

Im Atlantik baden gehen hat aber, selbst für mich Schwimm-Muffel, eine ganz eigene Qualität. Das darf ich auf der Insel Pico erfahren. Einen kleinen Eindruck von der Badestelle hier.

Baden gehen im Atlantik auf der Insel Pico

Natürlich und deshalb nix mit Chlor, und obwohl man an den leichten Wellen unglaublich stark merkt, dass man sich in einem Ozean befindet, kann man sich wenn man sich zurücklegt gut treiben lassen.

Ich bin bekehrt. 🙂

Übrigens gab es auch ein Plätzchen für Nicht-Schwimmer und lediglich Sonnenhungrige.

Statt baden gehen Sonne tanken

Baden gehen im Atlantik 2

Und solcherlei Badestellen wie die oben gezeigte, die zu unserem Hotel gehörte, gibt es an ganz vielen Stellen öffentlich. Weiteres Beispiel gefällig? Hier der Weg zu einer kleinen Grotte, sozusagen zu einem Baby-Schwimmbecken im Atlantik.

Treppe baden gehen in kleinem Atlantik Schwimmbecken

Leider geht der Blick nach oben, das kleine Natur-Schwimmbecken habe ich nicht fotografiert. 🙁

Baden gehen in brauner Brühe

Aber das ist noch nicht alles. Ich habe sogar in dieser braunen Brühe gebadet. Und es war definitiv netter, als die aussieht. Und ja, ich war da drin, auch wenn ich auf dem Foto draußen stehe. 😉

In dieser auf dem Foto zu sehenden Brühe kann man tatsächlich baden gehen.

Die braune Brühe. das ist im Terra-Nostra-Park, „eine der schönsten Parkanlagen der gesamten Azoren, nicht zuletzt wegen seines charmanten, alten, teichgroßen Schwimmbeckens mit konstant 38 [… Grad Celsius] warmen Wasser, von dem man sich nur wünscht, dass es nie restauriert wird“, so zu lesen im Azoren Reiseführer von Michael Bussmann, den ich nur empfehlen kann.

LINK.*

Also warm, vulkanisch… und wahrscheinlich irgendwie gesund.

Bleibt auch ihr gesund, wo auch immer ihr euch in diesem Internet befindet wünscht die

@mons7

 

Exkurs: Gruß von den Azoren – Highlight 4 – Die Jagd auf die Wale geht weiter, nur anders

Start in den Urlaub mit einem Paukenschlag

Wale und Delphine. Wal- und Delphin-Beobachtungs-Touren sind anscheinend eines der „must haves“ eines Azoren-Aufenthaltes. So hatten auch wir – schon vorab vom Portugal Reiseprofi (kein Affiliate-Link) organisiert – eine solche Boots-Tour auf dem Programm.

Nicht jedermanns Sache

Mein Freund nimmt nach der aufschlussreichen Einführung durch eine Meeresbiologin in die Welt der Wale und Delphine lieber Abstand, spätestens nachdem er das Boot gesehen hat. Seekrankheit ist bei ihm vorprogrammiert. Ich jedoch lasse mir das Event, das eine tiefgreifende Erfahrung in Aussicht stellt, natürlich wegen nichts entgehen. Meine Regenjacke ist schon übergeworfen. Ich bin die einzige, die auf dem Foto zu erkennen ist, da ich blau trage und der gelbe Pfeil auf mich deutet. 😉

Exkurs Uni auf den Azoren

Fun Fact: Praktisch sind sie schon, die Menschen auf den Azoren, vor allem gibt es zu studieren, was man da praktisch braucht: Vulkane erforschen, Meer und Fische, Landwirtschaft. Für mehr Infos zur Universität der Azoren hier ein Beitrag vom Deutschlandfunk.

Schlauchboot fahren – genau mein Fall!

Anfahrt und Rückfahrt zu den Stellen, an denen sich die großen Fische herumtreiben, geht in einer ganz schönen Geschwindigkeit. Und da trifft man immer mal wieder auf eine brettharte Welle. Also nicht wirklich was für Menschen mit Rückenleiden, eher für die, die auf Jahrmärkten gerne alle Fahrgeschäfte durchtesten. Die Menschen mit Rücken bekommen allerdings netterweise einen Platz hinten in der Mitte (da merkt man die Schläge die es tut am Wenigsten, außerdem kann man auch einfach aufstehen, mit den Beinen federt sich es auch ganz gut ab.)

Für mich persönlich jedenfalls war die Schlauchboot-Fahrt an sich das Erlebnis!

Wale oder verzückte Menschen sehen – unbezahlbar

Ich war ja fast gefangener vom Anblick der Verzückung der Menschen, sobald sich ein Delphin blicken lässt oder in der Ferne eine Wasser-Fontäne zu erkennen ist, die auf einen Wal darunter und vielleicht noch weitere Wale schließen lässt, als von den Tieren selber.

Die fand ich gar nicht so einfach zu erkennen, geschweige denn zu fotografieren. Nach dem dritten Versuch auf dem nichts als Wasser zu sehen war, habe ich mich aufs Beobachten (von Mensch und Tier) verlegt, das Fotografieren wollen war mir definitiv zu stressig für einen Urlaubs-Tag. 😉

Hier eines meiner Versuche, den Wal aufs Foto zu bannen. 😉

Keine Wale zu sehen

Die Delphine haben es geschafft

Die Vorstellung vor einer solchen Tour ist ja, dass man mit einem Schiffchen dahin tuckert und um einen herum ein Schwarm Delphine interessiert verspielt um einen herumschwimmt. In Wahrheit ist das allerdings – zumindest des Öfteren – genau anders herum der Fall. Die Delphine haben es offensichtlich geschafft, uns Menschenkinder über Vormachen zu trainieren. Es nämlich eher so, dass um einen Scharm Delphine herum sich bis zu fünf Bootchen tummeln, die langsam das Rudel begleiten. 🙂

Ergo

Wale Beobachtungs-Boot aus der Ferne

Auch wenn sich am Prinzip – wir als Menschen sind hinter den Tieren her – nichts geändert hat, so ist doch das Hinterherjagen mit der Kamera ein wesentlicher Fortschritt gegenüber dem traditionellen Jagen. Insbesondere, da man sich anpirschen muss, sonst sieht man nämlich mal gar nichts.

Und warum auch immer, weil man gerne Tiere beobachtet und sich an deren Erscheinung erfreut, oder einfach  nur gerne auf dem Wasser ist, es ist in jedem Falle eine typische Azoren-Urlauber-Freude, die auch mir Spaß gemacht hat. Nur aus anderen Gründen.

Bis auf Weitere Folgen aus der Reihe Gruß von den Azoren

Eure @mons7

 

Exkurs: Gruß von den Azoren – Highlight 3 – Das Wetter

Wetter als Sommerlochfüller?

Nein. Kein Sommerlochfüller. Vielmehr ist das Wetter auf den Azoren tatsächlich ein Highlight. Es kennt nämlich unzählig viele Zustände. So kann es sein, dass an der Küste die Sonne lacht, der Berg in tiefsten Nebel gehüllt, oder auch mal umgekehrt. Aber selbst wenn man den ganzen Tag am selben Fleckchen verweilt, wechselt das Wetter in minutenschnelle in eine Variation der vier von mir ausgemachten Grundaggregatszustände.

Wetter Zustand 1: Die Sonne lacht

Warm ist es ja immer irgendwie. Besonders schön ist es, wenn die Sonne lacht. Denn dann kann man die Aussicht ganz besonders genießen.

Wie zum Beispiel er hier.

Ausblick

Wetter Zustand 2: Bedeckt

Schaut euch mal dieses Bild von mir an. Der weiße Hintergrund? Nicht etwa mit einem Bildbearbeitungsprogramm freigestellt. Das ist: Nebel. Dies nur als Vorbemerkung.

Nebel auf den Azoren

Da sich das Wetter wie schon beschrieben andauernd ändert, lohnt es sich in der Tat mal ein viertel Stündchen auszuharren. Der Beweis, das folgende Bild, aufgenommen 11 1/2 Minuten (!) später. Nur ohne mich davor.

Ausblick elf 1/2 Minuten später

P.S.: Noch mehr Bilder gibt’s auf Instagram.

Ja, zugegeben, so ganz klar ist der Blick immer och nicht, insbesondere im oberen Bereicht sieht man, dass der Nebel noch nicht ganz abgezogen ist. Aber das Warten von nicht einmal einer Viertelstunde hat sich dennoch gelohnt, oder?

Wetter Zustand 3: Bedrückend schwül

Das gab es zwischendurch auch immer mal wieder. Ich habe gerade frisch geduscht und freue mich auf den Frühstückskaffee. Bevor ich an die zweite Tasse auch nur denken kann, befindet sich auf meiner ganzen Haut eine Schwitzschicht, dass ich mir fast überlege, die zweite Tasse durch einen zweiten Duschgang zu ersetzen.

Aber zum Glück lässt das Bedürfnis umgehend nach, nachdem es zu „fissern“ anfängt.

Wetter Zustand 4: Es regnet

Nein. Nicht so, wie ihr denkt. Denn es ist trotzdem nicht unangenehm oder unangenehm kalt. Wie du auf dem letzten Bild in der Reihe Wetter erkennen kannst. Regenjacke? Klar. Aber mit kurzer Hose kombiniert!

Wetter beim Wandern mit Regenjacke

Ergo

Das Wetter auf den Azoren ist ein ganz eigenes Erlebnis. Nicht nur, weil es dort

  • beständig warm ist, sondern
  • überraschend beständig unbeständig. 😉

Verpasse keine weitere Folge der 10 Highlights der Azoren, indem du rechts deine E-Mail-Adresse eingibst und auf abonnieren klickt.

Bis bald

Eure @mons7

Exkurs: Gruß von den Azoren – Highlight 2 – Fisch, Fisch und nochmals (danke für den) Fisch

Schlemmen auf den Azoren

Fisch und Fleisch

Gleich meinen ersten „Einheimischen“-Kontakt, den Taxi-Fahrer, überfalle ich mit meiner Standard-Frage, sobald ich mich außerhalb meiner Home-Zone befinde.

„Was gibt es hier so zu essen? Was isst du so?“

Nach einem kurzen Moment des Zögerns meint er lakonisch: „Well, you eat meat or fish.“ (Im Übrigen auf das well genau die gleiche Antwort der zweiten Fahrerin, der ich aber auch exakt die gleiche Frage gestellt habe.)

Lapas

Fisch

Ich beschließe spontan, mich zunächst an Zweiteres zu halten, und habe damit bis dato auf den Azoren nicht mehr aufgehört.

Eine kleine Auswahl

  • Gemischte Fischplatte. Die kam in Roh-Form an. Ganz rechts auf dem Teller das typische Lila-Rot (na ja zumindest in meinen Augen) des Thunfisches. Meine Gedanken normalisieren den Rohzustand. „Die Japaner essen ja auch rohen Fisch. Die Portugiesen also auch?“ Beherzt greife ich zu… als mich die Servier-Dame lachend dabei unterbricht, um mir den heissen Stein anzuliefern. „Und keine Butter und kein Salz, nix als Fisch auf den heissen Stein“ klärt sie mich vorsorglich auf. Ich mache mich an die fachgerechte Zubereitung.
  • Frittierte junge Makrelen. Dazu Tomatenreis à la Azoren. Sicherheitshalber frage ich in diesem Falle nach, ob ich die – und überhaupt die man hier -im Ganzen, also vom Kopf bis zur Schwanzflosse verspeise? Die Wirtin versucht mir lachend insbesondere die Fischköpfe mit einem für mich sonst unverständlichen Satz, der Omega-3 enthält, schmackhaft zu machen. Lecker.
  • Papageienfisch mit Kapern. Eigentlich auch ganz gut, aber das Essen in Buffet-Form. Nach meinen kulinarischen Erfahrungen bis hierher beschließe ich feierlich, von nun an auf die Verköstigungsform Buffet zu verzichten.
  • Alle Formen von Oktopus. Insbesondere Oktopus-Salat. Wobei da ja kein Blättchen Salat dabei, daran oder darin zu finden ist, wahrscheinlich nennt man das nur so, weil mariniert?
  • Drückerfisch. Hier hätte ich als Nachspeise nicht den Wikipedia-Artikel dazu aufrufen dürfen. 😉 Das ist wohl eine Verwandte Art der Kugelfische, zwar nicht giftig, aber unter Umständen Allergie auslösend.

Gegrillter Fisch

Die Liste würde wohl gegen unendlich streben, würde sie wohl nicht durch das Ende der Reise ihr jähes Ende finden. Aber bis dahin schonmal danke für den ganzen Fisch.

Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, ich liebe Fisch.  Wie sich Vegetarier und Veganer und wo auf den Azoren verköstigen, dazu musst du – aus Gründen – einen anderen Blog befragen.

Du möchtest die weiteren Highlights, wie z.B. mein Rundgang um ein gigantisch großes Loch nicht verpassen? Dann abonniere doch weitere Posts rechts, indem du einfach deine E-Mail-Adresse hinterlassen.

Du warst auch schon einmal auf den Azoren? Dann freue ich mich ganz besonders über deinen Kommentar!

Herzlich

Deine @mons7