Platz und Rolle von Dissens in Diskursgemeinschaften. Erfahrungssplitter

Eigentlich wollte ich ja was ganz ANDERES machen. Nämlich diese alle Texte lesen, euch kurz zusammenfassen und einen Blogbeitrag drüber schreiben. Sozusagen eine Rezension zu dem Zweck, dass ich mich auch vollständig durchkämpfe.

Bevor ich aber – mit einer mittelgroßen Tasse Kaffe im Schlepptau – daran ging, streifte ich noch ein bisschen durch Input aus gestern, nachdem ich mich ins Bett verzogen hatte, und stieß auf diese Frage von dem @spani3l. MOOC-Texte, ich kann nicht anders, ihr werdet auf das nächste Wochenende verschoben.

„Was ist denn dann die Rolle von Dissens in solchen Diskursgemeinschaften – hat der überhaupt eine Rolle, hat er Platz? Wie geht ihr in euren Diskursgemeinschaften mit Dissidenten, Querdenkern und Leuten, die vielleicht einfach nur anders sind um?“

Tausend kleine Mosaik-Steinchen blitzen vor meinem geistigen Auge auf, wie ich als anders Seiende in einem Diskurs behandelt, oder wie ich einem Querdenker während eines Diskurses begegnet. Nach etwa 2 Stunden draufstarren, formiert sich ein Muster.

Erfahrung 1: Diskursgemeinschaften, wer ist denn Teil einer Diskursgemeinschaft?

Schon gleich in meinem ersten Semester habe ich irgendwie verstanden, dass es sowas wie eine Diskurs-Gemeinschaft gibt, die Teilnahme an dieser/diesen wurde in Seminaren schon eimal eingeübt. Allerdings habe ich es nie (und bis heute) geschafft, wirklich Teil einer solchen universitären Diskursgemeinschaft zu werden, und dies m.E. aus mehreren Gründen.

  • Ich denke zu langsam. Fällt mir die passende gut durchdachte und formulierte Erwiderung auf eine Frage/eine Aussage im Seminar ein, ist die Gruppe schon wieder zwei Gedankengänge weiter. Ich lasse meinen Einwand los und versuche wieder zu folgen.
  • Ich lese zu wenig. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich mir alle Namen und Werke in meinem ersten Seminar aufgelistet habe und mich dann die ersten Semesterferien in Unmengen von pädagogischen Klassikern, Theoretikern und auch die Gedankengänge von Fromm und Freud eingelesen habe. Aber da hatte ich ja auch Zeit und keinen Vollzeit-Job. Ich denke immer noch, man müsse die Literatur, auf die sich jemand bezieht erst mal lesen. Und nachhaken, wenn der oder die einen Begriff benutzt, welche Definition denn genau dahinter steht. (Das kann nämlich nach Fachgebiet und nach „Schule“ höchst unterschiedlich sein).
    [Übrigens habe ich es auch noch nicht geschafft, hier alle Literatur nachzulesen, aber das werde ich noch tun!]

Erfahrung 2: Ich begegne Spok und er betrachtet mich als eine fremde Lebensform

Manchmal während meiner ersten Semester bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe einen Satz (selten elaborierter formuliert) aus meiner Erfahrung heraus formuliert. Typische Reaktion der Studierenden: herzhaftes Lachen. Richtig alte Lehrende (meistens Männer) hatten darauf ein süffisantes Lächeln auf den Lippen, starrten mich ein wenig an… und sagten sowas wie „Interessant“. (Was mich immer an Spok erinnerte.)

Beides hat mich nicht gestört. Nein. Im Gegenteil. Ich war eigentlich sehr erfreut, mich eingebracht zu haben.

Erfahrung 3: Sich einem Lager zuschlagen

Manchmal halte ich mir Einwände vom Leib, indem ich auf Durchzug schalte. Dies geschieht insbesondere, wenn ich versuche, eine Vorgehensweise zu umreißen, wie ich vorhabe eine Frage zu beantworten.

Ich:
Also das Material liegt in verschiedenen Formen vor, ich bringe es erst einmal in eine Form, nämlich Text und speise diesen in MAXqda ein. Wenn alles drin ist, habe ich dann ungefähr – wäre der Text ausgedruckt – 23 dicke Ordner Rohmaterial, das es jetzt zu beackern gilt.

Er:
Ja, aber das Rohmaterial ist doch höchstens von 51 Menschen produziert. n=51 ist zu niedrig. Außerdem ist das ganze doch gar nicht  vergleichbar! Das ist doch gar nicht auswertbar. Pass mal auf, … Du schmeißt das besser weg und machst einen Fragebogen, wo man ankreuzen muss. NICHTS schreiben lassen. Das ist des Teufels!

Ich:
Ja. Beantworte Du Deine Fragen und ich meine. Ja. Ich schmeiss das Zeug schon weg, aber verpiss Dich jetzt SOFORT UND LASS MICH IN RUHE, Du quantitatives Biest, Du! 😉

Erfahrung 4: Ein neues Lager begründen

Man kann als Außenseiter natürlich gleich eine ganz neue „Schule“ begrüden. Das haben z.B. m.E. Luhmann (mit seiner Systemtheorie) gemacht, oder auch Oevermann (mit seiner Objektiven Hermeneutik).

Was dazu  notwendig ist?

  • Ein Vorgehen, das erstaunliche Forschungsergebnisse erbringt.
  • Und dann es schaffen, dass Menschen (Wissenschaftler) sich dieses Vorgehen zu eigen machen. Vorteil der Wissenschaftler: Sie können noch weiße Flecken innerhalb eines gesteckten Rahmens beackern und so zu akademischen Weihen gelangen.
  • Am besten nach innen (In-Group) sich zwar gegenseitig herausfordern, aber so, dass man sich gegenseitig fördert. Nach außen einen Feind suchen, der aber auf dem selben Feld spielt. Oevermann z.B. die Tiefenhermeneutik.
  • Man muss vorher jedoch in gewissem Maße im Wissenschafts-System integriert gewesen sein.
  • Und es macht irre viel Arbeit. Luhmann war fleißig (hat viel viel viel geschrieben), Oevermann nicht so viel, aber dafür ist er von charismatischer Persönlichkeit und lebt sein Vorgehen in Forschergruppen vor und aus.

Erfahrung 5: Dissens kontrolliert zulassen und wertschätzen

Das wär‘ natürlich das beste. Soviel Dissens zulassen, wie man vertragen kann und es für das eigene gedankliche Weiterkommen fruchtbar machen. Und das dem Gegenüber auch wertschätzen.

Ergo

  1. Dissens kann ich leichter zulassen, wenn ich fest im Sattel sitze (also mich im Uni-System nicht erst etablieren muss oder ganz unten angesiedelt bin).
  2. Einwände zulassen macht Arbeit. Weil ich muss mich damit auseinandersetzen und ggf. nachlesen.
  3. Einwand muss irgendwie an mein Gedanensystem andockbar sein, sonst nutzt er mir nichts, weil er sich wie aus anderer Welt anfühlt. Ich könnte also nur die Welt wechseln.
  4. Und manchmal muss man den auch aus Zeitgründen abbügeln.

Ich geh‘ lesen. Und wagt euch bloss nicht, mich nochmals so zu inspirieren! 😉

@mons7

 

 

 

#acwri – was ist das? Dennis Fassing im Interview zu akademischem Schreiben in kollaborativ

Lieber Dennis,

Dennis_Fassing

erst einmal meinen herzlichen Dank, dass Du mir für ein Interview zur Verfügung stehst! Das weiss ich sehr zu schätzen!!
Der Anlass dazu ist ja, dass ich kürzlich auf #twitter entdeckt habe, dass Du unter einem mir unbekannten #Hashtag twitterst. Und zwar #acwri.Um was handelt es sich dabei?

Vielen Dank für das Angebot, darüber zu reden.
Den #acwri-Hashtag gibt es meines Wissens schon etwas länger. Er steht für Academic Writing und wird vor allem im Bereich der angloamerikanischen Schreibdidaktik genutzt. Wir haben irgendwann angefangen, ihn ebenfalls zu nutzen, um auch in der (noch jungen) deutschsprachigen Schreibdidaktikszene ein wenig Aufmerksamkeit auf das Schreiben legen zu können. Es gibt davon übrigens einige kleinere Kategorien, wie #acwrigo (Academic Writing Groups Online) und #acwrimo (Academic Writing Month)

Wie bist Du dazu gekommen/darauf gestoßen?

Ich glaube, ich habe den Hashtag das erste Mal bewusst durch Daniel Spielmann (Twitter: @Spani3l) gesehen. Er hat uns einen Social-Media und Digital Literacy Workshop im Schreibzentrum gegeben und dabei mich und andere darauf gebracht, dass das Schreiben und Arbeiten in digitalen Umgebungen sehr vielversprechend sein kann. Es gibt da einen kommunikativen Mehrwert, den man sich erst erarbeiten muss, den man aber nicht mehr missen möchte, sobald man einmal drin ist. Über Daniels Engagement hat sich dann eine kleine Gruppe gebildet, die sich im deutschsprachigen Raum digital vernetzen will. Das haben wir unter anderem über Google Hangouts, eine Google+-Gruppe und über Twitter gemacht. Und da kam dann eben der Hashtag mit ins Spiel.

Wer ist da alles dabei? Kenne ich da noch jemanden?

Zu Beginn waren wir in erster Linie studentische Peer Tutor*innen aus Frankfurt am Main und Hamburg, nach kurzer Zeit kamen dann noch Leute aus Frankfurt/Oder und Hannover hinzu. Wichtige Twitterhandles von aktiven Leuten sind @nora_peters, @linguri90, @BStark4, @saschadieter, @enaira0815 und eben @Spani3l.

Was ist Dein – also Dein ganz ganz persönlicher – Nutzen bei der ganzen Sache?

Mein persönlicher Nutzen ist sowohl eine bessere Kommunikation und die ganzen Mehrwerte, die durch kollaborative Arbeit entstehen. Schreiben (egal in welchem Kontext) kann eine anstrengede Sache sein, sie geht manchmal schwer von der Hand, es fehlt die Motivation. Man hat manchmal einfach keine Lust und kann den inneren Schweinehund nicht besiegen. In der Gruppe fällt es mir leichter, meine Motivation wiederzufinden. Wenn ich laut in Twitter klage, dass im Moment gar nichts geht, melden sich unter dem Hashtag #acwri vielleicht andere Leute und zeigen mir, dass auch sie an einem Samstagabend daheim sitzen und gerade an etwas arbeiten. Das beflügelt mich dann, weiterzumachen, dann will ich auch Ergebnisse vorzeigen – und nicht zwei Stunden später schreiben müssen, dass ich stattdessen den ganzen Abend Promi-Bigbrother geschaut habe.

:)) #ilike witzig bist Du ja auch noch!

Merci 🙂

 Schreiben anstrengend! Ja! Aber bei Dir sieht es so leichtfüßig aus?

Es freut mich, dass das einfach aussieht, aber das ist es nicht – für mich genausowenig wie für viele andere, nehme ich an. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt daran, Schreibprozesse unter Hashtags wie #acwri öffentlich zu machen. Wir wollen zeigen, dass das Schreiben ein komplexer Prozess ist, gerade, wenn es, wie in so vielen Kontexten, nicht freiwillig ist. Das Verfassen einer Hausarbeit, eines journalistischen Artikels oder einer Bewerbung sind immer (auch selbstgewählte) Auftragsarbeiten, unsere Performance wird dabei bewertet. Das kann für Schreibende sehr stressig werden, gerade bei akademischen Texten, die eben sehr komplex sind. Es fehlt an der Hochschule (und auch anderswo) ein offener Dialog über das Schreiben, viele lassen sich nicht gerne in die Karten schauen. So bekommen gerade Studierende oft den Eindruck, dass ihre Lehrenden ihre fertigen Texte einfach so in einem Guss runterschreiben. Das kann sie verunsichern, da sie sich die nachvollziehbare Frage stellen, wie sie das nur reproduzieren sollen. Und genau das müssen sie ja gar nicht, Schreiben ist immer ein Lernprozess und darf auch fehlerhaft sein, nur so wird man besser.

Was ist das akademische Schreiben, das Dich gerade umtreibt?

Mein akademisches Schreiben ist im Moment die Vorbereitung zu meiner Dissertation über kollaboratives Schreiben in digitalen Umgebungen und die eventuellen Veränderungen für den Begriff der Autorschaft. Ich bin also auch wissenschaftlich mitten im Thema und benutze diesen Hashtag auch als meine persönliche Spielwiese, zum ausprobieren von Dingen. Je mehr Aktivität stattfindet, umso besser kann das letztlich auch für meine eigene Forschung zu dem Thema sein.

Das heisst, Dein Fachgebiet ist….. Germanistik?

Genau, Germanistik. ich habe in Frankfurt Neuere Deutsche Literatur und Kinder- und Jugendliteratur studiert. Die Arbeit wird aber dennoch eine Arbeit im Bereich der Schreibdidaktik und Schreibforschung, da das meine momentane Anstellung ist. Ich arbeite seit 2009 im Schreibzentrum der Goethe-Universität, habe das im Laufe der Zeit als meine Berufung gefunden und werde auch versuchen, weiter in diesem Gebiet zu arbeiten.

Das heisst, der #Hastag #osgffm ist auch ein Dir ureigener?

Nein, der geht aufs Konto von @linguri90. Er hat mit einer weiteren Kollegin, @enaira0815, die Offene Schreibgruppe der Uni Frankfurt gegründet. Das ist ein Angebot unseres Schreibzentrums, ein Schreibraum, der sich jeden Freitag von 13-19 Uhr in Raum IG 4.413 (? muss ich nochmal nachschauen) trifft.

 

Im Moment kommen dort bis zu zehn Personen und nehmen ‘analog’ teil. Gleichzeitig versuchen wir alle, die Sache durch den Hashtag #osgffm bekannt zu machen und andere Leute (auch digital) ins Boot zu holen. Ich bin zum Beispiel jemand, der sehr gut daheim arbeiten kann, ich brauche meinen eigenen Schreibtisch als ideale Lernumgebung. Daher ist es für mich ideal, dass ich bei der Gruppe via Twitter dabei sein kann, ohne wirklich physisch vor Ort sein zu müssen. Und da es dabei um akademisches Schreiben geht, docken wir es natürlich auch an #acwri an.

Wow! Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview… die Informationen … und Deine persönlichen Eindrücke! Da möchte ich mich gerne anschließen und verbleibe bis auf weitere #acwri-Abenteuer!

Vielen Dank für die Chance, es ist sehr spannend, darüber mal zu reden und wir freuen uns natürlich über jeden, der sich uns da anschließen möchte. Je mehr mitmachen, desto besser. Je transparenter Schreiben wird, umso leichter wird es eventuell. 🙂

#DNLE – (M)Ein erster Eindruck vom Stanford MOOC

Die Dörte ist schuld!

Just am Freitag Morgen hatte sie mir angetragen, mich noch flugs als Teilnehmerin des #DNLE einzutragen. Was ich auch artig tat. Und geschehen war’s, um meinen freien Freitag-Abend.

#DNLE – Um was geht’s?

Der Hashtag #DNLE steht für „Designing a New Learning Environment“ und ist ein kostenloses Online-Angebot der Standford University in xMOOC-Format. Ein xMOOC ist das Gegenstück zu einem cMOOC, beides MOOCs, aber jeweils eben der anderen Art. Wie anders erklärt kein weniger als George Siemens in der slideshare-Präse im Folgenden:
[slideshare id=14163277&doc=unisamoocs-120904044619-phpapp02] In meinen Worten? xMOOCs haben eine feste Stuktur, einen Plan, wie die meisten Veranstaltungen an einer Uni eben haben. Es besteht ein eher hierarchisches Verhältnis zwischen Lehrendem und Lerner, das Forum (meist abgeschieden vom sonstigen Internet zumindest duch eine zwangsweise Anmeldung, ein Passwort o.ä.) ist der Ort des Austausches. Leistungen die erbracht werden, werden irgendwie von irgendjemandem bewertet und beurteilt, bestenfalls von den Peers. Beim cMOOC (das c steht für konnektivistisch 😉 ) fungiert die jeweile MOOC-Webseite lediglich als Startpunkt alles Weiteren, die Lernenden sind die wahren Experten, Inhalte werden nicht – wie beim xMOOC – im Forum/Personal Journal generiert, sondern vielmehr vorwiegend in den virtuellen Heimatorten der Teilgeber, was nicht selten einfach deren Blogs sind. Der Erfolg der Teilnahme am jeweiligen MOOC, der liegt in der Hand der Teilnehmerin. I.d.R. gibt’s also keine Teilnehmezertifikate, obwohl mit Badges und Ähnlichem experimentiert wird. Soweit die Unterschiede. Oder zumindest die konstruierten Unterschiede.
Der MOOC an dem ich hier also teilnehme ist der xMOOC-Art.

Was tue ich (mir) da (an) – und warum?

xMOOC bedeutet, hier in konkret, „4 written reflections, 2 individual assignments, and a Final Team Project evaluated by peers“. Wer’s genauer wissen will, kann ja mal in die Kursübersicht (pdf) reinschauen. Den kleinen Text zur Selbstvorstellung habe ich schon – sowohl in mein „Personal Journal“ (über das Profil zu finden und so eine Art Sammelbüchse für die Einzelleistungen) als auch ins entsprechende Forum. Nun ja, eben ein xMOOC, da sollen die Einzelleistungen hinterher, so man eine Teilnahmebestätigung haben will, eben flugs gecheckt werden können (Effizienz).

Die nächste Einzelaufgabe steht schon an, zu erledigen bis zum 28. Oktober, eine Minute vor Mitternacht, nicht unsere, sondern Pacific Standard Time. Bei zu spätem Einreichen – keine Gnade und keine Diskussion – keine Teilnahmebestätigung. Aber was halte ich mich schon wieder mit dem Formalen auf, hier die (inhaltliche) Aufgabe:

Find three interesting learning environments or education technologies, explain 3 positive aspects and 3 negative aspects for each (500-800 words total), and share with peers.

Antun und näher anschauen tue ich mir das ganze auf jeden Fall einmal aus dem Grund, dass es sich dabei eben um eine MOOC-Mutation handelt, die einen MOOC „unifähig“ machen soll. Also Abläufen, Vorstellungen, der Philosophie einer bestimmten Institution kompatibel. Weil man an diesem MOOC m.E. sehr gut ersehen kann, was von einem MOOC bleibt, so er von einer Institution ins Repertoire aufgenommen wird – und ob die Art des Lernens, verglichen mit Modul-Abschließen, einen Unterschied macht.

Und was ist mit meinem Englisch?

Erstaunlicherweise sowas von gar kein Problem. Wahrscheinlich deshalb, weil akademisches Schreiben (und insbesondere auch solches, wie ein Kursüberblick) so hervorsehbar ist. Ebenso die eine kleine Diskussion, die ich bisher zu LMS oder nicht LMS mit LMS-Lovern im Forum geführt habe. Die Argumente (beider Seiten) sind mir so bekannt (hervorsehbar), dass sie im Grunde nur Variationen von hundert Mal Gelesenem darstellen. Ergo: Mit (fachlichem) Englisch gar kein Problem… höchsten die andern haben eines mit meinem. 😉

Ihr werdet noch einen kleinen Geschmack davon bekommen, so ich mein erstes Assignment auch hier im Blog poste.

Ist der nicht zu „massive“?

„Massive“ ist der MOOC allerdings schon. Gerade im Moment (Sonntag Morgen) befinden sich alleine im Vorstellungsforum (in dem nicht mehr viel geht, die TNs beschäftigen sich mit der Teambildung und ihrem ersten Assignment) 1314 Threads mit schlappen 3376 Beiträgen. Was mich persönlich aber nicht schockt. Ich nutze die Suchfunktion nach Begriffen, die mich interessieren, ich kann unter den TNs nach Heimatorten filtern, … und manchmal stöbere ich auch ganz sinnfrei durchs Forum, und klicke hie und da mal drauf, was mich halt spontan so anspricht. Alles wie im Internet gewohnt.

Apropos Internet. Ich geh dann mal „Learning Environments“ dort suchen, sonst wird das nix, mit meinem Assignment.

Es grüßt von dort

Eure mons7

Bloggen vs. Schreiben in der und für die Wissenschaft

Bildquelle.

Anlass meiner Überlegungen ist eine temporäre und partielle Schreibblockade. Ja. Auch das gibt es in meinem Leben.

Konkret
Ich hatte einen Abgabetermin für ein Buchkapitel (wissenschaftlich) und nicht rechtzeitig genug damit angefangen, dieses zu erstellen. Ein Tag vor der Deadline ereilte mich – ganz konkret – eine Schreibblockade. Ich öffnete immer und immer wieder das Dokument, kein Satz jedoch, nicht einmal ein Halbsatz fand seinen Weg über die Tastatur in dieses hinein. Nichts ungewöhnliches, mag der eine oder andere jetzt denken. Ungewöhnlich an der Situation jedoch war, dass ich in einem anderen „Tab“ des Browsers mein Weblog geöffnet hatte, in das – ganz wie nebenbei – über jene Tastatur ein ganzer Artikel einfloss. Also doch keine Schreibblockade? Oder eine nicht nur temporäre, sondern partielle?

Deshalb
Gibt es einen so grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Schreiben in der Wissenschaft und dem Schreiben für das eigene Weblog? Unterschiede ja, die gibt es, aber machen die den Unterschied? Kann man das eine wie das andere Schreiben erlernen? Oder gibt es Menschen, die eher für das eine oder das andere geeignet sind? Fragen über Fragen. Deshalb zunächst einmal ganz „basic“. Was sind die offensichtlichen Unterschiede?

Die Liste

Schreibstil 
flapsig vs. staubtrocken
Im Blog kann man einfach mal einen Text so … „hinrotzen“. Und man müsste Worte wie diese nicht mal zwangsweise in Anführungsstriche setzen. Bin ich in Jammerstimmung, kommt auch einmal der eine oder andere Jammertext dabei heraus. Bin ich wütend, raucht es im Blog. Emotionen erlaubt. Um diese wäre die entsprechende wissenschaftliche Ausarbeitung bereinigt. Was sie zwar nicht zwangsweise, aber doch meistens etwas trockener zum Lesen macht. Aber auch leichter zum rezipieren, denn stark emotional gefärbte Texte locken beim Gegenüber genau solche wieder heraus. Anstatt gut und lange überlegte Repliken.

Perspektive
(vorgegeben) objektiv vs. (vorgegeben) subjektiv
Vorgegeben habe ich mal hinzugefügt, weil ich schon recht objektive und abwägende Blog-Artikel gelesen habe… und wissenschaftliche Ausarbeitungen, die nur leidlich die ganz spezielle Haltung, die hinter den Ausführungen stand, verbergen konnten. Allgemein anerkannte Praxis ist jedoch, wissenschaftliche Ausarbeitungen als zumindest eher objektive Info zu betrachten, denn ein Blog-Post.

Veröffentlichungsfrequenz
spontan vs. überlegt abgesichert
Blog-Posts erhalten ihre spezielle Würze – zumindest bei bestimmten Anlässen – gerade durch ihre zeitnahe Veröffentlichung. Man muss sich nicht „absichern“, sprich mindestens drei weitere Quellen aufwarten, die ebensolches behaupten, was man selber gerade verbrät, da es genau solche Quellen eben noch gar nicht gibt/geben kann.
Bis man sich jedoch in einem wissenschaftlichen Artikel ausformuliert hat, sind mit Sicherheit mehr als drei Quellen zum fleißigen zitieren erhältlich, wahrscheinlich hinter einer Pay-Wall versteckt, was jedoch den bei einer wissenschaftlichen Institution beschäftigten Wissenschaftler nicht weiter stören muss, da diese ja zumeist freien Zugriff auf diese genießen können.

Zugesicherte Recherchetiefe
In meinem Blog sicher ich mal gar nix zu. Verfasse ich jedoch einen wissenschaftlichen Artikel, so verspreche ich gleichsam damit dem Leser/der Leserin, dass ich alle möglichen Artikel, Veröffentlichungen, Sammelbände und Grundlagenwerke zum Thema – zumindest – gesichtet habe. Das ist ein m.E. wirklicher Vorteil von wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Der Autor/die Autorin weiss aller Wahrcheinlichkeit – zumindest in theoretischer Art und Weise – von was er/sie spricht. Wenn er/sie sich auch (s. Veröffentlichungsfrequenz)  nicht allzu oft zu Wort meldet.

Humor(losigkeit)
Die ganze Last der Wissenschaft resultiert dann nun leider in einer gewissen Humorlosigkeit. Klar. Wenn ich nicht meine Gefühle ausschreiben darf, objektiv sein soll, meine Aussagen absichern, … das schließt doch schon Sprachspiele und Spielchen jedwelcher anderen Art aus. Humorlosigkeit in wissenchaftlichen Ausarbeitungen muss aber auch nicht per se schlecht sein. Immerhin kann man den (versuchten und verruchten) Humor dann schon nicht falsch verstehen. 🙂

Standardisierung
O.k. … was zur Folge hat, dass wissenschaftliche Beiträge sehr viel mehr standardisiert sind als Blog-Beiträge. Mit eben den dadurch entstehenden Vor- wie eben auch Nachteilen.

Mehr?
Damit nur her! 😉

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