Für euch (an)gelesen: A typology and dimensions of a description framework for MOOCs

„Our aim is twofold. We need to precisely describe a MOOC and we need to easily assign a type to it.“

 

QUELLE

Roselle, M.; Caron, P.A.; Heutte, J. (2014): A typology and dimension of a description framework for MOOCs. Author Manuscript. Published in European MOOCs Stakeholder Summit 2014, eMOOCs 2014, Lausanne.

Für alle, die’s selber (oder nach-)lesen wollen, einfach <hier> zum PDF klicken, eine Präse dazu auf Slideshare habe ich auch noch <da> gefunden.

WELCHE FRAGE WIRD HIER EIGENTLICH BEHANDELT?

Das ist das schöne an der Wissenschaft, viele Menschen stellen sich zur gleichen Zeit ähnliche Fragen,… und es gibt aller Orten Ansätze und Bemühungen, die kollektiv aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Man kann sich aufeinander beziehen, voneinander lernen, gemeinsam an etwas arbeiten und ein Feld weiterentwickeln.

Eine der Fragen rund um MOOCs (die auch mich interessiert), wurde hier im Blog schon einmal aufgeworfen. Könnte man nicht ein Raster entwickeln, über das sich MOOCs einordnen und beschreiben lassen? Vielleicht ein feineres, als das grobe xMOOC vs cMOOC? Eines, das der weiteren Forschung und Bemühung ums Thema nützlich?

WARUM IST DIE FRAGE EIGENTLICH RELEVANT?

Für was es genau nutzen könnte, das haben Rosselle, Caron, & Heutte gleich vorangestellt. Und das gleich in fünffacher Weise. Zunächst ließen sich tatsächlich stattfindende (oder in der Vergangenheit stattgefundene) MOOCs untereinander besser vergleichen. Man könnte MOOCs an sich besser mit anderen Lehr-Lern-Angeboten kontrastieren, drittens besser beurteilen, ob man Ergebnisse aus anderen verwandten Forschungsgebieten auf MOOCs übertragen könnte, viertens „it could enable us to capitalize on-MOOC research results themself“, was auch immer das heißen mag. Man helfe mir hier. Last but not least hülfe solcher Art Beschreibung, neue MOOCs zu entwickeln, laufende zu beforschen.

WARUM DAS GAR NICHT SO EINFACH IST

Das Vorhaben sei aber nicht ganz so einfach, so die Autoren. Da verschiedene wissenschaftliche Disziplinen ihr ureigenes Interesse am Feld hätten, wäre es schon sinnvoll, für all diese einen Vorschlag der Kategorisierung und Beschreibung zur Verfügung zu stellen, damit man sich interdisziplinär besser befruchte, und nicht jeder unabhängig voneinander die eigene Suppe kocht. Die logische Folge daraus aber, dass Vieles (viel zu Vieles) aus all diesen Perspektiven berücksichtigbar, eine Auswahl tut also gerade deshalb gut und Not. Und dann seien ja nicht nur Wissenschaftlerinnen, sondern noch ganz andere Interessenten zu beglücken, die man ja auch nicht (ganz) vernachlässigen wolle – wahrscheinlich um (öffentlichkeits-)relevant zu sein, über die wissenschaftliche Community hinaus.

WAS ES SCHON FÜR TYPOLOGIEN GIBT

Natürlich schauen sich die Autoren erst einmal um, was es schon gibt, auf dem Markt der MOOC-Typologien. Und da gibt es in der Tat so einiges.

1. Die xMOOC vs cMOOC-Front. Welcher Seite ich bei dieser Unterscheidung, so sie aufgeworfen, angehörte, ist euch ja eh klar. Die beiden Formen haben sich vom Zeitablauf her nacheinander entwickelt. Zuerst war der cMOOC da, auch wenn das in den Veröffentlichungen zu xMOOCs ganz oft ausgeblendet wird, da fängt die Geschichte der MOOCs meistens 2011 an, den ersten MOOC in seiner Original-Form und mit dem Acronym bezeichneten, der fand aber schon 2008 statt. Aber auch das wisst ihr ja schon.

2. Eine weitere Unterscheidung ist schon etwas erweitert und nimmt die Art und Weise in den Blick, wie der Veranstalter den MOOC konzipiert und gedacht haben. Neben dem xMOOC, der die Inhalte, die „vermittelt“ werden sollen, in den Blick nimmt, gibt es eine weitere Form, den tMOOC, bei dem es um „tasks“, also Aufgaben, ein Tun geht, die Kompetenz wofür dabei entwickelt werden soll, und dann noch die wieder Ursprungsform, der cMOOC, bei dem es ums Netzwerken gehe.

3. Als drittes stellen die Autoren die Typologie von Clark vor; hier werden acht Typen von MOOC unterschieden, ich fand’s jetzt nicht SO aufschlussreich, wer mag, soll selber nachlesen. Hier ist zu diesem Zwecke das Paper nochmals verlinkt.  Beispiele für von ihm verwendete Begriffe sind MiniMOOCs, cMOOCs, Adaptive MOOCs, oder auch SynchMOOCs.

4. Der vierte Aspekte bezieht sich auf die Offenheit vs. Geschlossenheit von MOOCs, wobei hier Abstufungen von (ziemlich) ganz offen bis zu (ziemlich) ganz geschlossen vorgenommen werden. Bezeichnet werden die MOOC-Formen hier als cMOOC, iMOOC und xMOOC.

EXISTIERENDE TYPOLOGIEN IN DER PRAKTISCHEN ANWENDUNG

Die vorgestellten Typologien nun wurden an vier real stattgefundenen MOOCs gemessen und ausprobiert. Mit nicht ganz befriedigendem Ergebnis. Der erste Vorschlag hat funktioniert, jedoch verbleiben zu viele Unterschiede zwischen den MOOCs, die aber in die gleiche Kategorie gesteckt werden. Ähnliches Problem beim zweiten Kategorisierungs-Vorschlag. Beim dritten Vorschlag kann man die MOOCs mehreren Kategorien zuordnen (nicht gut), den vierten Vorschlag finden die Autoren ungeeignet für eine Typologie, eher geeignet für „a description framework“, ein – ich nenne es jetzt mal – Beschreibungsraster.

VON BEREITS EXISTIERENDEN TYPOLOGIEN (TEL*) ZU EINEM EIGENEN VORSCHLAG

Um es hier kurz zu machen. Es werden weiters noch Typologien, Technology Enhances Learning zu beschreiben vorgestellt, und dies alles nun genutzt, um einen eigenen Vorschlag zu machen. Und der eigene Vorschlag der Autoren (also im Grunde der Punkt, der im Artikel gemacht wird), der ist – hehe – wohl auch einen eigenen Blog-Post wert.

INSGESAMT UND UNTER’M STRICH

gefällt mir der Artikel. Er ist gut strukturiert. Und strukturierte Ausarbeitung haben so etwas klar geordnetes, so etwas den Geist klärendes. Trotzdem ist das Thema mitnichten noch an seinem Ende angelangt.

Wir feilen weiter daran.
Ich auch.

Eure m.

 

*Technology Enhanced Learning

MOOC-Veranstaltung als Strukturierungsangebote von Raum und Zeit im Virtuellen #mmc13

Quelle: http://www.flickr.com/photos/sludgeulper/3665510047/
Quelle: http://www.flickr.com/photos/sludgeulper/3665510047/

Bildquelle. Nachdem mein Prämissen-Thesen-Post zur Nähe-Distanz-Problematik im virtuellen Raum nicht ohne Widerhall geblieben ist, was mich so überrascht wie erfreut hat, gleich mal eine Fortsetzung davon.

Im virtuellen Raum.

Um Nähe und Distanz überhaupt als herstellbar betrachten zu können, braucht es einen (virtuellen) Raum, in dem eine wie auch immer geartete Verortung vorgenommen werden kann. Aber was ist das eigentlich, der virtuelle Raum? Mit dieser Frage begebe ich mich recherchierenderweise ins Internet.

Erste spontane Funde.

„Im Gegensatz [zu Face-to-Face-Kommunikation] handelt es sich bei der comuterbasierten Kommunikation um einen Austausch zwischen Personen, die sich nicht gleichzeitig und gemeinsam an einem Ort bzw. in einem Raum aufhalten.“ (Reiterer & Deussen (Hrsg.), 2012, S. 193). Dieses sich physisch nicht im gleichen Raum aufhalten bei gleichzeitiger Verwendung des Begriffes Raum im Virtuellen, macht einen erweiterten Raumbegriff nötig. „Ein erweiterter Raumbegriff berücksichtigt, neben seiner materiellen Erscheinung, auch seine soziale Konstruiertheit.“  (Reiterer & Deussen (Hrsg.), 2012, S. 194) Wobei so richtig weitergehend bin ich noch nicht fündig geworden. Was dies denn nun sei. Der virtuelle Raum. Werde wohl mal bei Jana (Hochberg, 2012) nachlesen. Oder ihr könnte mir einen einschlägigen Hinweis geben? Und werde daraufhin einen eigenen Post dazu verfassen. Zum virtuellen Raum.

Mögliche räumliche Aspekte

Spätestens hier wird deutlich, dass ich mich weder schon tief eingelesen, noch das zu beschreibende Phänomen durchdrungen hätte, als dass ich Worte dafür finden könnte. Deshalb – unter dem Vorbehalt, meine Ahnung demnächst ganz anders auszudrücken und zu benennne, im Folgenden einige Aspekte, die für die Konstitution und Konstruktion des virtuellen MOOC-Raums aus Veranstalterperspektive von Bedeutung sein könnten.

Der MOOC-Blog als Veranstalter-WG.

Diese Definition wurde von Veranstalterseite eingebracht. Visualisiert durch das bereits mehrmals wiederverwendete Bild von Dörte und mir auf zwei Couches. Ähnliche Konnotation auch von Teilnehmerseite von Sibylle Würz mit der Verbildlichung des Atmosphärischen als Gasthaus in zwei Teilen (Teil 1 und Teil 2). [Hier jedoch fraglich, ob damit nicht vielmehr Umfassenderes denn das Veranstalter-Blog gemeint.] In einem anderen Teilnehmerbeitrag in Form eines (öffentlichen) Hangouts on Air nämlich wurde die Atmosphäre direkt auf dem Blog wiederum als weniger ansprechend empfunden. [Finde den HOA just gerade nicht, bitte um Hinweis als Kommentar, damit ich ihn verlinken kann, so von jemandem gerade greifbar.]

Die Anmeldeseite als Manifestierung der Gäste.

Irgendwie müssen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sichtbar werden können. Sich selbst sichtbar machen. Sich gegenseitig (wieder-)erkennen oder überhaupt wahrnehmbar werden. Dies geschah und geschieht über eine Seite des Blogs, die Anmeldeseite. Auf dieser verweisen die von den Teilnehmern freiwillig zur Verfügung gestellten Links auf deren Background, virtuelle Heimat. Dabei sind, wie in realen Zusammenkünften, manche zugeknöpfter, manche offenherziger im zur Verfügung stellen. Einige haben nachgelegt.

Einleitende Blog-Posts als vorschlagendes Angebot von Handlungsrahmen und -raum.

Die schon vor Beginn des #mmc13 formulierten und versandten Blog-Posts (Countdown7 Tage6 Tage 3 Tage2 Tage) hatten somit die Funktion, bereits dann den Handlungsrahmen und -raum abzustecken, um Teilnehmern ein erstes Angebot zu unterbreiten. Je häufiger ein MOOC in dieser Form stattgefunden haben wird, desto mehr können diese Funktion diejenigen Teilnehmer übernehmen, die bereits an einem solchen teilgenommen haben.

Kommentarfunktion als Rückversicherung.

Hierüber bin ich mir ganz und gar nicht sicher. Da die Kommentarfunktion nicht sehr oft genutzt wurde. Oder weniger oft, als bei der Anzahl der Personen, die sich anonym angemeldet haben (ca. 365; Stand 07.02.13) – und damit sich in großem Teil mit den öffentlichen Anmeldungen überschneidend, da die anonyme Anmeldung den E-Mail-Versand der Blog-Posts sichert – angenommen werden könnte.

Trotzdem. Ich möchte den Gedanken mal *in den Raum* stellen 😉 … und vielleicht finde ich ja Mittel und Wege der Verifizierung. Oder Falsifizierung.

Nicht-öffentliche Hangouts als Ort des Socializing und gemeinsamer Erholung.

Interessant, dass der Begriff „hangout“ übersetzt ins Deutsche auch Bude oder Lieblingstreff heisst. Tatsächlich nutzen wir Veranstalter gelegentlich einen Hangout zu dritt, um uns während stressigeren Phasen abzusprechen, aber nicht nur, sondern vielmehr auch zusammen zu entspannen. Um ein bisschen zu plaudern, … und um das Gefühl zu kriegen, dass wir nur den Ball flach halten müssen.

Öffentliche Hangouts als offizielle Familienfeste.

Die öffentlichen Hangouts muten – im Vergleich – für mich an wie Familienfeste. Eine goldene Hochzeit. Oder ein 50. Geburtstag. Ich mag Familienfeste. Es laufen alle ein. Alle haben sich irgendwie mental darauf vorbereitet. Zum Teil schick gemacht. Ein Ereignis gibt es zu feiern. Durch die Zusammenkunft und gemeinsames Ausgelassensein entsteht eine Zäsur im täglichen Allerlei. Wofür man sich manchmal – z.B. Freinehmen von der Arbeit –  die Luft schaffen muss.

Manche mögen sowas auch gar nicht.

Mögliche zeitliche Aspekte

Wochenthemen als zeitliche Vorstrukturierung vergleichbar mit z.B. Faschingszeit

Der Wochenrhythmus gibt verschiedene Unterthemen bezogen auf den Zeitraum vor. Das Thema färbt gleichsam den Zeitraum ein. Vergleichbar mit dem derzeit stattfindenden Fasching. Die Einfärbung ist in diesem Falle Spass haben, den Winter hinter sich lassen. Kollektives und erlaubtes aus dem Rahmen fallen. Eine andere Einfärbung dieser Art ist z.B. die Adventszeit. Ursprünglich als kollektive Besinnungs- und Fastenzeit gedacht, auch wenn mittlerweile Kommerzialisierung und Fresserei übernommen haben.

Zäsuren durch synchrone Ereignisse

Obwohl ich die beiden Formen von Hangout oben unter räumliche Aspekte subsumiert habe, so finden sie doch auch zu einem gewissen Zeitpunkt statt, der (zumindest zunächst, nicht jedoch, wenn man den HOA nachschaut) Synchronität herstellt. Aus welchem Grunde sehnen wir uns eigentlich nach gelegentlicher Synchronizität?

Wochenanfangs- und Wochenabschluss-Posts äquivalent zum den Morgen und den Abend einläuten.

Eine bleibende Erinnerung meiner Kindheit ist das 6-Uhr-Läuten am Morgen. Vor meiner Zeit war das wohl der Wecker-Ersatz gewesen. Das 6-Uhr-Abend-Läuten hatte aber sogar noch zu Zeiten meiner Kindheit eine Funktion für mich. Dann musste ich nämlich spätestens zu Hause sein. Wenn es läutete.

Als zeitliche Orientierungspunkte analoger Funktion mute mir die Wochenanfangs- und -abschluss-Posts an. Sie markieren den Beginn und das kollektive Ende einer Einfärbung (s. dazu oben).

Zum guten Schluss

Bei alledem wird das gemachte Angebot von Veranstalterseite immer wieder neu ausgehandelt und ist einem konstanten Veränderungsprozess unterworfen. Wobei die an der Veränderung beteiligten diejenigen sind, die bestimmte Aspekte auf ähnliche Weise wie die Veranstalter interpretieren.

Besucher des Blogs z.B., die zu diesem so gar keinen Zugang finden können demnach als solche interpretiert werden, für die an das Strukturierungsangebot der Veranstalter aufgrund anderer Sozialisations- und Lernerfahrungen nicht andockbar ist, denn die „Präsenz räumlicher Erfahrungen, die in der täglichen Raumpraxis ständiger Bestätitgung und Anpassung unterworfen sind, schafft die Voraussetzung für die Akzeptanz von entsprechend kontextualisierten Online-Räumen“  (Reiterer & Deussen (Hrsg.), 2012, S. 201)

So. Jetzt aber wirklich Schluss.

Eure m

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Literatur

Hochberg, J. (2012): Das Verhältnis der Wirklichkeitsbereiche: Online – Offline: Was ist virtuell, was ist Realität. Saarbrücken: AV Akademikerverlag.

Reiterer, H.; Deussen, O. (Hrsg.) (2012): Mensch & Computer 2012. München: Oldenbourg Verlag, S. 193-202. Download.

Exkurs in Form von Prämissen und Thesen zu Nähe und Distanz im virtuellen Raum

Love goes Bildquelle.

Zwar ist mein Blog vorwiegend Publikationsorgan, insbesondere in letzter Zeit für meine (nicht Veranstalter- sondern) Teilnehmer-Aktivitäten im Rahmen des #mmc13. Sofern ich dazu komme. Gelegentlich verwende ich es aber auch zur Dokumentation meiner Überlegungen zu einem Thema, das mich antreibt, wie z.B. dasjenige, warum es vielen Menschen so schwer fällt, von Unterricht offline zu Unterricht online zu wechseln. Also als schnödes Lern- und Überlegens-Tagebuch.

Meine „Theorie“ zur Thematik: Lehren (und lernen) kann als Aushandlungsprozess von Nähe und Distanz verstanden werden, und das geht offline anders als online. Meine Prämissen und Thesen (bisher) dazu im Folgenden.

In der Hoffnung, meine Stamm-Leserinnen durch die Andersartigkeit des Artikels nicht zu „vergträtzen“. Im Zweifelsfalle einfach ignorieren. Ab Morgen gibt’s wieder wie gewohnt Input. 😉

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Prämisse 1

Der Kern pädagogischen Handelns sind Mechanismen der Herstellung von Nähe und Distanz (vgl. Oevermann, 1996).

Prämisse 2

Mechanismen der Herstellung von Nähe und Distanz im virtuellen Raum sind qualitativ (und quantitativ) andere als in sog. Face-to-Face-Situationen.

Prämisse 3

Diese Mechanismen der Herstellung von Nähe und Distanz im virtuellen Raum sind beobachtbar und beschreibbar.

Prämisse 4

Z.B. im Rahmen der ethnomethodologischen Medienforschung.

These 1

Voraussetzung für das Entstehen einer Lehr-Lern-Situation im virtuellen Raum ist das wahrnehmbare Bestehen eines Raumes der (potentiell) Beteiligten.

These 2

Aufgespannt wird dieser Raum durch eine Gemeinsamkeit, und zwar einen Bezug zur Thematik. Dabei ist lediglich irgendeine Art von Bezug notwendig, nicht zwangsweise ein ähnlicher Zugang/eine ähnliche Perspektive.

These 3

Damit die Beteiliegten sich gegenseitig als potentielle Lernpartner wahrnehmen können, braucht es eine für diese wahrnehmbare Differenz des Lernstandes.

These 4

Möglicher Ausdruck von Lehr-Lern-Vorgängen sind (wahrnehmbare) virtuelle Artefakte.
[Was ist mit „Lurking“?]

These 5

Faktor Zeit. Zeitpunkte und -dauer des Aufenthaltes eines Lerners im virtuellen Raum sind relevante Eckdaten für Mechanismen der Herstellung von Nähe und Distanz im virtuellen Raum.

These 6

Faktor Streuung. Beteiligte Lerner und Lehrende werden wahrnehmbar über „Spurenlegung“ in verteilten Systemen.

These 7

Faktor Intensität. Es besteht eine kritische Anzahl an wahrnehmbar hinterlassenen Spuren, die notwendig ist, um Wahrnehmbarkeit der Verusacherin zu gewährleisten.

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Oevermann, U. (1996): Theoretische Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns; in: Combe, A., Helsper, W.: Pädagogische Professionalität. Frankfurt a.M., 70-182.

Immer wieder ausgehandelt: Nähe und Distanz im Social Web

Bildquelle.

Kennt ihr das? Ihr seid irgendwo, seht eine Person, zum ersten Mal. Und dennoch ist Dir die Person vertraut, kennst deren Humor, kleine Blitzlichter aus dessen Leben, Denken, Freuen. Und jedesmal wenn ich so jemanden aus meiner Timeline, den oder die ich mag, erstmals persönlich kennenlerne freue ich mich, dass ich den oder die dann auch „wirklich“ mag.

Warum mag ich (man?) Menschen überhaupt?

Mögen tue ich jemanden, wenn ich mich ihm näher fühle als jemand anderem, näher komme ich jemanden, indem ich etwas über dessen Sein erfahre, indem ich kommuniziere und interagiere. Und das Gegenüber und mich dabei in Ordnung finde. Indem ich Zeit mit jemandem verbringe. Zumindest ist das nonline bei mir so.

Wie aber stellen wir Nähe und Distanz online her? Wie reagiert man auf gefühlte Grenzüberschreitungen, wenn wir keine Möglichkeit haben, unseren Körper einzusetzen? Das finde ich einen äußerst spannende Fragenkomplex, zu dem ich mir in Zukunft ein paar mehr Gedanken (und Beobachtungen) machen möchte. Meine Prämissen zur Entstehung von Nähe (z.B. auf Twitter) online.

Nähe durch reine Rezeption

Allein, dass ich etwas über mein Gegenüber erfahre. Nicht einmal, zweimal, viele Male verteilt auf viele Tweets. Sowohl die Details, die offensichtlich sind, als auch solche, die eben gleichsam nebenbei oder unter der eigentlichen Nachricht liegen, mittransportiert werden.

Nicht nur, wie jemand ist, sondern auch wie sie ißt, lässt sich da (über Kommentare und Links) – und nur als Beispiel hergenommen – erfahren.

Nähe durch Bezugnahme

Jemand antwortet auf einen Tweet. Dabei ist es gleichgültig, ob dabei Übereinstimmung oder das genaue Gegenteil, oder gar eine Ergänzung, eine andere Perspektive eingebracht wird. Es ist das Bezugnehmen, dass jemand meine 140 Zeichen beachtet, gelesen, ja sie so wichtig genommen, dass darauf Bezug genommen. Das aneinander Anknüpften knüpft an dem Bande, das man Beziehung nennt, mit.

Nähe durch Zitieren

Oder re-tweeten. Über die verschiedenen Arten zu re-tweeten, habe mich ja schon an anderer Stelle ausführlich ausgelassen. Nehmen ich nun wahr, dass ich – in welcher Form auch immer – re-tweetet wurde und schaue mir die Art und Weise an, wie der oder die dies getan hat, so sagt genau das wieder über mein Gegenüber eine ganze Menge aus. Ob er oder sie in diesem Falle mit der gemachten Aussage/dem Tweet übereinstimmt. Oder gerade nicht. Wie er oder sie sich dazu positioniert. Warum genau dieser für mein Gegenüber so interessant, dass der Tweet wiederum an die eigenen Follower weitergegeben wird.

Nähe durch gleiche Interessengebiete

Man dächte ja, man möge Menschen, die ganz andere Hobbies, Leidenschaften, Interessensgebiete haben. Macht man auch. Aber man mag anscheinend noch mehr die, die sich im gleichen Feld bewegen. Warum? Vielleicht, weil man mit diesen „verkürzter“ kommunzieren kann. Vielleicht weil man über diese noch tiefer, weil über noch andere Details ins eigene Interessengebiet eintauchen kann. Vielleicht auch einfach nur, weil man glaubt, wenn sich noch jemand für das Gleiche interessiert, das eigene Themengebiet dadurch „relevanter“ wird?

Und falls jetzt jemand unter euch liest, dessen Interessengebiet Vorgeschriebenes kreuzt, der möge mir seine Gedanken dazu, vielleicht hilfreiche Links und Lektüre schenken, … das würde mich Dir ein ganzes Stück näher bringen 😉 .

 

P.S.:

Die Kunst des Re-Tweetens

Gestern habe ich es getan. Und vorgestern sogar mehrmals. Nun ja, es passiert manchmal halt einfach so. Man ist unterwegs, liest einen einfach guten Tweet … der Finger zuckt, getan. Spontan.  Auf diese kleinen unauffälligen Pfeilchen „getoucht“… und schwupps (oder #fupp heisst es zurzeit?) … „Der Tweet wurde an Deine xy Follower re-tweetet“ [aus dem Gedächtnis zitiert; überprüfen!]… so oder so ähnlich textet Twitter einem als automatisierte Antwort entgegen. Entspannt lehnt man sich zurück, schaut sich den Tweet gleichsam als Wiederholung in der eigenen Timeline an. So einfach, … eine kleine Berührung. Das war nicht immer so.

Die Technik des Re-Tweetens – früher und heute
Das Re-Tweeten ist keine – wie man gern glauben möchte – Erfindung von Twitter. Sondern vielmehr eine sich entwickelt habende Praxis seiner Nutzer. Wenn man einen Tweet – in Gänze oder zum Teil – wiederholen wollte/will, so
1) kopiert man den fraglichen Text
2) Antwortet auf das Original, so dass ein @-Username erscheint
3) setzt ein RT (für Re-Tweet) davor
4) fügt den fraglichen Text wieder ein [hier könnte jetzt Schluss sein] 5) und gibt evtl. noch seinen eigenen „Senf“ dazu.

Mit Twitter verhält es sich also offensichtlich wie mit allem in unserem Leben: Es wird komfortabler, aber dadurch auch komplexer. (Will meinen, so einfach es ist, auf den Re-Tweet Button zu drücken, der die oben genannten 4-5 Schritte (sozialer Prozess, der angeeignet werden musste) ersetzt, so überfüllter und unübersichtlicher mit noch und noch einer Funktion erscheint die Plattform nach und nach für die Neueinsteigerin.)

Re-Tweeten, was ist das überhaupt
Spätestens jetzt wissen wir zwar, wie es geht, dieses Re-Tweeten, aber was machen wir da überhaupt? Welchen Sinn soll das haben, wenn man ein RT davorsetzt oder auf die dunkelroten Pfeilchen drückt?
Im Grunde betreibt man das gute alte Zitieren. Auf die Pfeilchen zu drücken bzw. das Original unverändert zu lassen vergleichbar mit dem wörtlichen Zitieren, mit Senf garniert eher dem „vgl.“/Paraphrasieren/in den eigenen Kontext stellen angelehnt. „The Art of Re-Tweeting“ ist also eine Kunst des angemessenen Zitierens.

Der unterschätzte Re-Tweet
Retweets werden, wenn z.B. Tweets zu einer Veranstaltung oder zu einem bestimmten #Hashtag ausgewertet werden, aus den Datensätzen für wissenschaftliche Untersuchungen zumeist rausgenommen. [Hier noch Beispiele einfügen.] Das finde ich nicht richtig. Obwohl es die Auswertung der Daten natürlich um einiges einfacher macht. Nicht richtig finde ich es, da – wie oben dargestellt – Re-Tweet nicht gleich Re-Tweet ist,… und das Re-Tweeten aus Gründen geschieht, oft auch mit Folgen.

Re-Tweeten – von Gründen und Folgen
Warum re-tweete ich? Frage ich mich gerade im Zug nach Berlin sitzend und an meiner kalt gewordenen Tasse Kaffee nippend. Ich denke etweder, weil ich einen Text in 140 Zeichen (aus welchen Gründen auch immer) bemerkenswert finde. So bemerkenswert, dass ich seine Reichweite zu erhöhen helfen möchte. Oder aber, weil ein Text sich mit einer Thematik befasst, die (wieder aus welchen Gründen auch immer) für mich relevant ist. Und ich mich dazu positionieren möchte.
Als Folge folgen mir gelegentlich die Verfasser, manchmal entwickelt sich auch ein weiter- und tiefergehender Austausch daraus. Zum Beispiel weiter und tiefer im Blog.

Wo ich euch jetzt auch gleich via Twitter hinlocken möchte, damit ihr folgende Frage beantwortet…

Warum re-tweetest DU?

P.S.: Und den Auf-Blog-anlock-Tweet auch schön re-tweeten, ja?