Auf dünnem Eis

[Warnung vorab: 90% Erfahrungsbericht, 10% Learnings. Die kommen aber erst ganz zum Schluss vom Text.]

Die Gassirunde am Fluss entlang war heute so belebt wie an einem Sommer-Sonntag. Die eigentümliche Mischung aus Sonntag, Sonne und knackiger Kälte hat wohl alle Familien, Jogger, Radfahrer und Hundebesitzer hinter ihrem Ofen hervorgelockt. Deshalb fiel mir der Auflauf am alten Flughafen zunächst auch gar nicht größer auf. Bis die Feuerwehr anrückte. Der zweite Blick über den Fluss setzt mich unter unmittelbaren Stress. Da treibt ein Mensch. Paralysiert. Wahrscheinlich um sein Leben kämpfend, auch wenn auch kaum sich bewegend.

Normalerweise unterdrücke ich den wohl menschlichen Drang, an Stellen irgendwelcher Katastrophen lediglich Gaffer zu sein. Entweder aktiv etwas bewirken oder aus dem Weg gehen ist da eher mein Motto. Da die Feuerwehr aber nun schon angerückt war, wollte ich meiner Psyche die Genugtuung gönnen, der Rettung des Menschen zuzusehen. Welche die Feuerwehr auch in wenigen Minuten aufgrund von Ausrüstung, Training und Routine schaffte. (Was noch nicht sicher heist, dass der Betroffene überlebt. Ich wünsche es von ganzem Herzen).

Ich weiss also nicht, warum er sich auf dünnes Eis begeben hat (und da fallen mir einige Gründe ein). Und auch nichts darüber, was die Individuen aus denen der Auflauf bestanden hatte zur unmittelbaren Rettung für Ideen hatten.

Was ich weiß ist, dass mir selbst eine Idee erst später auf dem weiteren Gassi-Gang (meine Entspannungsmaßnahme) kam. Hundeleinen von herumstehenden und -überlegenden Hundebesitzern einsammeln, über Karabinerhaken zu Seil/Lasso machen, dem im Wasser Treibenden hinwerfen.

Was für Erkenntnisse ziehe ich daraus?

1. Was Unternehmen tun, nämlich irgendwelche Prozesse zu definieren, wie mit irgendwelchen Situationen umgegangen werden soll, ist gar nicht so blöd. Siehe Feuerwehr. Die Feuerwehrleute waren mit einer Situation konfrontiert, für die sie konkrete Handlungsschritte parat und geübt hatten. Diese müssen jeweils auf eine konkrete Situation angewendet werden – schwer genug. Aber zumindest eine Struktur, an der man sich abarbeiten kann mit Material, das zur Verfügung steht, ist gegeben.

2. Die zufällig Vorbeikommenden hatten beides nicht zur Verfügung. Eine potentielle Idee jedoch, wie die mit der Lasso-Leine, kommt einem nur – und nur dann – wenn man schon wieder entspannt ist. Wie schaffe ich es jedoch als Individuum mich grundzuentspannen, als Unternehmung eine Umgebung der Grundentspannung bereit zu stellen, und das angesichts einer unmittelbaren Bedrohung? Da es dafür keine wirklichen Ideen und Methoden gibt, greift man halt auf 1 zurück. Besser als nichts.

Dennoch finden sich Unternehmungen hin und wieder in Situationen wieder, für die (noch) keinerlei Prozesse defniert wurden. Und ich mich auch. Meine Frage zum Sonntag also: Wie gehe ich mit mir selbst, wie geht das Unternehmen mit mir und den weiteren Mitarbeitern um, um auch für solche Gelegenheiten gerüstet – und damit handlungsfähig zu sein?

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