Lehren und von der Kunst des „Meisterpushens“

Der #ldlmooc ist rum. Zum Schluss gibt es, wie bei vielen Veranstaltungen, noch einmal eine Runde, in der Wertschätzung ausgesprochen wird, dem einen oder anderen ein Danke zugeworfen. Weil wir seinen/ihren Beitrag eben schätzen und deshalb wertschätzen wollen. Eine Person, die viele von uns wirklich angestoßen, motiviert, weitergebracht, ermutigt hat, ist Jean-Pol Martin. Seines Zeichen auch gleichzeitig Begründer von #ldl.

Dies drückt sich beispielhaft, aber auf den Punkt treffend, im Tweet von Peter Ringeisen aus. Der dehalb auch schon vielfach retweetet, weil so einigen aus dem Herzen sprechend.


Was aber meinen wir mit „Meisterpusher“, was ist das für ein Verhalten, Tun, das uns da so bedankenswert erscheint? Können wir es eventuell nachtun, in unseren eigenen Lehr-Lern-Settings? Zwar nach unserer Facon, aber angeregt und inspiriert davon? Ich versuche die Gabe des Meisterpushens einmal in kleinere Einheiten zu zerlegen.

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Meisterpushen ist (auch)

1. Präsent sein/Präsenz zeigen

Wie auch immer man das macht, ohne dem Burn Out zu erliegen. Wahrscheinlich vergleichbar mit Professoren und Professorinnen an der Uni. Da gibt es solche, die einem immer mal wieder über den Weg laufen. Und andere, die man – obwohl aus dem gleichen Fachbereich – höchstens als Namen auf der Telefonliste kennt. Ersteren vertraut man natürlich eher mal, spricht sie eher an, arbeitet auf den kurzen Wegen zusammen. Analoges gibt es wohl auch im Netz. Da kommt einem immer mal wieder ein Tweet unter. Man bezieht sich in einem Blog-Post aufeinander. Läuft sich vielleicht auch mal bei einer Offline-Veranstaltung über den Weg. Je öfter diese kleinen Begegnungen, desto eher und mehr hat man das Gefühl der Präsenz einer Person im Netz. Verstärkt wird das auf jeden Fall über ähnliche Interessen- un Erforschungsgebiete.

Jean-Pol war während des #ldlmooc (und auch schon davor) auf jeden Fall präsent! Wahrnehmbar, ansprechbar.

2. Potentielle Teilgeberinnen direkt ansprechen

Dass diese Direktansprache funktioniert, kennen wir von offline. Diese Direktansprache wird versucht maschinell zu imitieren z.B. über MOODLE, wenn man sich erstmals in einen Kurs einschreibt und dann diese lieblose Mail kommt, man solle doch bitte ein Profilbild hochladen. Damit man besser zusammenarbeiten könne. So in der Art. Aber das ist etwas anderes.

Etwas anderes, als wenn Herr Larbig oder der Tastenspieler einen im #edchatde begrüßt. Nämlich so, dass man gemeint ist. Mit kleinem Hinweis auf Gemeinsamkeit oder kürzliches Ereignis, auf etwas, das einen gemeinsam beschäftigt. Kaum wahrnehmbar für Menschen, die beide Seiten nicht kennen. Aber wahrnehmbar dennoch die Intention. Ich meine DICH. Du bist ein wertvolles Mitglied unserer Community. So bestärkt legt man sich in den kommenden 60 Minuten doch maximal ins Zeug.

Oder wenn einer der beiden fragt, ob man denn nicht einen #edchatde Summer Special übernehmen mag. Vorher hat man sich (ich mir) vielleicht schon mal gedacht, oh, das würde mich auch interessieren. Aber noch nicht gehandelt. Das Handeln wird durch das Ansprechen wie aktiviert/angeschalten. Es funktoniert. Weil es ehrlich gemeint und von Herzen (und nicht einer Maschine) kommt.

Direktansprache, die funzt, das ist, wenn ein @mschaki die @mons7 fragt, ob sie nicht die Twitter-Fee im #ldlmooc sein mag. Aber das ist eigentlich Aspekt 3.

3. Aufgaben vergeben/anfragen

So ein Lehrender, der (noch) ganz auf Produktion, Verteilung, Aufbereitung von Content geeicht, hat unglaublich viel zu tun. Kommen jetzt andere Aufgaben in Zusammenhang mit dem Social Web noch dazu, ist das m.E. nicht mehr zu schaffen. Deshalb müssen die Aufgaben auf die Teilgeberinnen verteilt geben. Was auch sein Gutes hat, denn – ganz im Sinne von #ldl – komme ich als Teilgeberin dann aus meiner passiven Rolle heraus. Ich schaue nicht mehr Fernsehen, sondern ich gestalte mein Lernen und das meiner Mitlerner mit!

Ich kann als MOOC-Macher nicht auch noch die Twitter-Fee sein. Finde eine Twitter-Fee. Und schenke ihr damit ein Lernabenteuer! Danke Marc. 🙂

4. Roten Faden „verteidigen“

Wenn aber die Teilgeberinnen aktiv werden. Aufgaben annehmen. Vielleicht sich eigene Aufgaben stellen. In ihre eigenen Richtungen diskutieren. Dann braucht es auch wieder jemanden, der „die Spur“, die wichtigen Teile des Inhaltlichen, das Relevante kennt. Und alle wieder zurückbringt, von den Abwegen ins Zentrum lockt. Sozusagen den roten Faden verteidigt. Wenn ihr wisst was ich damit sagen will.

5. Produkte weiterteilen

Entlang dieses roten Fadens (und auch in Nebenbereichen) gibt es – hoffentlich und dieserlei viele -Artefakte. Artefakte von Teilgeberinnen. Artefakte von gerade vorbei Kommenden. Artefakte von irgend jemandem. Teile die weiter, wenn Du sie gut findest. Und die meisten sind meinstens ziemlich gut!

Und die teilt ein Meisterpusher wie der @jeanpol in sein riesiges Netzwerk mit einigen Kommentaren zum Kontext weiter.

6. Provozieren

Gibt es nichts zu teilen, dann kann man das Teilen durch Provozieren anregen. Wie der @jeanpol dann und wann auch kann. Und das hat er garselbst zugegeben, in einem der #ldlmooc Hangouts on Air, dass er die Kontroverse mag. Und das vielmehr als Langeweile oder kein Geschehen. Was dem noch kommenden Punkt Nr. 7 ja schon irgendwie widerspricht. Oder doch nicht?

7. Zurücktreten und geschehen lassen

Insofern nicht, als man das ab und zu machen kann. Also geschehen lassen. Z.B. hat auch Jean-Pol in einer Endphase des MOOCs und auch einmal zwischendurch sich ganz stark und bewusst zurückgenommen. Um die Teilgeberinnen atmen zu lassen. Um sie machen zu lassen.

Und nicht nur das ist ihm gelungen.

Danke auch von mir

m

 

 

#ocwl11 Wie viel Chaos muss ich ertragen, um einen Stern zu gebären?

Bildquelle. Ja genau. Der Spruch ist geklaut und leicht modifiziert. Aber im Original so eingängig, dass man den Autor fast gar nicht mehr dazu erwähnen muss. Das originale Original lautet:

„Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können“ und stammt aus Also sprach Zarathustra (1883-1891) von Friedrich Nietzsche. Mir fiel das Zitat im Laufe der letzten Tage gleich zweimal zu, weshalb ich es auch zum Thema machen möchte. Einmal im Zusammenhang mit dem Blog-Post von Jean-Pol, einmal im Zusammenhang mit meinen Gedanken zum und über den #ocwl11.

Die Passage aus Jean-Pols Post
… ist eigentlich ein Zitat von @weiliewei (Blog-Post hier), eine der für mich zentralen Stelle daraus:

Versteh mich nicht falsch, ich will hier niemandem das Ammenmärchen von der einen Lehrmethode erzählen, die das Lernen in Zukunft revolutionieren wird. So gab es in der Lehrveranstaltung, wo ich mit meinen Studienkollegen “LdL” ausprobiert habe, sicher nicht nur himmelhohes Jauchzen über die Vorteile dieser Form von Lernen und Lehren. Die einen haben sich beschwert, dass der Professor keinen Bock mehr auf das Unterrichten habe, die anderen haben halbherzig Wikipedia nach den wichtigsten Eckdaten ihrer Themen durchsucht.

In meine Vorstellungswelt übersetzt heisst das (auch) soviel wie … z.T. wollen Menschen, dass die alte Rollenverteilung wieder hergestellt werde, eben weil sich das Andere/Neue wie Chaos anfühlt. Es soll die Ordnung der Dinge wiederhergestellt werden. Und wenn schon die Ordnung der Dinge nicht wiederhergestellt werden kann, so soll das Chaos doch mit bekannten Mitteln (Wikipedia) strukturierter sein.
Bin ich – im Vergleich dazu – als beteiligtes Individuum in der Lage, mir durch neue Verhaltensstrategien und neue Vorgehensweisen das gefühlte Chaos zu strukturieren, wird mir LdL nach einer Anwärmzeit ziemlich „schmecken“. (Das mag auch der Grund dafür sein, dass die Offline-ocwl11’er sich einer gefühlt chaotischeren Situation gegenüber stehen sehen, als ein Teil des Online-Rests, weil der ja schon das Chaos zu strukturieren beim #opco11 und anderen Gelegenheiten ausprobieren und einüben konnte. Wobei wir schon beim zweiten Anlass angelangt wären.)

Meine verstreuten (Nach-)Gedanken zum #ocwl11
Exkurs. Hochschule habe ich nicht immer so (durch-)strukturiert empfunden, wie in den letzten Jahren. Während ich meine damals „Scheine“ genannten Leistungsnachweise noch so erarbeiten durfte, dass ich irgend eine Veranstaltung einer bestimmten Bezeichnung besuchen, bearbeiten und bestehen musste, sind heutzutage die Module, manchmal sogar die Reihenfolge vorgegeben, die Inhalte größtenteils standardisiert. Wer vorne „die Mühle“ betritt, wird auf dem einigermaßen gleichen Weg durchgeschleust hinten wieder – in mit seinen Kommilitoninnen vergleichbarer Form – hinausentlassen. Das Qualitätsmanagement definiert Prozesse, alle nur möglichen Arbeitsgänge werden beschrieben/beschreibbar gemacht und verprozessiert.
Unter diesen Ausgangsvoraussetzungen einen MOOC zu versuchen, muss schon per se eine rechte Herausforderung darstellen. Sofern ich jedoch fähig bin, die Struktur im Chaos zu finden, wird der #ocwl11 nicht nur einen Stern, sondern gar viele gebären sehen. Und auf weitere freue ich mich! 🙂

Mein eigenes Verhältnis zum Chaos
Ich selbst strebe eine Balance zwischen Struktur und Chaos an. Die Struktur versuche ich dadurch zu erringen, mich mit möglichst wenig physischem Besitz zu belasten. Möglichst wenige Ordner. Möglichst wenig Ballast. Je weniger, desto besser ein- und überhaupt ordenbar. Dem Chaos versuche ich dadurch Einlass zu gewähren, dass ich möglichst wenige Tätigkeiten nach dem absolut gleichen Ablaufmuster verübe. Andere Wege zu gehen erbringt nämlich des Öfteren erfreuliche Effekte, kleine Sterne eben.

Leider wird von meinem direkten Umfeld von mir momentan vorwiegend die chaotisierende Seite wahrgenommen.
Weshalb ich hier demnächst mal ganz auf strukturiert mache. Zieht euch warm an 😉

Das Marmeladenfest #wtw #ldl

Bildquelle. Vor ganz schön langer Zeit hatte ich ja mal eine Kategorie hier in meinem Blog aufgemacht, die da hieß: #wtw.
Die hatte sich nach nicht ganz so langer Zeit überholt,

erstens deswegen, weil ich vom Kategorien bilden zum „tagging“ übergleaufen bin und
zweitens, weil es gar nicht soviel zu finden und zu sehen gab, das #wtw war („worth to watch“).

Die ursprüngliche Idee war einfach, hier im Blog dann und wann ein Video einzubinden, das so gut war, dass es einfach für sich selbst sprach. Das beim Gucken beim „Leser“ sowieso und automatisch eigene Schlussfolgerungen und Erkenntnisse evozieren würde, jeder Kommentar meinerseits sich also erübrigte.

Ich habe doch in der Tat nochmals so ein Video gefunden. Das Video vom Marmeladenfest. Ich präsentiere: