Wir waren verdammt Vi[e]le, bei #vile12

[Zur Einordnung] ViLE ist die Abkürzung für Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener (ViLE) e.V. Und die organisieren wohl ab und an Seminare, wie jenes (Demokratie 2.0? Social Media, Gesellschaft und Individuum). Einer der Vortragenden war Christian Spannagel aka @dunkelmunkel, der entsprechende Programmpunkt findet sich hier auf der 2. Seite links unten. Titel also – für alle die nicht auf das Programm geklickt haben – lautete: „Social Web in der Anwendung“, gehalten ab 19.00 Uhr, gleich nach dem gemeinsamen Abendessen.

[Zur Durchführung/Setting] Christian wäre nicht der Christian würde er die Anwendung lediglich theoretisch erläutern, nein, vielmehr erläutert er die Anwendung und demonstriert sie (zeit-)gleich auch noch eben in der praktischen Anwendung. Dazu startete er einen Aufruf auf Twitter (z.B. hier), geneigte Rezipienten seien geladen und mögen sich zur Beantwortung von (zweier?) Fragen um 19.00 Uhr herum bereithalten. Das Setting ist also beschreibbar mit Vortrag als statisch vorbereitetes Element mit dynamischem Element Twitter zu verdeutlichen.

[Zum Ablauf/Bewertung] Des Nachts zu später Stunde hat er sich noch aufgerafft, den Vortrag im Blog zu reflektieren, nachles- und kommentierbar hier. Zuvor schon eine Anmerkung in 140 Zeichen hier: „Ja – ich werde nie wieder eine Twitterwall „nur nebenbei“ einplanen – ab sofort immer mit Streaming!“ Hintergrund war die – im Blog detaillierter dargelegte Einschätzung – (die ich mir jetzt einfach einmal herausgreife), dass er sich, da verständlicherweise hauptsächlich mit den Anwesenden im Saal, den Einwürfen von dort und in Verbindung mit seinem Vortrag – zu wenig auf die virtuellen Impulse (gemeint die Menschen dahinter)  aus dem Netz eingehen könne. Weshalb er Feedback im Nachhinein im Blog einfordert mit „Wie habt ihr die Aktion erlebt? Was hat euch gefallen, was nicht?“

[Wie habe ich die Aktion erlebt? Was hat mir gefallen, was nicht?“] Zunächst (und bevor ich es vergesse): Die Schlussfolgerung, das Setting entweder über einen Livestream zu ergänzen, aber ohne diesen ganz zu verwerfen halte ich für zu radikal.
Aber von vorne:

[Kurze Ablaufbeschreibung aus meiner subjektiven Sicht] Die erste Anforderung, die an mich herangetragen wurde, war leichtens zu bewältigen: Sag‘ hallo, monsi, gib Küsschen! 😉 Aufgrund der daraufhin eingetrudelten ersten Tweets wurden wir den „Offlinern“ schon einmal vorgestellt. (Dies offensichtlich zur Dekonstruktion des Vorurteils, dass es sich bei uns Mitmachern ausschließlich um trunkene und ansonsten studierende Faschingsnarren handele.) So warm getwittert, kam nun die erste inhaltliche Frage auf uns zu.  „Vervollständigt folgenden Satz: Ich nutze Facebook (nicht), weil …“, weitere knifflige folgten, so, ob 140 Zeichen nicht beim Argumentieren zu sehr einengten, oder ob Authentizität des gesprochenen Wortes und des Hörens mit der Entwicklung der Gedanken bei Twitter nicht zu kurz komme. Auch nach unserer(-n) Befindlichkeit(-en) wurde sich erkundigt.

[Was (mir) Freude brachte und machte] (1) Was mir (wieder einmal mehr) klar wurde ist, dass es sich bei uns Onlinern keinesfalls um eine wie auch immer geartete homogene Gruppe handelt, nicht einmal (oder gerade?) dann, wenn es sich um unser eigenes Online-Verhalten handelt. So war ich überrascht zu erfahren, dass andere Onliner z.T. Pseudonyme verwenden, und zwar bezogen auf verschiedene Gelegenheiten. Hierüber würde ich gerne mehr erfahren, welche Gelegenheiten/Rollen das sind, dass die „disperse“ Version des Selbst von Vorteil ist, und ob die dann gewählten Pseudonyme mit den Gelegenheiten/Rollen korrespondieren. Ich würde mich außerordentlich freuen, wenn hierzu jemand kommentierte. Also die Erfahrung der Andersartigkeit im Gleichen ist es, die mich erfreut, neugierig macht, mich dazu anregt, selbst auch wieder einmal etwas anders zu machen/anderes zu probieren, mich daran erinnert, dass ein sich Verhalten auch immer in Bewegung bleibt, soll es stimmig bleiben.
(2) Wie nebenbei habe ich Bekannte näher in ihrer Art und Haltung kennen gelernt (z.B. @LuciLucius), Sympathien haben sich bestätigt (z.B. @nele_we/Stichwort: Musikgeschmack 😉 ), auf (für mich ganz neue Twitterer bin ich aufmerksam geworden (so z.B. @walterspannagel/w-alter :)) ).

[Was ich schmerzlich vermisste und Alternativen dazu] Vermisst habe ich ab einem bestimmten Zeitpunkt den direkten Kontakt mit den Offlinern. Hier hätte ich gerne den einen oder anderen direkt ansprechen können, nachhaken, mehr erfahren. Dass diesen Kontakt herzustellen jedoch in der Verantwortung des Referenten (also Christian) läge, oder dass ein Livestream diesen möglicher machte, da bin ich mir nicht so sicher.
Eine Alternative wäre ja z.B., (A) zu solchen Veranstaltungen körperlich hinzugehen. Eine weitere, sich – sobald der Referent wieder der Offline-Gruppe zuwendet, gerade keine Verwendung für die abgesetzten Tweets hat bzw. diese momentan eher stören – (B) sich (wieder) mit den anderen Onlinern zu beschäftigen und – zeitweise – seinen eigenen kleinen Austausch zu pflegen.

Fakt ist jedoch: Wir, die Onliner, haben uns – freiwillig – und zu Demonstrationszwecken zur Verfügung gestellt. Wie viel und intensiv Tweets in den Vortrag eingebunden werden, kann ja nur der Referent vor Ort entscheiden. Hauptfokus bleiben – selbstverständlich – die körperlich anwesenden Offliner. Von daher finde ich das Setting nicht zwangsweise weniger geeignet als mit Livestream. Erwartungsmanagement kann man ja immer situativ über einen Tweet wie „Beschäftigt euch jetzt mal kurz selber, ich habe hier anderweitig zu tun“ betreiben (falls man dazu noch kommt) oder aber hinterher: „Tschuldigung, ich hab‘ euch nur für zwei Fragen gebraucht/gebrauchen können.“ 😉

Und zu guter Letzt: Es lag in der Tat eine (bestimmte) Anspruchshaltung der Onliner vor, die sich in der mehrseitigen Nachfrage nach einem Livestream manifestierte. Die latente Unzufriedenheit über das Fehlen wurde über die Nachfrage nach dem Befinden aufgelöst, praktisch über den Einsatz eines – wie war noch die Rollenbezeichnung für @tracernet? – gelöst.

Ergo: Auch von meiner Seite eine gelungene Aktion, die viele Gedanken bei mir ausgelöst hat. Und kann man Besseres als Ergebnis einer Veranstaltung behaupten?