#opco11 …. Nachlese der Woche 9 zu #microlearning …. Teil 2 (Prämissen)

Bildquelle. Gleich vorab. Es wird einen Teil 3 in dieser Reihe geben. Und zwar zum Stand der Wissenschaft und Forschung. Diesen werde ich Mitte/Ende dieser Woche auf der Microlearning 5.0 erheben, von der ich auch via twitter mit dem Hashtag #microlearning50 berichten werde.

Diese Vorrede (lediglich) um zu rechtfertigen, dass ich in und mit diesem Beitrag einfach nur einmal meine Prämissen zum Thema zum Besten geben will.

[Exkurs: Prämisse.]
Prämissen sind Vorannahmen. Sozusagen vorläufige Vorstellungen in Bezug auf einen Sachverhalt. Gelegentlich schlage ich meinen Studierenden vor, bevor sie sich mit einem Sachverhalt auf wissenschaftliche Art und Weise auseinandersetzen, einmal genau diese Vorannahmen zu explizieren, will sagen niederzuschreiben. Dies hat m.E. die Vorteile, dass ich nach einer Weile (z.B. einem Semester) vergleichen kann, ob individuell in irgendeiner Art und Weise gelernt wurde. (Erweiterung/Verengung des Blickwinkels? Vertiefung des eigenen Wissensstandes/Haltungs-/Einstellungsänderung?). Manchmal kommen auch so erstaunliche (Vergleichs-)Ergebnisse dabei heraus, dass die eigenen Prämissen dem Forschungsstand vor 10 Jahren entsprachen 😉 … im folgenden also meine Prämissen zum Thema Microlearning/Microcontent unbeleckt der Rezension jeglicher Forschungsergebnisse. Denn die kommen ja, wie angekündigt, erst im Teil 3 zum Tragen.

[Prämissen re #microcontent]
Wie ist das mit dem Micro-Content? Man richtet den Blick (Perspektivwechsel!) weg vom Inhalt, hin zur Form. Die Form wird gleichsam (zumindest vorerst) zur bestimmenden Größe, der Inhalt (zunächst) irrelevant. Dabei ist die Form „Microcontent“ weder grundsätzlich definierbar, noch abschließend aufzählend beschreibbar. In erstere Richtung ging, so meine ich in Erinnerung zu haben, der Begriff der „Momente“ im Vortrag von Martin Lindner, also auf Zeiteinheit abzielend, eine beschreibende Aufzählung würde Unterschiedlichkeiten wie 140-Zeichen (Tweet), Blogpost (Länge?), Audioboo etc. enthalten.

Die meisten Erziehungswissenschaftler (wie mich) graust es da so spontan wie intuitiv. Gleichwohl kennen und praktizieren wir genau diesen Perspektivwechsel des Öfteren gar selbst.

Ich z.B., wenn es um’s wissenschaftliche Schreiben geht. Will ich eine Hausarbeit erstellen, wird heutzutage (das war zu Beginn meiner Studienzeit nicht so!) Anzahl der Seiten,  meist auch die Form vorgegeben, wie diese schlussendlich aussehen soll. Mein Startpunkt ist also die Form, die ich mit Inhalt befülle. Genau das gleiche eine „Karriere“stufe höher: Will ich einen Artikel einreichen, wird mir (im Idealfall) eine Datei zur Verfügung gestellt, die mir die Aufgabe des Layoutens erleichtern soll. Auch hier wieder: Der Ausgangspunkt ist die Form.

Und dann zur Selbstmotivation. Ich kann mich an Studien-/Lehrbriefe/Reader erinnern, ja sogar Bücher, die so gar nicht an mich gehen wollten. Zu diesen habe ich mich dann a) in der Form durchgerungen, in dem ich mir versprochen habe, dass ich nachdem ich genau dasjenige Kapitel durchgearbeitet habe, ins Kino darf. Oder dass ich nach genau 20 Minuten, nämlich wenn der Wecker klingelt, wieder machen darf, was ich will. Das immer noch und immer wieder erstaunliche: sitze ich erst am Text, ist mir der Kinofilm oder das was auch immer plötzlich ganz egal, die Materie fängt mich ein und ich lese und lese viel länger als ich mir ursprünglich aufzuzwingen gedachte.

Die Blickrichtung auf die Form dienst also unter Umständen dem Inhalt.

[Bezugsystem]

Dies ist nun (spätestens) die Stelle, an der ich eine weitere Perspektive einnehmen sollte, die der Wechselwirkung zwischen Form und Inhalt. Wie kann ich (kann ich überhaupt?) das Gleiche auf verschiedene Art und Weise tun? Vergleichen wir nur einmal spontan die beiden Lektüre-Beiträge von Jochen (Robes) zum Thema, den Beitrag aus dem Handbuch und den Beitrag in der Zeitschrift. Die Stoßrichtung/grundlegende „Message“ mag ja in die selbe Richtung gehen, ihr werdet mir aber zustimmen, dass es sich dabei grundlegend um etwas anderes handelt. Was passierte nun mit dem Gleichen, machte ich ein Audioboo daraus? Dieses Audioboo wäre nun – so meine These – etwas drittes Anderes, nochmal anders für einen Rezipienten, der die beiden vorgenannten Beiträge gar nicht gelesen hat, wie für denjenigen, der nur einen davon gelesen hat, oder aber beide.

Der gleiche Microcontent verändert sich also bzw. wird mitdefiniert/mitbestimmt vom Rezipienten.

Und bevor ich mich nicht eimal mehr selbst verstehe… mache ich hier Schluss und hoffe auf Erleuchtung auf der Microlearning 5.0.