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Lehren und von der Kunst des „Meisterpushens“

Der #ldlmooc ist rum. Zum Schluss gibt es, wie bei vielen Veranstaltungen, noch einmal eine Runde, in der Wertschätzung ausgesprochen wird, dem einen oder anderen ein Danke zugeworfen. Weil wir seinen/ihren Beitrag eben schätzen und deshalb wertschätzen wollen. Eine Person, die viele von uns wirklich angestoßen, motiviert, weitergebracht, ermutigt hat, ist Jean-Pol Martin. Seines Zeichen auch gleichzeitig Begründer von #ldl.

Dies drückt sich beispielhaft, aber auf den Punkt treffend, im Tweet von Peter Ringeisen aus. Der dehalb auch schon vielfach retweetet, weil so einigen aus dem Herzen sprechend.


Was aber meinen wir mit „Meisterpusher“, was ist das für ein Verhalten, Tun, das uns da so bedankenswert erscheint? Können wir es eventuell nachtun, in unseren eigenen Lehr-Lern-Settings? Zwar nach unserer Facon, aber angeregt und inspiriert davon? Ich versuche die Gabe des Meisterpushens einmal in kleinere Einheiten zu zerlegen.

Bildschirmfoto 2014-06-20 um 22.37.02

Meisterpushen ist (auch)

1. Präsent sein/Präsenz zeigen

Wie auch immer man das macht, ohne dem Burn Out zu erliegen. Wahrscheinlich vergleichbar mit Professoren und Professorinnen an der Uni. Da gibt es solche, die einem immer mal wieder über den Weg laufen. Und andere, die man - obwohl aus dem gleichen Fachbereich - höchstens als Namen auf der Telefonliste kennt. Ersteren vertraut man natürlich eher mal, spricht sie eher an, arbeitet auf den kurzen Wegen zusammen. Analoges gibt es wohl auch im Netz. Da kommt einem immer mal wieder ein Tweet unter. Man bezieht sich in einem Blog-Post aufeinander. Läuft sich vielleicht auch mal bei einer Offline-Veranstaltung über den Weg. Je öfter diese kleinen Begegnungen, desto eher und mehr hat man das Gefühl der Präsenz einer Person im Netz. Verstärkt wird das auf jeden Fall über ähnliche Interessen- un Erforschungsgebiete.

Jean-Pol war während des #ldlmooc (und auch schon davor) auf jeden Fall präsent! Wahrnehmbar, ansprechbar.

2. Potentielle Teilgeberinnen direkt ansprechen

Dass diese Direktansprache funktioniert, kennen wir von offline. Diese Direktansprache wird versucht maschinell zu imitieren z.B. über MOODLE, wenn man sich erstmals in einen Kurs einschreibt und dann diese lieblose Mail kommt, man solle doch bitte ein Profilbild hochladen. Damit man besser zusammenarbeiten könne. So in der Art. Aber das ist etwas anderes.

Etwas anderes, als wenn Herr Larbig oder der Tastenspieler einen im #edchatde begrüßt. Nämlich so, dass man gemeint ist. Mit kleinem Hinweis auf Gemeinsamkeit oder kürzliches Ereignis, auf etwas, das einen gemeinsam beschäftigt. Kaum wahrnehmbar für Menschen, die beide Seiten nicht kennen. Aber wahrnehmbar dennoch die Intention. Ich meine DICH. Du bist ein wertvolles Mitglied unserer Community. So bestärkt legt man sich in den kommenden 60 Minuten doch maximal ins Zeug.

Oder wenn einer der beiden fragt, ob man denn nicht einen #edchatde Summer Special übernehmen mag. Vorher hat man sich (ich mir) vielleicht schon mal gedacht, oh, das würde mich auch interessieren. Aber noch nicht gehandelt. Das Handeln wird durch das Ansprechen wie aktiviert/angeschalten. Es funktoniert. Weil es ehrlich gemeint und von Herzen (und nicht einer Maschine) kommt.

Direktansprache, die funzt, das ist, wenn ein @mschaki die @mons7 fragt, ob sie nicht die Twitter-Fee im #ldlmooc sein mag. Aber das ist eigentlich Aspekt 3.

3. Aufgaben vergeben/anfragen

So ein Lehrender, der (noch) ganz auf Produktion, Verteilung, Aufbereitung von Content geeicht, hat unglaublich viel zu tun. Kommen jetzt andere Aufgaben in Zusammenhang mit dem Social Web noch dazu, ist das m.E. nicht mehr zu schaffen. Deshalb müssen die Aufgaben auf die Teilgeberinnen verteilt geben. Was auch sein Gutes hat, denn - ganz im Sinne von #ldl - komme ich als Teilgeberin dann aus meiner passiven Rolle heraus. Ich schaue nicht mehr Fernsehen, sondern ich gestalte mein Lernen und das meiner Mitlerner mit!

Ich kann als MOOC-Macher nicht auch noch die Twitter-Fee sein. Finde eine Twitter-Fee. Und schenke ihr damit ein Lernabenteuer! Danke Marc. 🙂

4. Roten Faden „verteidigen“

Wenn aber die Teilgeberinnen aktiv werden. Aufgaben annehmen. Vielleicht sich eigene Aufgaben stellen. In ihre eigenen Richtungen diskutieren. Dann braucht es auch wieder jemanden, der „die Spur“, die wichtigen Teile des Inhaltlichen, das Relevante kennt. Und alle wieder zurückbringt, von den Abwegen ins Zentrum lockt. Sozusagen den roten Faden verteidigt. Wenn ihr wisst was ich damit sagen will.

5. Produkte weiterteilen

Entlang dieses roten Fadens (und auch in Nebenbereichen) gibt es - hoffentlich und dieserlei viele -Artefakte. Artefakte von Teilgeberinnen. Artefakte von gerade vorbei Kommenden. Artefakte von irgend jemandem. Teile die weiter, wenn Du sie gut findest. Und die meisten sind meinstens ziemlich gut!

Und die teilt ein Meisterpusher wie der @jeanpol in sein riesiges Netzwerk mit einigen Kommentaren zum Kontext weiter.

6. Provozieren

Gibt es nichts zu teilen, dann kann man das Teilen durch Provozieren anregen. Wie der @jeanpol dann und wann auch kann. Und das hat er garselbst zugegeben, in einem der #ldlmooc Hangouts on Air, dass er die Kontroverse mag. Und das vielmehr als Langeweile oder kein Geschehen. Was dem noch kommenden Punkt Nr. 7 ja schon irgendwie widerspricht. Oder doch nicht?

7. Zurücktreten und geschehen lassen

Insofern nicht, als man das ab und zu machen kann. Also geschehen lassen. Z.B. hat auch Jean-Pol in einer Endphase des MOOCs und auch einmal zwischendurch sich ganz stark und bewusst zurückgenommen. Um die Teilgeberinnen atmen zu lassen. Um sie machen zu lassen.

Und nicht nur das ist ihm gelungen.

Danke auch von mir

m

 

 

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Schreiben, über was wir lesen, um zu lernen

Letzte Woche wurde mal wieder ein Artikel (Quelle) auf Teufel komm raus geteilt, in meiner Teil- äh Time-Line. Er dreht sich inhaltlich um Mythen in Zusammenhang mit dem Web, also was wir darüber kollektiv glauben… und auch wieder- und weitergeben.

Vorab

Das Maß der Dinge, der Klick. So hieß es zu Anfang. Mit den sich differenzierenden technischen Möglichkeiten, den zuvor lediglich klickenden Menschen zu tracken, entstand daraufhin nicht nur eine ganze Menge an Daten, sondern auch der Wunsch, diese auszuwerten (und zu interpretieren). (Wobei ich mich immer wieder frage, ob man nicht durch eine qualitative Befragung von Menschen die Erkenntnis aus der Auswertung solcher Datenmengen nicht abkürzen könnte, hier bin ich mir aber nicht sicher.)

Und was sind danach denn die Mythen?

Es werden 4erlei angesprochen und kurz erläutert. Für mein Interessengebiet, also LehrLernen, sind auf den ersten Blick erst einmal die ersten beiden interessant und relevant.

 1. Mythos: Wo wir draufklicken, das lesen wir auch.

„Chartbeat looked at deep user behavior across 2 billion visits across the web over the course of a month and found that most people who click don’t read. In fact, a stunning 55% spent fewer than 15 seconds actively on a page. The stats get a little better if you filter purely for article pages, but even then one in every three visitors spend less than 15 seconds reading articles they land on.“

Auch so ein Irrglaube, dem ich regelmäßig aufsitze. Ich schätze Artikel die ich schreibe, die öfter angeklickt werden, als besser gelungen ein, als solche, die weniger angeklickt werden. Jedoch sollte ich solche hoch einschätzen, die jemanden zum Weiterdenken, zum Ablehnen, zu irgend etwas verleitet haben, zum Verweilen, WEIL sich derjenige dann mit dem Inhalt irgend wie auseinandergesetzt, sich zum Inhalt positioniert hat.

Da ich jedoch diese Daten nicht zur Verfügung habe, halte ich mich eben… an die Klicks, resp. Zugriffszahlen.

Real also: Wir klicken, worauf wir klicken.

2. Mythos: Je mehr wir teilen, desto mehr lesen wir.

„We looked at 10,000 socially-shared articles and found that there is no relationship whatsoever between the amount a piece of content is shared and the amount of attention an average reader will give that content.

When we combined attention and traffic to find the story that had the largest volume of total engaged time, we found that it had fewer than 100 likes and fewer than 50 tweets. Conversely, the story with the largest number of tweets got about 20% of the total engaged time that the most engaging story received.“

Ich tue das übrigens in der Tat. Ich teile nix weiter, was ich nicht gelesen habe. Weil ich immer denke… für meinen Tweet bürge ich mit meinem Namen. Also mons7. 😉 … Obwohl ich mit der Überprüfung der Qualität dessen, was ich retweete und teile mit solchen strenger bin, die ich nicht kenne, die mir neu unterkommen. So alte Bekannte, denen bringe ich ein grundsätzliches Vertrauen entgegen. Und das ist aber wiederum gewachsen. Also auch eine Art der Qualitätssicherung, oder?

Andererseits habe ich - über meinen Versuchs-Account (dazu hier und hier) - jetzt auch schon weitere, andere und auch legitime Gründe erahnt, Informationen weiterzuteilen, ohne die vorher gelesen, geprüft, aufgenommen, eingeordnet zu haben.

Real also: Wer teilt hat irgend einen Grund. Der nicht automatisch im Inhalt des Geteilten liegen muss.

Schlussfolgerung für mein LehrLernen

Klicken und teilen ist im Lehr-Lern-Prozess ein wertvoller Part. Die Chance aufs relevant Werden von Inhalten, die wir klicken und teilen steigt jedoch massiv, indem wir … über diese Schreiben. Oder Artefakte anderer Art inspiriert durch die Inhalte oder unter Verarbeitung dieser erschaffen.

Konkret für MOOCs: In xMOOCs fehlt der dritte Part, um Lernen zu ermöglichen. Derjenige des Produzierens von relevanten Inhalten durch die Lerner. Solange der nicht inhärenter Teil der xMOOCs werden wird, bleiben sie m.E. langfristig das Schulfernsehen der 80er.

Euch einen schönen sonnigen Sonntag

Eure m

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