Reales Sterben im Virtuellen – und unser Umgang damit

nur weg von der Straße - VIIBildquelle.

Mein Beitrag zur Blogparade „Tod und Trauer im Internet“

„Wie hat sich die Trauerarbeit durch und mit Social Media verändert?“

ist eine der Leitfragen im Rahmen der von Birgit Aurelia Janetzky und Jörg Eisfeld-Reschke initierten Blogparede zu Tod und Trauer im Internet. Ich habe mich zunächst. ein wenig geziert, eine alte Geschichte auszugraben, aus einer Zeit, als ich noch unter Pseudonym bloggte.

Zum Kontext

Meine ersten Gehversuche im Bloggen fanden auf einer (heute nicht mehr existierenden) Plattform namens diary-z statt. Im Grunde berichtete ich unter dem Namen Marianne (da ich die Marianne Rosenberger damals irgendwie toll fand) anekdotisch zu meinem Leben in der Großstadt, so als Landpomeranze. Viele andere Blogger und Bloggerinnen dort hatten andere Schwerpunkte, tendenziell waren auch diese aber eher persönlicher Natur. Im Grunde handelte es sich bei der Mehrzahl der Blogs um klassische Online-Tagebücher.

Zur Clique

Wie es anscheinend in allen Zusammenhängen dieser Art so ist, fand sich nach und nach ein gar illustres Trüppchen zusammen, das sich regelmäßig gegenseitig las und gegenseitig kommentierte. Ich muss sagen, gegenseitig mochte, bei zweien war sogar irgendwann Liebe im Spiel. Da gab es z.B. eine hoch dotierte Beraterin, die ihre Kindheit aufarbeitete, einen Ex-Lehrer-Ex-Alkoholiker mit Sammelleidenschaft, eine Mutter zweier Kinder die zwei Seelen in ihrer Brust hatte und einen liebenswerten Bayer, der gut kochen konnte. Aus dieser Gruppierung ist mir (immerhin) eine Freundin übrig geblieben, und eine Bekanntschaft, die wir auf Facebook hinübergerettet haben. Aber zum Punkt.

Zum Sterben

Viel bloggendes Mitglied unserer kleinen Gemeinschaft bloggt einige Tage nicht. Erste besorgte Anmerkungen und Nachfragen in Form von Kommentaren. Da der eine mit dem anderen schon telefoniert hatte, einige Adressen oder Real-Identitäten ausgetauscht hatten, fand sich eine andere, die mit Betroffenem schon in Kontakt war. Ein Anruf genügte. Betroffener war wenige Tage zuvor morgens nicht mehr aufgewacht. Ein eigentlich und im Grunde Tod, den man sich als schönen vorstellt. …

Zu unserem Umgang damit

Phase 1: Betroffenheit. Gefühlt einen Tag nach Bekanntgabe der Tatsache des Todes erst einmal keinerlei Reaktion. #schockstarre
Phase 2: Bearbeitung des Todesfalles in Kommentaren und Blogbeiträgen
Phase 3: Eröffnung eines eigenen Blogs auf der Plattform, in der jeder eine Art „Abschiedsbeitrag“ veröffentlichen konnte, der eine Beziehung zu ihm hatte. Der Plan: Das Ausdrucken der Beiträge, das Abheften derselben und die Übergabe des Hefters an die Witwe des Verstorbenen.
Phase 4: Reale Übergabe direkt nach der Beerdigung und Bericht darüber im Abschiedsblog.

Die Quintessenz

Den einzigen Punkt, den ich mit dieser meiner Geschichte zur Blogparade beitragen möchte ist, das m.E. virtuelle Trauer sich ihren Weg in die physische Realität sucht, um anzukommen. Und wenn es der Weg über einen ausgedruckten Blog ist.

Einen besinnlichen Abend wünscht euch heute

Eure m

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