6 Fragen zu MOOCs – Mein Input zum Webinar der Virtuellen PH

Am Donnerstag bin ich zu Gast in einem Webinar der Virtuellen PH. Emsige Teilnehmerinnen haben schon einmal ein paar Fragen vorab formuliert. Worüber ich überglücklich, da ich mich auf Diskussion dazu vorbereiten kann. Nämlich auf der Lernspielwiese.

Die 6 (wirklich interessanten und gar nicht leicht zu beantwortenden) Fragen (sowie bereits eingefügte Gedanken dazu, die habe ich in Klammern und kursiv darunter gesetzt) habe ich aus dem Piratenpad zur Vorbreitung hier entnommen [Stand: 06.11. ca. Tagesmitte].

Frage 1: Moocs haben eine geringe Absolventenquote. Ich habe mehrmals im Internet davon gelesen, dass von den Angemeldete nicht einmal 10 % der Teilnehmer den Kurs erfolgreich abschließen. Stimmt das? Welche Gründe gibt es dafür?

(Langatmig – Motivation lässt nach?, Kosten für das Zertifikat?, Teilnehmer stellen fest, dass es zu schwierig oder zu zeitraubend ist, als ursprünglich angenommen? Schlechtes didaktisches Design?)

Ja. Da ich ja was so über MOOCs und das MOOCen an sich so veröffentlicht, verbloggt und geforscht wird gerne verfolge, sind mir auch vermehrt solcherlei Berichte untergekommen.

Es stellt sich mir jedoch die Frage, wann jemand überhaupt erfolgreich an einem MOOC teilgenommen hat? Bitte folgende Beispiele sich vorstellen und dann für sich beurteilen. War genau DIESE Teilnahme erfolgreich? Oder handelt es sich dabei um einen Drop-Out? Aus wessen Perspektive beurteilt jeweils?

Beispiel 1 – meine derzeitige Teilnahme am #design101 (iversity)

Bildschirmfoto 2013-11-06 um 08.51.21

Im Grunde kann man durch dreierlei dorten aktiv werden. Erstens die Videos anschauen. Zweitens an einem Wochen-Quiz mitmachen und zuletzt eigens erstellte Aufgaben in einer Art Blog-System über Antworten einstellen, diese werden z.T. von Peers kommentiert. Also zum Abschließen „zählen“ zunächst, zumindest wenn man den Screenshot links betrachtet, lediglich das Anschauen der Videos und das Klicken des Quizzes (pro Woche). Versteht mich nicht falsch, ich finde den MOOC (beinahe hätte ich Kurs geschrieben) so wie er aufgemacht ist witzig. Die Videos sind von Design-Aspekten richtig richtig gut gemacht (soweit ich das überhaupt beurteilen kann), zumindest sprechen sie mich an. Aber sie sind nicht so Inhaltsvoll, dass ich mir gerne alle anschauen möchte. Also starte ich die, surfe in anderen Tabs weiter… und irgendwann (ziemlich schnell) sind die dann durchgelaufen. Angeschaut habe ich davon aber nur ein Drittel. Bin ich jetzt erfolgreich im MOOC?

Beispiel 2 – der #opco11

Das war, wenn ich mich richtig erinnere, der erste MOOC, an dem ich wirklich und umfassend teilgenommen habe. Die Teilnahme war aufregend, abenteuerlich, ich habe eine Menge Kontakte gemacht, mit denen ich noch hinterher zusammen was gemacht. Aktiv konnte ich werden indem ich die Synchron-Sessions kommentierend verfolgt, und zu den Themen in andern Blogs kommentiert oder sogar selbst was dazu geschrieben habe. Aber nicht in allen Wochen. Ich mache mal kurz eine Abfrage, wie viele Blog-Posts hier mit #opco11 getaggt sind. Moment. Auf jeden Fall über 10. Beiträge. Ist das jetzt gut oder schlecht? Muss man sich den Inhalt der Beiträge zu Gemüte führen, um das zu beurteilen? Oder ab wann war ich erfolgreich dabei? Ab wann habe ich erfolgreich „abgeschlossen“?

Beispiel 3 – der #opco12

Da hab ich nicht mehr mitgemacht. Beim #opco11 hat mich interessiert, was für ein Format dieses #mooc Zeugls da ist. Beim #opco12 hätte mich das Thema reizen müssen. Hat es aber nicht. Es ging um den aktuellen Horizon Report. Aber den finde ich ja… aber das gehört nicht hierher. Ein andermal. Ein anderer Post.

Also. Und da gab es Badges. Aber da das mit dem Badges zuteilen gar nicht so leicht ging, ging es so aus, dass man das Badge – so man meinte Voraussetzungen erfüllt zu haben – sich anfordern musste/nehmen durfte. Wenn man meinte, man verdiene es… MOOC erfolgreich absolviert?

Beispiel 4 – Gundlagen des Marketings (iversity)

Apropos Thema nochmals. Grundlagen des Marketings habe ich mittlerweile schon 2 x in verschiedenen Settings über mich ergehen lassen (müssen). Also das Thema interessiert mich nicht (mehr). Insbesondere nicht, da ich es nicht in meine Lebenswelt übertragen konnte. Aber das ist ja eine andere Geschichte.

Allerdings wollte ich mal schauen, wie der MOOC aufgezogen ist. Also habe ich mich eingeschrieben, und hier auch drüber berichtet. Und mich nicht mehr ausgetragen. Aber das geholt, was ich wollte. Ich zähle jetzt wohl offiziell als Abbrecherin. Aber bin ich eine? Und das ist ohne Polemik, sondern frank und frei heraus gefragt.

Beispiel 5 – Oder doch nur erfolgreich, wenn am Schluss Zertifikat in der Hand, wie auch immer errungen?

Also doch nur erfolgreiche Teilnahme, wenn ich ein Zertifikat dabei abgreife?

Frage 2: Welchen Wert haben die Zertifikate? Bekommt man dafür European Credits (ECTS)?

Ein Zertifikat ist je etwas, was man hinterher in der Hand hat, sich an die Wand hängen kann, einer Bewerbung beilegen, oder in einen Ordner abheften. Es ist eine Art Nachweis. Welche Nachweise für die Teilnahme bzw. das sich Einbringen in MOOCs gibt es überhaupt? Hier einige Beispiele.

Beispiel 1 – Ich behaupte es einfach. #mmc13

Das mache ich ja als Veranstalterin genau so. Und wenn einer einen Nachweis will, verlinke ich halt auf die Veranstalterseite. Falls einer als Teilnehmerin einen Nachweis wollte, verlinkte ich z.B. auf einen meiner Blog-Beiträge dazu. Oder aber ich erzähle einfach davon. Das geht aber auch nur, wenn das Gegenüber interessiert ist, es wissen will… und zuhören kann.

Beispiel 2 – Teilnahmebescheinigungen und/oder Badges

Das war mir ja gestern ganz schön viel Arbeit, das nachzurecherchieren, da kam mir (die brilliante 🙂 ) Idee, ich könne ja mal meine Twitter-Follower fragen. Und die Ausbeute war in der Tat gigantisch. Aber seht selbst.

Hier vorläufig erst mal auf die schnelle Resultat verlinkt, werde aber noch die entsprechenden Tweets noch embedden bzw. Screenshots hier nachträglich einfügen. Versprochen.

Beispiel 4 – ECTS-Punkte

Die gibt es – je nach Angebot – auch. [Beispiele suche ich noch raus.]

Beispiel 5 – ?

Hat jemand weitere Beispiele? Dann ab ins Kommentarfeld damit!

Frage 3: Gibt es Qualitätsüberprüfungen bzw. Qualitätsrankings, um sich als Lernender vor einem mooc ein Bild zu machen?

Gegenfrage. Wie ist das z.B. Universitätsseminaren? Man hat sich – zumindest war das bei mir früher so (mein letzter Beurteilungsstand aus Studi-Sicht 10 Jahre her.;) ) ein Bild gemacht, indem man Geschichten und Kommentare von Kommilitonen aufgeschnappt, heutzutage geht das wahrscheinlich auch virtuell über meinProf.de oder so, … oder sich einfach mal in die erste und zweite Veranstaltung reingesetzt (weswegen immer am ANFANG des Semesters die Räume zu klein waren).

Genau so mache ich das mit MOOCs. Ich lasse mich von meinem Netzwerk inspirieren, lese Blog-Beiträge dazu (schreibe auch meine Eindrücke in die Lernspielwiese ein) … und schaue in (fast) jeden MOOC, der mir unterkommt, mal rein.

Meine Qualitätsansprüche:

  • Interessiert mich das Thema? (Format duch auch, zumindest rudimentär, da ja alle MOOCs doch irgendwie unterschiedlich)
  • Verstehe ich Inhalt (fast), denn ich will ja noch was lernen
  • Wenn ich inhaltliche Interaktion initiiere, kommt dann ein Diskurs zustande? (Will meinen, was ist mit den Menschen, die da auch noch lernen)

Eure perönlichen Qualitätsansprüche, so ihr sie nennen müsstet?

Frage 4: Wie werden die moocs finanziert?

(Durch die bezahlten Zertifikate kann das ja nicht funktionieren, wenn nur ein kleiner Prozentsatz abschließt, oder?
Gibt es Sponsoren/Investoren?
Durch Werbung?)

Beispiel 1 – #mmc13

Wir haben für den MOOC nur die Website gebraucht. Und unsere Arbeitszeit. Und die ging auf unsere eigene Kappe. Das war’s.

Beispiel 2 – Verbuchung unter Marketing

Die amerikanischen Elite-Unis verbuchen das erst einmal unter Marketing. Da bin ich mir sicher.

Beispiel 3 – Auslobung

Bei #iversity hat der Stifterverband 10.000 EUR pro den 10 MOOCs ausgelobt, die gewinnen (wie auch immer gewinnen ging). Und die 10.000 EUR hat einen Haufen von Uni- und FH-Lehrenden dazu gebracht, ihren Vorschlag dort einzureichen.

Beispiel 4 – Mitlaufen neben normalem Tagesgeschäft

Z.B. Cogneon. Der #mgmgt20 ist gerade zu Ende gegangen. Ein Nachruf hier. Und der wurde mal neben dem normalen Tagesgeschäft abgewickelt, z.T. in dieses integriert.

Beispiel 5 – weitere Geschäftsmodelle

Ja. Einfach mal hier reinsurfen, in die Woche 4 des #mmc13. 🙂 (Impulsbeiträge).

Beispiel 6 – Weitere Informationen/Ideen? Her damit!

Klassische Unis, weg damit?

Frage 5: Haben moocs Potential klassische Unis zu verdrängen?

(Z. B. die sowie so bereits blended learning module anbieten? Oder wandeln die Unis zukünftig ihre Seminare um zu moocs, um diesem Hype aufzuspringen? (Ich persönlich glaube, dass die klassischen Unis nicht verdrängt werden können, da in Österreich immer noch Zeugnisse, Credits und Titeln zählen. Um einen Karrieresprung zu schaffen, muss man einen ordentlichen Studiengang absolvieren …  ))

Meiner (ganz persönlichen und subjektiven) Meinung nach: Nein. Wenn Unis ihre Bedeutung verlieren werden, dann nicht wegen dem Aufkommen von MOOCs. Eher, weil sie sich selbst totverwalten. 😉

Frage 6: Wer beurteilt Lernerfolge in einem MOOC mit über 2000 TeilnehmerInnen? Sind das Prof. der Universitäten oder reicht hier eine reine Peer-Review?

(Ich studiere (berufsbeigleitend) seit Mai 2012 an der Donau-Universität Krems (eEducation M.A.). Das Ganze ist ein blended Learning System, an dem Studenten und Studentinnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz teilnehmen. In der letzten Woche habe ich mir ein paar moocs im Internet angesehen und ich musste feststellen, dass mein derzeitigs Studium ähnlich aufgebaut ist, wie die angebotenen moocs im Internet, nur das ich dafür über 7000€ bezahlen muss…. hmmm.

Studienabbrecher gibt es so gut wie keine (ein paar burn-out Fälle sind bekannt, was mich nicht wundert …. ), da vorab die Studiengebühren zu zahlen sind. Also ein bloßes hineinschnuppern in den Studiengang ist nicht möglich. Anders bei den moocs,
da schauen viele Interessierte hinein, machen auch ein paar Aufgaben, … und wenn man nicht mit vollem ernst dahinter ist, verpasst man den Anschluss, Motivation ist weg,…. nicht so schlimm, da man kein Geld investiert hat.)
Zunächst einmal generell, wer könne überhaupt einen Lernerfolg beurteilen? Wie bewerte ICH, die Leserin diese Möglichkeiten?
  • Zunächst einmal ich selbst. Kann ich selbst das beurteilen? In cMOOCs ist es immer so, dass man ganz zu Beginn bloggen soll, was man denn so will, mit dem MOOC. Das passt man dann im Laufe des MOOCs an, das Wollen. Nach unten oder nach oben. Beides möglich. Aber man hat zumindest dann mal eine Latte sich selbst gelegt. Und kann Begehr und das was dabei rauskam gegeneinander abgleichen, denn beides (im Idealfalle) dokumentiert.
  • Der/die Lehrende. Wie in der Schule. Und dann in der Uni. Frage: Wie „gerecht(fertigt)“ empfanden Sie die Notengebungen von den unterschiedlichen Lehrenden bis hierher? Von meiner subjektiven Warte aus kann ich konstatieren, dass nicht nur an den verschiedenen Universitäten, wo ich eingeschrieben war, sondern auch innerhalb dieser sehr verschiedene Maßstäbe angelegt waren, was zu einer Bestnote führt.
  • Ein vom Lerngeschehen an sich unabhängiger Dritter. Dies z.B. ein potentieller Arbeitgeber. Ich habe meinen Magister-Abschluss z.B. letztendlich von der FernUni Hagen erhalten. Je nach dem, an welchen Personaler ist gerade kommt, kann das ein dicker Pluspunkt sein (Disziplin, Durchbeißen, neben der Arbeit etc.) oder auch ein Minuspunkt (z.B. unterstellte fehlende mündliche Diskursfähigkeit).
  • Ein automatisierter Feedback-Geber. Ein Multiple-Choice-Text o.ä., allerdings muss der richtig gut gemacht sein, um überhaupt aussagekräftig zu sein.

Soweit für heut.

Just habe ich gesehen, es sind noch ein paar Fragen mehr dazu gekommen, die hebe ich mir aber für einen Teil II auf. 🙂

 

Herzlich

m

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