An einem MOOC teilnehmen, der Idealfall.

IdealsParticipatingAuf den Originaltext hier zugreifen. Mangels eines mich derzeit interessierenden MOOCs, mache ich mir ein paar Gedanken zum MOOCen generell, lese neuere und ältere Veröffentlichungen nach. Ist eine Veröffentlichung einige Jahre alt, wie jene, die ich euch hier vorstellen mag, befällt mich ein nagender Zweifel. Hat sich die MOOC-Welt nicht allzu schnell – zu schnell – entwickelt, als dass Erkenntnisse aus 2010 noch ihre Gültigkeit behalten haben könnten? Nun ja, ohne diese zu überprüfen, wird es immer ein vages Gefühl bleiben.

Um welche Veröffentlichung geht’s eigentlich?

Die Veröffentlichung, die zwischen den Jahren meine Aufmerksamkeit gefesselt hat, ist jene, die sich tatsächlich mit der Teilnahme am ersten MOOC, dem CCK08 beschäftigt. Und zwar mit den Idealen einer Teilnahme, aber auch den Realitäten.

Quelle

Mackness, J.; Mak, S.; Williams, R. (2010): The ideals and reality of participating in a MOOC; in: Proceedings of the 7th International conference on Networked Learning 2010. University of Lancaster, Lancaster, 266-275. URL: http://www.lancaster.ac.uk/fss/organisations/netlc/past/nlc2010/abstracts/PDFs/Mackness.pdf.

Kontext

Die drei Autorinnen waren dabei. Also drei der über 2.200 eingeschriebenen Mitmacherinnen, von den 24 Studierende waren, die Credits wollten,… und von denen letztendlich 150 aktiv in der Diskussion involviert geblieben sind. (vgl. 266) Bei der Untersuchung ging es nun darum die Schlüsselaspekte eines MOOCs konnektivistischer Art mit den Realitäten abzugleichen.

Schlüsselaspekte eines MOOCs konnektivischer Art

Diese Schlüsselaspekte sind (bezogen auf Downes 2007, 2008 und 2009) fünferlei, und zwar

  1. “autonomy” … was soviel bedeutet, dass Teilgeberinnen selbstbestimmt sind in Aspekten wie… wo sie lernen, wann, wie, was und mit wem. (vgl. 267)
  2. “diversity” …
  3. “openness” … was soviel bedeutet wie dass alles was zum Kurs gehört öffentlich und frei im Web verfügbar, aber auch die implizite Erwartung, eigene Beiträge in dieser Form zu Verfügung zu stellen. (vgl. 268)
  4. “connectedness” …
  5. “interactivity” …

Methodisches Vorgehen, das zu tun

Es war ein rechter Methodenmix, um zu den Daten zu kommen. Dieser Bestand aus einer Online-Umfrage, dem Suchen im MOODLE-Forum und den Blogs, und dann dem Anmailen von insgesamt über 300 aktiven Teilnehmerinnen, von denen 90 antworteten. (vgl. 269) Und was ist aus diesen eMail-Interviews rausgekommen?

Erkenntnis

Das was an Erkenntnis im Artikel ausgeführt und mit Original-Zitaten belegt, wird vorne im Abstract auf den Punkt gebracht.

“The research found that autonomy, diversity, openness and connectedness/interactivity are indeed characteristics of a MOOC, but that they present paradoxes which are difficult to resolve in an online course. The more autonomous, diverse and open the course, and the more connected the learners the more the potential for their learning to be limited by the lack of structure, support and moderation normally associated with an online course, and the more they seek to engage in traditional groups as opposed to an open netword. These responses constrain the possibility of having the positive experiences of autonomy, diversity, openness and connectedness/interactivity normally expected of an online network.” (266)

Es lohnt sich im Übrigen – für Interessierte – sich die ausführliche Darstellung dieser Kürzestform zu Gemüte zu führen.

Persönliche Schlussfolgerung?

Ein zuviel an Freiheit, Verschiedenheit, Offenheit ist nur für solche Menschen befreiend und vorteilhaft, die sich selbst schon Strukturen zu lernen angeeignet haben. Für (viele) andere tut Einschränkung (und Anleitung?) (aber in welcher Form?) gut, fraglich ist wie gesagt nur noch, wie man dies am besten tut.

Weitere Quellen

Downes, S. (2007): What connectivism is. URL: http://halfanhour.blogspot.de/2007/02/what-connectivism-is.html
Downes, S. (2008): Connectivism. A Theory of Personal Learning. URL: http://de.slideshare.net/Downes/connectivism-a-theory-of-personal-learning
Downes (2009): Connectivism Dynamics in Communities. URL: http://halfanhour.blogspot.de/2009/02/connectivist-dynamics-in-communities.html

Einen guten Rutsch ins nächste MOOC-Jahr wünscht schon einmal

Eure mons7

5 Antworten auf „An einem MOOC teilnehmen, der Idealfall.“

  1. Der Artikel (von 2010…wie relevant kann er sein?) gibt selbst im letzten Absatz zu, dass er eigentlich die gestellten Fragen (jedenfalls im Sinne der Verallgemeinerberkeit) (noch) nicht beantworten konnte. Ich finde die Resultate unabhängig vom Umfang der Stichprobe etwas dünn & frage mich, ob es nicht außer dem Konnektivismus andere Erklärungsmodelle, oder überhaupt Modelle gibt, mit denen man ansetzen kann, um die Performance von MOOCs zu erklären bzw. zu verbessern. Sich von vornherein auf “Autonomie”, “Offenheit” und “Diversität” usw. festzulegen, scheint mir intuitiv und methodisch schwach — u.a. weil diese Kategorien nicht erlauben, die Leistung der herkömmlichen Didaktik gegen die eines MOOC zu messen: zwar haben wir eine Ahnung, wie autonom, offen und divers unsere Studienumgebungen sind (nämlich nicht sehr, allgemein gesprochen), aber diese Kriterien findet man in keinem Modul, keinem Curriculum usw. Vorlesungen oder Übungsveranstaltungen oder Seminar werden nicht qualitativ nach diesen Dimensionen eingeschätzt. D.h. praktisch wenig relevant (aus diesem Grund) und methodisch/konzeptuell ziemlich dünn: Bsp. Zitat: “[Openess] helps to ensure the free flow of information through the network, and encourages a culture of sharing and a focus on knowledge creation” — das ist sehr oberflächlich und könnte so auch in der Broschüre eines Beratungsunternehmens stehen, das Wissensmanagement-Unterstützung anbietet….

  2. Lieber Marcus,
    da ist was dran.
    Und würde bedeuten, man müsste erst einmal Kriterien ausfindig machen, vorschlagen, und auch noch solche, die sich sowohl an xMOOCs, an cMOOCs UND an “Anderes” (fairerweise) anlegen ließen?

    Na! Das wird ja weiterhin spannend, in 2014, unter diesen Vorzeichen. 🙂

    Herzlich
    m

    1. Ja, so sehe ich es auch. Was sind Kriterien, mit denen sich verschiedene MOOC-Ansätze überhaupt vergleichen lassen?, wäre eine mögliche, sogar interessante Forschungsfrage. Um diese Frage zu operationalisieren, d.h. griffig zu machen, so dass man sie im Rahmen eines Feldexperiments testen kann, ist natürlich noch Arbeit nötig. Z.B. muss man über die Aktualität des Themas hinaus nachweisen, dass es sich i. S. der Didaktik um eine Neuheit handelt. Das scheint zwar auf der Hand zu liegen, wird aber auch von (den meisten) wie auch einigen Befürwortern bezweifelt: “Das machen wir doch schon lange!” usw. Und was genau daran neu ist…auf diese Untermenge von Eigenschaften bezieht man dann die Kriteriendefinition bzw. -Suche. Außerdem, obwohl das selten von Autoren klar gesagt wird, hat natürlich auch eine solche Arbeit eine Zielgruppe…andere MOOC Forscher? Gegenwärtige od. zukünftige Anwender? Politikverantwortliche? Studierende? usw…d.h. es ist noch ziemlich offen, aber jedenfalls spannend, wenigstens noch für einige Jahre. Ich persönlich werde einige Fragen in diesem Bereich im R. meines Forschungssemesters bearbeiten, in dem ich ein MOOC-ähnliches Modul bauen möchte. Mich interessiert allerdings weniger MOOCs als stand-alone Unternehmen, sondern als Ergänzung zum regulären, Präsenz-basierten Lernen und Lehren.

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