Und immer und jedes Mal wieder: Der Bezug auf den The NY Times-Artikel

Ja. Ich gebe es zu. Es nervt. (Fast) jeder Vortrag, den ich zu MOOCs höre, fast jede Präsentation, die ich zu MOOCs durchklicke, alles und jedes beginnt mit einem Verweis auf einen Artikel in der The New York Times.

Welcher Artikel?

Es muss wohl der vom 2. November 2012 gewesen sein, mit der Überschrift „The Year of the MOOC“, verfasst von einer Laura Pappano. Hier ist im Übrigen der gesamte Artikel in pdf-Form einzusehen.

Warum nur ein Zeitungsartikel?

Ich versteh’s nicht. Nicht wirklich.

Vielleicht, weil einfach keine geeigneten fundierten wissenschaftlichen Artikel zur Verfügung stehen? Bzw. die zu wenig populär-wissenschaftlich verfasst?

Es mag sein, weil – obwohl Zeitungen aller Orten im Internet ein langsamer bis schnellerer Tod prophezeit – immer noch eine recht hohe Auflage beschert. Ich habe ein bisschen herumrecherchiert… und denke, die Auflage könnte so bei 1,5 Mio. liegen. Wobei bei solchen Zahlen nichts darüber gesagt, wer auch nur die Überschrift, geschweige denn den Artikel nicht nur überfliegt sondern sich tiefer lesend darauf einlässt. Ich denke nur an die Zeiten, als ich noch Zeitung las. Am intensivsten – warum auch immer – beschäftigte ich mich als Kind mit den Todesanzeigen. Später kamen noch die Stellenanzeigen hinzu.

Es muss wohl also die Tatsache sein, die den Verweis so populär sein lässt, dass was über MOOCs in einer altehrwürdigen Zeitung steht (was die Sache an sich wichtig macht). Nehmen wir aber einmal an, an dem Artikel ist mehr interessant, als nur die Auflage und die Überschrift. Was könnte das sein?

Und was steht jetzt drin, in diesem Artikel?

Zunächst werden da die  x-Initiativen der MOOC-Fraktion angezählt. Die da wären edX und Coursera. Weiter unten wird Udacity hineingeworfen. [Nein, verlinke ich nicht, könnt ihr euch aus dem Artikel selber rausklicken.] Kein Wort von Downes und Co. oder vielleicht ganz versteckt in dem Nebensatz „MOOCs have been around for a few years as collaborative techie learning events“. (S. 1) Collaborative techie events. So.

Alsdann kommt die Erklärung, was denn so ein MOOC sei. Und das ist laut dem Artikel Folgendes. Ein Online-Kurs, bei dem der Professor wegen Teilnehmermasse sich nicht um alle kümmern kann, weswegen die Mitstudierenden einander bewerten. Es sollen damit Bildung, Spass und Netzwerken zu eins werden, wobei eine zentrale Rolle die Video-Vorlesung einnehme. Nach diesen Häppchen gebe es in der Regel ein Quiz, das automatisiert korrigiert werde, Betrügereien dabei seien an der Tagesordnung. Reaktionen darauf: beaufsichtigte Prüfungen. Nur ein Bruchteil der Teilnehmer löse auch nur eine erste Aufgabe, wenige bekämen einen Schein, ausgestellt natürlich nicht von einer Elite-Uni, sondern dem jeweiligen Prof., der den Kurs anbiete. (vgl. S. 2)

Hoffnungen auf die heilbringende Wirkung von Bildung für die letzten Ecken der Welt haben sich bisher nicht erfüllt, die Teilnehmer seien doch hauptsächlich Einheimische mit Abschluss. Obwohl abgeschlossen habende Teilnehmer vom Kursniveau angetan waren, fehle es an der Interaktion zwischen Dozent und Teilnehmer – qua Masse. (vgl. S. 3)

Auf die Rolle von Offline-Gruppenbildung wird in wenigen Sätzen eingegangen, ebenso darauf, dass jemand der gut in seiner Fachdisziplin ist nicht unbedingt gut in (MOOC-)Lehre sein muss. (Vgl. S. 4) Auf Seite 5 musste ich mal richtig lachen, weil da ein „vice president for content development“ zitiert wird. 🙂 🙂 🙂 Auf S. 6 geht die Journalistin auf die Problematik von Peer grading (beinahe hatte ich unabsichtlich poor grading getippt 😉 ) ein. Ebenso auf jenes hochschultypische Problem, wie man denn jetzt mit dem MOOCen die Credits zusammenbringe.

Alles schön und gut angerissen. Aber alles eben nur x. Und natürlich – weil Journalistenwerk – ohne Hinweise auf weiterführende und tiefergehende Quellen.

Mein persönlicher Entschluss

Nein, ich nehme mir hiermit für 2014 vor, diesen Artikel NICHT zu zitieren. Und zwar deshalb, weil er – so man ihn mal durchliest – eine Perspektive auf „das Ding MOOC“ wirft, die so gar nicht meine ist.

Falls ich mich jedoch doch mal hinreißen lassen sollte, den Times-Artikel doch noch zu zitieren… na dann kann ich zu den inhaltlichen Details wenigstens flugs hier im Blog nachschlagen.

Auf weitere aufschlussreiche Beiträge und Kommentare hier im Blog im Jahre 2014,

Eure mons7

7 Antworten auf „Und immer und jedes Mal wieder: Der Bezug auf den The NY Times-Artikel“

  1. Die wahren Mooc´s sind CMooc´s und wer den #mmc13 verfolgt hat, der weiß auch warum. Es sind so viele gute Artikel über cMoocs während des #mmc13 entstanden, das man ruhig auch hieraus zitieren könnte liebe @mons7. Übrigens für mich war 2013 das „year of the mooc“ allein schon wegen #mmc13, insofern danke ich dem Zeitungsartikel gerne für die Überschrift.

    1. 🙂 Lieber Marc, … Du erfreust echt schon wieder mal mein Herz! 🙂 … hast Du irgendwo eine Sammlujng von Artikeln, die DIR persönlich was bedeuten?
      Einen guten Rutsch……. m

  2. Lese mich gerade erst in Deinem Blog ein — Ende Januar macht ein iVersity-Entwickler bei uns an der HWR einen Workshop mit 2. Sem. Studenten von mir (Wirtschaftsinformatikern) zum Thema MOOC … mal sehen, was die „Basis“ so denkt! Da werden wir dann Anfang Februar garantiert auch zu bloggen! — Der NYT Artikel war Anfang 2012 interessant, mittlerweile aber doch ziemlich out of date. Und mit Formulierungen wie „The focus is on making education logical“ kann man nur die allerdünnsten Bretter bohren…in diesem Fall ist der Ton „auf alles gibt es eine Software-Antwort“. Das stimmt sicherlich, erinnert aber an das Gleichnis vom Hammer und dem Nagel („if all you have is a hammer, everything looks like a nail“).

  3. Du solltest den Artikel Ernst nehmen. Verabschiede Dich von deinen Mooc-Wunschvorstellungen. Ich mache einen Mooc, der mehr ist als ein Mooc über Moos. Grüße und die besten Wünsche zum neuen Jahr.

  4. Dich nervt der Artikel, der wie so oft MOOCs auf xMOOCs reduziert? Ist kein Einzelfall.
    Oder dich nervt, dass er so oft in Einleitungen benutzt wird? Vielleicht einfallslos, okay. Wenn die NYT so groß über etwas berichtet, zeigt das aber wenigstens die Bedeutung des Themas außerhalb der Elfenbeintürme.
    Oder nervt dich, dass der Artikel so oft in Einleitungen zitiert wird, gerade weil er MOOCs auf xMOOCs reduziert? Dann muss das doch trotzdem nichts über den Rest der zitierenden Beiträge aussagen.

    1. Ha! Gut nachgehakt!!! 🙂
      Ja, was ist es denn eigentlich? Was mich da so nervt?
      Wahrscheinlich ist es so ein ganzes Bündel. Ich versuche, mich zu formulieren.
      Ich habe meine Abschlussarbeit seinerzeit über spezifische Kommunikation von Menschen mit Autismus geschrieben. Da MUSSTE ich bereits in der Einleitung einen Artikel von Kanner und einen von Asperger zitieren. Sozusagen als erster Marker für den Bewertenden, ah, sie weiss, wer absolut rein muss. Es gehört irgendwie zum „wissenschaftlichen Spiel“. Zumindest auf der Ebene. Der NYT Artikel hat sich zu so was ähnlichesm Entwickelt, ABER
      1. Ich halte Zeitungsartikel nicht wirklich für zitierfähig.
      2. Es ist, wenn man über cMOOCs schreibt nicht wirklich was Verwertbares drin. (Was ich aber erst gemerkt habe, als ich ihn gelesen hatte.)
      3. Genau, die Reduzierung der Ursprünge auf einen Halbsatz.
      4. Es hat so den Anschein, als müsste man sich rechtfertigen, dass man sich mit was Relevantem befasse.
      Wenn ich in mich gehe, (er-)finde ich bestimmt noch vier weitere Gründe für mein Unbehagen. 🙂 🙂

      Tja, aber übers Nachfragen und Nachhaken kommt man anscheinend echt ans Eingemachte.

      Ein schönes Wochenende wünscht Dir
      m

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