Die Kunst des Re-Tweetens

Gestern habe ich es getan. Und vorgestern sogar mehrmals. Nun ja, es passiert manchmal halt einfach so. Man ist unterwegs, liest einen einfach guten Tweet … der Finger zuckt, getan. Spontan.  Auf diese kleinen unauffälligen Pfeilchen „getoucht“… und schwupps (oder #fupp heisst es zurzeit?) … „Der Tweet wurde an Deine xy Follower re-tweetet“ [aus dem Gedächtnis zitiert; überprüfen!]… so oder so ähnlich textet Twitter einem als automatisierte Antwort entgegen. Entspannt lehnt man sich zurück, schaut sich den Tweet gleichsam als Wiederholung in der eigenen Timeline an. So einfach, … eine kleine Berührung. Das war nicht immer so.

Die Technik des Re-Tweetens – früher und heute
Das Re-Tweeten ist keine – wie man gern glauben möchte – Erfindung von Twitter. Sondern vielmehr eine sich entwickelt habende Praxis seiner Nutzer. Wenn man einen Tweet – in Gänze oder zum Teil – wiederholen wollte/will, so
1) kopiert man den fraglichen Text
2) Antwortet auf das Original, so dass ein @-Username erscheint
3) setzt ein RT (für Re-Tweet) davor
4) fügt den fraglichen Text wieder ein [hier könnte jetzt Schluss sein]
5) und gibt evtl. noch seinen eigenen „Senf“ dazu.

Mit Twitter verhält es sich also offensichtlich wie mit allem in unserem Leben: Es wird komfortabler, aber dadurch auch komplexer. (Will meinen, so einfach es ist, auf den Re-Tweet Button zu drücken, der die oben genannten 4-5 Schritte (sozialer Prozess, der angeeignet werden musste) ersetzt, so überfüllter und unübersichtlicher mit noch und noch einer Funktion erscheint die Plattform nach und nach für die Neueinsteigerin.)

Re-Tweeten, was ist das überhaupt
Spätestens jetzt wissen wir zwar, wie es geht, dieses Re-Tweeten, aber was machen wir da überhaupt? Welchen Sinn soll das haben, wenn man ein RT davorsetzt oder auf die dunkelroten Pfeilchen drückt?
Im Grunde betreibt man das gute alte Zitieren. Auf die Pfeilchen zu drücken bzw. das Original unverändert zu lassen vergleichbar mit dem wörtlichen Zitieren, mit Senf garniert eher dem „vgl.“/Paraphrasieren/in den eigenen Kontext stellen angelehnt. „The Art of Re-Tweeting“ ist also eine Kunst des angemessenen Zitierens.

Der unterschätzte Re-Tweet
Retweets werden, wenn z.B. Tweets zu einer Veranstaltung oder zu einem bestimmten #Hashtag ausgewertet werden, aus den Datensätzen für wissenschaftliche Untersuchungen zumeist rausgenommen. [Hier noch Beispiele einfügen.] Das finde ich nicht richtig. Obwohl es die Auswertung der Daten natürlich um einiges einfacher macht. Nicht richtig finde ich es, da – wie oben dargestellt – Re-Tweet nicht gleich Re-Tweet ist,… und das Re-Tweeten aus Gründen geschieht, oft auch mit Folgen.

Re-Tweeten – von Gründen und Folgen
Warum re-tweete ich? Frage ich mich gerade im Zug nach Berlin sitzend und an meiner kalt gewordenen Tasse Kaffee nippend. Ich denke etweder, weil ich einen Text in 140 Zeichen (aus welchen Gründen auch immer) bemerkenswert finde. So bemerkenswert, dass ich seine Reichweite zu erhöhen helfen möchte. Oder aber, weil ein Text sich mit einer Thematik befasst, die (wieder aus welchen Gründen auch immer) für mich relevant ist. Und ich mich dazu positionieren möchte.
Als Folge folgen mir gelegentlich die Verfasser, manchmal entwickelt sich auch ein weiter- und tiefergehender Austausch daraus. Zum Beispiel weiter und tiefer im Blog.

Wo ich euch jetzt auch gleich via Twitter hinlocken möchte, damit ihr folgende Frage beantwortet…

Warum re-tweetest DU?

P.S.: Und den Auf-Blog-anlock-Tweet auch schön re-tweeten, ja?

7 Antworten auf „Die Kunst des Re-Tweetens“

  1. Du machst ja tolle Sachen in Zügen nach Berlin. Sehr vernünftige Ansichten zum Retweeten. Ich sehe diese Entwicklung auch, dass es immer einfacher wird, was zurück zu zwitschern. Mir hat der alte Weg aber fast besser gefallen, da blieben das Retweeten und der Inhalt bessser hängen. Mobil frage ich mich oft: Habe ich jetzt schon oder soll ich noch. Um das zu beantworten, habe ich mir eine Extra-Such-Spalte für meine eigenen Verlautbarungen eingerichtet. Vor einem Jahr hat jd bei Twitter rumgemosert, es gäbe zu viele RTs. Das hat mich wiederum fuchtig gemacht, denn jeder hat doch schließlich seine eigene Gefolgschaft, die er glücklich machen möchte. Natürlich gibt es dann Dubletten und Schnittmengen, vor allem durch Listen. Auch überlegenswert: Wenn ich bei tweetdeck einen Tweet beim RT nicht editiere, taucht er nicht in Listen auf (stimmt doch, oder?). Durch die Länge bin ich aber oft gezwungen automatisiert zu RT. Nur so als Gänsefüßchenzitat empfinde ich einen RT nicht, und ganz ehrlich, am liebsten möchte ich natürlich immer was dazu ergänzen, was meistens gar nicht geht. Ich freue mich aus der Ferne schon sehr auf Eure Veranstaltung. Die wird doch hoffentlich gestreamt 🙂

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