Von Unternehmenspostings. Aus User-Sicht

Gelegentlich kommt es vor – manchmal aus beruflichen Gründen, manchmal aufgrund meiner Netzaktivitäten – dass ich mit SoMe-Verantwortlichen aus Unternehmen zusammenkomme. Die sind gar unterschiedlich von ihrer Art und Herangehensweise. Je nachdem, ob es sie aus der klassischen PR in den SoMe-Bereich verschlagen, ob sie User sind, die auf einmal zu SoMe-Verantwortlichen gekürt wurden … oder auch aus einer ganz eigenen Ecke hier gelandet sind. Allen aber möchte ich gerne zu Beginn – gleichsam als Schild, das ich vor mir hertrage und die Grundsätze, für die ich stehe – 10 Thesen entgegenhalten. Um mich dann ganz entspannt zurücklehnen zu können, und mir anzuhören, was deren Sicht so auf die Dinge, die SoMe-Welt und mehr ist.

Um mich sogleich locker zu machen, ohne meine 10 Thesen vor mir hertragen zu müssen, poste ich die jetzt euch. Ich schreibe sie mir sozusagen vom Herzen. Und ihr Herzen sollt diese gerne ergänzen, erweitern, kritisieren, kommentieren. Wie immer im Kommentarfeld.

These 1: Trad. PR vs. SoMe

Viele SoMe-Verantwortliche kommen aus der klassischen PR, was allerlei Vorteile mit sich bringen mag. Aber auch Nachteile. Und zwar derlei, dass sie Grundgesetze der klassischen PR nicht einfach über Bord werfen können. Obwohl sie sehen, fühlen, wissen, dass diese in den SoMe nicht gelten. Oder eher kontraproduktiv sind.

Beipiele

Derlei sind z.B. Publish first and edit after. Für einen PRler in Perfektion und alter Schule unmöglich. Für mich schon. 😉 Mein herzliches Danke an mir gut gesonnene Hinweisgeber, meist im Hintergrund, manchmal als Kommentar. DANKE! IHR SEID TOLL! 🙂
Oder loszulassen. Zu akzeptieren, dass totale Kontrolle darüber, was aus dem und über das Unternehmen kommuniziert ist ohnehin noch nie möglich war. Nur gefühlt. Aber allein das Fühlen es sei so gewesen verunmöglicht es, diesen Frosch zu schlucken.
Von der Unternehmensperspektive weg zur Themen und Menschenperspektive. Das eigene Unternehmen aus dem Mittelpunkt nehmen. So schwer zu akzeptieren wie zu Zeiten, dass die Erde um die Sonne kreist.

These 2: Persönlichkeit und Gesicht zeigen

Ich erwarte von einem Unternehmen, dass es beim Posten in den Social Media Gesicht zeigt. Was Gesicht zeigen heißt? Gesicht zeigen heißt,

  1. ein Foto von sich (der SoMe-Verantwortlichen) als Avatar (z.B. auf der Twitter-Bio) zur Verfügung stellen.
  2. Auch mal per Video präsent sein. Und ja, ich mag es auch nicht. Noch nicht. Aber ich tue und traue es mich dennoch. Traute 1. Traute 2. Und die dritte Traute folgt sobald. 😉
  3. Namenszeichen nach den Tweets mit diesem Dach ^ davor.
  4. Verbindung von Pseudonym und Realnamen.
  5. Mehr Beispiele gefällig?

These 3: Wie auf Augenhöhe?

Die SoMe machen (zumindest auf den 1. Blick) zunächst einmal gleicher. Mein Lieblingsbeispiel – meine Commuhnity möge mir Wiederholung der Anekdote verzeihen – meine Online-Bekanntmachung mit @VolkmarLa.

VolkmarLa habe ich als ganz normalen sympathischen klugen Internetnutzer kennengelernt. Bevor ich gleichsam nebenbei und aus Versehen erfuhr, dass er Präsident einer Hochschule ist. Mit unserem Präsidenten denke ich nicht, dass ein Austausch auf so ungezwungene Art und Weise, so inhaltlich austauschen und tiefsinnig humorig möglich wäre. Vielleicht nicht einmal – das kann ich nicht sagen – aufgrund seiner Persönlichkeit. Allemal jedoch aufgrund seiner Rolle in f2f-Kontakten.

Dementsprechend nehme ich Menschen die für ihre Communities in den SoMe unterwegs sind auch erst einmal als soche wahr. Als Menschen. Deren Abteilungszugehörigkeit und Hierarchiegebundenheit mir als User herzlich schnurz sind.

These 4: Thematische Schneidung

Die Schneidung der Themen ist anders, als gedacht. Wird – um interessant zu sein – neu gedacht/gemacht. Für die FH z.B., an der ich z.Zt. arbeite. Abbildung von Diversivität, aber auch Gemeinsamkeiten. Wann gibt’s die Mensa-Stoßzeiten? Alternative Ankes Schlemmerlädchen. Subkulturen. Fotografiert von Campusgängern. Ob Studis, Angestellte oder Sonstige. Mitarbeiter und was sie tun stellen sich vor. Natürlich mit Video.

Das ist es und tausend Sachen mehr, was mich interessierte.

These 5: Die Bewegung macht’s

Jeden Tag was Neues. Mindestens. Das erwarte ich von einem gut geführte Unternehmens-Account. Ja. Ich weiss. Hohe Ansprüche. Und ich weiss auch, wie schwer das zu stemmen ist. Von mir und meinem Blog. Aber von daher weiss ich auch, was das Minimum an Posts ist, um euch anspruchsvolles Völkchen bei der Stange zu halten. Und das ist m.E. 3 die Woche. Darunter nehmen die Zugriffe mit der Zeit immer mehr ab, bis sich sich auf jene beschränken, die via Google hierher gelockt werden. Und mit dem was sie finden werden – so entnehme ich zumindest gelegentlich den Suchworten, mit denen sie hier landeten – wird sie nicht glücklich machen.

These 6: Content-Quellen. Aus dem vollen Schöpfen

Die eigene Webseite. Wenn Sie denn was hergiebt. Viel besser ein eigenes Blog. Oder aber von denen teilen, die die eigenen Fans sind. Dann kann man nämlich aus dem Vollen schöpfen. Und daraus das retweeten, teilen, kommentieren, was man für gut befindet. Und da findet man immer oft und so einiges. Wenn man hinschaut. Und nicht auf das eigene Unternehmen fixiert ist, das den Blick vom Gegenüber im Social Web ablenkt.

These 7: Content-Art. Von der Kunst des Formats

Geteilt und geliebt wird eher Visuelles. Und das erkenne sogar ich, als Text-Type. Bilder, Fotos. Und noch besser Videos. Weil die sich bewegen und dadurch bewegen. Wer Bildsprache versteht und noch besser anzuwenden und zu produzieren vermag, ist der Content-King.

These 8: Trolle und Shitstorms. Trollt euch… oder ein herzliches Willkommen?

Manche Anmerkungen im Social Web fühlen sich zunächst irritierend an. Sind aber evtl. gar nicht so gemeint. Und mitnichten gemein. Vielmehr braucht es ein hart im Nehmen. Ein neutrales Nachaken. Und ein einschätzen können, wie relevant und wichtig und berechtigt ein Kommentar, der vermeintlich als Kritik daherkommt überhaupt ist.

Was frau als Troll ausmacht, ist eventuell nur eine sich anders ausdrückende Befürworterin.

Und Shitstorms? Wovor alle Unternehmen ja gar so große Angst haben? Die sind doch nur die Umkehrung dessen, was sie herauslocken wollen, über ihre Social Media Aktivitäten. Also eher lieben sollten. Umarme Deine Trolle und überlebe Deinen ersten Shitstorm (der wahrscheinlich gar keiner in diesem Sinne ist).

These 9: Vernetzung. Im Netz

Das vergesse ich auch immer wieder. Oder mache es nicht. Aber jetzt, nachdem ich es hier niedergeschrieben, externalisiert, … wird es wohl besser damit werden. Mit dem Vernetzen. Der Anerkennung des Anderen und der Leistung des Anderen. Nicht nur durch Favorisieren, sondern eben Retweeten. Durch Weiterverteilen. Kommentierend loben, wenn man es für gut hält.Ihr wisst, was ich meine. Wertschätzen, wenn einem was Gutes im Netz unterkommt. Dieses Weitergeben. Und eben auch durch Weitergeben wertschätzen … und sich indirekt damit vernetzen.

Exkurs zum Teilen

Auch hier wieder Handarbeit (und damit eine Persönlichkeit) gefragt. Die selbe Quelle/Information würde man auf Twitter ganz anders „anteasern“ als auf Facebook. Wobei „anteasern“ ja auch schon wieder so ein PR-Sprech ist. Und eigentlich an dem, was man da macht, vorbeigeht. Man entscheidet, ob der Inhalt etwas überhaupt für welche Menschen auf welcher Plattform ist. Und wenn ja, bringt man diesen entsprechend den Menschen passend dort dar.
Wenn mir demnächst mal wieder ein ganz tolles (oder wahrscheinlicher ganz schlechtes Beispiel unterkommt, poste ich selbiges mal zur Verdeutlichung im Kommentar). Dann wird mein Punkt schlagartig Lebendigkeit.

Das ganze nochmals in kurz: Ganz à la Connectivism. Vernetzung ohne direkten Zweck aber mit Sinn.

These 10: Immer mal wieder offline auflaufen

Wer unternehmensmäßig twittert muss – so leid es mir tut das hier zu schreiben – auch dann und wann mal offline auflaufen. Und zwar dort, wo sich die Onliner treffen (Webmontag, Twittwoche, Social Web-Breakfasts, die re:publica, BarCamps…) als auch (und vielleicht noch wichtiger) dort, wo sich die Offliner Treffen (Jour Fixe, Netzwerktreffen, Abschiedfeiern). Um die Brücke zu bauen, zwischen on- und offline. Und um Follower zu generieren. Denn die kriegt man vorwiegend offline eingefangen. (Und das sag‘ ich aus Erfahrung.) 🙂

Ihr so?

Fragt eure mons7 (aka Monika E. König)

 

 

Social Media und Web 2.0 – beschreibbar als kulturelles Phänomen?

Bildquelle. Seit meiner Latour-Lektüre mag ich sie nicht mehr so sehr, die großen Worte. Begriffe wie Gesellschaft, soziale Ungleichheit, Gender-Mainstreaming. Und jetzt komme ich mit dem (Wort-)Brocken der Kultur daher? Keine Angst, ich verkneife mir die Recherche nach wissenschaftlichen Definitionen und komme alsgleich zum Detail. Denn:

Kulturelle Unterschiede werden wahrnehmbar an konkreten Details.
Und an einem solchen konkreten Detail durfte ich kürzlich einen kulturellen Unterschied wahrnehmen. Meine mir erteilte Aufgabe war nämlich das Hochladen eines passwortgeschützen Dokumentes in eine passwortgeschütze Umgebung mit dem Hinweis, dass das Passwort über E-Mail beim Ersteller erfragt werden könne.
Nun bin ich ja keine, die Andersartigkeit sofort und per se ablehnt. (Da ich Ablehnung als unnötige Selbstausgrenzung empfinde.) Ich habe also ein bisschen nachgehakt und ein Geflecht an Begründungszusammenhängen aufgezeigt bekommen, das sogar in sich stimmig erschien. Ergo:

Konkrete Details sind immer eingebunden in eine Gesamtvorstellung.
Die Teile, aus denen diese Gesamtvorstellung zusammengesetzt ist, mögen punktuelle Erfahrungen, Glaubenssätze, angelesene Fakten und was auch immer enthalten, wahrscheinlich weder be- noch widerlegbar. Aber zusammenpassbar gemacht. Leider kann ich die erfahrene Gesamtdarstellung nicht wiedergeben, da sie der meinigen so gar nicht entsprach. Deise Gesamtvorstellung muss dann auch noch irgendwie kompatibel mit dem Umfeld gemacht werden… oder aber verschwiegen.
Aber worauf will ich eigentlich hinaus?

Exkurs:
Derzeitige Leidenschaft
Wie ich euch bisher verschwiegen habe, frage und übe ich mich derzeit in der Frage, wie man … ja, diese Web 2.0-Kultur (habe gerade kein besseres Wort dafür) einem Gegenüber vorstellen könne, ohne dass dieser/diese sogleich einen Kulturschock erleide. Über Text? Über vor-/mitleben? Über?

Möglichkeit, Herausforderung zu meistern
Könnte ein erster Einstieg dahingehend bestehen, diese Kultur (ja, ich weiss eben kein anderes Wort) erst einmal (in welcher Form auch immer) zu beschreiben? Vielleicht ethnomethodologisch?

Beschreibung der Gesamtvorstellung als Einstieg in interkulturelle Kommunikation?
Jedoch: Wie könnte eine solche Beschreibung erstellt werden. Wie könnte eine solche Beschreibung im Endeffekt aussehen?

Kulturwandel oder Subkultur?
Und als ob das noch nicht genug wäre: Diese Kultur – die auf jeden Fall Teilen, Veröffentlichen beinhaltet, aber eben von mir noch nicht explizit beschrieben/für mich nicht leicht beschreibbar ist, ist dies eine, die in Form von Arbeit 2.0, Enterprise 2.0 etc. sich verbreiten/um sich greifen könnte, oder handelt es sich lediglich um eine fixe Idee einer Minderheit, die in Aspekten (z.B. kurze Dienstwege werden (wieder) ermöglicht) als attraktiv empfunden wird, aber nicht gerne als Gesamtpaket genommen?

Konkrete Bitte an euch: Könntet ihr kurz formulieren, aus welchem Gesamtzusammenhang ihr Teilen/Veröffentlichung als Wert empfindet?

Mein Dank wird euch verfolgen!

Eure mons7.

#SoMe via E-Mail lernen

Bildquelle. Da hat mich doch – wieder einmal – und das schon vor ein paar Tagen und via #twitter der @khpape auf etwas gar Interessantes aufmerksam gemacht:

Kompakt – Kostenlos – Kalorienarm, den Web 2.0-Führerschein der Cogneon Akademie.

In 6 Lektionen sollen der E-Mail-Abonnentin
1) Soziale Medien
2) Soziale Netzwerke
3) Wikis
4) Weblogs
5) Microblogs und
6) RSS

und das jeweils in 10 Minuten nähergebracht werden. Da horcht doch gleich die Erziehungswissenschaftlerin in mir auf…

… denn mir gefällt die Idee
-> das Themenfeld in Lernhappen zu unterteilen (Stichwort: Microlearning)
-> das Ganze zwar angeliefert zu bekommen („push“), allerdings auf Anforderung der Teilnehmerin („pull“)
-> die Taktung/absehbare Länge der Einführung.

… was mir spontan nicht so zusagt ist
-> dass die „Lektionen“ per E-Mail angeliefert werden (Alternative: Mobile Learning?)
-> dass das Konzept – zunächst – nach Teilnehmerpassivität klingt, also – bisher – nichts darauf hindeutet, dass die Teilnehmerin nach Empfang des 10-Minuten Happens aktiv werden könnte/sollte.

Ich habe mich auf jeden Fall einmal eingeschrieben, würde mich freuen, wenn der eine oder die andere auch am Experiment teilnähme (wie wäre es damit, Jasmin? 😉 ) und werde – wie immer – über Erkenntnisse berichten.

Ein schönes Restwochenende euch allen wünscht

die mons7