#eDidaktik14 Hybrides Lern-Setting? Was – wer – warum?

Hybrides Lern-Setting – was soll das sein?

Das Wort hybrid lässt mich zunächst an ein Auto denken. Also eines, das mit Benzin und auch mit Strom fährt. Na, dann schlage ich doch lieber mal sicherheitshalber noch in der #wikipedia nach. Und da findet sich der Satz “Das Substantiv Hybrid und das Adjektiv hybrid beziehen sich auf etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes. Sie stammen ab von lateinisch hybrida „Mischling“.”Hm. Da war ich also gar nicht mal so falsch gelegen, denn… ich will etwas ausdrücken, was auch gemischt ist. Und in der “normalen” Lernkultur eben noch nicht ganz so normal.

Und was will ich mischen/gemischt sehen?

Ich nehme immer mehr verschiedenste – nun ja – Manifestationen im Web wahr, bei denen lernen in hybrider Form geschieht, und zwar in der Form, dass Institutionen darin eine Rolle spielen, das Mitagieren jedoch nicht daran gebunden, in irgendeiner Form Mitglied dieser zu sein. Z.B. kann ich in einem MOOC lernen (und u.U. auch ein Zertifikat erhalten), auch wenn ich an einer anbietenden Uni nicht eingeschrieben bin. Auch die Nutzung des Hashtags #acwri (was das ist siehe im Interview hier) durch eine wissenschaftliche Texte schreibende Person (aber nicht einmal das ist notwendig) kann von einer solchen geschehen, die gerade in einem Kurs im Schreibzentrum sitzt, einfach im Schreibzentrum weilt, … oder einfach – wie ich – über das Web darauf aufmerksam wurde. Der im Uni-Alltag versierte Leser/die Leserin mögen nun einwenden, dass ja aber Gelder, also die Finanzierung von Einrichtungen der Bildung mehr und mehr an Nutzerzahlen hängen, die belegbar sind. Also z.B. wie viele Studierende haben sich für einen Kurs xy eingeschrieben etc. Ist das dann nicht schlecht, wenn jetzt jeder Hinz und Kunz das (mit-)machen kann, ohne zählbar zu sein?

Was die Institution davon hat

Aber irgendwie muss die Institution ja doch was davon haben, … sonst würde das ja nicht so zustande kommen. Doch was könnte das sein? Ganz subjektiv und selektiv von mir.

Reputation

Teil solcher hybriden Lern-Settings zu sein bzw. solche zu initiieren bringt der Institution, so das ganze einigermaßen gut läuft, zunächst einmal eins. Einen erweiterten Bekanntheitsgrad, der über die üblichen Verdächtigen hinausgeht. Und die üblichen Verdächtigen sind manchmal nämlich einfach zu wenige, um eine kritische Masse zu ergeben, die Bekanntheit bringt. Z.B. Menschen, die Vorträge in einem bestimmten Wissensgebiet wie – sagen wir mal im weitestens Sinne – eLearning halten. Da fallen mir aus dem Stand max. 50 ein. Und das sind dann immer wieder die gleichen. Wenn man einen Zeitabschnitt von ein paar Jahren betrachtet. Mal kommt die eine oder der andere hinzu, jemand scheidet aus, weil sich der berufliche oder private Weg woanders hin entwickelt hat. Das sind auch die gleichen, die das Thema fasziniert, reizt und reißt. Ein breiteres Interesse kam zeitweise lediglich durch den MOOC-hype auf.

Zukünftige Mitglieder und Assoziierte

Ich kann mir vorstellen, dass wenn ich in einem offenen Lehr-Lern-Setting wie z.B. dem MOOC zum wissenschaftlichen Arbeiten den @mdeimann erlebt hätte, dass ich mal recherchiert hätte, in welchen Studiengängen er so lehrt. An welcher Uni. Und auch wenn das erst einmal nicht relevant wäre (alles Konjunktiv) fiele mir das wieder bei bestimmten Gesprächen zum Thema ein. Will sagen, kann es sein, dass man über eine mediale Präsenz, wenn es um ein bestimmtes Themenfeld geht, langfristig dann doch wieder zukünftige Mitglieder und Assoziierte für seine Institution anzieht?

Delegation von Aufgaben, die sie selbst nicht leistet/leisten kann

Das was in der Lehre und den Bildungsinstitutionen wirklich wirklich wirklich Arbeit macht (und das kann ich aus leidvoller Erfahrung sagen), ist das wertvollste, was diese leisten. Nämlich qualifiziertes Feedback geben. Mit qualifiziert meine ich solche Punkte wie nicht nur in einer Zahl sondern inhaltlich. Wie begründet auf der intensiven Sichtung der Exponate des Gegenübers. Wie mit Herz und auf die Lebenslage und Zukunft der Person bezogen. Das macht Arbeit. Das kostet Zeit. Das Web bietet nun, zumindest wenn man gelernt hat, das anzufragen, Möglichkeiten, mehr davon zu bekommen. Ob die dann ankommen und wie relevant die für die Person sind, der sie gegeben werden, sind m.E. unkritische Einwände, weil die Probleme hat man bei Feedback in institutionellen Kontexten genauso.

Lernchancen über beständigen Kontakt mit einem “außen”

Kontakte mit einem wie auch immer gearteten “außen” sind aufreibend. Weil die andere Verhaltens- und Kommunikationsregeln haben. Andere Wertungen, andere Normen. Trotzdem interessieren die sich ja für die gleiche Thematik. Diese aufreibenden Kontakte bieten also immer auch Lernchancen. Aber hier spricht wahrscheinlich wieder nur die Vollblut-Erziehungswissenschaftlerin in mir. 😉

Was der institutionelle TN davon hat

Eigentlich könnte man auch hier wiederum denken – am Beispiel des Studierenden, der an einer Uni eingeschrieben ist, die einen MOOC veranstaltet – schon unfair,… ich zahle meine Semestergebühren, habe bestimmte Verpflichtungen, wie (zumindest ab und an mal) an der Uni physisch aufzuschlagen, also im Ganzen größere Verpflichtungen, weniger Freiheit, als jene, die “einfach so” mitmachen dürfen. Dies bringt (wieder m.E.) aber auch entscheidende Vorteile mit sich.

Größere potentielle Gruppe von thematischen Austauschpartnern

Ihr kennt das, wenn ich in den neunzigern studiert habt, oder? … da saß man in einem Seminar. Vielleicht 40 Leute. 10 davon wollten einfach den Schein mit so wenig Aufwand wie möglich. Weitere 10 sind auf der Strecke gebleiben, weil gerade ein Job dazwischen kam, das Seminar sie doch nicht so ansprach, das sonstige Studentenleben einfach attraktiver war. Dann gab es die, die zwar wollten, aber einfach nicht den Biss oder sonstige Möglichkeit hatten, dran zu bleiben und mitzumachen. Wieder 10 weg. Bleiben nochmals 10. Von denen man mit zwei nicht kommunzieren konnte, weil sie eine andere Sprache sprachen, drei weitere nicht mit einem kommunzierten, aus Gründen, die man nicht eruieren konnte. Blieben 5 von denen einem 4 nicht auffielen. Und dann hatte man einen, mit dem man sich (oder der) austauschen konnte. Exzessiv zum Thema. Feedback erhielt, sich gegenseitig auf Literatur aufmerksam machte. Also wenn man Glück hatte. Manchmal blieb auch keiner. Oder zumindest zu wenige.

Teilnehmer von außen machen die Gruppe derjenigen, die für intensiven Austausch in Frage kommen, größer!

Kontakte in relevante Praxis

Und diejenigen, die sich da hinzugesellen, in solcherlei Lern-Settings, sind oft aus einer relevanten Praxis. Warum sich also nicht daraus zusätzlichen, andersgearteten Input holen? Und nicht nur das.

Beständige Überprüfung der Relevanz der eigenen Bemühungen

Warum nicht gleich einmal abgleichen, wie relevant das gerade Gerlente für eine solche Praxis sein könnte? In diese Einspielen? Sich Feedback aus dieser Richtung holen?

Bereicherung des vorher relativ abgeschlossenen Lern-Raumes

Insgesamt also eine Bereicherung vorher faktisch abgeschlossener Lernräume. Diese Bereicherung kann man wohl nicht letztendlich planen. Nicht kontrollierten. Aber vielleicht kontrolliert zulassen. Immerhin hat man als mit der Institution assizierte Lernerin eine Rest-Wahlfreiheit, wie man die geforderten Ansprüche erfüllen will.

Was der nicht-institutionelle TN davon hat

Jetzt schauen wir mal von der anderen Perspektive aus.

Zugänge zu Wissens-Schätzen, die vorher verschlossen

Und diese Zugänge zu Wissens-Schätze waren vorher – das sollte nicht in Vergessenheit geraten – oft auch den der Institution assoziierten vorenthalten. Oder sind Sie als Lehrende mal in eine Veranstaltung des Kollegen, der Kollegin gegangen? Oder haben studierende der Informatik mal – solange es nicht auf dem Lehrplan stand – in die TFM hereingeschaut? Selbst wenn man gewillt war, es war einfach … unüblich.

Systematisierte Angebote, sich weiterzubilden

Ein anderer Punkt ist die Systematisierung in der Art, wie ein Wissensgebiet oder Thema an einen herangetragen wird. Macht man das ganz alleine, holt sich Information aus dem Netz, ist das meist unsystematisch. Unvollständig. Den Interessen, Neigungen, … und ja, dem geschuldet, was man schon weiß. Eine Aufbereitung, ob man die jetzt gut oder schlecht finden mag, ist zumindest etwas, an dem man sich ohne großere Such-Mühen abarbeiten kann.

Einblick in Stand von Forschung und Niveau von Universitätsbildung

Und das auf meist recht hohem Niveau. Anbieter von Wissen im Web sind sich sehr wohl bewußt, dass dieses nun von Menschen unkontrollierter Herkunft und Vorbildung gesichtet werden kann. Und man gibt sich dann in der Regel eben auch Mühe. Recherchiert nochmals, macht einen weiteren Rechtschreib- und Grammatik-Check, schaut, dass man inhaltlich tief genug argumentiert, wesentliche und wertvolle Verweise einbaut.

Der nicht-insitutionelle Teilenehmer/die Teilnehmerin profitiert von diesen Bemühungen. Und bekommt in der Regel ganz gute Qualität. Oder auch die Erkenntnis, dass an der Uni und Forschungseinrichtungen auch nur mit Wasser gekocht wird. 😉

Sichtbar machen eigener Kompetenzgebiete

Und darauf kann man sich dann beziehen, darauf reagieren, mit seinem eigenen Wissen anreichern. Artefakte schaffen. Und so die eigenen Kompetenzgebiete ebenso einer größeren Öffentlichkeit zugänglich und sichtbar machen. Ungefähr wie oben die aufgeführte Reputation für die Institution. Nur im kleineren.

Also alles so win-win?

Das ist wohl noch nicht abschließend entschieden. Aber ich werde es nach und nach herausfinden.

Eure @mons7

 

 

Nachzeichnung eines Diskurses auf Twitter. Ein Beispiel.

Vorab: Ein Diskurs ist ein Diskurs ist ein…

Im wissenschaftlichen Sinne ist Diskurs zwar etwas anderes, im vorliegenden Sinne soll es jedoch als Austausch, als ein hin- und her- ein immer weiter argumentieren zu einem Thema aufgefasst werden, bis dieses für die am Verargumentieren Beteiligten erschöpft. Teil eines solchen Austausches und Austauschens kann ein einzelner Tweet sein.

Die Rolle eines einzelnen Tweets

Insofern ist es gelegentlich schwierig bis unmöglich, einen einzelnen abgesetzten Tweet zu interpretieren, da dieser aus einem Gesamtzusammenhang gerissen, der für den Rezipienten nicht unbedingt ersichtlich. Ersichtlich ist das Austauschen lediglich für die daran Beteiligten bzw. solche im näheren Umfeld der sich Austauschenden, wenn sie einem Großteile folgen. Denn nur von denjenigen sich Austauschenden, denen man beiden folgt bekommt man z.B. @-replies mit.

Ein Verfolgen von Außen ist – sofern wie so oft nicht spontan ein Hashtag für die Diskussion bestimmt und auch bei allen Tweets von den Beteiligten eingesetzt – so gut wie unmöglich. Auch das Nachvollziehen, wie ich es jetzt an einem konkreten Beispiel versuche, ist – je länger der Zeitpunkt des Geschehnisses zurückliegt – schwierig bis irgendwann nicht mehr möglich.

Deshalb flugs, bevor der konkrete Austausch, um den es gehen soll, tatsächlich ins Twitter-Nirvana abgetaucht.

Exemplarisches Nachzeichnen eines Austauschens auf Twitter… und was man dabei lernen kann

Der Anlass

Anlass war der Klappentext des gerade frisch herausgekommenen Grundlagen-Werkes zu MOOCs (herausgegeben von Schulmeister, Rolf), der hier in Gänze nachlesbar und dessen erster Absatz lautet

“Massive Open Online Courses (MOOCs) bezeichnen Kurse, die online stattfinden und auf Grund fehlender Zugangsbeschränkungen und kostenfreien Zugangs sehr hohe Teilnehmerzahlen erreichen. Der erste MOOC wurde 2011 durch Sebastian Thrun, Professor für Informatik an der Stanford University, zum Thema der Künstlichen Intelligenz angeboten und hatte 160.000 Teilnehmende. In der Folge wurden MOOCs als die revolutionäre Lehr-/Lerninnovation gepriesen, immer mehr Unternehmen gründeten MOOCs-Plattformen. Seit Ende 2012 bieten auch in Deutschland erste Institutionen eigene Plattformen mit MOOCs an.”

Wie be- und geschrieben ist schon jetzt der ganze Austausch für mich nicht mehr im Zusammenhang zu rekonstruieren. Die Highlights und was ich daraus gelernt habe, die konnte ich noch zusammensuchen. Und das waren?

Gerlernt: Es gibt zwei Stränge von MOOCs; Rezipienten blenden anderen Strang i.d.R. aus.

Meine ursprüngliche Kritik am Text via Tweet war jene, dass ich einen Satz als absolut falsch empfand, des oben zitierten Absatzes. Und zwar jenen, dass der erste MOOc 2011 angboten wurde. #falsch. Meine Aussage regte Martin zu einer ganz differenzierten Sichtweise auf das Phänomen an.

 

Aber das war nur das inhaltliche Lernen, auch Nebenbereiche wurden über die weitere Diskussion berührt.

Gelernt: Zur Arbeitsweise von Verlagen

Als ich seinerzeit mein (einziges) Buch veröffentlichte, musste ich meinen Klappentext selber schreiben. Das ist aber wohl gar nicht so üblich. Ganz im Gegenteil, wie ich von der Anja Lorenz lernen durfte.

Von daher gelernt… wenn ich irgendwann mal in die Lage komme, dass mir meine Klappentexte geschrieben werden, lese ich die nach. 🙂

Gelernt: Veröffentlichung des Interesses gibt’s frei im Internet

Ein ganz erfreuliches Ergebnis des Diskurses auf Twitter war – und ich meine mich zu Erinnern, dass ich das auch der Anja zu verdanken habe? – die Info, dass es das ganze Buch als pdf zum Downlowd gibt. Für frei. Dafür mein Dank an den Herausgeber. Aus ganzem Herzen. Wer es lesen und/oder einsehen mag, der klicke hier.

Gelernt: Wir (der #mmc13) wurden verwurstelt

Und wer auch noch inhaltlich darin eintauchen mag, der findet, dass es zwar im Grunde um xMOOCs geht und dreht, aber auch eine cMOOC-Einlage enthält (ab S. 161). Mitgeschrieben vom hochgeschätzten @jowede. Und darin ist sogar – *stolzstolz* – der #mmc13 verwurstelt. Ihr seid in die Basis-Literatur eingegangen, ihr MOOC-Maker. Wenn das keine zeitverzögerte Freude ist. 🙂

Gelernt: Gedanken in den Twitter-Raum zu stellen erweitert

Gedanken auf Twitter zu äußern, mögen sie auch noch so spontan und unfertig sein, haben in diesem Einzelfalle mir also schon dreierlei gebracht. Differenzierte Sichtweise auf die Sache, Information über eine ganz andere … und die Quelle in Gänze und im Original.

Danke an euch auf #twitter. Ich weiss eure Hinweise, Rückmeldung und Antworten zu schätzen. #echt.

Eure m

 

 

 

 

#lernen2020

Da kann eine wahre Mons nicht widerstehen!

WAS FÜR EIN THEMA für eine Blogparade: “Wie sieht das Lernen im Jahr 2020 aus?“, angezettelt vom Nico Kirch. Obwohl die Frage auf verschiedene Felder – wie Erwachsenenbildung, Schule und berufliche Ausbildung bezogen, hat er (beispielsweise) konkretisierende Teilaspekte “im Schul-Jargon geschrieben” (da jedermann geläufig):

  • Wie sehen Klassen-Räume im Jahr 2020 aus?
  • Welche Medien werden im Unterricht genutzt?
  • Wie ist der Anteil an Frontal-Unterricht zu Gruppenarbeiten bzw. zu Web-basierten Lernformen?
  • Wie sieht das Lernen nach dem Unterricht aus?

Und da also meine  V.I.S.I.O.N.E.N. gefragt sind, kann ich ja frei von jeglichen Realitätsbeschränkungen meinen Phantasien freien Lauf lassen. Und die sehen folgendermaßen aus.

Um es zunächst kurz zu machen bzw. gleich mal klarzustellen, dass ich eine (vergleichsweise und etwas) radikale(re) Vorstellung vom Lernen 2020 habe, hier die Facts: Klassenräume sind abgeschafft, Lernen findet in unseren Lebensräumen statt, die (praktizierte) Medienvielfalt wird größer werden, Frontal-Unterricht zwar nicht abnehmen, aber in flexibleren Formen angeboten und Lernen und Unterricht werden entgrenzt, will heissen, das Wort Unterricht wird … überflüssig… und durch andere Konzepte abgelöst, allein das schon ein Schritt in die Richtung, dass Lernen (wieder) Spass macht/machen kann.

Herausforderung 1: Raum schaffen fürs Lernen

Die Frage, die sich dem einen oder der andern spontan und mit Sicherheit stellen (sein) wird, ist Folgende. Wenn nun alles entgrenzt wird, lernen zu arbeiten wird und arbeiten zu lernen, wenn es keine Klassenzimmer mehr gibt, der dieses Lernen zumindest baulich/räumlich abgrenzt, ist dann Lernen nicht im Endeffekt abgeschafft, weil “verunmöglicht”?

(Evtl.) Nein. Eine Lernermöglicherin bin ich nämlich schon heute.
Wie ihr wisst, arbeite ich ja in einer FH. Und dort hauptsächlich für Professorinnen und Professoren/Lehrende. Diese können mich “anfordern”, mit deren individuellen konkreten Fragen/Anliegen rund um (Didaktik des) eLearning. Was von den Anliegen her ganz und gar unterschiedliches sein kann. Meine Aufgabe ist dann, geforderte Auskunft zu geben, komplexere Sachverhalte, die ich nicht aus dem Stand heraus beantworten kann zu recherchieren, Möglichkeiten vorstellen, aufzeigen wie Andere Ähnliches angegangen sind. UND (jetzt kommt’s), ich fühle mich bei diesen Gesprächen ganz oft wie ein Schutzschild. Ein Schutzschild gegen andere Aufgaben, gegen andere Menschen mit Anliegen (Mitarbeiter, Studierende etc.), ein Schutzschild gegen das eigene mit etwas Anderem beschäftigen (wollen) als mit der konkreten (eLearning-)Frage. Das geht soweit, dass die Fragen, die an mich gestellt werden, von den Fragenden – über den gemeinsamen Austausch – SELBST beantwortet werden. (Was mich ehrlich gesagt immer mit größter Befriedigung erfüllt).

Wie könnte solche Lernermöglichung nun in Zukunft aussehen?
Konkret und am Beispiel. Arbeitgeber (sofern es das dann noch gibt?) stellt Mitarbeiterin zwei Wochen von anderen Verpflichtungen frei, um konkrete Aufgabe (z.B. wir wollen ein paar Videos von uns auf YouTube bereitstellen) in einem Team (evtl. mit temporär extern eingeholter Expertise) zu strukturieren und durchzuführen.
Je nach vorhandenen Vorkenntnissen und Vorwissen der Mitglieder im Team temporär z.B. unter zu Rate ziehen einer externen YouTube-Erstellungs-und-Posting-Fanatikerin, die die beauftragte Mitarbeiterin aus dem Social Web kennt und die just in der selben Stadt wohnt (was diese wiederum zufällig via Twitter in Erfahrung gebracht hat).

Nur EIN Beispiel für eine Möglichkeit, Raum fürs Lernen zu schaffen. Je kreativer ein Arbeitgeber, ein Mensch, eine Instiution (ja wer eigentlich?) und “passgenauer” (will insbesondere heißen nicht zu wenig) Raum zur Verfügung stellt, desto erfreulicher kann Lernen ablaufen, desto besser wahrscheinlich das Ergebnis. (So zumindest meine Annahme 😉 ).

Ergo:  Die Zukunft des Lernens wird uns ungewohnte Weisen der Lernermöglichung bringen.

Herausforderung 2: Struktur gestalten

Bleiben wir beim Beispiel der YouTube Videos, die (nicht nur erstellt), sondern die Mitarbeiterin/ein Team lernen soll, zu erstellen. Mit die Struktur des Lernens gestalten meine ich nun auf welchen Wege dies gelernt werden kann/verschiedene Vorgehensweisen, den Ablauf der Teilschritte. Dann welche Mittel/Ressourcen man dazu verwendet. Auch Qualitätskriterien des Erfolges. (Ist es z.B. als Erfolg zu werten, wenn das Team zu dem Ergebnis kommt, Videos wären nicht das “richtige” Mittel der Wahl?). Nicht zuletzt Fragen der Art und Weise der Dokumentation der gewonnenen Erkenntnisse.

Ist es erforderlich als “Anbieter von Lernermöglichung” Vorschlagsstrukturen bereitzustellen? Ist der erste Schritt des jeweiligen Lernens die Struktur überhaupt erst zu entwickeln/zu vereinbaren? Falls dies der Fall, eine gestaltete Struktur noch gar nicht vorliegt, bräuchte die Lernerin zumindest die Vorstellung eines Artefaktes, das als Ergebnis entstehen soll.

Ergo: In der Zukunft des Lernens wird Lernen strukturell heterogener ablaufen.

Herausforderung 3: Artefakte erfinden

Und immer noch bei unserem (zugegebenerweise 2012er-YouTube) Beispiel bleibend: Hier wäre das gewünschte Artefakt eine bestimmte Anzahl von erstellten YouTube-Videos. Artefakte, die einen Lernerfolg demonstrieren, diesen sozusagen “verdinglichen”, die teilbar, zeigbar, weiterverwertbar sind, sind in vielerlei Art und Weise vorstellbar. Es kann sich dabei um sog. “Badges” handeln.  Es könnte sich ganz traditionell 2012 um Text handeln.

Ergo: Die Zukunft des Lernens wird Artefakte erfinden, als Ergebnis und Resultate von Lernen, die uns heute anmuten mögen, wie Science Fictiton. So Science Fiction, dass (wie Lernen 2020) eigentlich nicht vorstellbar.

Ich freute mich, es zu erleben. So – oder ganz ganz anders.

Lernend im #SL #ils

Mit herzlichem Dank an den @twuertz fürs Abfotografieren! 🙂

Nachtrag:

Was mir (wieder) einmal ganz besonders gut gefallen hat, gestern in unserer Sitzung im Second Life, sind die Möglichkeiten, Aspekte die verdeutlicht werden sollen, zu visualisieren. So gestern u.a. derjenige, dass

a) der Kontext relevant dabei ist, wie eine Information ankommt
b) auch wenn Information und Kontext gleich sind, diese dennoch vom verschiedenen Empfängern anders wahrgenommen werden kann und
c) der gleiche Empfänger gleiche Information und gleicher Kontext im Zeitverlauf wiederum anders aufnimmt.

… das ganze in genialer Weise von Tobi visualisiert, von mir jetzt wieder – auch noch in abstrakter Form – vertextet. Eigentlich Unsinn. Trotzdem, … ich wollte es einfach nochmals verschriftlicht haben 😉

Nachtrag II:

bzw. Erläuterung der Visualisierung. Tobi hat uns alle auf eine Couch sitzen lassen, die uns den Blick auf zwei von ihm konstruierte Figuren hat nehmen lassen. Wir sollten unseren Assoziationen freien Lauf lassen, was die beiden denn gerade, in der Stellung, in der sie zu sehen waren, machten. Da kamen dann Gedanken wie, … 1) es sind ein Er und eine Sie und Er macht ihr einen Antrag oder 2) die beiden Ringen mit einander oder 3) die beiden heiraten gerade oder 4) Er wirbt gerade um Sie.

Tobi hat uns dann – zusammen mit den beiden Figuren – in andere virtuelle Räumlichkeiten entführt. Einmal in eine Kirche, einmal in in Mohnfeld, einmal in den/einen Ring. Also genau jene Umfelder, die wir uns vorher ausgedacht haben. Aber auch hier waren wir uns wiederum nicht alle einig. Während die eine die Szene im Mondfeld als “romantisch” und “vorehelich” wahrnahm, vermutete die andere das männliche Es (wegen Mohnfeld) unter Drogen.  Ihr seht also, wir hatten beim Lernen einigen Spass.

#SoMe via E-Mail lernen

Bildquelle. Da hat mich doch – wieder einmal – und das schon vor ein paar Tagen und via #twitter der @khpape auf etwas gar Interessantes aufmerksam gemacht:

Kompakt – Kostenlos – Kalorienarm, den Web 2.0-Führerschein der Cogneon Akademie.

In 6 Lektionen sollen der E-Mail-Abonnentin
1) Soziale Medien
2) Soziale Netzwerke
3) Wikis
4) Weblogs
5) Microblogs und
6) RSS

und das jeweils in 10 Minuten nähergebracht werden. Da horcht doch gleich die Erziehungswissenschaftlerin in mir auf…

… denn mir gefällt die Idee
-> das Themenfeld in Lernhappen zu unterteilen (Stichwort: Microlearning)
-> das Ganze zwar angeliefert zu bekommen (“push”), allerdings auf Anforderung der Teilnehmerin (“pull”)
-> die Taktung/absehbare Länge der Einführung.

… was mir spontan nicht so zusagt ist
-> dass die “Lektionen” per E-Mail angeliefert werden (Alternative: Mobile Learning?)
-> dass das Konzept – zunächst – nach Teilnehmerpassivität klingt, also – bisher – nichts darauf hindeutet, dass die Teilnehmerin nach Empfang des 10-Minuten Happens aktiv werden könnte/sollte.

Ich habe mich auf jeden Fall einmal eingeschrieben, würde mich freuen, wenn der eine oder die andere auch am Experiment teilnähme (wie wäre es damit, Jasmin? 😉 ) und werde – wie immer – über Erkenntnisse berichten.

Ein schönes Restwochenende euch allen wünscht

die mons7